Bevor sich die Zeiten ändern! - Teil 4

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Irgendwie war Österreich seit Mitte/Ende der 1990ern bei mir vom Radar verschwunden. Nach den beiden größeren Touren im Jahr 1987 war so das Gefühl aufgekommen, dass man nun doch schon „alles soweit hatte“. Der Fall des Eisernen Vorhangs eröffneten neue Möglichkeiten und im gleichem Maß nahm die Rolle des südlichen Nachbarn, mit seinen Grenzbahnhöfen zu Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien, als Fenster in den Ostblock ab. Auch ansonsten begann der Flair zu bröckeln, der lange noch getragen war von Sandbahnsteigen auch an Hauptstrecken, alter Infrastruktur und beschaulichen Nebenbahnen. Und so blieb es bei vereinzelten, raren Tagesausflügen, meist aus Anlass des baldigen Verschwindens einer Baureihe oder einfach nur so, spontan und unvorbereitet. Die aus der letzten Variante heraus resultierende Erfolglosigkeit, verfestigte den Eindruck, dass die Eisenbahn in der Alpenrepublik ihren Reiz eingebüßt hat und spätestens nach Taurus und Modernisierung, nurmehr Eintönigkeit und Betonflut herrschen.

So verpasste ich auch, meist recht geräuschlos, die Abschiede altbekannter Baureihen und diverser Exoten wie den einst allgegenwärtigen 4030ern, mit all ihren Unterbauarten, den 2043/2143, den 1822 oder 1012 und 1014. Um nur mal einige der wichtigsten ÖBB Baureihen aufzuzählen. Würde man genauer ins Detail gehen, wären es ungleich mehr und dabei die Typen von Nachbar- und Privatbahnen noch gar nicht erst erwähnt.

Jetzt, im Jahr 2026, nähert sich nun der Zeitpunkt, an dem auch die letzten Vertreter der Reihe 4020 endgültig von den Schienen verschwinden sollen. Also einer Baureihe, die damals in den 80ern neu war und die die schönen, urigen 4030er so langsam aus dem Dienst drängte. Die dafür sorgte, dass die Schnellbahnvariante 4030.2, von weitem schon erkennbar an Lackierung und Scharfenbergkupplung, aus ihrem angestammten Revieren in und um die Hauptstadt vertrieben wurden, raus in den schnöden Regionalverkehr auf dem flachen Land. Damals hässlich kantig und modern, heute in ihrer Formensprache im Vergleich zu den aktuellen Plastikbahnen schon fast wieder kultig. Sonores brummen der Tatzlager anstatt dem nervigen Quietschen der Drehstromer.

Und wieder ist der Niedergang einer Baureihe an mir vorübergegangen und fast hätte ich das Ausscheiden der letzten Exemplare verpasst. Aber eben nur fast. Denn noch einige wenige treiben sich bis Sommer diesen Jahres auf den Schienen rund um die Hauptstadt Österreichs herum.

Schwierig ist nur die Frage, wo genau? Auf welchen Linien, zu welchen Zeiten, durchgängig oder in der HVZ, nur werktags oder auch an Wochenenden? Und wo gibt es Stellen, an denen man auch vernünftig Bilder machen kann?

Ein Post auf Social Media bringt dann endlich einen Hinweis zumindest auf ein verlässliches Einsatzgebiet. Auf der Linie von Wien nach Tulln und weiter nach St. Pölten gibt es wohl 4020er, regelmäßigen Verkehr und Landschaft. Und die bevorstehenden Wochenfeiertage im Mai bieten zudem ein günstiges Zeitfenster.

Schnell ist ein Plan erstellt, idealerweise verbunden mit einem geschäftlichen Besuch in St. Pölten und dem Einlösen eines Mittagessensversprechens mit einer dort ansässigen Geschäftspartnerin. Ideal, zwei Punkte gleich perfekt kombiniert. Denn schon mal vor Ort habe ich dann Zeit, den Rest des Tages und die darauffolgenden vier optimal zu nutzen. Neben Wien stünde dabei noch die ein oder andere Stelle auf der Aspangbahn auf dem Programm.

Nachdem alles sich so aufs Ideale zusammengefügt hat, spielt nur mal wieder einer nicht mit. Pünktlich mit dem Start des langen Wochenendes soll sich nämlich das Wetter radikal ändern. Von Sonnenschein auf Dauerregen. Der Wettergott hat es so beschlossen.

Um es mit den Worten eines unsterblichen Brotes zu sagen: MIST!

Trotzdem wird die Kamera aber mal mitgenommen. Vielleicht geht ja am Nachmittag das ein oder andere Foto.


Mittwoch, 13.05.2026

Morgens in der Oberpfalz gestartet, bin ich mehr als pünktlich in St. Pölten. Das folgende Essen ist lecker, der Gesprächsstoff geht nicht aus und so bleiben wir länger sitzen, als ich ursprünglich gedacht habe. War richtig schön, aber zusammen mit der nun noch anstehenden Fahrt nach Tulln ist es bei der Ankunft im Zielgebiet nun deutlich später als erwartet. Und auch die Sonne steht schon kritisch, was, zusammen mit den teils sinnlosen Zufahrtsbeschränkungen zu den die Eisenbahn querenden Straßen, die Standortauswahl schwierig und etwas grenzwertig macht. Immerhin werd ich nach etwas hin und her bei Muckendorf an der Donau fündig.

Schon bei der Anfahrt habe ich gesehen, dass die REX auf dieser Linie wohl durchweg mit 1144 bespannt sind. Ein Umstand, der mich freut, sind doch die ehemaligen Flaggschiffe der ÖBB, aufgrund der heftigen Lüftergeräusche auch als Heuler oder Alpenstaubsauger bekannt, nun schon seit Jahren ebenfalls auf dem Rückzug.

So, aber jetzt, nach so viel Vorrede und Anfahrt nun, um kurz nach 16.00 Uhr Ortszeit, endlich zur ersten bildlich festgehaltenen Zugfahrt.




Von Krems/Donau kommend, schiebt 1144 098 den REX 2845 nach Wien FJB.





Das erste Bild war aus der Hüfte heraus, da ich gerade erst angekommen und dabei war, die Kamera auszupacken. Für die nächsten Zugfahrten geht es immer auf den gleich anschließend befindlichen Lärmschutzwall. Da die Sonne aber ordentlich brennt, setze ich mich zwischen den Zügen lieber wieder unten ins im Schatten geparkte Auto. Ein Umstand der jedesmal einen Alarmstart mit Sprint von Nöten macht. Verbunden mit einer veritablen Zerrung in der Wade, als ich einmal meine Stelzen wohl zu schnell in Rotation bringe.




Diesmal ist es 1144 mit REX 2173, die mich in Richtung Hauptstadt passiert.





Ja, ganz nett, die 1144 er, die es hier auf dieser Linie, und in der beginnenden HVZ wohl in ansehnlichen Mengen, gibt. Aber eigentlich bin ich ja hier wegen den „Fernsehern“, wie die 4020er wohl von einigen österreichischen Eisenbahnfans betitelt werden. Und da lässt sich im nahen Haltepunkt auch schon die Front eines solchen erblicken, um wenig später, Steuerwagen voraus auf mich zuzukommen. Und schau, es handelt sich sogar um eine Doppeltraktion.




Nach dem Stopp im nahen Haltepunkt, beschleunigen 4020 303 und 307 aus Muckendorf an der Donau heraus in Richtung Tulln. Ziel der S40 (21242) ist St. Pölten.





Schwer „verziert“ zeigt sich 4020 037.





Bingo! Da haben wir doch die ersten, letzten Vertreter der Zielbaureihe auf dem Chip verewigt. Weiter geht es wieder mit Regionalzügen, die, um der Langeweile vorzubeugen, immerhin mit unterschiedlichen Wagenzusammenstellungen unterwegs sind.




Nicht viel Mühle hat 1144 036, um die drei Wagen des REX 2176 nach Tulln zu bringen.





Ein Wagen her hat 1144 219 zu befördern. Nächster Halt für den REX 2846 ist Tulln Bahnhof.
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Zwei Doppelstöcker und als Steuerwagen ein „neuer Schlieren“ bzw. „langer Schlierenwagen“, so wie die Inlandsreisezugwagen in Österreich auch manchmal betitelt werden. Keine Herausforderung für 1144 263.





Große Wechsel sind aufgrund des Sonnenstandes leider nicht möglich, da das Licht bei der Streckenausrichtung andernorts noch achsiger wäre. Also gehe ich wenigstens ein Stück in die nahe gelegene Wiese, bevor auch dort das eh schon karge Seitenlicht verschwindet.




Und der nächste Zug in Richtung Donaumetropole. Steuerwagen voraus geht es für 1144 111 und dem REX 2847 nach Osten.





In Gegenrichtung ist dagegen 1144 239 unterwegs.





Zeit für die nächsten S-Bahnen. Wie Scotty, die Fahrplan App der ÖBB verrät, steht nun von Tulln her kommend ein Talent an. Erkennbar ist dies am Vermerk „Niederflurfahrzeug“. Bei der Leistung in Gegenrichtung fehlt dieser, was auf einen 4020er hoffen lässt.




Nächster Halt Muckendorf/Donau-Wimpfling für 4024 095-3. Ziel der S40 (21251) ist Wien Heiligenstadt.





Auch 4020 312-7 ist mit dem Steuerwagenteil voraus unterwegs. Unterwegs ist das rund 40 Jahre alte Fahrzeug als S40 (21244) nach Tulln Stadt.










So, jetzt heißt es hier zusammenpacken und abrücken. Die Möglichkeit der Motivvariation ist beschränkt und die Sonne nun endgültig rausgedreht. Leider zeigt ein Blick auf das Satellitenbild, dass die Strecke erst kurz vor dem Bahnhof Tulln einen nennenswerten Bogen macht, dort aber der Blick auf die Gleise verbaut ist. Trotzdem will ich mir es mal anschauen. Schon alleine, weil es keine andere Option gibt. Und vielleicht geht ja im Bahnhof was.

Nun, wie schon befürchtet ist der Bahnhof und sein Umfeld eine mastdurchwachsene Betonwüste. Dass die S-Bahnen dann auch noch auf den vorderen Gleisen halten, macht es nun zusätzlich auch nicht besser. Ich humple, man denke an die lädierte Wade, mal hier hin, mal dahin, alles erfolglos. Also rücke ich nach einer Standardaufnahme eines einfahrenden Talents und dem Einkauf in einem recht versteckten Backshop wieder ab.




S40 (21248) von Wien nach St. Pölten erreicht den Bahnhof Tulln. Gebildet wird der Zug durch 4024 102-7.





Die Idee ist nun, mich für die nächste 4020er Leistung am Haltepunkt Langenlebarn aufzustellen. Zwar wird die Sonne auch dort noch nicht wirklich auf der anderen Gleisseite sein, aber ein Nasenschuss sollte sich ausgehen. Und bei zum Tode geweihten Fahrzeugen ist die Bereitschaft zu Kompromissen immer etwas höher.




Langsam rollt der rot-graue 4020 313-5 in die Station Langenlebarn. Auch wenn er rund 40 Jahre auf dem Buckel hat, macht er neben dem modern gestalteten Haltepunkt doch eine gute Figur. Nächster Halt für die S40 (21248) ist dann Tulln Bahnhof.





Ein Blick auf die „Geburtsurkunde“ verrät das Alter. Genau vor 40 Jahren erblickte der Steiermärker im SGP Werk in Graz das Licht der Eisenbahnwelt.





Für den nächsten REX verschieb ich mich wieder etwas in Richtung Tulln. Den ersten Bahnübergang kann man problemlos mit dem Auto anfahren. Dafür hängt eine Lärmschutzwand im Bild und der Eingang des Fliegerhorstes ist gleich gegenüber. Weiß nicht, ob man da auf Dauer entspannt mit einem Fotoapparat herumturnen kann, in diesen Zeiten.




Ohne Halt passiert 1144 094 den Haltepunkt Langenlebarn. Ziel des REX 2124 ist Absdorf-Hippersdorf.





Auf der Anfahrt war mir übrigens ein Containerzug entgegengekommen. Hätte nicht gedacht, dass bei dem engen Personenzugtakt hier auch Güterverkehr über die Trasse rollt.

Der zweite Bahnübergang auf dieser Ortsseite liegt schon etwas außerhalb und kann aufgrund der üblichen Zufahrtsbeschränkung von mir offiziell nur angelaufen werden. Also parke ich so gut es geht mein Auto auf dem Wiesenstreifen zwischen Weg und Feld, schultere meinen Rucksack, Kamera in die linke Hand, Colakiste zum Draufstellen in die rechte und los geht’s.

Auf dem Weg schon mal einen Schuss auf den nächsten, mit einer 1144 bespannten, Personenzug.




Diesmal ist es 1144 219-3, die mit dem vierteiligen REX 2853 nach Wien FJB unterwegs ist.





Nach der Wende in Tulln/Donau Stadt, ist es nur drei Minuten später 4020 313-5, der als S40 (21257) wieder auf dem Rückweg nach Wien-Heiligenstadt ist.





Und wieder nur wenige Minuten später, erscheint mit 4020 294-7 der nächste Oldie auf der Bühne. Bei S40 (21250) handelt es sich um einen Durchläufer in die Niederösterreichische Hauptstadt St. Pölten.





Kurz danach der Beweis, dass sich die ÖBB mit dem Taurus wirklich den alten Eisenbahnertraum von einer Universallok erfüllt hat. Ob allerdings der Einsatz der 1116 067 vor dem kurzen Nahgüterzug wirklich wirtschaftlich ist, darf zumindest angezweifelt werden.





Nach dem Bild und einem Wechsel des Akkus packe ich wieder meine sieben Sachen und marschiere den Weg entlang der Eisenbahn in Richtung Tulln. Ich würde gerne den Höhenzug im Hintergrund etwas mehr aufs Bild bringen. Es ist das nordliche Ende des Wienerwalds, welcher seinerseits den östlichen Ausläufer der Nordalpen bildet.

Als erstes kommt wieder ein REX daher und aus der Gegenrichtung nähert sich erneut ein Containerzug. Der bleibt allerdings unfotografiert, denn die Sonne steht so spitz, dass ein Foto keinen Sinn macht. Schon gar nicht, bei einer gewöhnlichen, silbernen Traxx *zwinker*.




Mit dem REX 2180 ist 1144 239-1 wieder auf dem Weg nach Westen. Ziel des Zuges ist Absdorf bei Tulln.





Und wieder ein Heuler. Dieses Mal ist es die 1144 240 -9, also die nummermäßige Nachbarin, die mit REX 2854 nach Krems unterwegs ist.





Und da aller guten Dinge drei sind, nehmen wir doch 1144 229-2 auch noch mit. Vor wenigen Minuten hat sie Tulln/Donau Bahnhof mit dem REX 2855 in Richtung Wien FJB verlassen.





Zugegeben, die ursprüngliche Begeisterung über den regen Einsatz der 1144 weicht mittlerweile einem gewissen Gefühl der Monotonie. Schon schlimm diese Eisenbahnfotografen, nie kann man es ihnen recht machen.

Aber gottlob steht ja nun wieder etwas Abwechslung an, kündigt doch Scotty für die nächste S-Bahn ein nicht niederfluriges Fahrzeug an.




Noch blau-weiß und unbeschmiert rollt 4020 279 als S40 in Richtung Hauptstadt.





Dann steht auch schon wieder der nächste REX an. 19556 ist es, mit Ziel Absdorf-Hippersdorf und gezogen von 1144 101-3.





Man könnte ja auch die Kamera mal unten lassen und nicht draufhalten, wenn man sieht, dass wieder so ein Teil mit seinen Bullaugen naht. Aber was, wenn es eine ist, die noch nicht im Archiv verewigt wurde? Wer weiß, ob sie einem nochmal vor die Linse fährt, bevor Bagger an ihr reißen und Schneidbrenner sich durch ihren Leib fressen!

Also tapfer bleiben und weiter machen.

Zuvor kommt aber noch die nächste S-Bahn. Diesmal wieder mit Talent. Der Reihe, die bereits kräftig mitmischt und die spätestens im Juni die Leistungen komplett übernehmen wird.




Nur bis Tulln/Donau Stadt geht es für 4024 096-2 als S40 (21252].





Schlag auf Schlag geht es im abendlichen Berufsverkehr und im engen Takt bringen Züge die Pendler nach Hause ins weitere Umland der Metropole Wien. So passiert 1144 098-1 an diesem Nachmittag schon zum dritten Mal den Fotografen. Mit dem REX 2128 geht es diesmal nach Absdorf-Hippersdorf.





Schon am Rückweg zum Auto, als letztes Bild des Tages, 1144 281-3 mit dem REX 2856 nach Krems/Donau.





Plan war heute heimzufahren. Übernachten macht eigentlich keinen Sinn, wenn in wenigen Stunden das Wetter kippen soll. Auf der anderen Seite bin ich durch den langen Tag mit viel Fahrerei rechtschaffen müde. Und mal hochgerechnet, bin ich vor 23.00 Uhr nicht zuhause. Das auch nur, wenn nichts schief läuft und ohne Essen.

Nach einigem hin und her überlegen, geht es via booking dann doch auf die Suche nach einer Unterkunft. Um die Uhrzeit und in dieser Ecke gar nicht so leicht. Schließlich werde ich in St. Pölten fündig. Passt ganz gut, denn damit hab ich schon ein paar Kilometer in Richtung Heimat gemacht und sollte es morgen doch nochmal Wetter geben, wonach es zwar nicht aussieht, wäre ich taktisch richtig platziert.

Im Hotel angekommen wird schnell eingecheckt, eine Essensempfehlung eingeholt und in Richtung Gaststätte gehumpelt.

Genau dass, was ich jetzt gebraucht habe. Ein frisches Bier und ein Schnitzel mit Salaten. Perfekt.

Zurück geschleppt mit meinem schmerzenden Bein, liege ich bald darauf im Bett und schlafe selig. Lieber würde ich zwar jetzt ein ganzes Stück weiter östlich schnarchen, aber was willste machen.


Donnerstag, 14.05.2026

Kein Zweifel, das angekündigte schlechte Wetter hat sich heute Nacht lautlos herangeschlichen und die Welt in ein trübes, farbloses Nass getaucht. Warum stimmen eigentlich die Prognosen bei zu erwartendem miesem Wetter zu 99%, während sich Aussagen zu beständigen Sonnenphasen meist kurz vor Tourantritt verflüchtigen?

Also nicht, dass ich jetzt ernsthaft etwas anderes erwartet habe, aber etwas getrübt ist die Stimmung schon, als ich mein Standardübernachtungshotelfrühstück vom Plastiktablett mümmle.

Drinnen splittrige Aufbacksemmeln mit Standardbelag aus dem Blister, draußen nichts als feiertägliche Stille und Tristesse.

Trotzdem dreh ich mal kurz ne Runde mit dem Auto durch die Stadt, getreu dem Motto „wenn man schon mal hier ist“. Der Hauptbahnhof in Hochlage schreckt schon von Weitem durch seine großzügige Ausstattung mit grau betonierten Flächen ab. Also geht es ohne Halt weiter in Richtung Alpenbahnhof. Auch dort hat sich einiges verändert. Gut, nach rund 40 Jahren seit dem letzten Besuch nun auch nicht wirklich überraschend. Einmal die moderne Halle halb umrundet, grüßt eine über 100jährige zu mir herüber. Etwas an den Rand gedrängt steht sie da und muss natürlich sofort abgelichtet werden.




Nicht mehr den allerbesten Eindruck macht die mittlerweile über 110 Jahre alte 1099 013-3. Und auch die Abstellung ganz am Ende eines Gleises im Betriebshof St. Pölten Alpenbahnhof nährt nicht unbedingt die Hoffnung auf einen baldigen Wiedereinsatz.





Ein Blick zuhause ins Archiv offenbart übrigens, dass wir beide, also die nette alte Dame und ich uns bislang noch nicht begegnet sind. Mit einigen ihrer Schwestern dagegen hatte ich in der Vergangenheit schonmal das ein oder andere Tête-à-Tête.

Während ich noch einen Blick auf das braune Eisenbahnurgestein werfe, rollt weiter hinten der Nach-Nachfolger heran. Ein güldener Triebzug mit dem marketiggestylten Namen Himmelstreppe. Es ist eigentlich immer noch kein Fotowetter, aber wie erwähnt, wenn man schon mal da ist.

Recht unvorbereitet stürze ich mich wieder auf die Straße, frei der Nase nach und keinen Plan, ob man wo stehen kann, wie es dort aussieht und ob man überhaupt jemals rechtzeitig wieder an die Strecke kommt. Überraschenderweise gelingt es und so gibt es tatsächlich nochmal ein Foto am heutigen Morgen. Und, es hätte schlechter werden können.




Mit der Himmelstreppe in die Wolken. ET 9 als R 6811 auf dem Weg in den Wallfahrtsort Mariazell. Dazu muss der schmalspurige Triebzug auf 84 km Streckenlänge 600 Höhenmeter klettern.





Die Strecke wäre es eigentlich auch Wert, mal wieder besucht zu werden. Fotomöglichkeiten gibt es genug und auch landschaftlich ist bei rund 80 km Streckenlänge und Anstieg in Richtung Berge genug geboten. Wenn nur die Fahrzeuge etwas spannender wären.

Ich schaue mich nochmal kurz in der Peripherie des Alpenbahnhofs um, ist doch dort hinterhalb auch ein Waggonwerk der ÖBB. Zudem führt die Bahn nach St. Aegyd bzw. Hainfeld vorbei. Dort bewegt sich aber gerade kein Rad und mein Antrieb zu warten, ist bei dem Wetter auch nur minimal.

Also ab auf die Westautobahn und in Richtung Heimat. Halt! Ganz so einfach ist es nicht. Schließlich habe ich noch eine Mission zu erfüllen. Eine Kulinarische! Denn es ist Spargelzeit. Und wie schon mal in einem der vorherigen Berichte erwähnt, besorgen Freunde von mir und ich uns immer, wo sich die Gelegenheit bietet, frischen Spargel direkt vom Bauern. Und österreichisches bzw. genauer oberösterreichisches Stangengemüse hatten wir bislang noch nicht auf dem Teller. Also geht es hinter Linz runter von der Autostrada und ab über Land, wo ich dann auch kurz danach fündig werde.

Auch die ein oder andere Fotostelle an der Hauptstrecke hab ich dabei gesehen, aber wie gesagt, bei dem Licht. Also lass ich es lieber. Zumindest, was die Hauptbahn angeht. In Sachen Stern & Hafferl werd ich dann aber doch schwach. Zwar will ich hier nochmal gezielt her, Stichwort Ablösung der GTW durch Tramtrain, aber ob und wann das klappt? Also doch schnell die Gelegenheit genutzt und Bilder verfertigt. Quasi auf der Durchreise.

Und was soll ich sagen, ganz leicht spitzt sogar mal die Sonne durch die Wolken. Leider nur halt nicht dann, wenn die Züge rollen.




Ab dem Jahr 2000 hatten die GTW aus dem Haus Stadler die bis dahin eingesetzten Vorkriegstriebwagen und die ehemaligen Kölner Fahrzeuge auf den Strecken rund um Eferding abgelöst. Nun kündigt sich mit den bestellten Tram-Train, geliefert vom selben Hersteller, eine neue Fahrzeuggeneration an, die die bisherigen Triebzüge ergänzen bzw. verdrängen wird. Noch rollen aber die GTW uneingeschränkt, so wie hier 22 151, der nach seinem Halt in Fraham als S5 (8031) weiter in Richtung Eferding fährt.





Pünktlich zu den Eisheiligen macht der Frühling Mitte Mai eine Pause. Unbeeindruckt davon macht sich 22 156 als S 5, unter der Zugnummer 8036, auf dem Weg nach Linz Hbf.





Kurz noch in Eferding vorbeigeschaut, ein Blick an dem kein Weg vorbeiführt. Und diesmal sogar im doppelten Sinn. Will ich doch via Donautal nach Passau fahren und da geht es direkt am Bahnhof vorbei.

Recht aufgeräumt sieht es hier aus. Außer den in Feiertagsruhe schlummernden GTW’s in der überdachten Abstellung, lungert nur noch E20 007 vorm Lokschuppen herum.




Feiertagsruhe für eine 70-jährige. 1956 von SGP in Graz gebaut, ist E20 007 zwar die jüngste aller elektrischen Lokalbahnmaschinen der StH und mit ihren 460 kW Leistung mit Abstand auch die Stärkste. Aber Achtung, Funfact: Die eingesetzten Stadler GTW haben mit 520 kW noch mehr Bums unter der Haube.





Das wars dann auch schon wieder mit dem erzwungenermaßen kleinen Ausflug ins Nachbarland. Viele Chancen bleiben in den nächsten Wochen nicht mehr, die 4020er noch im aktiven Dienst zu erleben. Aber mal schauen, vielleicht ist mir der Wettergott doch nochmal gnädig und ich kann noch ein paar Tage bei Sonne ins verbliebene Zeitfenster rein quetschen.

Das schöne Donautal zwischen Schlögen und Passau passiere ich bei heftigen Regen und kein Kreuzfahrer ist zu sehen. Schade!

Der Rest ist dann nur noch aussitzen. Etwas mehr als zwei Stunden später hat uns Tiefgarage und Sofa wieder und es beginnt die Arbeit am Computer und das „was wäre gewesen wenn“.