Güterzug-Revival am Gotthard
Von Pascal Zingg
Die Gotthard Bergstrecke war unter den Eisenbahnfans einst als der heilige Berg bekannt. Dieser Mythos hat jedoch mit der Eröffnung des Basistunnels vor zehn Jahren arg gelitten. Schliesslich ist der Verkehr seither äusserst monoton geworden. Konkret sind es nur mehr der stündliche Traverso und das Gotthard-Panorama-Express-Zugpaar, die die Motive durchfahren. Will man Güterzüge sehen, muss man darauf hoffen, dass der Kieszug von Hüntwangen nach Bodio vorbeikommt. Da die Kieszüge die letzte Bastion der Re 6/6 sind, wäre dieser durchaus ein Foto wert. Wann er jedoch genau fährt, blieb mir bisher verborgen. Für Abhilfe in dieser Monotonie sorgt ausgerechnet die Konkurrenz der Strasse. Da ein Teil des Aushubes der zweiten Gotthard-Strassenröhre bei Flüelen in den Urnersee gekippt wird, verkehren aktuell Aushubzüge auf der Achse Flüelen – Airolo – Göschenen. Die Züge verkehren über den ganzen Tag verteilt ungefähr in einem Zwei-Stunden-Takt. Da zwei Züge im Umlauf sind, kreuzen sie sich jeweils auf der Strecke. Da die Offerte der SBB offenbar zu teuer war, führt Trans Rail die Züge. Bespannt waren sie in meinem Fall von zwei BR 186, die man von Akiem gemietet hat. Die Loks sind am Gotthard nicht unbekannt, fuhren sie doch einst für Crossrail, ehe sie SBB Cargo bis letztes Jahr vor der RoLa einsetzte.Da die Züge in regelmässigen Abständen verkehren, kann man sich gut an den altbekannten Motiven breit machen. So zum Beispiel am Feldherrenhügel in Wassen. Hier musste ich kurz nach acht jedoch feststellen, dass es knapp mit Licht würde und die Front auch noch nicht richtig ausgeleuchtet war. Da der Zug rund 15 Minuten Verspätung hatte, klärte sich aber immerhin der Punkt mit der Sonne.
Weil ein Zwei-Stunden-Takt wenig Stress bedeutet, ging es nun erst einmal zum Volg für den Einkauf des Frühstücks, dann ging es runter nach Erstfeld zu einer weiteren Stelle. Leider machte mir der Landbesitzer dort freundlich aber bestimmt klar, dass die Wiese privat sei und ich dort nicht bleiben konnte. So musste ich mich an einem anderen Klassiker rund 200 Meter weiter in Richtung Silenen aufstellen.
Interessanterweise folgte nach dem Zug um acht und jenem um zehn der nächste bereits um 11 Uhr. Da die Stellen am Gotthard jedoch bekannt sind, führte auch das nicht zu Stress. So stand ich bereits einige Minuten später in Amsteg an der bekannten Stelle mit der Kirche.
Weil es nun wieder zwei Stunden bis zum nächsten Zug ging, wollte ich hoch nach Wassen. «Dank der Kehren sollte der Gegenzug im Bahnhof eigentlich gut umsetzbar sein», dachte ich mir. Dabei hatte ich die Rechnung ohne den Bergfahrer gemacht. Da beide Züge genau vor mir auf dem falschen Gleis (es fuhren beide rechts) gekreuzt haben, wurde nichts aus diesem Bild. Stattdessen kam wenig später ein Bauzug vorbei.
Nach rund einer halben Stunde gab es auch noch RABe 526 126 zu sehen.
Nun war es wieder Zeit für einen Boxenstopp im Volg. Nachdem ich mich mit Eiscreme und kühlen Getränken eingedeckt hatte, ging es runter nach Gurtnellen, wo der nächste Aushubzug festgehalten wurde.
Kaum abgelichtet, gings zurück nach Wassen. Es stand nun der Klassiker in der Wattingerkurve an. Bevor sich da etwas tat, dauerte es jedoch wieder eine Weile, so dass ich erst einmal den Schatten in der nahen Autobahnunterführung genoss. Dabei war immer wieder zu hören, wie die Autos und Lastwagen über mir im Schritttempo anfuhren. Einmal mehr hatte sich an diesem Nachmittag der berüchtigte Gotthardstau gebildet. Wer genau hinblickt, erkennt diesen auch auf den nächsten Bildern. Auf der Bahnstrecke setzte der GoPEX mit der Re 420 161 ein erstes Ausrufezeichen.
Kurze Zeit später folgte ein weiterer Treno Gottardo.
Danach ging es nochmals eine knappe Stunde in den Schatten, ehe der nächste Aushubzug vorbeikam.
Anders als am Morgen kreuzten die Züge diesmal nicht in Wassen, so dass sich auch der Gegenzug ablichten liess.
Als letztes hatte ich mir nun noch eine Stelle bei Gurtnellen herausgesucht. Kaum angekommen, gab es auch hier einen Traverso zu sehen.
Für den Güterzug wollte ich anschliessend etwas erhöht stehen. Dies war bei der Eröffnung des Basistunnels vor zehn Jahren noch möglich. Wie sich zeigte, waren inzwischen jedoch zwei Bäume ins Motiv gewachsen. So musste der Aushubzug auch von unten abgelichtet werden.
Da an das Lich auf der Nordrampe auf Grund der hohen Berge schnell einmal weg ist, sah ich keine Möglichkeit mehr den nächsten Zug gescheit festzuhalten. So ging es an die Standardstellen bei Brunnen und Steinen. In Brunnen stand ich dabei nur etwa 30 Minuten, wobei der Verkehr mit drei Güterzügen sehr ordentlich war.
Da ich nun einen Stahlzug nach Gerlafingen erwartet, wechselte ich nach diesem Bild nach Steinen. Die Entscheidung sollte ich nicht bereuen, kam der Stahlzug doch mit Huskies-Lok.
Wie ich schnell merkte, stimmte der Mix der Lokbeklebungen an jenem Abend. So wurde ich auch in der Folge nicht enttäuscht.
Wer genau hinschaut hat bestimmt bemerkt, dass meine Position beim letzten Zug nicht mehr die gleiche war. Auf Grund der Schattensituation musste ich mich nämlich verschieben. Dabei war klar, dass der GTS-Zug im büchsigen Licht der letzte Schuss des Tages war. Zufrieden ging es deshalb wieder nach Hause.



















