Bevor sich die Zeiten ändern! - Teil 3

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Strenggenommen und chronologisch korrekt hätte dieser Teil eigentlich die Nummer 1 tragen müssen. Ist doch diese Tagestour die erste, die unter dem Jahresmotto „Abschiede und Veränderungen im Jahr 2026“ gestartet wurde. Nur, dass mir zu dem Zeitpunkt die Idee noch nicht kommen war und mir auch erst nach dem Erstellen der bisherigen Teile bewusst wurde, dass eigentlich an diesem 11.04.2026 schon alles begann. Aber wie schon Alf so treffend sagte: „Es ist niemals zu früh und selten zu spät!“. Also erklären wir Teil 3 einfach zu Teil 0,5 und starten in den Tag.


Samstag, 11.04.2026

Jedes Jahr aufs Neue bietet die Zeit von Spätherbst bis Frühlingsstart nur wenig Grund, die Kamera zu schnappen und hinauszuziehen. Ja klar, wenn die Landschaft weiß erstrahlt und es blau vom Himmel lacht. Lebt man allerdings in einer, mittlerweile durch die Folgen des Klimawandels, eher schneelosen Gegend und ist zudem die genannte Zeitspanne überwiegend auch noch durch grauen Himmel geprägt, bleibt der Fotoapparat meist im Rucksack und dafür der Fernseher an. Oder man steckt seine Nase in diverse Fachzeitschriften. Beides führt bei intensiver Anwendung dazu, dass die Ziele, die man das anstehende Jahr unbedingt ansteuern möchte, immer mehr werden und die Lust endlich Bilder zu machen, stärker und stärker steigt.

Bei mir war der Siedepunkt in Sachen „Drang zu Ausflügen“ Mitte April endgültig erreicht. So gab es an diesem Samstag auch kein Halten mehr, als der Wetterbericht einen zumindest weitestgehend sonnigen Tag versprach.

Das potentielle Ziel war auch schnell gefixt, hatte ich doch auf youtube eine kurze Reportage gesehen, die sich um die Anlieferung eines neuen Stadlerzuges bei den Geraer Straßenbahnen drehte. Denn eines war damit klar, werden neue Fahrzeuge geliefert, müssen alte weichen. Und im Fall Gera wären dies die Tatra KT4 und deren Umbauten.

Und da ich bekanntermaßen ältere, kantige Charakterköpfe den rundgelutschten, neuen Kunststoffvarianten vorziehe, wird es nicht verwundern, dass ich mich mit Begeisterung, dafür aber ohne großen Plan, aufmachte.

Doch, einen Plan hatte ich schon: Nämlich bei der Gelegenheit nochmal ein Bild vom IC1 auf der Mitte-Deutschland-Linie aufzunehmen. Diesmal von der Brücke am ehemaligen Betriebswerk in Gera aus.

Mit dessen Ankunftszeit als Sollzeit für Gera gings dann auch los. Und was soll ich sagen, ganz gegen meine sonstige Gewohnheit, war ich so zeitig dran, dass ich sogar noch kurz einen Zwischenstopp an der Güterzugstrecke in Richtung Tanklager Lederhose machen konnte, leider ohne passenden Zug, und auch in Gera noch jede Menge Zeit hatte, um entspannt auf den IC zu warten.

Los ging der Fototag dann aber dem Bilder einer alten Bekannten, zu der es auch eine nette Story gibt. Damals noch in Diensten von DB Cargo, hatte die Lok einen italienischen Militärzug bespannt. Den Zwischenstopp in Weiden hatte ich ausgenutzt, um schnell zum Bahnhof zu laufen und selbigen abzulichten. War doch die 093 damals eine der ältesten Ludmillas, die noch für die DB Tochter liefen und zudem trug sie auch noch ihre RAILION Beschriftung auf der Seite.




Über einen Tag auf die Weiterfahrt warten, mussten die Insassen des italienischen Militärzuges 08.06.2019 im Bahnhof Weiden. Vielleicht der Grund, warum das Personal in Oliv so dünnheutig auf die Anwesenheit der örtlichen Fotografen reagierten.





Kaum waren die ersten Bilder im Kasten, stürmte auch schon ein kurzbeiniger Uniformierter wild gestikulierend auf mich zu. Gefolgt von seinem, in gebührendem Abstand hinterhermarschierenden, Adlatus. Mächtig in Positur geworfen und mit gebieterischer Stimme, übergoss er mich mit einem italienischen Redeschwall, durchsetzt von einigen Brocken Englisch, mittels dem er mir befahl, alle eben gemachten Bilder unverzüglich zu löschen.

Da ich sichtlich nur wenig Neigung zeigte, mich weder seinen Befehlen zu fügen und noch mich seiner, mir gerade mal bis zu den Schultern reichenden Erscheinung zu beugen, schickte er besagten Adlatus aus, umgehend die hiesige Polizei zu holen und mich durch verstärkte Autorität zu einem diesbezüglichen Tun zu zwingen.

Die Minuten vergingen, in der ich mit den Auszügen diverser italienischer Opern überschüttet wurde, bis der Adjutant, sichtlich stolz auf den erfolgreich umgesetzten Auftrag, und ein eher gelangweilt dreinschauender, Oberpfälzer Bundespolizist auf der Bühne erschienen. Nach weiteren, mit viel Inbrunst vorgetragenen italienischen Arien und einer deutlich kürzeren Oberpfälzer Konversation meinte der Polizist bittend, ob ich nicht die Bilder einfach löschen könnte, damit endlich Ruhe sei.

Gut, ich hätte es nicht tun müssen, was ich auch klar, mit dem Hinweis auf öffentlichen Raum, zum Ausdruck brachte. Aber wenn man schon eine Kamera mit zwei Speicherkarten hat, dann kann man ja mal großzügig sein. Der kleine Opernstar war zufrieden, es kehrte Ruhe ein und er war soweit besänftigt, dass er sich sogar noch zur generösen Erlaubnis verstieg, dass ich den Zug ja auf der Strecke, mit seiner Erlaubnis versteht sich, nochmal fotografieren könnte.

Auch wir verließen nun den Schauplatz dieses aufregenden Geschehens der Welt- und Sicherheitspolitik und als ich das Geheimnis der beiden Speicherkarten verriet, halte der Bahnsteigdurchgang vom Lachen des Uniformierten neben mir wider.

Nach dieser Anekdote und dem Ausflug in die Vergangenheit nun aber wieder zurück in den April 2026. Da steht nämlich besagte 232 093, nun in Diensten der Bahnbetrieb Gera GmbH, im vormittäglichen Sonnenlicht im ehemaligen Bw Gera. Dort wo einst u.a. die Reko G12 der Reihe 58.30 und die Taigatrommeln der Reihe 120/220 ihre letzte Heimat hatten.




Früher eine der letzten Hochburgen der Reko G12 der Baureihe 58.30 und der Taigatrommeln 120/220, ist das Bw Gera nun zum Museum mutiert. Doch auch noch heute werden aktive Maschinen darin abgestellt, so wie die 52 Jahre alte 232 093-5 der Bahnbetriebe Gera GmbH.





Trotz Sonne ist es recht frisch hier auf der Brücke, fegt doch immer wieder ein eisiger Wind durch die Klamotten. Sehnsüchtig denk ich an die Jacke, die im nahen Auto liegt und von der ich meinte, sie nicht zu brauchen. Gott sei Dank sind es aber nur knapp 10 Minuten, bis ich von der ersten Zugfahrt abgelenkt werde.




Als Regionalexpress EB 80843, gestartet in Leipzig Hbf, erreichen VT 321 und 320 den Geraer Hauptbahnhof. Von dort aus geht es in wenigen Minuten weiter bis zum Ziel Saalfeld (Saale). Was waren das für Zeiten, als die stolzen Saalfelder 01.5 in diesen Diensten unterwegs waren.





Kaum haben die RS1 die hinter mir liegende Halle des Geraer Hauptbahnhofs erreicht, kommt das erste Highlight des Tages durch die etwas eigenartige Gleisführung geschlichen. Nur noch wenige IC 1 bewegen sich zum Aufnahmezeitpunkt auf Deutschlands Schienen und auch für die Züge von und nach Gera Hbf läuft die Uhr demnächst ab. Hatte man früher für die Traktion auf dem Dieselabschnitt noch 245er der DB aus dem Hohen Norden ausgeliehen, läuft nun schon seit einiger Zeit eine dieselelektrische Traxx der Pressnitztalbahn in diesen Diensten. Quasi als Sahnehäubchen obendrauf.




Unerbittlich läuft im Jahr 2026 die Zeit der klassischen IC 1 in Deutschland ab. So auch auf der Mitte Deutschland Linie, wo noch zwei, der deutschlandweit nur noch wenigen, Zugpaare verkehren. Nachdem zu früheren Zeiten Mehrmotor Dieseltraxx von der Marschbahn ausgeliehen wurden, sorgt seit einiger Zeit bereits die von der Press gemietete Einmotorvariante 246 011-1 für die Traktion. Gerade erreicht die blaue Lok, versehen mit der Press eigenen Lokbezeichnung 246 049-2, mit dem IC 2151 den Hauptbahnhof von Gera.





Doppelausfahrt aus Gera Hbf. Während sich 612 525 und der führende 612 145 nach Erfurt Hbf auf den Weg machen, ist das Ziel der Vierfachtraktion RS1 der Erfurter Bahn Leipzig Hbf.





Nach dem „Pflichtbild“ der 612er packe ich ein und ziehe ab. Nicht nur dass jetzt Straßenbahn auf dem Zettel steht und mir mittlerweile richtig kalt ist, hier im Wind. Nein, auch abwechslungsreicher wird’s hier jetzt nicht mehr. Denn so schön der Bahnknoten Gera mit seiner Halle auch ist, in Sachen Fahrzeuge herrscht eine lähmende Monotonie aus RS1 und 612er. Und wenn man sich das nicht Stunde um Stunde im Takt antun möchte, sucht man besser das Weite.

Während des Wartens auf der Brücke, hab ich mir schon mal etwas das Luftbild angesehen. Gleich in der Nähe verläuft eine Straßenbahnlinie, die hinauf zur Wendeschleife Bieblach Ost geht und dabei eines der typischen DDR-Neubaugebiete mit ihren Plattenbauten durchquert. Dort sollte sich der ein oder andere Fotostandpunkt finden.

Auf dem Weg dorthin gibt es den ersten Stopp bereits an der Haltestelle Tinz. Die Sonne stimmt, ein typischer „sozialistischer Neubau“ bildet die Hintergrundkulisse und das Tatra Gespann machen die Sache richtig rund.




Tatrawagen und Plattenbau. 352, mit eingefügten Niederflurteil, und 316 kommen die Berliner Straße herauf und werden gleich an der Haltestelle Tinz den nächsten Stopp einlegen.










Das Tandem, aus verlängertem und original langem Tatra, bringt die notwendige Kapazität und stellt gleichzeitig den Niederfluranteil sicher. Und genau diese Gespanne sollen nun durch die neuen Stadler Triebzüge ersetzt werden.

Für mich geht es weiter der Strecke entlang, hoch ins Neubaugebiet. Während ich bei der Haltestelle Heidecksburgstraße noch einen Parkplatz suche, rollt ein neuerer Triebzug vorbei. Und auch für das nächste Tatragespann reicht es nur noch, um es in der Rückansicht abzulichten. Aber was solls? Ein schöner Rücken kann auch entzücken.




Tatrawagen und Plattenbau. 352, mit eingefügten Niederflurteil, und 316 kommen die Berliner Straße herauf und werden gleich an der Haltestelle Tinz den nächsten Stopp einlegen.





Noch während ich den Abfahrtsplan für die Haltestelle im Internet her suche, surrt es von oben her. Irgendwas komisch klingendes kommt das das Gefälle herunter. Gegenlicht oder nicht, da muss mal draufgehalten werden.




Der fast 100-jährige MAN Triebwagen 12 auf Stadtrundfahrt.





Während ich den Oldtimer bestaune, werde ich von dessen Fahrgästen bestaunt. Jetzt noch den nächsten Takt abwarten und dann schau ich ein Häuschen weiter.




Triebzug 204, ein Citadis von Alstom, verlässt die Haltestelle Heidecksburgstraße.





Das nächste Häuschen ist dann schon die Wendeschleife an der Haltestelle Bieblach Ost. Dort gibt es nochmal ein Foto vom eben bergwärts gefahrenen 204, bevor ich mich für die nächste Leistung aus der Innenstadt herauf aufstelle. Hoffentlich diesmal wieder ein Tatra Doppel.




Nachdem er an der Endschleife Bieblach Ost gewendet hat, macht sich Triebzug 204 nach kurzer Pause wieder auf hinunter in die Stadt.





Zusammen mit dem Zweiteiler 303 erreicht Triebzug 348 die Endhaltestelle Bieblach Ost.










Langsam wird es hier eng mit dem Seitenlicht. Und einem kleinen menschlichen Rühren sollte ich auch besser nachgehen. Also wird in einem großen Bogen über die Felder gefahren, bevor es wieder hinuntergeht in die Stadt. Die eigentliche Intension war, etwas in der Innenstadt zu machen oder mit Gleisen in Straßenlage. Das ein oder andere lässt ich schon erblicken. Doch leider gibt es nirgends passende Parkplätze. Hm, sollte man mal mit etwas mehr Elan zu Fuß und per Bahn erkunden, denk ich mir so, und folge dabei mal auf gut Glück einer Linie. Bei der Haltestelle Wintergarten wird das nächste Mal Aufstellung genommen. Wie ich nach dem Bild feststellen muss, sah es ohne Straßenbahn vielversprechender aus.




Nachdem er die Reichsstraße herauf gekommen ist, biegt Triebzug 209 kurz vor der Haltestelle Wintergarten auf das eigene Planum ab.





Sonnenstand und Autoverkehr ließen nur erschreckend wenig Variationsmöglichkeiten zu und ich bin am Ende froh, wenigstens kein Straßenfahrzeug bildfüllend mit drauf gehabt zu haben. Wieder im Bogen, diesmal deutlich kleiner, und entlang einer aufgelassenen Straßenbahnstrecke, geht es nun zurück zum Rand der Fußgängerzone. Hier gibt es dann auch einen Parkplatz, das Licht passt und ebenso die Szenerie. Leider fährt mir mal wieder bei der Anfahrt ein Tatragespann vor der Nase weg. Und das Nächste, was kommt, hatte ich heute schon mal vor der Linse.




Kurz hinter der Haltestelle Heinrichstraße passieren die Triebzüge 352 und 316 die rechts leicht ins Bild ragende St. Trinitatis Kirche.





Mittlerweile ist es zwölf Uhr durch. Zeit zu überlegen wie weiter. Bislang ist meine Ausbeute an 2,5 Tatragespannen, den Nachschuss zähl ich mal nur halb, deutlich hinter den Erwartungen und Hoffnungen zurück. Andererseits hab ich so meine Zweifel, dass sich heute, an einem Samstag die Bilanz nachhaltig verbessern lässt, wenn man noch den Rest des Tages investiert. Zudem gibt es hier, abgesehen von der Straßenbahn, wie schon oben beschrieben, wenig Aufregendes, was das Hierbleiben rechtfertigen würde.

Also mal überlegen. Nach Westen, in Richtung Jena? Nö, von da soll eine Schlechtwetterfront heranziehen, mit Siff im Vorfeld. Also nach Osten? Klingt schon besser. Was gibt es da so? Na, auf alle Fälle die RE zwischen Chemnitz und Leipzig. Da schwimmen die ersten Batterie-Grinsekatzen ein und verdrängen die WFL Doppelstöcker. Und zwischen Geithain und Leipzig gibt es auch noch die planmäßigen Wale. Da fehlen mir auch noch einer oder zwei aus dem dortigen Bestand. Bei Chemnitz wäre dann noch das Viadukt über die Autobahn, das auf Ablichtung durch meine Person warten und, nicht zu vergessen, die Hybridtriebzüge der CityBahn Chemnitz.

Also schnell Hopfgarten (Sachsen) einprogrammiert und einmal quer durch die Botanik. Erst via Autobahn, dann durch Wiesen, Täler und kleine Ortschaften, bei denen der ein oder anderen Ortsname noch Erinnerungen aus der Dampflokzeit wach werden lässt.

Pünktlich für die nächste Wal-Leistung stehe ich bei den schon bekannten Blühbäumchen. Und während der Hund ein Grundstück weiter langsam aufgibt mich zu verbellen, rollt ein rot-silbernes Gespann heran. Wenig später steht dann auch der nächste RE aus Leipzig an.




Im nahen Geithain gestartet, ist das gemischte Doppel aus 641 025-1 und 034-3 als RB 16678 kurz vor dem nächsten Halt Hopfgarten (Sachsen).





Mit der schrittweisen Ablieferung der Akku 1440er, werden die Ersatzgarnituren auf der Linie Leipzig - Chemnitz Stück für Stück überflüssig und aus dem Dienst gedrängt. Mitte April rollt aber noch 223 055 mit ihrer WFL Doppelstock-Garnitur als MRB 74716 zwischen den beiden sächsischen Städten.





Für die nun folgenden Gegenleistungen geht es ein kurzes Stück die Strecke entlang. Die Sonne steht hier zwar für Züge aus Richtung Geithain noch recht ungünstig, aber irgendwie wird es mit technischer Unterstützung schon gehen.

In hab Acht Stellung auf meiner Colakiste verharrend, bin ich gespannt, was gleich um die Kurve kommt.




Seit Februar 2026 kommen, nach einigen Lieferverzögerungen, langsam die Akku-Triebzüge der MRB ins Laufen. Schrittweise ersetzen sie seitdem die Ersatzgarnituren aus Dieseltriebzügen und lokbespannten Doppelstockgarnituren auf der Verbindung zwischen Chemnitz und Leipzig. An diesem sonnigen Frühlingstag haben 1440 908-0 und 1440 906-4 Dienst als MRB 74719.





Nu guck, da hab ich doch hier eine Gegenüberstellung von vorher und nachher, in Form eines Dieselersatzzugs mit Doppelstöckern und zwei Akku-Grinsekatzen.

Jetzt sind für mich die Alstom Coradia Continental sowieso nicht unbedingt die Schönheiten der Schiene. Aber die silberne Lackierung der MRB tut zudem nun halt auch überhaupt nichts für sie. Schade eigentlich. Im Lack des Süwex kommen sie meiner Meinung nach deutlich gefälliger daher.

Das Silber der Wale des „Geithainer“ kommt dagegen recht gut. Und zwei Vertreter dieser Variante rollen kurz danach aus der Gegenrichtung, von Leipzig kommend, heran.




Zwei Wale getarnt als Silberfischchen. 641 027 und 032 als "Der Geithaner" RB 16679 beschleunigen nach dem Halt in Hopfgarten (Sachsen).





Und wieder heißt es zusammenpacken und Stellung wechseln. Die Brücke in Chemnitz steht an und ich muss mir dringend etwas zum Beißen suchen, rebelliert doch mein Magen mittlerweile vernehmlich.

Neue Fahrzeuge fürs Archiv waren, bis auf die beiden Kätzchen, hier leider nicht dabei. Aber das hatte ich fast schon erwartet.

Frei nach dem Motto „aller guten Dinge sind drei“ ist mir auch an dieser Stelle, also dem Blick auf das Viadukt bei Chemnitz, etwas vor der Nase davongefahren. Nur Minuten haben gefehlt, um einen RE auf dem Steinviadukt abzulichten. Hab ich wohl zu sorglos an meinen warmen Pressfleischbrötchen geknabbert. Und wäre das nicht schon genug, ist zwischenzeitlich auch der angekündigte Siff am Himmel nachgezogen und taucht alles in ein gruseliges Licht.

Trotzdem möchte ich die Brücke heute mal umsetzen, damit wenigsten mal ein oder zwei Bilder in der Sammlung landen.

Es dauert ein bisschen, bis sich der, für mein Gefühl recht laute, Dieselmotor eines CityBahn Triebzugs vernehmen lässt. Das war mir schon bei der ersten Begegnung aufgefallen, dass die Fahrzeuge recht geräuschvoll unterwegs sind, im Verbrennermodus.




Zweikrafttriebwagen 437 der City-Bahn Chemnitz dieselt als CB 80022 auf der Hauptbahn hinauf nach Burgstädt. Vorher hat er auf seinem Laufweg die Stadt Chemnitz auf den Gleisen der Straßenbahn durchquert.





Kurz danach steht auch schon der RE aus Leipzig an. Zwischenzeitlich hatte ich schon Sorge, dass dieser den kleinen Triebzug zu fährt. Aber er hält sich vornehm zurück. An Fahrzeugen ist es die erwartete Garnitur von vorhin. Fahr- und Wendezeiten ließen das vermuten, wenn auch die Hoffnung in Richtung Doppelstöcker nie so zu 100% vergehen wollte.




Von Leipzig Hbf her kommend, rollen 1440 406-5 und 408-1 als MRB 74180 die Rampe von Wittgensdorf herunter und passieren dabei das Bahrebachmühlenviadukt.





Gut, hier muss ich definitiv nochmal her. Wobei, wenn man genau schaut, wird das Grün, wenn es mal ausgetrieben hat, den Großteil des Viadukts verdecken.

Für heute ist aber definitiv Schluss. Die Sonne hat jetzt schon gut rausgedreht und der Siff wird auch immer stärker. In Richtung Zwickau und Plauen scheint es aber wieder besser zu werden. Und da beides eh auf dem Heimweg liegt, mach ich mich mal los. Neues Ziel Plauen. Dort sollen eigentlich auch noch einige Tatra im Dienst sein, ohne dass ich sie allerdings bei meinem letzten, und bis dato auch einzigen Besuch der dortigen Straßenbahn, gesehen habe.




Rückblick auf den 1.Mai 2025. Während aus dem Hintergrund die Reden und Musik von der Maifeier herauf schallen, biegt Triebzug 309, von der Wendestation Plauen Plamag der Linie 5 kommend, von der Pausaer Straße ab auf die Bahnhofsstraße. Im Hintergrund das markante, seit 2008 unter Denkmalschutz stehende, Bahnhofsgebäude von Plauen Oberer Bahnhof. 1973 gebaut hat es die 28 Jahre bestehenden Provisorien abgelöst, die vorher die kriegszerstörten Bauten ersetzt hatten.





Bei Plauen angekommen, geht es erstmal von der Autobahn kommend entlang der Straßenbahn in Richtung Zentrum. Unterwegs wird ein Triebzug der Linie 2 überholt, für den ich mich in der Kurve hinter der Haltestelle Vogtland Klinik aufstelle. Im Hintergrund einer der DDR typischen Schornsteine.




Nach dem Stopp an der Haltestelle Vogtland Klinik kommt Triebzug 305 die Reichenbacher Straße herunter.





Noch während der Triebzug in der Haltestelle gewartet hat, hat sich auf der anderen, von Reusa her kommenden Strecke, ein alter Triebwagen genähert. Den warte ich natürlich auch noch ab. Anscheinend ist heute Tag der Ausflugsfahrten. Erst in Gera, jetzt auch hier.




Der zum Gesellschaftswagen umgebaute Gothaer mit der Nummer 78 auf Ausflugsfahrt.





Diesel-elektrisch kannte ich ja, aber bier-elektrischer Antrieb? Hört sich auf alle Fälle sympathisch an. Energie aus nachwachsenden Rohstoffen in seiner süffigsten Form.

So oder so, es beschert dem Gothaer T2-64 auf alle Fälle ein schönes, zweites Leben, nach seinem Ausscheiden aus dem regulären Fahrdienst.

Ganz nett bisher, aber eigentlich wollte ich, gemäß dem Jahresmotto, mit den Tatras ein scheidendes Fahrzeug aufnehmen. Wobei, hier muss ich mich korrigieren. Denn leider muss man die ganze Straßenbahn in Plauen auf die rote Liste der gefährdeten Arten setzen.

Was ich nämlich zum Zeitpunkt des Besuchs noch nicht wusste, es wurde ernsthaft diskutiert, den Betrieb zur Gänze einzustellen. Der Grund, das hohe Defizit, welches die Straßenbahn Jahr für Jahr erwirtschaftet. Einige Wochen später dann erstmal die Entwarnung. Durch Eingliederung in den Verkehrsverbund, geänderter Verteilung von Fördergeldern und diverse weitere Maßnahmen, ist der Betrieb erstmal perspektivisch gesichert. Wie lange? Man wird sehen.

Für mich heißt es wieder einpacken und weiter den Schienen folgen. Hinunter in die Stadt, dahin wo die ganzen Linien gebündelt werden. Dort hab ich vielleicht die größte Chance, jetzt am späten Samstagnachmittag einen Tschechen bei der Arbeit aufzugabeln.

Kurz vor dem Ziel Baustelle und Umleitung. Da wo ich hin will, komm ich erstmal nicht hin. Dafür kommt genau von dort ein Objekt der Begierde. Jetzt aber schnell hinterher. Schließlich gabelt sich die Strecke weiter oben und wenn ich nicht sehe, wohin er abbiegt, kann ich lange suchen. Aber schnell ist so eine Sache. Wie gesagt, ich stecke mitten in einer großen Baustelle. Bis ich an deren Ende bin, wenden kann und dann das Ganze nochmal zurück, ist der Tatra schon über alle Berge.

Am Abzweig angekommen heißt es links oder rechts. Intuitiv nehm ich rechts. Warum? Keine Ahnung! Aber eine gute Wahl! Denn schon nach der ersten Kurve sehe ich ihn ein Stück weiter wieder vor mir. So Freund, jetzt entkommst Du mir nicht mehr.

Kurz vor dem Hauptfriedhof bin ich dann endlich auch vorbei und es gibt einen Schuss im Gegenlicht, für alle Fälle. Nun kann ich mir schön Zeit lassen, bis er an der Endhaltestelle gewendet hat, um etwas später wieder bei mir aufzutauchen. Diesmal auch mit Sonne auf der Nase.




Auch im Jahr 2026 sind die KT4 im Netz der Plauener Straßenbahn noch unverzichtbar. Triebzug 237 hat gerade, von Reusa kommend, die Haltestelle Hauptfriedhof erreicht.





Bis zur nächsten Fahrt in Richtung Reusa sind es noch rund 10 Minuten. Da ich nicht unbedingt eine Gegenlichtaufnahme oder einen Nachschuss machen möchte, und zudem die Sonne schon recht tief steht, fahr ich voraus zur Endhaltestelle nach Reusa. Hier passt die Sonne auch für den ankommenden Triebzug und die Gefahr wird minimiert, dass das Licht ganz weg ist, wie es bei der Rückfahrt wahrscheinlich sein würde.

Mich gedanklich schon auf den zweiten Plauener Tatra freuend, beobachte ich die von Minute zu Minute länger werdenden Schatten. Dann endlich kommt der Triebzug heran. Leider kein Tscheche, sondern ein schnöder Flexity aus dem Hause Bombardier.




Es wäre ein Wunder, wenn die Friesenzwerge keine Straßenbahnfans wären, liegt ihr Kindergarten doch mitten in der Wendeschleife der Endhaltestelle in Reusa.





Also nichts ist es mit einem Highlight am Ende des heutigen Fototags. Tja, kann man nichts machen. Gut, dass ich immerhin einen KT4 hier ablichten konnte. Muss ich wohl, wie auch nach Gerad, nochmal kommen. Am besten wahrscheinlich mal unter der Woche.

Ich schaue noch dem 301 zu, wie er durch die Wendeschleife zieht und sich auf macht in Richtung Zentrum, dann geht es auch für mich nach Hause.

Tatra in Gera und Plauen, IC 1 mit Leihlok und WFL Doppelstöcker zwischen Leipzig und Chemnitz. Wieder vier Dinge, die in nicht allzu ferner Zukunft von den Schienen verschwinden werden. Schön, dass man sie noch einmal erleben konnte.