Bevor sich die Zeiten ändern! - Teil 2.1
Von Christof Hofbauer
Meldungen, dass die 628er den Verkehr in der Südpfalz wieder von den Talent übernommen haben, Bilder vom großflächigen Freischnitt rund um den Bahnhof Winden (Pfalz) der die Signale zugänglich macht, der einsetzende Frühling, ein verlängertes Wochenende, genug gute Grüne sich spontan auf zu machen.Donnerstag nach der Arbeit geht es los. Ziel für heute und Schlafplatz für die nächsten beiden Nächte das Intercity Hotel in Karlsruhe. Bekannte Herberge mit Ausblick. Schon im Vorfeld wurde auch mein angestammtes Zimmer gebucht, in dem ich mich bereits zweimal zur Ruhe legen und die prächtige Aussicht vom Bett aus auf die Halle und die Gleise des Hauptbahnhofs genießen konnte.
Wie immer geht es auf der A6 streckenweise quälend zäh voran. Und so ist es kurz vor Neun, bis ich meine Aufwartung an der Reception machen kann. Während ich noch die Formalitäten erledige, kommt von rechts von der Bar die Frage, ob ich nicht noch etwas trinken möchte, man schließe gleich. Ganz schön geschäftstüchtig *grins* und erfolgreich. Denn ehrlicherweise habe ich schon Durst und so ein frisch gezapftes Bier soll da helfen, hab ich mir sagen lassen. Zudem ist es doch gleich ein guter Start in den Kurztgripp.
Nach der Erfrischung wird schnell das Zimmer bezogen und dann geht es auch schon ab, am Bahnhof vorbei und über die Gleise der Straßenbahn. Auf meine nette Anfrage im Restaurant gegenüber erbarmt sich die Küche und lässt mich, trotz fortgeschrittener Stunde, nicht ohne Nahrungsaufnahme ziehen. So vor dem Hungertod gerettet heißt es nun zurück und ab ins Bett. Morgen ist schließlich Programm.
Freitag, 01.05.2026
Erstmal Vorhang auf und noch ein bisschen die Aussicht genießen, dann aber auf, fertigmachen und runter zum Frühstück. Da ich zeitlich keinen Fixpunkt für den Start habe, kann ich das Frühstück in Ruhe genießen und dann immernoch recht entspannt unterwegs zum ersten, ausgesuchten Standpunkt sein. Ziel das Einfahrtssignal von Winden (Pfalz) an der Karlsruher Strecke. Dort könnte, sollte das Licht gerade noch richtig stehen. Und da die Hecken beschnitten sind, auch umsetzbar. So zumindest meine Vorstellung.
Angekommen ist es mit dem Licht doch schon etwas knäpplich. Schwerer wiegt aber, dass das Grün schon wieder ordentlich kräftig am Nachwachsen ist. Was auf den Bildern von vor drei, vier Wochen noch machbar ausgesehen hat, nämlich über das geschnittene Gehölz zu fotografieren, hat sich mit dem Sprießen von Unmengen von Biomasse schon wieder geändert. Keine Chance darüber zu kommen. Also irgendwo durch die (Dornen-)Hecke brechen. Übrigens, dass während meines Anmarsches ein 628er Doppel unfotografierbar hinter dem Grün an mir vorbeigezogen ist, bei dem zu allem Überfluss auch der an zweiter Stelle laufende ein ehemaliges Sylt-Shuttle war, ist nun nicht gerade ein Stimmungsheber. So breche ich etwas grummelig durchs stachlige Grün, nur um kurz darauf einen Ordnungsruf von hinten zu bekommen. Siehe da, da steht ja schon einer.
Kurz wird ausgemacht, wie ich mich für ihn unsichtbar mache, dann steht auch schon mit dem RB die nächste Zugfahrt an.
Erfolgreicher Start in den Fototag. Vorbei am Einfahrtssignal von Winden (Pfalz) dieselt RB 12407 weiter dem Ziel Karlsruhe entgegen.Nicht ganz, was ich erwartet hab. Nach der Vorbeifahrt der beiden 628er und den Berichten im Vorfeld bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass alle bzw. zumindest die meisten Leistungen mit diesen Triebzügen unterwegs sind. Ich meine, Talent sind auch ganz schön und etwas Besonderes, doch von denen hab ich in der Ecke schon viele Bilder. Naja, es geht ja bei der Tour auch um die Infrastruktur, denn die soll, zumindest wenn die Pläne entsprechend umgesetzt werden, auch zeitnah verschwinden. Kommt das ESTW, ist es vorbei mit der aktuell noch vorhandene Draht- und Flügelherrlichkeit.
Mittlerweile ist der nette Fotokollege zu mir vorgekommen und wir nehmen, nebeneinander stehend, den anstehenden Gegenzug, aus Karlsruhe her kommend, noch mit.
Fröhlich quatschend laufen wir zurück zu den Autos. Dabei gehe ich die möglichen Optionen durch. Da die Strecke hier eine recht starke Kurve macht und um mehr als 90° dreht, müsste das Spiegelei, also das Einfahrtsvorsignal, auf der Karlsruher Strecke schon schön im Licht sein. Also beschließen wir, uns dort zu platzieren. Während der Kollege fährt, laufe ich das Stück der Strecke entlang. Quasi als Fitnesseinheit.
Stellt sich als beschwerlicher heraus als gedacht. Verwandelt sich der zu Beginn feine Feldweg schnell in einen Trampelpfad, um sich dann nur wenig später, ganz im hohen Gras zu verlieren. Dafür erspähe ich unterwegs einen Standort, den ich nachher unbedingt mal ausprobieren sollte.
Auf Höhe des Vorsignals angekommen geht es noch steil die Böschung hinauf, wo schon mein Mitfotograf steht und mich grinsend erwartet. Nächster Zug sollte der RE aus Karlsruhe sein. Diesmal mit dem Sylt-Shuttle an der Spitze, aber leider auch aus dem Licht kommend. Trotzdem gibt es einen Frontschuss, bevor es heißt schnell Position wechseln und das Gespann mit dem Spiegelei nachschießen. Und ja, tatsächlich mit Spiegelei, denn noch ist die Einfahrt nicht gezogen und somit auch die Scheibe noch nicht abgeklappt. Leider entgeht uns so, im Gegenzug, aber der Anblick des ausgeklappten Pfeils.
Vom Hohen Norden in den tiefsten Süd-Westen. In seiner charakteristischen Lackierung rollt der ehemalige Sylt-Shuttle Triebzug 628 501 nun von der neuen Heimat Kaiserslautern aus durch die Pfalz. Zusammen mit dem roten 628 455 kommt er als RE 12014 aus Karlsruhe.
Langsam rollt RE 12014 mit 628 455 am Schluss am Einfahrtsvorsignal von Winden (Pfalz) vorbei, kündigt doch das Spiegelei an, dass die Einfahrt in den Abzweigbahnhof noch nicht frei ist.Kaum ist das Gespann unseren Blicken entschwunden, klappern auch schon die Flügel und die Motoren brummen los. Die zwei 628er haben Einfahrt und können mit dem RE aus Neustadt/Weinstraße kreuzen.
Bei uns steigt die Spannung. Aus was wird der Zug wohl gebildet sein. Beide hoffen auf ein weiteres Pärchen 628er.
Also wieder „nur“ ein Talent. Und eben, auch nur einer.Eher die Ausnahme bei den RE auf dieser Strecke und vielleicht auch ein Indiz für den Fahrzeugmangel beim Bw Kaiserslautern.
Schlussfolgerung: Es wird wohl bei dem einzigen Pärchen 628er bleiben heute. Mein Mitfotograf meint jetzt sogar, auf Basis der aktuellen Informationen aus seiner Quelle, dass selbiges jetzt erstmal aus dem Umlauf gehen würde bis zum späten Nachmittag.
Hm, wäre schade, aber nun auch nicht zu ändern.
Während er sich zu seinem Auto aufmacht, latsche ich wieder durch die Botanik hin zu meinem fahrbaren Untersatz. Dort angekommen wird erstmal kräftig Flüssigkeit getankt, um mich anschließend, nun in sitzender Position, auf den Hang neben der Strecke zu begeben. Oben angekommen Rundblick. Ja, kann man gelten lassen.
Zwar ist die Strecke nicht ganz so frei, wie von unten vermutet und man muss aufpassen wo man auslöst, dafür ist aber der Blick bis hinüber zum Rand des Pfälzer Waldes mit seinen Burgen nicht von schlechten Eltern.
Der großflächig "künstlerisch verzierte" 643 003 kurz vor Winden (Pfalz). Ziel der RB 12408 ist Neustadt/Weinstraße.
Normalerweise im Doppel sind die RE zwischen Karlsruhe und Neustadt/Weinstraße unterwegs. 643 012 zieht es als RE 12016 aber vor, wie auf der Hinfahrt, einen Soloauftritt hinzulegen.Schon mal nicht schlecht, aber ein längerer Zug wäre von hier oben deutlich netter. Vielleicht ja beim nächsten Takt. Für den stell ich mich etwas um, soll doch das Einfahrtssignal jetzt mit aufs Bild. Einige Meter weiter rechts funktioniert das dann auch. Schön frei sichtbar durch eine Lücke im Gebüsch. Und das mit dem längeren Zug klappt auch.
Fleißig zwischen Neustadt/Weinstraße und Karlsruhe hin und her geht es für 628 455 und 501 in den RE-Plänen. Unter der Nummer 12021 brummen sie gerade aus Winden (Pfalz) heraus.Zeit meinen Feldherrenhügel wieder zu verlassen und das nächste Ziel anzusteuern. Quasi eigentlich nur über zwei Felder hinweg hinüber an die Wissembourger Strecke. Aber der Weg dorthin ist tückisch. Große, tiefe Schlaglöcher und ein Dschungelabschnitt, in dem es heißt, sich durchs wilde Grün zu kämpfen. Andere vor mir haben das Problem dadurch gelöst, indem sie dem Bauern einfach durch das Feld gefahren sind. Ist nun so gar nicht meine Art.
So geht es eben im Schneckentempo bis zur Brücke über die Strecke. Dort zeigt sich zu allem Überfluss weniger Platz zum Abstellen des Autos wie erwartet. Gut, dann gibt es Eisenbahn mit fahrbarem Untersatz im Hintergrund. Auch nicht schlecht, kann man sich in Jahren mit einem Schmunzeln wieder dran erinnern.
Im Gegensatz zur Strecke in Richtung Karlsruhe, wo man nur auf einer Seite das Grün in der Höhe gekürzt hat, hat man hier ein regelrechtes Massaker an der Vegetation verübt. Von den dichten Baum- und Buschreihen, die links und rechts bis nahe an die Gleise heranreichten, ist bis auf eine zurückgesetzte Buschreihe nichts geblieben. Kaum mehr vorstellbar, die Krauch- und Verrenkungsaktion, die ich bei einem früheren Besuch gestartet habe, um wenigsten auf einem Bild das hier stehende Signal mit abzulichten.
So stellte sich die Situation am 24. Mai 2023 dar. Mit viel Gekraxel hatte ich eine Stelle am dicht bewachsenen Bahndamm gefunden und erreicht, an der so viel „Platz“ war, um 643 514 nach Wissembourg und das Einfahrtssignal von Winden (Pfalz) gerade noch so zusammen auf ein Bild zu bekommen.Heute ist das alles kein Problem, der Blick könnte freier nicht sein und so lässt sich die nächste Leistung nach Frankreich und rund 40 Minuten später erfolgende Rückleistung mit den unterschiedlichen Signalstellungen perfekt ablichten.
Vorbei am Einfahrtssignal von Winden (Pfalz) dieselt 643 517 als RB 81417 ins elsässische Wissembourg.
Hp2 für 643 517, der als RB 81416 aus Wissembourg angerollt kommt. Aber nicht nur das Formsignal erhebt seine Flügel, auch der Greifvogel links am Bildrand streckt seine Schwingen ins Blau.Beim Warten habe ich schon dauernd nach hinten geschaut und damit geliebäugelt, für die nächsten Zugfahrt zum Vorsignal rauszulaufen. Rund 15 Minuten Zeit hab ich. Wird sportlich, sollte aber gehen. Scheint doch weiter hinten ein Weg an die Bahn und an ihr entlangzuführen. Dann nur noch schnell die Böschung hoch und schon ist man da.
Also, dann los. Als sich der erste Quer-Feld-ein-Abschnitt bis zu besagtem Weg als gut begehbar darstellt, werde ich schon fast euphorisch. Der Rest sollte auf dem Abschnitt mit besagter Sandpiste ein Kinderspiel sein. Wäre es auch, würde die nicht urplötzlich enden und in einen steilen Hang übergehen, der zum Gleis hin von einem tiefen, breiten Graben begrenzt wird.
Was auch immer ich mir dabei gedacht habe, ich versuche nicht erstmal im Graben weiterzumarschieren, sondern ich klettere immer der, mit Brennnesseln übersäten, Schräge entlang. Beständig abrutschend, weil meine Schuhe nun gar nicht für so eine Geländeeinheit ausgelegt sind und jede Menge Totholz herum liegt.
Und von hinten „drückt“ der Zug! Was für ein Mist, wenn ich den nach der ganzen Quälerei jetzt verpassen würde!
Pumpend und balancierend versuche ich mir einen Schlachtplan zu Recht zu legen. Ich muss noch 50-60 m weiter und dazu noch den Hang ganz nach oben. Mit der bisherigen Methode verliere ich zu viel Zeit und zudem laufe ich Gefahr, irgendwann doch abzurutschen. Also Planänderung und die bereits erarbeitete Höhe aufgeben. Nach unten in den Graben heißt die Devise. Warum bin ich nicht schon von Anfang an dort gelaufen.
Erstmal wird aber meine Cola-Kiste, die ich dabeihabe, um bei Bedarf an der Fotostelle „etwas größer zu werden“, vorauslaufen. Also ab damit nach unten. Lustig kullert die Rote durchs Grün bis in den Graben. Nicht auszudenken, wenn ich abrutsche und hab dabei das Ding noch über Arm und Ellbogen, denke ich noch so, als es mir das Standbein wegzieht und ich, deutlich weniger elegant als die Plastikkiste, den Abflug mache. Kamera schützend balancierend und fluchend komme ich hart im Graben auf. Gottlob mit den Füßen zuerst, sodass bis auf ein paar Schrammen und Dellen nichts Nennenswertes passiert ist.
Aber zum Jammern bleibt eh keine Zeit. Der Zug! Schnell den Graben entlang, aus diesem aufs Grün gehieft, anschließend nochmal mit dem Hang gekämpft, stehe ich schließlich oben, während hinten die Nase des Regio Brummers bereits auftaucht.
Schon sind rum um den Bahnhof Winden (Pfalz) die ersten Vorarbeiten für die geplante Modernisierung zu sehen. Noch aber passiert 643 007 auf seinem Weg als RB 81419 nach Wissembourg das alte Vorsignal.Zurück zu jetzt wieder die Böschung hinunter, die im Übrigen auf den Bildern bei weitem nicht so steil rüberkommt, als sie war? Nein danke. Lieber gehe ich einen kleinen Umweg, aber dafür auf schönen Feldwegen.
So komm ich unfallfrei zurück zur Brücke über die Bahn. Von dort oben will ich die nächste Leistung hinüber ins Elsass bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof fotografieren, lässt ich doch so die verwinkelte Gleisführung erkennen.
Ein Stück weiter steht der Kollege mit seinem Auto im Schatten. Naja, besser gesagt, das Auto steht und er liegt. Die Augen geschlossen verdöst oder -schläft er die böse Hochlichtphase. Ebenso ein, allem Anschein nach, weiterer Fotograf, der auf der anderen Seite des Weges ein schattiges Plätzchen gefunden hat. Auch ich verziehe mich bis zur Durchfahrt unters Blätterdach, brennt doch die Sonne ordentlich vom Himmel, während ein kühler, böiger Wind einem durch die Klamotten fegt.
643 517 verlässt, auf der Strecke hinüber nach Frankreich, als RB 81421 den Bahnhof von Winden (Pfalz). Im Hintergrund sind die Folgen des Rückbaus sichtbar, welche eine recht verschlungene Gleisführung, und daraus resultierenden Engpass, hervorgebracht haben.Schade, dass ich das ganze Areal nicht zu seiner Blütezeit erlebt habe. Die Strecke hinüber nach Weißenburg noch als zweigleisige Magistrale, Gleis 1 und 2 als Durchgangsgleise, die jetzt fehlenden Gütergleise, das hatte sicher etwas.
Aber nicht meckern, der Verkehr heutzutage ist ordentlich. Erst Recht, wenn man bedenkt, dass auf der Kurbadlinie, also die Stichstrecke nach Bad Bergzabern, zwischen 1981 und 1995 der Personenverkehr eingestellt war und auf dem Abschnitt nach Wissembourg gar von 1975 bis 1997. Da auch ab 1992 der noch bis Schaidt angebotene Güterverkehr wegfiel, war der Abschnitt südlich von Winden (Pfalz) über 5 Jahre ohne Verkehr, was zur Folge hatte, dass sogar die Stilllegung erwogen wurde.
Gottlob lief es anders und heute schon präsentiert sich die Strecke mit Taktverkehr und gut frequentierten Zügen. Gerade an Wochenenden. Nun soll in naher Zukunft bei der Infrastruktur weiter aufgerüstet werden. Die Rodungsmaßnahmen sind dafür schon die ersten Vorboten. Auch in Sachen Triebfahrzeugen wird sich in absehbarer Zeit so einiges tun. Stehen doch von Seiten der SNCF bereits seit einigen Monaten die für den grenzüberschreitenden Verkehr vorgesehenen Regiolis bereit. Und auf deutscher Seite bahnen sich ebenfalls Veränderungen an. So treffen ungefähr zu der Zeit, als ich mich hier in der Südwest Pflaz herumtreibe, die ersten Exemplare der neuen Akkuzüge der Reihe 6526 aus dem Hause Stadler im Bw Kaiserslautern ein. Nach Testfahrten und Lokführer- und Werkstattschulung sollen sie im Herbst langsam den Betrieb zwischen Neustadt/Weinstraße und Karlsruhe übernehmen.
Da hier die Sonne nun erstmal schlecht steht, wird mit aller Vorsicht zur Straße zurückgehoppelt und auf die andere Seite von Winden (Pfalz) gewechselt, an die Kurbadlinie. Nicht nur dass dort das Licht jetzt passt, dort steht an der Ausfahrt auch ein Ne 2, eine Vorsignaltafel bei verkürztem Vorsignalabstand. Die umzusetzen steht schon länger bei mir auf dem Zettel.
Erstmal ist aber Pause. Auto in eine nahe Feldwegszufahrt gestellt, Fenster auf und dösen. Dann kommt auch schon der Zug aus Richtung des Kurorts gerollt. Mal schnell kucken was das für einer ist und siehe da, es ist tatsächlich ein Talent, der mir in meiner Sammlung noch fehlt. Hoch lebe der Nummernsammler!
Damit hätte ich ja auf dieser Tour nun nicht wirklich gerechnet. Zugegeben, ich bin weit davon entfernt alle 643er abgelichtet zu haben, aber hier in der Region, also im Bestand des Bw Kaiserslautern, habe ich doch schon ziemlich gewütet. Umso mehr freut mich daher nun der Umstand, dass ich mit dem Wunschmotiv gleich noch eine Lücke fülle. Pünktlich zur Rückfahrt nach Bad Bergzabern stehe ich vorne am Bahnübergang und drücke den Auslöser.
643 520-9 verlässt als RB 12476 Winden (Pfalz) mit dem Ziel Bad Bergzabern. Im Vordergrund besagte Ne 2 Tafel und hinter dem roten Flitzer ein Bauernhof, in dessen Hofladen am nächsten Tag feiner Spargel und leckere Erdbeeren in meinen Besitz übergehen werden.Eigentlich hab ich ja seit einiger Zeit schon ordentlich Hunger, der jetzt auch hätte gestillt werden sollen. Denn da der nächste Programmpunkt die Fahrt des Länderbahn 620er hinüber nach Frankreich gewesen wäre, hätte die anstehende Pause bis dahin gut gepasst. Viel Konjunktiv! Denn jetzt lockt natürlich die entgegengesetzte Ansicht des 643 020, die ebenfalls noch nicht von mir verewigt wurde. Und die geht nur direkt im Bahnhof selbst. Bleibt also anstatt der Fahrt zwei Orte weiter ins Einkaufszentrum mit seiner davor platzierten Döner Bude, nur ein Versuch, hier im Ort etwas auf die Schnelle aufzutun. Bäcker, Imbiss, irgend so etwas.
Nichts! Eine Brotzeit aufzutreiben, noch dazu am Feiertag, ein aussichtsloses Unterfangen. Aber der Eisenbahnfotograf an sich ist ja hart im Nehmen und äußerst leidensfähig. Also zurück zum Bahnhof und mit knurrendem Magen aufgestellt.
Geht es nach den aktuellen Plänen der Bahn, ist die alte Signaltechnik wohl bald Geschichte. Allerdings gibt es im Frühjahr 2026 auch Gerüchte, dass sich der, für diesen Sommer eigentlich vorgesehene, Umbau auf ETSW auf Budgetgründen doch nochmal verschieben wird.Der rege Zugverkehr auf den hier ausgehenden Strecken sorgt dafür, dass einem nie langweilig wird. Und so verkürzen auch mir die RB nach Wissembourg und die RB nach Neustadt/Weinstraße die Wartezeit, bevor der erwartete Zug aus Bad Bergzabern die Bühne betritt.
So, es ist kurz vor halb Vier. In rund 40 Minuten steht die Fahrt des Länderbahn Zuges an, die ich am südlichen Einfahrtssignal umsetzen will. Zwischendrin etwas Neues anzufahren, lohnt sich also nicht wirklich. Zudem muss ich ein kleines Stück laufen. Denn im Gegensatz zu den Fotokollegen halt ich mich an das Durchfahrtsverbot für die hiesigen landwirtschaftlich genutzten Straßen. Auch wenn mich diese Verbotswut teils schon arg ärgert.
Auch auf dieser Seite der Bahnhofsausfahrt hat man kräftig die Säge angesetzt. War hier früher auch dichter Bewuchs, ist nun alles frei und kahl geschlagen. Ideal um den Blick auf die Ausfahrt mit Stellwerk, Lagerhaus und natürlich den Signalen abzulichten.
Hatte ich mich unter Tags noch gewundert, dass ich bis auf den Kollegen heute Morgen keinen anderen Fotografen an der Strecke getroffen habe, die dösenden an der Brücke mal ausgenommen, stehen sie hier nun schön aufgereiht in Position.
Da will ich dann auch mal nicht so sein und geselle mich dazu. Allerdings mit etwas Abstand und leicht anderer Perspektive.
Aus Karlsruhe kommend, rollen 643 012 und 016 als RE 12026 auf Gleis 3 des Bahnhofs Winden (Pfalz) ein. Links wartet schon 643 020, der die Anschlussreisenden über die Stichstrecke ins nahe Bad Bergzabern bringen wird.
Schon das tiefe Motorbrummen hatte erahnen lassen, dass hier gleich etwas selteneres als der nächste Triebzug um die Ecke kommt. Lok 103 der Rhenus Rail St. Ingbert GmbH hat sich als Leerfahrt unter den dichten Verkehr gemischt und den an diesem Tag sowieso schon aus den Fugen geratenen Fahrplan noch mehr durcheinander gewirbelt.
Und auch der 628er Pärchen ist wieder fleißig unterwegs. Nachdem es die Kreuzung mit der solo fahrenden V100 abwarten musste, geht es jetzt weiter als RE 12031 nach Karlsruhe Hbf.Nettes Intermezzo, jetzt aber raus zum Einfahrtsignal. Zwei Flügel hoch für die nächste RB aus Frankreich steht auf dem Programm und die kommt in 10 Minuten.
Überraschenderweise bin ich erstmal der Einzige, der sich in die Richtung auf den Weg macht.
Zwar ist die Böschung auch auf dieser Seite freigeschnitten, doch jede Menge Holz, Geäst und fieser Bewuchs lassen das Reststück zur Stelle zu einem wahren Hindernislauf werden. Die genaue Position, an der ich mich aufbauen werde, ist auch schon festgelegt, denn da steht schon Einer. Und dem will man sich nun ja nicht ins Bild stellen bzw. ihn nicht präsent in selbigem haben.
Kurz gegrüßt und ein paar Worte gewechselt, dann heben sich auch schon klappernd die Flügel. It’s showtime.
Hp 2 Langsamfahrt und Halt erwarten heißt es für 643 007-7, der als RB 81422 von Frankreich herüber kommt.Mittlerweile ist als Dritter im Bund auch der Vormittagskollege eingetroffen und wir tauschen uns über den heutigen Tag und evtl. Highlights aus. Der richtige Moment um die Frage aufzuwerfen, ob die Leistungen der SNCF Wale nur sonntags oder auch samstags gefahren werden. Der Kollege aus dem hohen Norden wird sofort hellhörig und so wird kurz im Netz recherchiert. Ergebnis: Jawohl, die Züge fahren auch am Samstag.
Na, da haben wir doch für morgen gleich den ersten Programmpunkt. Treffpunkt Böschung gegenüber.
Hoppla! Vor lauter Netzsuche und Begeisterung hätten wir doch jetzt fast die Länderbahnleistung verpasst.
Nach der Zwischenleistung nach Neustadt/Weinstrasse ist der Länderbahn 620 912 nun wieder auf dem Weg in den Elsass, um die Tagesausflüger von Wissembourg wieder zurück nach Mainz zu bringen.Die beiden Mitfotografen wollen nun raus zum Vorsignal. Wäre ne Option, aber ehrlich, ich brauche jetzt mal einen grundsätzlichen Wechsel. Außerdem steht hier in der Ecke, neben der Infrastruktur und den Dieseltriebzügen, auch noch eine andere Spezies auf der Kippe. Und zwar die 1. Generation der Mehrsystem Triebzüge der AVG. Schon unterm Tag hab ich ein bisschen gekuckt, auf welchen Linien die noch fahren und siehe da, sie erreichen noch die Halle des Karlsruher Hbf. Da die Einfahrt dabei von der vom Hotel abgewandten Seite her erfolgt, war mir das bislang nur noch nicht aufgefallen. Also heißt das Ziel für mich Karlsruhe. Kurze Verabschiedung, zumindest einen sehe ich ja morgen Früh wieder, dann geht’s zurück zum Bahnhof, wo mein Auto steht.
Auf dem Weg dorthin kann ich dann doch nicht widerstehen und bleibe nochmal für die ein oder andere Zugfahrt stehen. Schließlich taucht ja auch der 620er nochmal auf.
Als erstes steht die Ausfahrt von 643 012, zusammen mit Fritz Walter Zug 643 016, als RE 12033 nach Karlsruhe an.
Dann rollt 620 912 in den Bahnhof ein. Als Ex 81496 bringt er zufriedene Ausflügler aus Wissembourg wieder zurück an den Rhein, nach Mainz.
Mein Abschluss hier ist 643 026-7, der auf Hp 2 als Regionalbahn 12415 Winden (Pfalz) in Richtung Wissembourg verlässt. Interessant auch das Zwergsignal an Gleis 3.Angekommen in Karlsruhe geht es erstmal aufs Zimmer. Menschliches erledigen und den Fotorucksack abstellen. Für den Sprint durch die Halle habe ich in weiser Voraussicht extra einen normalen, kleinen Rucksack mitgenommen. Kamera, Geldbeutel, Ersatzakku, mehr braucht es ja nicht. Nächster Punkt: ICH HABE HUNGER! Es ist nicht mehr zu leugnen, ich brauche dringend etwas zum Beißen! Mein ursprünglicher Gedanke mir zwei warme Hackfleischbrötchen mit Käse, Essiggurke und Ketchup zu holen, scheitert an den Schlangen vor den Bestellautomaten und der Ausgabe. Keine Chance, keine Zeit. Schließlich hab ich Programm.
Also gibt es alternativ Breze mit Frischkäse und zwei kühle Getränke. Ab damit in den Rucksack und rauf auf Bahnsteig eins. Es steht an „le TGV pour Paris“.
Triebzug 4705 macht sich im Karlsruher Hauptbahnhof wieder auf den Weg in Richtung Paris. Nächster Halt für den TGV 9560 ist Strasbourg.Ach, da jetzt drinsitzen und in die Stadt der Liebe rasen, das wär doch was, oder? Naja, ohne Liebe dafür aber mit Bettwanzengefahr? Ich bleib lieber hier und sprinte in der nun stechenden Sonne und transpirierend hinüber auf den letzten Bahnsteig. Hab ich doch in der Abstellung hinterhalb einen Triebzug gesehen, der verdächtig nach 1. Generation ausschaut.
Mit "Albino" 836 und dem traditionell lackierten 826 warten zwei Zweisystem Triebzüge der 1. Generation auf den Abstellgleisen des Karlsruher Hauptbahnhofs. Daneben mit 1440 881 eine kurze Version der Grinsekatzen. Als RB 15918 wird sie gleich nach Rastatt ausfahren.Jetzt noch schnell den freigefahrenen 826 in traditionellem gelb-rot ablichten, dann heißt es auch schon Bahnsteig wechseln, steht doch die Ausfahrt der S31/S32 an, mit der die alten Triebzüge noch die Halle des Hauptbahnhofs erreichen.
Auf dem Weg dorthin gilt es noch eine alte Bekannte zu verarzten, die nun im neuen Farbkleid, für einen neuen Arbeitgeber, in neuen Gefilden ein Zuhause gefunden hat. Und auch eine 189er noch oder ehemals in Diensten von SBB Cargo International wird nicht links bzw. genauer gesagt rechts liegen gelassen.
Früher für den ALEX unterwegs und dort nach den Hausfarben blau-weiß jahrelang mit "Adler-Beklebung" im Einsatz, hat 183 001-7 nun nicht nur den Besitzer und das Betätigungsfeld gewechselt, sondern mittlerweile auch die Farbe des neuen Arbeitgebers angenommen.
Hier ein Bild aus früheren Tagen, als sie am 25.06.2023, kurz vor der Ablösung durch Beacon Loks der Reihe 182, morgens den ALX 79853 von München Hbf nach Regensburg brachte.Leider läuft bei der nun einfahrenden S31/S32 der Wunschkandidat an hinterer Stelle, was recht ungünstig ist, will man ein Bild in der Halle machen. Die ist mit ihren Zwischenstreben, Werbetafel, dem trüben Licht sowieso schwierig umzusetzen. Zudem steht nun die Sonne eigentlich auch völlig falsch. Trotzdem muss ein Bild in dieser Halle sein, steht es doch quasi symbolisch für das Karlsruher Modell.
Sinnbild für das Karlsruher Modell: Stadtbahnzug 824, ein Fahrzeug der 1. Generation, zusammen mit 882, einem Vertreter der 2. Generation GT8, als S31/S32 in der weiten Halle des Hauptbahnhofs.Ich will jetzt trotz des Sonnenstandes auch noch die Ausfahrt mit der Halle im Hintergrund und dem 824 an der Spitze versuchen. Dafür heißt es nochmal den Bahnsteig wechseln.
Es ist kurz vor sieben, Zeit Feierabend zu machen. Mein Magen konnte nur kurzzeitig mittels der Brezn besänftigt werden. Also geht es dem Bahnsteig entlang in Richtung Hauptausgang, nicht ohne dabei noch die bereitstehende S3 abzulichten.
Schon in die Jahre gekommen sind die Quietschies der Reihe 425. Trotzdem gehören sie vom Rhein-Neckar Gebiet bis in den Pfälzer Wald zum täglichen Bild der S-Bahn. 425 582 und 425 234 stehen als S3 im Karlsruher Hbf bereit.Nochmal schnell hoch aufs Zimmer, frisch machen, dann ab in den bekannten Biergarten. Die kleine, aber feine Speisekarte habe ich im Kopf, also ist schnell beim freundlichen Personal bestellt. Bier, Tomatensuppe, Rumpsteak. Leider wird mir mit größtem Bedauern wenig später mitgeteilt, dass das letzte Rumpfsteak vor wenigen Minuten die Küchen verlassen hätte. Und nachdem meine Hypothese, dass es ja dann noch nicht weit gekommen sein könne und daher noch einzuholen wäre, verworfen wird, entscheide ich mich spontan für Salat. Ist sowieso gesünder und war vorher auch bereits in der Auswahl.
Nach dem Essen und einem zweiten, erfrischenden Bier geht es quer über den Bahnhofsvorplatz zurück zum Hotel. Morgen in der Früh ist auch schon wieder auschecken angesagt. Schade, fühl ich mich doch gerade sau wohl und zu fotografieren gäbe es hier auch noch mehr als genug.








