Eisenbahn am Ende der Welt - 12: Abschluss um Auckland
Von David Gubler
Sonntag, 5.4.2026: Taumarunui - HamiltonHeute hatte ich am Morgen mal gar keinen Stress, denn es war Sonntag, und am Sonntag fuhr am Vormittag nichts. Die erste und einzige Bewegung war heute (vermutlich - möglicherweise auch Ausfall wegen Ostern!) der Mittags-Güterzug gegen Norden.
Das Wetter sah im Moment noch nicht so aus, als würde das was, aber ein paar Stunden war es ja noch hin. Als Vormittagsprogramm fuhr ich erst mal zu den Silica Rapids an den Flanken des Ruapehu hoch. Mit einer kurzen Wanderung waren diese gut erreichbar. Es handelt sich dabei um Mineralienablagerungen im Flusslauf. Das Wasser wird im Berg durch heisses Gestein gedrückt und löst dabei Mineralien raus, und oberirdisch beim Abkühlen lagern sich diese wieder ab. Schön anzusehen zwar, fototechnisch aber leider nicht so spannend.
Für den Güterzug fuhr ich anschliessend nach Ohakune, um mich dort beim Hapuawhenua-Viadukt nochmal aufzustellen. Das Wetter hatte sich inzwischen gebessert, die Siffschicht oben war fast durchgezogen und die Quellwolken hielten sich in Grenzen. Die Wanderung zum Viadukt ging schnell. Auffallend war die grosse Anzahl Velofahrer, die unterwegs waren, viele davon ungeübt - Offensichtlich gab es hier einen Veloverleih im grösseren Stil.
Ich pokerte darauf, dass der Güterzug etwas früher kam, denn ich hatte anschliessend noch einen Termin. Daraus wurde jedoch nichts, der Güterzug tauchte nicht auf (und der Northern Explorer ebensowenig, aber das war keine Überraschung, der fuhr wohl das ganze lange Wochenende nicht). Dafür wurde das Wetter wieder schlechter, und irgendwann waren die Aussichten auf Sonne ziemlich komplett weg. Ich nahm das zum Anlass, die Übung abzubrechen und in Richtung Hamilton hochzufahren.
Etwas ausserhalb von Hamilton traf ich mich mit Ken Ashman. Er war Stellwerk-Konstrukteur und Techniker bei KiwiRail, und als “Freizeitbeschäftigung” baute er über die letzten 30-40 Jahre eine umfangreiche Sammlung an Stellwerken und jeglicher anderer Form von Sicherungstechnik auf. Die ganze Sammlung war in einem eigenen Gebäude untergebracht und quasi vollständig betriebsfähig!
Ich kann leider keine exakte Übersicht bieten, was alles in seiner Sammlung vorhanden ist, aber es sind mindestens zwei betriebsfähige mechanische Stellwerke für mechanische Aussenanlagen, mindestens zwei mechanische Stellwerke für elektrische Aussenanlagen und eine ganze Reihe von Relaisstellwerken aus verschiedenen Epochen und Zeiträumen!
Die Stellwerke stammen zum grössten Teil von KiwiRail und zum kleineren Teil aus Australien.
Nun, was hiess “betriebsfähig” in diesem Kontext?
Jedes Stellwerk an sich funktionierte, aber das war nicht alles! Jedes Stellwerk hatte auch die zugehörigen Signale und Simulationen (Zeitverzögerung!) sowie Rückmeldungen der Weichenantriebe! Die Signale waren zum Teil Originale, zum Teil Modelle. Einige Signale waren sogar draussen aufgestellt und in Betrieb. Bei den Signalen gab es alles, von Formsignalen über verschiedene Lichtsignale bis hin zu von Ken für KiwiRail gebauten Prototypen!
Was natürlich noch fehlte, waren die Züge. Es gab hier keine Modelleisenbahn oder so, aber es gab einen Computer, welcher die Zugfahrten simulierte, indem er die Freimeldungs-Eingänge des Stellwerks belegte. Die Steuersoftware konnte einzelne Züge fahren lassen oder auch ein komplexes Programm mit mehreren Zügen. Die Software kommunizierte mit allen Stellwerken (inkl. den vollmechanischen Stellwerken, deren Weichen- und Signalzustände ebenfalls abgegriffen wurden). Die Stellwerke und die Software waren wiederum so gebaut, dass sie eine Strecke abbildeten und die Züge von Stellwerk zu Stellwerk fuhren. Das ganze Museum war daher eine einzige Simulation von Zugverkehr über > 10 Bahnhöfe hinweg!
Die ganze Anlage war der helle Wahnsinn, und es war extrem beeindruckend, wie viel Aufwand Ken in die Beschaffung aller Komponenten, deren Betriebsfähigkeit und der Integration aller Anlagen gesteckt hat. Das Resultat funktionierte ausgezeichnet!
Ich habe leider keine Fotos gemacht (die Erläuterungen und Demonstrationen von Ken waren viel zu spannend, um dauernd abgelenkt etwas zu fotografieren), und das Ausmass der Sammlung wäre auch kaum in Fotos festzuhalten. Aber es gibt zum Glück ein Youtube-Video, welches zwar schon älter ist, aber einiges von der Anlage zeigt.
Youtube: >> Nightshift At The Ashman Signalling Museum <<
Ken nahm sich rund sechs Stunden (!) Zeit, um nur mir alleine “alles” zu zeigen und zu demonstrieren. Seine Frau sorgte sogar für ein leckeres Abendessen!
Ich kann nur sagen: Wer sich auch nur entfernt für Technik interessiert und Neuseeland besucht, sollte unbedingt mit Ken einen Besuch vereinbaren! (Fixe Öffnungszeiten gibt es leider nicht)
An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Ken und seine Frau!
Leider war es dann aber irgendwann Zeit, mich von Ken, seiner Frau und dem Büsi zu verabschieden und mein Hotel aufzusuchen.
Montag, 6.4.2026: Hamilton - Auckland
Auch heute machte ich mir am Morgen erst mal keinen Stress. Auch Zeit für ein Frühstück war genug vorhanden.
Denn… was wollte ich heute überhaupt tun?
Zumindest gestern und heute (möglicherweise auch schon Fr/Sa) wurde nördlich von Hamilton gebaut, es fuhren keine Züge. Zwar sollten theoretisch südlich von Hamilton Züge fahren, aber es kann sich jeder vorstellen, dass das nicht mehr viele sein konnten.
Und dann war da noch das Wetter. Zwar hatte es Aufhellungen, aber wenn ich ehrlich war, war da nicht wirklich was zu wollen.
Ich entschied mich daher, nochmal irgendwo auf die Suche nach Minen-Artefakten zu gehen, und das zumindest mit einer ganz kleinen Wanderung zu verbinden.
Ohne viel Ahnung zu haben, was man hier in der Gegend gesehen haben sollte, fischte ich mal die Gegend um Broken Hills/Collins Drive aus dem Google raus, wo vor über 100 Jahren nach Gold gegraben wurde, und fuhr dort rüber. Durch die Plätte ging es bis Kopu, ab dort führte einen kurvige Strasse durch die Hügel. Und auf der Strasse kam mir eine gewaltige Blechlawine entgegen - Scheinbar halb Auckland hatte Ostern wohl an der Ostküste verbracht und war nun auf dem Heimweg und verstopfte die Strassen…
Nun ja, ich war jetzt mal in der Gegenrichtung unterwegs und das ging ganz gut. Es war nicht so klar, wo man hinfahren sollte, aber schlussendlich führte mich ein Kiesweg bis an einen der Ausgangspunkte. Von dort gings zunächst über einen Fluss (von Stein zu Stein hopsen) und durch den Wald zu den Überresten einer “Stampfanlage”, welche wohl genutzt wurde um das Gestein zu zerkleinern.
Das Highlight kam aber weiter oben: Ein 500m langer Minen-Stollen, der beidseitig offen und durchgehend begehbar war! Dieser war ganz offiziell als Wanderweg ausgeschildert.
Im einem Seitengang waren noch Schienen zu finden und an der Decke hatte es Glühwürmchen (auf dem Foto leider nicht zu sehen)!
Bitte entschuldigt die Bildqualität. Ausser einer 10jährigen DSLR ohne irgendeine Form von Bildstabilisator und einem Smartphone als Lichtquelle hatte ich leider nichts dabei - Für Erkundungstouren im Dunkeln war ich definitiv nicht ausgerüstet.
Der Hauptgang war teilweise etwas niedrig, sodass man den Kopf einziehen musste. Abschnittsweise waren Abstützungen eingebaut. Ich habe aber Zweifel, ob die Original sind - Das Department of Conservation musste wohl gewissen Aufwand betreiben, um die Mine für Besucher sicher zu machen.
Mit diesem Foto erschreckte ich ein entgegenkommendes Päärchen. Sie dachten, dass mein Handy-Licht das Tunnelende sei, und plötzlich bewegte sich das Licht und machte Geräusche (als ich meine “Installation” weg räumte)!
Ein Seitengang war verrammelt und teilweise eingestürzt (ganz hinten sieht man etwas Tageslicht). Es hatte aber ein Loch um durchzugucken.
Auf der anderen Seite war ebenfalls ein Seitengang verrammelt, dort befand sich ein sehr steiler Hohlraum, wo wohl Gestein abgebaut wurde.
Das andere Ende des begehbaren Stollens.
Anschliessend besuchte ich noch den Aussichtspunkt, wobei es da keine Aussicht gab, da das Wetter wieder mal eher feucht war, und kehrte anschliessend zum Auto zurück.
Ich hatte noch eine zweite Ecke für einen Besuch vorgesehen, aber diese Expedition dauerte nun etwas länger als gedacht und zudem war der Weg nach Auckland - nicht zuletzt wegen Stau - ebenfalls länger als erwartet, und so beendete ich das Ganze für heute.
Google führte mich anschliessend über Nebenstrassen in den Dunstkreis von Auckland, und fast staufrei (unter Umfahrung der verstopfen Autobahn…) erreichte ich schlussendlich doch noch den Flughafen. An der nahen Tanke wurde ein letztes Mal aufgefüllt und das Auto etwas “entdreckt” - wenn auch nur sehr grob. Immerhin von aussen sah es nicht sooo schlimm aus, da half der heutige Regen durchaus. Ich will ja der Liebling meiner Autovermietung bleiben, nicht wahr. (OK, ich wollte einfach nicht, dass irgendwer auf die Idee kam, mir Zusatzgebühren für übermässig dreckiges Auto zu verrechnen, wie das auch schon der Fall war).
Von wegen Liebling der Autovermietung. Der Kilometerzähler zeigte rund 60’000 km, dieses (zweite) Auto hatte ich mit gut 51’000 übernommen. Mit dem ersten Auto hatte ich wohl auch gegen 7’000 km gemacht, also total rund 16’000. Der Preis für die ganze Geschichte (inkl. Reduktion Selbstbehalt) war 1800 CHF, das machte also grob 11 Rp/km. Ob da die Autovermietung noch etwas an mir verdient hatte?
Nachdem das Auto abgegeben war, ging es zum Hotel gleich nebenan, und anschliessend noch zum Food Court des Flughafens für ein Abendessen.
Dienstag, 7.4.2026: Auckland - Auckland
Heute hatte ich einen autofreien Tag in Auckland, dank der Autovermietung, welche meine Miete partout nicht verlängern konnte, weil das Maximum an Miettagen erreicht sei. Das war nicht völlig überraschend, denn ich hatte das Auto schon im Vorfeld mit dem exakten Maximum an Miettagen gebucht. Also eine längere Miete wäre schon möglich gewesen, aber die Mietbedingungen hätten sich geändert, unter anderem hätte es bei längerer Miete keine unbegrenzten Kilometer gegeben, und das wäre… eher teuer geworden.
Jedenfalls hatte ich so mal Gelegenheit, die neuseeländischen öffentlichen Verkehrsmittel testen!
Zuerst aber gabs Frühstück im Flughafen-Hotel (das hervorragend war!), anschliessend suchte ich den Flughafen-Bus. Der Flughafen von Auckland hatte leider keinen Bahnanschluss, aber eine Buslinie, die im 10-Minuten-Takt den Flughafen mit dem Bahnhof Puhinui verband, von wo aus im 10- bis 20-Minuten-Takt Züge ins Stadtzentrum fuhren. Das war alles gut ausgeschildert und einfach zu finden. Ticket musste man keins kaufen, der ÖV hatte ein Check-in-Check-out-System, welches unter anderem auch mit internationalen Kreditkarten funktionierte. Wobei funktionierte ein bisschen relativ war, der Check-out in Puhinui funktionierte nicht, aber soweit ich das beurteilen konnte, sollte das keine gröberen Konsequenzen haben.
Der Bahnhof selbst war mit Zugangssperren versehen (weniger wichtige Bahnhöfe hatten dies nicht) und quasi neu, wie auch ziemlich alle anderen Bahnhöfe der Linie.
Der sechsteilige Zug war ziemlich leer. Allgemein fiel mir schon in den ersten Tagen auf, dass das Angebot deutlich grösser war als die Nachfrage. Der Hintergrund lag wohl darin, dass anscheinend das ÖV-Angebot in Auckland lange sehr stiefmütterlich behandelt wurde und erst vor gut 10 Jahren ein angebotsseitiger Quantensprung erfolgte. Grössere Ausbauten am Bahnnetz fanden 2006-2011 statt (weitere Verlängerungen sind auch aktuell im Bau), das RFID-Ticketsystem wurde 2012 eingeführt und der elektrische Betrieb begann 2014.
Zwei weitere Dinge fielen auf: Die CAF-Züge waren nur teilweise stufenlos - nur der Mittelwagen war niederflurig. Einstiegsbereich im Endwagen:
Die grössere Kuriosität war aber, dass die Züge manuell abgefertigt wurden! Und das bei einer S-Bahn!
Der Endbahnhof Waitematā im Stadtzentrum hatte ein sehr anständiges Gebäude, wobei auch innen die alte Substanz gut integriert war mit neuen Teilen für moderne Bedürfnisse.
Ich suchte gleich den nächsten Bus der Linie 11T, der mich zum heutigen Ziel bringen sollte, dem Museum of Transport and Technology MOTAT. Das klappte und diesmal funktionierte auch der Check-Out.
Das MOTAT kann sich leider nicht so ganz messen mit anderen Museen derselben Kategorie, aber ein paar Highlights hatte es sehr wohl zu bieten.
Zum einen war da das Pumpenhaus, das der Wasserversorgung Aucklands diente und eine riesige, funktionsfähige “Beam Engine” beherbergte. Diese übertrug die Leistung über einen riesigen Balken an der Decke (daher “Beam”) von den Dampfzylindern zur Pumpe. Leider war das mit 24mm etwas schwierig zu fotografieren…
Einige Dampfmaschinen waren im Raum nebenan ausgestellt, welche nichts mit der Funktion des Pump Houses zu tun hattenEisenbahntechnisch war leider nicht viel vorhanden, lediglich die historischen Trams von Auckland (der Trambetrieb wurde 1956 eingestellt) waren relativ gut vertreten.
Ein tolles Feature des Museums war aber die Tramlinie, welche diesen Teil mit der neueren Luftfahrthalle verband. Diese Linie war nie Teil des ursprünglichen Tramnetzes, aber erfüllt eine echte Funktion, denn die beiden Museumsteile waren doch etwa 1.7 km auseinander.
Die Luftfahrthalle wiederum war ein weiteres Highlight. Die eindrücklichsten Exponate waren ein Avro Lancaster (leider unfotografierbar) und zwei gut erhaltene Flugboote!
Short S.25 Sunderland MR Mk 5 4115 of RNZAF (Royal New Zealand Air Force) at Auckland, MOTAT Aviation HallDer 2. Weltkrieg war auch ein grosses Thema, denn Neuseeland hat an Seite der Briten gekämpft. Ein Exponat war ein Situationsraum der Royal Air Force für die Organisation von Bombing Raids.
Zurück im Hauptteil des Museums fand ich noch ein weiteres Highlight, nämlich die Gleichrichterstation des Trambetriebes! Es handelte sich hier um vier Quecksilberdampf-Gleichrichter, welche im täglichen Betrieb waren. Sowas habe ich sonst noch nirgends in Betrieb gesehen!
Für das volle Programm musste man idealerweise warten bis zur Abfahrt der beiden Trams, denn unter Last waren die Lichtbögen viel stärker!
Youtube: >> Mercury Arc Rectifier at the Auckland Museum of Transport and Technology <<
Damit hatte ich das Museum aber dann doch gesehen und nahm den Bus zurück ins Stadtzentrum.
Apropos Bus. Auckland betreibt eine grössere Flotte von CRRC-Elektrobussen, und die fand ich durchaus interessant.
Daneben waren auch Elektrobusse von Geely im Einsatz.
Auch Dieselbusse waren noch einige im Einsatz. Chinesische BCI Citirider…
Britische Importbusse von Alexander Dennis…
Und eine Frankenstein-Konstruktion basierend auf MAN-Chassis.
Zwischendurch ging ich mal beim “Mr. Katsu” vorbei für ein Chicken Katsu (sehr lecker und gerade mal 8 CHF inkl. Getränk!) und machte anschliessend noch ein paar Fotos. Das Stadtzentrum von Auckland hat durchaus Grossstadt-Charme.
Kaum einen Kilometer weiter draussen sah das schon ganz anders aus.
Zum Abschluss gab es noch ein schnelles Foto im Bahnhof von Waitematā inkl. Gemecker vom Sicherheitspersonal (grosse Kamera == kommerziell == verboten!!!!!1111elf!!!). Hach wie schön, Ferien wären einfach nicht komplett ohne angemeckert zu werden!
Damit war für mich der Tag aber definitiv durch, mit der South Line gings zurück nach Puhinui und mit dem Flughafen-Bus zum Hotel.
Morgen? Da hatte ich nichts mehr vor, ausser rumlümmeln und meinen Flug aufzusuchen. Hoffen wir das Beste!
Mittwoch, 8.4.2026: Auckland - Melbourne
Nun war er also da, der grosse Tag! Zurück in die Schweiz sollte es gehen.
Ich hatte ja gewisse Sorgen, dass die Rückreise kurzfristig gestrichen werden könnte. Aber gestern war TACO Tuesday, und da wurde zum Glück “Die Zivilisation auslöschen” vom Tagesprogramm gestrichen, was mich doch etwas beruhigte.
Mein Rückflugprogramm sah nun so aus:
Zuerst mit JetStar von Auckland nach Melbourne.
Dann in Melbourne 5 h rum sitzen.
Dann mit Qatar von Melbourne nach Doha und kurz darauf weiter nach Zürich.
Das Ganz lag daran, dass Qatar die Flüge nach Auckland nach wie vor nicht wieder aufgenommen hatte. Die Alternative war, entweder über Kuala Lumpur oder Melbourne zu fliegen. Die Variante über Melbourne war dabei attraktiver.
Ein letztes Mal hatte ich Gelegenheit, das tolle Hotel-Frühstück zu geniessen. Anschliessend trödelte ich etwas im Zimmer herum bis kurz vor 11:00. Mein Flug war zwar erst am Nachmittag, aber die Zeit reichte dann doch nicht, um noch irgendwas gescheites zu tun, wenn ich > 1h mit dem ÖV hätte irgendwo hinfahren müssen und wieder zurück.
Ich ging mal zum Flughafen rüber, aber der Check-In war noch nicht offen (Online-Check-In ging nicht, aber immerhin die Sitzplätze konnte ich online auswählen). Ich wartete etwas herum, zwischendurch wurde ein “Sicherheitsvorfall” durchgegeben mit der Konsequenz, dass die Passagierabfertigung unterbrochen sei… Tolle Wurst.
Schlussendlich wurde der JetStar-Check-In aber doch noch eröffnet. Mein Check-In an den Automaten funktionierte aber nicht, denn es war alles kompliziert:
Für Australien brauchte ich entweder ein Visum (nicht vorhanden) oder ich musste die Voraussetzungen für visafreies Umsteigen erfüllen, was ich tat. Das musste der JetStar-Check-In überprüfen, daher die manuelle Abfertigung.
Die nächste Hürde: Das visafreie Umsteigen funktionierte natürlich nur, wenn mein Gepäck automatisch durch geroutet wurde (ich konnte ja nicht aus dem Transferbereich raus, um das Gepäck neu einzuchecken). Das stellte sich aber als unproblematisch heraus, denn die Dame am JetStar-Check-In war in der Lage, das Gepäck bis Zürich zu routen.
Was aber nicht ging: Ich bekam keine Bordkarten für die Qatar-Flüge (nur für den JetStar-Flug). Die musste ich in Melbourne besorgen.
Irgendwann gings los mit einem abgeranzten A320-200, aber wir flogen pünktlich ab und kamen pünktlich an, da gabs keinen Grund zur Beschwerde.
In Melbourne suchte ich erst mal einen Transferschalter, der aber nicht aufzufinden war. Eine Nachfrage beim Sicherheitspersonal ergab dann aber, dass man die Bordkarte am Gate bekommen sollte, was auch prompt klappte. Ansonsten waren die 5h rum sitzen langweilig und ereignislos, wie man das gerne hat.
Donnerstag, 9.6.2026: Melbourne - Uster
Der Flug nach Doha klappte dann ebenfalls einwandfrei, diesmal im A350 statt in der 777. Die Route wurde dabei so gewählt, dass wir quasi einen möglichst grossen Bogen um den Iran machten und Doha von südwesten her anflogen.
In Doha selbst merkte man nicht viel von der angespannten Lage, der Flughafen war sicher etwas weniger belebt als normalerweise, aber keineswegs leer. Da mein Rückflug kurzfristig eine knappe Stunde nach hinten verschoben wurde, war mein urspünglich eher knapper Anschluss (eine gute Stunde) nun ganz gemütlich. Der folgende Flug nach Zürich war ebenfalls völlig problemlos. Mein Gepäck hatte es ebenfalls geschafft und die S-Bahn brachte mich, wie man das erwartet, pünktlich nach Hause.
Fazit
Nach dem Besuch 2015 mit Pascal Zingg hatte ich ja so meine Zweifel, ob es sich lohnt, dieses Neuseeland nochmal zu besuchen. Und mit dem Krampf der ersten Woche, siehe Teil 2, wurde ich diesbezüglich auch erst mal bestätigt.
Aber anschliessend ging es massiv aufwärts, und so im Nachhinein übertrifft das Resultat meine kühnsten Erwartungen! Und das, obwohl viele Tage ohne zählbares Foto endeten. Zum Glück hatte ich genügend Zeit eingeplant, um einfach so lange zu probieren, bis es klappte! Die Unterschiede zu 2015? Die längeren Tage und das tendenziell bessere Wetter halfen massiv. Die Drohne hat die Ausbeute fast verdoppelt, und der unerwartete Zufall mit den Fahrplaninfos, auch wenn diese öfter mal nur theoretischer Natur waren, war natürlich auch sehr glücklich.
Was habe ich ignoriert? Die Strecke von Hamilton nach Tauranga rüber und alles südlich von Christchurch, die sicher beide noch etwas hergeben würden, aber nur spärlichen Güterverkehr haben. Im S-Bahn-Bereich von Wellington gäbe es sicher auch noch ein paar Dinge zu sehen.
Muss ich nochmal hin? Vorerst sicher nicht - Man kann natürlich noch mehr fotografieren, aber ich bin mit dem Querschnitt durchs neuseeländische Eisenbahnnetz sehr zufrieden! Aber vielleicht in 10 Jahren, wer weiss?
Tipps & Tricks für Fotoreisen in Neuseeland
Fähre: Wer kein übermässiges Bedürfnis hat mit der Interislander-Fähre zu fahren, dem würde ich eher empfehlen, per Flugzeug zwischen den Inseln zu wechseln und zwei separate Autos zu mieten. Erspart Ärger und potentiell komplizierte Buchungen. Wer Fähre fahren will und ein Auto bucht mit Abholung auf einer Insel und Rückgabe auf der anderen Insel, muss das Auto am Fährterminal abgeben und auf der anderen Seite ein neues holen. Vorteil: Man braucht nur ein Fusspassagier-Ticket für die Fähre, das ist günstig und immer verfügbar. Nachteil: Man muss die Überfahrt bei der Autovermietung ein paar Tage im Voraus anmelden und es gibt einen (angeblich deutlichen) Aufpreis. Wer wie ich das Auto mit Abholung und Rückgabe auf derselben Insel bucht ist auf sich alleine gestellt, man hat keine Garantie ob die Autovermietung die Fährüberfahrt zulässt und die Verfügbarkeit von Fährtickets ist häufig schlecht, was Vorteile bezüglich Flexibililtät teilweise zunichte macht.
Auto: Auf der Nordinsel braucht es nirgends ein geländegängiges Fahrzeug. Auf der Südinsel ist ein geländegängiges Fahrzeug empfehlenswert für die Strasse nach Craigieburn, wobei idr. die Autovermietungen Schäden beim Fahren auf Schotterstrassen von der Versicherung ausschliessen. Ansonsten gibt es auch auf der Südinsel keinerlei Bedarf für ein geländegängiges Fahrzeug.
Im Winter ist mit teilweise sehr schwierigen Strassenverhältnissen zu rechnen. Winterreifen und Schneeketten zwingend.
Drohne: Flug über Privatgrundstücke ist verboten (bzw. benötigt Einwilligung des Eigentümers). Natürlich ist nicht immer klar, was Privatgrund ist - Ich habe es grundsätzlich vermieden, über eingezäuntes Land zu fliegen. Für Infos über Flugverbotszonen gibts die “AirShare”-App. Nationalparks und Schutzgebiete sind dem “Department of Conservation” (DOC) unterstellt, da gibt es eine eigene Karte. Drohnenflüge sind auf DOC-Land meist verboten, ausser in grünen Gebieten der DOC-Karte, wobei man dafür auf der DOC-Webseite eine Bewilligung kaufen muss. Flussläufe sind idr. von allen Einschränkungen ausgenommen, Drohnenflüge daher erlaubt. Von Seite Eisenbahn habe ich keine Aussagen/Verbote zum Thema Drohnenflüge gefunden.
Privatgrund: Darf grundsätzlich nicht betreten werden. Dies schränkt die Zugänglichkeit für Fotos vielerorts massiv ein. Es ist in aller Regel vor Ort gut erkennbar, wo man durchgehen darf; teilweise gibt es Wanderrouten durch Privatgrund, dies ist jedoch selten und idr. explizit ausgeschildert. DOC-Land darf grundsätzlich immer betreten werden, ebenso Flussläufe.
Preisniveau: Typisches OK Motel/Hotel so 60-80 Euro pro Nacht, teuer war nur das Flughafenhotel in Auckland (150 Euro pro Nacht). Verfügbarkeit von Unterkünften z.T. schlecht, zur Hauptsaison (November - Februar) vermutlich sehr schlecht.
Jahreszeit: November bis Februar Hochlicht über Mittag. Die von mir gewählte Jahreszeit Februar - April war meines Erachtens eine sehr gute Wahl.






































