Eisenbahn am Ende der Welt - 8: Ein Wochenende abseits des Kohleverkehrs
Von David Gubler
Samstag, 21.3.2026: Greymouth - GreymouthDer heutige Tag begann, wie gestern, mit dem Hotel-Frühstück. Ein guter Start!
Das erste Ziel war, einmal mehr, Otira. Ich rechnete mir noch immer geringe Chancen aus, dass heute früh ein Kohlezug nach Westport rauf fuhr, den man verfolgen könnte. Aber für den wahrscheinlichen Fall, dass das nicht geschah, hatte ich einen guten Plan B, denn wir erinnern uns: Vor einer Woche war am Samstag tagsüber kein Kohleverkehr unterwegs.
Ich fuhr daher mal der Strecke nach in Richtung Otira. Nicht weit hinter Kokiri sah ich im Rückspiegel ein rotes Signal. Blockstörung oder Zug unterwegs?
Ich wartete kurz, und wenige Minuten später wurde das Signal gelb. Ein Zug fuhr daher in Richtung Stillwater.
Ich fuhr diesem Zug mal hinterher und traf im Bahnhof Stillwater auf zwei Kohlezüge, wobei einer wohl gerade ankam und der andere gerade mittels Radlader beladen wurde. Ein Blick in den grafischen Fahrplan bestätigte: Ja, Samstag war Lade-Tag in Stillwater, zumindest… manchmal. Also nix mit Zug nach Westport. Das hätte ich auch vorgängig rausfinden können, aber nun gut, verpasst hatte ich nichts und Zeit hatte ich auch genug.
Also wie erwartet: Übergang zum Plan B. Dieser bestand daraus, bei Cass den Charterzug von Steam Incorporated Limited (was für ein Name) abzulichten.
Die Fahrt auf den Pass war neblig, aber das war kein schlechtes Zeichen, denn Nebel heisst ja meistens schönes Wetter, wenn die Sonne rauskommt. Und die Sonne hatte noch über zwei Stunden Zeit, um rauszukommen. Diese wartete ich einmal mehr an der Mount White Bridge ab. Und nach gut einer Stunde war tatsächlich der Nebel weg, perfekt!
Vor dem Charterzug kam sogar noch ein Kohlezug aus Stillwater. Ich erwartete zwar, dass dieser etwas verfrüht unterwegs sein könnte, aber schlussendlich überraschte er mich dann doch mit rund einer halben Stunde Verfrühung. Dank Warnung durch den Bü reichte es aber trotzdem für ein Drohnenbild, nett!
Nun hätte es eigentlich zügig gehen müssen, denn die Kreuzung der beiden Züge war in Cass geplant, wurde aber vermutlich nach Craigieburn verschoben. Mir war das recht, denn so hatte die Sonne noch etwas Zeit, sich in bessere Position zu drehen.
Einen Drohnenakku später tauchte der Charterzug dann auf.
Der Zug fuhr aber nur bis Arthurs Pass. Das ersparte natürlich den ganzen Aufwand mit dem Tunnel, und machte auch die Fahrlage attraktiv (sonst wäre die Ankunft zurück in Christchurch wohl etwas arg spät).
Nur… hing dann die Lok auf der Rückfahrt falsch herum dran?
Nein, natürlich nicht! In Arthurs Pass gabs ja noch eine Drehscheibe, die sah sehr betriebsfähig aus. Hmmm, vielleicht sollte ich mich beeilen, statt rumzutrödeln…
Diese Einschätzung war dann auch genau richtig, und in Arthurs Pass reichte es für ein Drehscheiben-Bild.
Der Charterzug sollte nun bald wieder in Richtung Christchurch fahren, aber das war lichttechnisch leider gar nicht zu gebrauchen, daher liess ich den bleiben und wechselte wieder nach Otira runter, um den TranzAlpine abzulichten.
Zuerst hatte ich aber noch eine gute Stunde totzuschlagen. Das Wetter diesseits des Passes war zwar bewölkt, aber die Fotostelle war konstant in der Sonne. Bis 15 Minuten vor Planzeit des Zuges natürlich, da kamen die Waberwolken und sorgten für ungewollten Nervenkitzel. Das Resultat war dann leider nicht perfekt, aber OK.
Nun wollte ich noch ein Drohnenbild bei der Einfahrt in den Tunnel machen. Dort musste man aber einen guten Kilometer nach hinten laufen. Der Zug hatte aber in Otira nur 10 Minuten Aufenthalt (ganz schön sportlich, um beidseits Loks anzuhängen und vermutlich eine Bremsprobe zu machen!), das Ganze war also ein ziemlicher Stress.
Schlussendlich konnte ich aber gerade noch rechtzeitig die Drohne rauf schicken. Also die Drohne in Position war, war die Fotostelle wunderbar in der Sonne! Die zwei Minuten, bis der Zug dann durchfuhr, reichten aber einem Wolkenzipfel, ins Bild zu ziehen. Das Resultat war dann leider gar nicht nach meinem Gusto.
Damit war das Programm hier durch. Aber ich hatte noch einen weiteren Punkt auf dem Plan: Es gab abends einen Lokalgüterzug, der von Hokitika nach Greymouth fuhr, und das (angeblich) sogar täglich, inkl. Sa und So! Da ich sowieso zurück nach Greymouth musste, war das nicht mal ein grosser Umweg.
Ich fuhr also vor zur Küste und anschliessend runter in Richtung Hokitika. Ganz dorthin kam ich allerdings nicht; etwa 4 km vor Hokitika kam mir der Zug schon entgegen. Der war jetzt deutlich vor Plan, aber das war eigentlich gut, denn das Licht wurde nur noch schlechter für seine Richtung.
Also Wenden und erste Fotostelle suchen. Die erste Stelle war kein Brüller und ging im Wolkenschmodder unter, als nächste Stelle suchte ich mir den Kreisverkehr von Kumara aus. Dort führte die Bahnlinie quer über einen Kreisel - Wieso auch immer, Platz hätte es ja genug gehabt?!? Aber die Szene fand ich witzig.
Das nächste Bild gabs bei der Taramakau-Flussbrücke. Diese war früher als kombinierte Schienen-Strassen-Brücke ausgeführt, inzwischen hatte sie allerdings ihre Strassenfunktion verloren.
Ein paar km weiter gabs noch ein Bild…
Bis ich dann die Trestle am Ortsbeginn von Greymouth erreichte, die ich unbedingt umsetzen wollte. Allerdings musste man da auf einer vielbefahrenen Strasse herumlaufen, aber dank einiger rücksichtsvoller Autofahrer ging das schlussendlich ganz gut.
Das letzte Bild des Zuges gab es dann etwas weiter in der Ortsdurchfahrt von Greymouth.
Der Zug wurde im Güterbahnhof von Greymouth rangiert und sollte erst bei Dunkelheit weiterfahren, daher war das Programm für heute beendet.
Zwischenzeitlich hatte ich noch die nächsten Tage organisiert, inkl. Fährticket. Das gab mir nächste Woche nochmal Zeit für die Buller Gorge (in der Hoffnung, dass da die Züge nächste Woche wieder besser fuhren), dann sollte das Wetter Mi/Do schlecht sein, da konnte ich irgendwas improvisieren, und am Freitag Mittag sollte ich dann wieder auf der Nordinsel sein; dort gab es am Wochenende wieder diverse Charterfahrten, da passte das ganz gut, und anschliessend hatte ich nochmal eine gute Woche auf der Nordinsel. Das war doch ein Plan, oder?
Sonntag, 22.3.2026: Greymouth - Westport
Heute war Sonntag, und daher war kein Kohleverkehr zu erwarten. Ich hatte zudem keine Lust, mich heute den ganzen Tag nur mit dem Personenzug zu beschäftigen, daher hatte ich andere Ideen.
Für den Morgen stand erst mal ein Besuch im Shantytown auf dem Plan. Shantytown stellt einen typischen neuseeländischen Ort im Goldrausch um 1900 dar mit vielen verschiedenen Aspekten, von den Hütten einfacher Goldsucher bis hin zu einem Spital sowie einem umfangreichen Teil zur Gewinnung von Gold. Shantytown selbst existiert seit den 1970ern, damals konnten diverse Gebäude übernommen werden, welche ins Ensemble passten.
Am Ort, wo Shantytown aufgebaut wurde, wurde früher Holz abgebaut und dafür unter anderem eine kurze Kapspur-Bahnstrecke errichtet (ohne Verbindung zum Staatsbahn-Netz). Für die Holztransporte wurden unter anderem zu Schienenfahrzeugen umgebaute Traktoren eingesetzt.
Shantytown hatte aber auch eine Reihe “richtiger” Lokomotiven. Diese wurden aber wohl nie hier eingesetzt.
Eine davon war betriebsfähig und wurde genutzt, um auf der alten Waldbahn-Strecke Personenzüge zu fahren!
Die erste Fahrt des Tages bis zum Ende der befahrbaren Strecke mitten im Wald musste ich natürlich mitmachen, wirklich fotografierbar war das allerdings nicht. Der Zustand der ganzen Anlage war allerdings… eher interessant. Immerhin, die (vermutlich Vakuum-)Bremsen der Wagen funktionierten bei der Fahrt zurück und wurden auch benötigt.
Shantytown insgesamt ist eine interessante Anlage. Viele Exponate sind schön gemacht, viele Teile auch sehr improvisiert. Man kann sich auch vorstellen, dass die Anlage an diesem Ort (ein paar km im Hinterland von Greymouth) rein praktisch gesehen keine grossen Besucherströme anziehen kann, entsprechend dürften die Mittel äusserst begrenzt sein. Wenn man in der Gegend ist, sollte man aber unbedingt vorbeischauen!
Für mich war das aber nun gut, ich hatte mit dem TranzAlpine noch ein, zwei Hühnchen zu rupfen.
Für die Hinfahrt nach Greymouth wollte ich nochmal die Fotostelle am Arnold River aufsuchen. Zeitlich sollte das gerade aufgehen. Entsprechend fuhr ich da rüber zur Arnold River Power Station und begab mich durch den Wald zu den Aussichtspunkten, wo ich die Drohne starten konnte. Und kaum 10 Minuten später kam der TranzAlpine auch vorbei, sehr schön!
Für die Rückfahrt wollte ich nochmal ein Bild in der Nähe der Brunner Mine machen. Die historischen Anlagen dort sind Drohnen-Flugverbot, aber rund herum darf man fliegen. In der Stunde, die ich totzuschlagen hatte, konnte ich mir die ganze Anlage nochmal in Ruhe anschauen, was sich durchaus lohnte!
Das Bild klappte dann ebenfalls wie erwünscht.
Nun war ich mir etwas unsicher, ob ich den Zug noch verfolgen wollte oder nicht. Das Satellitenbild versprach aber relativ wenige Wolken, und um Otira hatte ich noch zwei Dinge, die ich erledigen wollte.
Dieses Bild vor Otira hatte ich zwar gestern schon gemacht, aber da waren Waberwolken am Werk und ich wollte das nochmal so richtig ohne Kompromisse (über das fehlende Frontlicht schauen wir mal hinweg). Und das klappte dann auch einwandfrei!
(Ob das Bild jetzt tatsächlich besser ist als jenes von gestern darf bezweifelt werden, aber ich kann jetzt besser schlafen)
Was aber gestern definitiv nicht geklappt hatte, war das Bild beim Otira-Tunnel, und das wollte ich auch nochmal versuchen. Aber auch heute waberten da die Wolken rum. Zwar anders als gestern, aber irgendwie noch immer nicht so ganz, wie ich das gerne gehabt hätte. Aber der Vollständigkeit halber hier trotzdem.
Auf diesem Bild sichtbar ist auch die Lüftungsanlage (hinter dem Tunnel), welche man nach Durchfahrt des Zuges im ganzen Tal hört.
Nun war Zeit, nach Westport zu fahren, um morgen für die nächsten Versuche in der Brunner Gorge bereit zu sein. In Greymouth gabs Abendessen und als kleinen Zwischenstopp hatte ich mir den Ten Mile Creek rausgesucht. Dort konnte man ca. 2 km nach hinten laufen durch ein schönes Flusstal mit einer ganzen Reihe von Relikten der dortigen Kohleminen.
Es gäbe dort im Wald versteckt noch mehr zu finden, auch diverse Minen selbst. Aber da ich alleine unterwegs und weit weg von irgendwelchem Handyempfang war, unterliess ich irgendwelche potentiell gefährlichen Versuche tunlichst (Laaaaaaangweilig!). Wer die Gegend besuchen will: Weitwinkelobjektiv und Drohne mitnehmen!
Abgesehen davon war die Tageszeit inzwischen auch schon weit fortgeschritten und ich musste noch nach Greymouth hoch, was prompt erledigt wurde. Und damit war für heute Schluss!
































