Eisenbahn am Ende der Welt - 5: Zwischenfälle im Kohlerevier
Von David Gubler
Montag, 9.3.2026: Kaikoura - GreymouthDer heutige Tag begann unerfreulich. Ich hatte nachts Gäste, und wurde von diesen ganz heftig angeknabbert. Nicht schön!
Die fototechnischen Erwartungen an den heutigen Tag waren auch nicht existent. Das Wetter war schlecht und sollte schlecht bleiben, und ich hatte eigentlich überhaupt keinen Plan, was ich weiter machen wollte. Naja, ausser am Morgen in Richtung Christchurch abzudampfen.
Ich schrieb kurz der Autovermietung, dass ich heute um 1300 das Auto in Christchurch tauschen könnte, aber ich wurde weiterhin geghostet.
Ich fuhr mal der Strecke entlang gegen Süden. Der Abschnitt durch die Ebene nördlich von Christchurch war mal gar nicht spannend. Anstatt nach Christchurch rein zu fahren, fuhr ich aber in Richtung Arthur’s Pass, um herauszufinden, ob man im südöstlichen Aufstieg irgendwie an die Strecke kam. Das Satellitenbild und Street View ergaben da keine klare Antwort.
Ich gurkte etwas auf den Feldwegen nördlich von Springfield herum, verendete aber irgendwann an einem Schild, das am Beginn einer privaten Strasse stand. Ich fragte noch kurz einen Bauern, der gerade vorbeikam, aber der fand nur: Nix da, privat.
Nun gab es da eine Webseite, welche ganz genau aufzeigte, was öffentlich war und was privat. Und gemäss dieser Webseite gab es zwei schmale Korridore, "Paper Roads" ("Strassen, die nur auf dem Papier existieren"), welche theoretisch öffentlich waren und zur Bahn führten - Aber beide führten über irgendwelche Felder. Konnte man im Prinzip machen, Ärger konnte es dann halt trotzdem geben…
Was ich nun machen wollte, war aber noch immer noch nicht so recht klar. Ich hätte nach Dunedin runter fahren können, aber die dortige Museumsbahn hatte morgen Betriebspause und sah auch sonst sehr unzugänglich aus (vielleicht sogar komplett unzugänglich, das war nicht ganz klar). Das Wetter war da aber auch bestenfalls naja.
Ich entschied mich mal, nach Greymouth rüber zu fahren. Dort in der Gegend gab es eine Reihe von Möglichkeiten, Kohlezüge zu fotografieren.
Die Fahrt über den Arthur’s Pass war landschaftlich sehr eindrucksvoll [Anmerkung der Redaktion: Keine Sorge, da kommen schon noch Fotos!], und auf der anderen Seite drückte stellenweise sogar die Sonne ein bisschen durch die Wolken.
Einen kleinen Stopp gabs bei der Morrisons Footbridge über den Fluss Otira, welche als Fotostelle dienen konnte. Nach ein paar Minuten hörte man einen Kohlezug hupen, der sich natürlich für ein schnelles Bild anbot.
Ich fuhr anschliessend der Strecke nach bis nach Stillwater, wo die Strecke nach Westport abzweigte, wo die meisten Kohlezüge fuhren. Ich fuhr mal dieser Strecke entlang um zu gucken, was man da fotografieren konnte. Weit kam ich aber nicht, bis mir ein Kohlezug entgegen kam.
Ich drehte rasch um und fuhr zurück. Fotostellen mit Sonne waren aber keine aufzufinden, so stellte ich mich beim Gleisdreieck von Stillwater auf. Dort hatte es sogar Sonne! Allerdings nur bis ein paar Minuten vor dem Zug. Dafür stellte sich dieser fotogen ins Gleisdreieck und ich konnte einfach warten, bis die Sonne wieder da war. Hübsch!
Damit war der Tag aber auch gelaufen, denn die Sonne war bald hinter den Bergen, dieser Zug nicht mehr weiter fotografierbar und auch sonst kein Verkehr in Sicht. So fuhr ich nach Greymouth, checkte ins Motel ein und ging noch was essen.
Anschliessend buchte ich mir noch ein paar Übernachtungen in der Gegend, denn die Zimmerverfügbarkeit war ziemlich schlecht und gleich wieder von hier zu verschwinden, hatte ich auch nicht vor. Damit war klar, dass ich wohl ein paar Tage in der Gegend bleiben würde. Wenn man sich die Wetterprognosen so anschaute, würde ich auch ein paar Tage brauchen, damit irgendwas klappt!
Dienstag, 10.3.2026: Greymouth - Greymouth
Der heutige Tag begann zwar mit etwas blauem Himmel, die Wolken waren aber schon daran, sich breit zu machen. Das passte schon mal nicht so recht zum Wetterbericht, der hier in der Gegend eigentlich relativ gutes Wetter vorhergesagt hatte.
Aber was wollte ich schon machen, ich war jetzt hier, mal gucken was geht!
Die erste Stelle des Morgens war die gestern schon besuchte Morrisons Footbridge. Dort hatte ich ein Zeitfenster von etwa einer Stunde zwischen Sonnenaufgang und kein Seitenlicht mehr. Ich war aber relativ optimistisch, denn es hätte kurz vor dem Zeitfenster ein Zug kommen sollen (der ja auch zu spät sein konnte) und gegen Ende des Zeitfensters einer, das waren schon mal keine schlechte Chancen.
Aber nach ein paar Minuten Warten war schnell klar, dass die Wolken mehr wurden und nicht weniger, und schon bald war keine Hoffnung mehr auf Sonne. Ich verplemperte etwas Zeit, in der Hoffnung, dass es sich das Wetter nochmal anders überlegte.
Tat es aber nicht. Ein Kohlezug kam vorbei, im dunkeln. Ich machte es mir gemütlich und wartete mal weiter. Irgendwann wurde es Zeit für den TranzAlpine, und den erledigte ich auf einer Brücke vor Moana, nach wie vor ohne Sonne. Der Zug war ganz schön lang! Und im Gegensatz zu den Kohlezügen hatte man auch eine saubere Lok gefunden :)
Das Satellitenbild zeigte nirgendwo in der Gegend Chancen auf Sonnenschein, also wartete ich mal weiter auf den nächsten Kohlezug. So konnte ich immerhin mal schauen, wie gut das mit der Verfolgung klappt.
Weitere rund zwei Stunden später kam dieser auch, nach wie vor im Dunkeln.
Das nächste Bild gabs am Bahnübergang hinter Moana. Beeilen musste ich mich dafür nicht.
An einem Bahnübergang nördlich von Stillwater wurde das Licht noch grausliger, es regnete sogar leicht.
Etwas weiter nördlich war es immerhin wieder trocken und die Lichtverhältnisse waren leicht besser.
Nun fuhr ich dem Zug noch etwas nach bis hinter Reefton, aber da gab es auch keine Aussichten auf Wetterbesserung. Ausserdem wars inzwischen nach 1800, und ich hatte eigentlich keine Lust mehr, denn das war ja alles nett, aber irgendwie musste ich das wiederholen mit Sonne. Westport war ausserdem noch weit, das konnte noch dauern, und dann musste ich alles wieder zurückfahren… Ich machte mich daher auf den Weg zurück nach Greymouth. Dort war das Übliche, tanken, einkaufen, essen, und am Schluss raus zu meinem Motel, das etwas ausserhalb von Greymouth war. Wie schon erwähnt war ja aktuell alles ziemlich ausgebucht, daher hatte ich (fast) jeden Abend eine Übernachtungs-Wundertüte.
Und ob das Motel eine Wundertüte war! Denn Zimmer hatte die Dame an der Reception keins für mich. Sie habe das Zimmer für einen anderen Gast freigeschaltet und ich hätte mich da versehentlich rein gebucht. Aber dafür habe sie mir ein Zimmer direkt nebenan in der Oak Lodge reserviert, und die sah eh besser aus als das Motel ;)
Den Gastgeber ebendieser Lodge hatte ich dann dummerweise beim Wein und Essen gestört, aber das Zimmer bekam ich trotzdem und damit war der Tag dann auch beendet. Morgen wiederholen wir das Ganze, mit Sonne!
Mittwoch, 11.3.2026: Greymouth - Greymouth
Der heutige Tag begann einmal mehr mit einem unerfreulichen “Side Quest”. Gestern Abend stellte sich heraus, dass sich eine meiner Bissstellen, die ich mir vermutlich von Bettwanzen vor zwei Tagen zugezogen hatte, entzündet hatte, und die Entzündung ins Lymphsystem überging. Ganz toll, hätte jetzt nicht sein müssen.
Zum Glück war das Spital Greymouth nicht weit, und dies hatte eine Urgent Care-Klinik genau für solche Fälle. Das dauerte dann alles zwei Stunden und dann hatte ich eine Pillendose in den Fingern. Yay. Teuer war der Ausflug ins neuseeländische Gesundheitssystem wenigstens nicht, 50 CHF für eine Viertelstunde Konsultation beim Allgemeinarzt und 12 CHF fürs Antibiotikum.
Das Wetter war derweil ganz gut, wobei teilweise noch Nebel hing. Das war jetzt irgendwie doppelt ärgerlich, denn das Morgenprogramm hätte heute gut klappen können!
Die nächste Bewegung war ein Kohlezug, der nach Westport ging. Dieser kam gerade angefahren, als ich in Moana kurz im Bahnhof vorbei schaute. Vor Stillwater gabs ein schnelles Bild, aber im Schatten. Soo gut war das Wetter dann doch nicht.
Ich wollte diesen nun trotzdem nach Westport hoch verfolgen, aber als ich in die Richtung schaute, war noch alles dicht mit Nebel. Das Satellitenbild bestätigte, dass das noch ziemlich weit in den Norden rauf so war. Also liess ich den Kohlezug mal Kohlezug bleiben und wechselte stattdessen zur Brücke von Jacksons, die ich zwar mit Pascal schon fotografiert hatte, aber nur von der Abendseite. Die Morgenseite war damals nicht zugänglich; das hatte sich nun geändert, da KiwiRail einen schönen Zugang durchs Gebüsch legte.
Der TranzAlpine kam auch pünktlich vorbei, wunderbar!
Ob das mit der Verfolgung auch beim Personenzug klappen würde, war ich nicht so sicher, aber versuchen konnte ich es ja. Schon beim nächsten Bahnübergang sah ich den Zug langsamer werden, und weiter vorne war auch klar wieso: Ein Kleinlaster eines Bautrupps stand noch auf den Schienen! Der wurde aber gerade zum nächsten Bahnübergang gefahren und war wohl in ein paar Minuten weg, aber so hatte ich nun sicher genügend Zeit.
Vor Moana gabs einen Blick von oben herunter, den hatte ich eigentlich auf den Plan. Aber die Strecke war inzwischen sehr zugewachsen, so dass mir das nicht zusagte. Stattdessen stellte ich mich unten bei der Brücke auf, wie gestern schon. Das Seitenlicht war hier allerdings schon eher kritisch.
Beim Bahnübergang hinter Moana gabs das nächste Bild. Keine Hammerstelle, aber ich nahm, was zu bekommen war!
Bei einer Hofzufahrt hüpfte ich rasch über den Bahnübergang für ein weiteres Bild. Schick mit den Telegrafenmasten!
Nun war Stillwater fast erreicht. Dort stellte ich mich rasch auf die Brücke für ein Bild im Gleisdreieck. Keine Wahnsinnsstelle für diesen Zug, aber eine nette Situation. Offensichtlich wurde hier gelegentlich auch noch Kohle verladen [Anmerkung der Redaktion: Jeweils Samstags]. Wie ihr seht, hatte sich inzwischen auch der Nebel vollständig aufgelöst.
Das letzte Bild gabs in der Ortseinfahrt von Greymouth, wiederum keine besonders gute Stelle, aber halt das letzte, was einfach so ging.
Nach einem kurzen Besuch des Cobden Cave (Tipp: Sehr rutschig!) war nun die Frage, was ich machen sollte. Von Westport kamen zwei Kohlezüge runter, die waren zwar noch nicht so recht im Licht, aber irgendwie ginge da vielleicht schon was? Etwas später fuhr auch noch einer hoch, den wollte ich keinesfalls verpassen, denn der war so quasi überall im Licht.
Ich fuhr daher mal in Richtung Westport, bis mir einer der beiden Züge entgegenkam (welcher war nicht so klar). Wiederum an einem Bahnübergang stellte ich mich auf. Frontlicht war halt noch nicht so…
Eigentlich hätte der bei Stillwater durchfahren müssen und in Kokiri, der ersten Ausweiche Richtung Pass, kreuzen müssen mit dem Zug, den ich eigentlich wollte. Ich wartete mal vor Stillwater für ein zweites Bild, aber der Zug tauchte nicht auf. Also hatte man den wohl schon vor Stillwater, in Red Jacks, rausgenommen?
Irgendwann wurde es mir zu heiss, ich wollte ja eigentlich den Gegenzug. Der Wechsel jetzt war aber etwas gefährlich, denn dabei konnte ich meinen eigentlich gewünschten Zug ja auch überfahren. Aber was musste, das musste.
An meiner ersten Fotostelle angekommen war ich dann erleichtert, dass die dortige Blockstelle beidseitig grün zeigte, der Zug war also wohl noch nicht durch.
Tatsächlich, einige Zeit später wurde das Signal rot und “mein” Zug tauchte auf. Sehr gut!
Ich fuhr durch Stillwater durch bis hinter Red Jacks. Aber zu meinem grossen Erstaunen war Red Jacks leer! Das war ja die nächste Ausweiche, wo der Südfahrer, den ich als erstes verfolgt hatte, hätte stehen müssen?!? Hatte der sich jetzt in Luft aufgelöst oder wie?
Das Rätsel liess ich nicht klären, denn wenige Minuten später kam “mein” Zug wie gewünscht vorbei. Der Andere konnte also auch nicht irgendwo auf der Strecke stehen oder so!
Das nächste Bild gabs auf der Flussbrücke über den Ahaura River mit der Drohne, auch das klappte wunderbar!
Und gleich nochmals auf der Brücke über den Grey River.
Hinter Mawheraiti gabs wieder ein Bild mit der grossen Kamera.
Ich fuhr mal bis nach Reefton, dort stand schon der nächste Zug südwärts in der Ausweiche. Bei mir war aber jetzt etwas die Luft draussen, ich fühlte mich gerade etwas unwohl (hatte evtl. mit den Antibiotika zu tun?) und war gerade gar nicht motiviert, “meinen” Zug noch bis Westport zu verfolgen und dann noch 1.5h zurück nach Greymouth fahren zu müssen. Zudem kamen jetzt die Wolken. Ich stellte mich hinter Reefton noch an eine Brücke, aber dort kam der Zug im Schatten.
Stattdessen entschied ich mich, jetzt auf den Südfahrer zu wechseln, der vorhin in Reefton in der Ausweiche stand. Der hatte nun aber ordentlich Vorsprung und es dauerte, bis ich ihn eingeholt hatte. Das spielte aber zunächst keine Rolle, denn inzwischen war die Sonne hinter Quellwolken verborgen. Für die Brücke über den Ahaura River kam die Sonne aber nochmal hervor!
Zusätzlich zu den Wolken zog nun aber auch eine Siffschicht auf. So beendete ich den Tag und fuhr zurück nach Greymouth.
Zur Übernachtung hatte ich ein Apartment im Seaside Top10 Holiday Park gebucht, das war noch für zwei Nächte frei. Die ganze Anlage war sehr nett, gemütliche Ferienstimmung mit draussen sitzen und so. Praktisch war auch die Laundry, so konnte ich meinen Bestand an sauberer Wäsche aufstocken. Gute Nacht!
Donnerstag, 12.3.2026: Greymouth - Greymouth
Die Übernachtung im Holiday Resort war gut, die Wetteraussichten so teilweise. Heute wollte ich das gestrige Programm “richtig” machen.
Ich fuhr daher wieder mal zur Morrisons Footbridge. Unterwegs hatte es ganz schön viele Wolken; bei der Footbridge angekommen war ich aber knapp vor der Wolkengrenze, bald in der Sonne, die war noch für 15 Minuten hinter den Bergen.
Pünktlich zu Beginn des 1h-Zeitfensters stellte ich mich raus. Zu Beginn war auch alles gut ausgeleuchtet, mit der Zeit kam aber Siff auf und bedrängte die Sonne.
Schon nach einer knappen halben Stunde kam ein Kohlezug vorbei. War das jetzt der erste, der 45 min zu spät war, oder der zweite, der 30 min zu früh war? Ich wusste es nicht.
Das Licht gab sich aber gerade Mühe, und so war das erste Bild schon im Kasten!
Der Zug war jetzt auch ideal für die Verfolgung nach Westport. Also schwupps hinterher. Bei Jacksons stellte ich wieder die Drohne hin, aber hier machten mir wieder die Wolken das Leben schwer; mehr als ein Sifflichtbild gabs nicht. Ich fuhr dem Zug noch kurz hinterher, aber als ich so ins Tal rein sah, stellte sich die Sinnfrage, denn in Richtung Greymouth war das mit Sonne irgendwie schwierig.
Dagegen sah das Wetter doch Richtung Pass gut aus? Also ging ich doch einfach dorthin!
Unterwegs ging ich das Programm gedanklich durch, der TranzAlpine musste ja noch kommen. Eine 1A-Fotostelle hatte ich für den im Kopf, kurz nach Cass. Dort musste er ca. 10:15 sein. Dummerweise war ich auch etwa 10:15 dort.
Und so kam es dann auch. Als ich am Drohnen-Startplatz ausstieg, konnte ich nur noch zuschauen, wie der Zug am anderen Flussufer vorbei zog. Schade! Wo waren die drei Minuten Verspätung, wenn man sie brauchte?
Der Blick in den Fahrplan verriet: Bis der TranzAlpine zurück kam, war nur ein einziger Kohlezug unterwegs; der kam in ca. 2h hoch. Ich wollte ja mal die Craigieburn Road nach hinten fahren und schauen, wie das dort so aussieht. Dazu ist zu sagen, dass die Craigieburn Road eine etwa 20 km lange, eher schlechte Schotterpiste war mit einer Reihe von Toren. Da nach hinten zu fahren war also etwas eine Expedition und keine schnelle Übung, gerade in einem nicht geländegängigen Fahrzeug wie dem Yaris. Das ging dann auch etwa 12 km lang gut, aber dann fühlte sich das linke Vorderrad plötzlich seltsam an… und war komplett platt! Aaaaaaarrrrrrggghhhh! Musste das jetzt sein, gestern der Spital-Besuch und heute Reifenpanne?!?
Hab ich schon gesagt, wie abgeranzt die Reifen des Mietwagens waren, schon als ich den übernommen hatte? Das rächte sich jetzt vermutlich. Ganz besonders toll: Handyempfang in der Gegend war nicht. Es waren sicher 10 km zu Fuss zum nächsten Handyempfang…
Ich blickte mal in den Kofferraum, was denn da so für Utensilien zu haben waren. Und zu meinem leichten Erstaunen und grosser Erleichterung war da ein Reserverad dabei, also kein richtiges, aber so ein Notrad halt. Also alles halb so tragisch.
Schnell gewechselt (war ja bei weitem nicht das erste Mal), beim Wenden das Auto fast im Graben versenkt (oh man), und schööön laaangsaaaam saaachte zurück gefahren. Denn weiter in die Pampa vorzustossen kam so natürlich nicht mehr in Frage.
Zum Glück hatte ich bei der Hinfahrt eine einfache Fotostelle erspäht, denn der Kohlezug war ja trotz meines Malheurs unterwegs. Und so fuhr ich dort hin und musste kaum eine halbe Stunde warten.
Immerhin! Die Übung war zwar jetzt doof, aber nicht umsonst.
Nur, was jetzt? Der Reifen war sowieso völlig am Ende der Lebensdauer, den zu reparieren (wenns dann überhaupt ginge) war sinnlos. Hier in der Gegend war natürlich auch kein Reifenhändler aufzutreiben. Aber da war ja noch was mit Auto tauschen…
Vom Herrn von der Autovermietung hatte ich zwar jetzt über eine Woche lang nichts mehr gehört, aber er war ja klar der Meinung, dass man das Auto tauschen musste. Und der Flughafen von Christchurch war auch nur rund 1.5 h von hier. Statt dass ich jetzt hier rum telefonierte und am Schluss trotzdem irgendwo hin fahren musste, konnte ich ja gleich dorthin fahren und mal gucken, was passiert. Gedacht, getan.
Die gute Frau am Schalter war zuerst nicht so hilfsbereit, das sei ja ein Auto von Auckland, nicht ihres, das könne man nicht einfach so tauschen. Ich solle doch selbst zum Reifenhändler gehen und Ersatz suchen, es müsse aber exakt derselbe Reifen sein, gleiche Marke. Aber das wollte ich nicht, ich wollte Auto tauschen. Denn dass ich jetzt fünf Reifenhändler abklappere um exakt den richtigen Reifen zu finden, einen (1) neuen Reifen kaufte (zur Erinnerung, alle vier waren durch) und dann zwei Tage später das Auto doch tauschen musste, war komplett sinnfrei. Als ich dann die Mail-Konversation mit dem Herrn von der Autovermietung raus suchte stellte sich heraus, dass er zwar bisher keinen Auto-Tausch bewilligt hatte, aber die gute Frau vom Schalter rief ihn an, und dann war der Auto-Tausch plötzlich bewilligt. Und ich bekam einen “neuen” Yaris, zwar auch mit 50’000 km, aber neuen Reifen (und vermutlich gemachtem Service)! Jetzt stand zwar dann am Ende der Ferien das falsche Auto in Christchurch und das falsche in Auckland, aber offenbar war das kein Problem, wenn die richtige Person dazu “ja” sagte… Ich erinnere daran, dass Autos keinesfalls auf die Fähre durften, ganz schlimm!
Puh, wenigstens hatte das geklappt!
Und noch viel besser, durch die Zugpause hatte ich oben am Pass nicht mal was verpasst! Eine Möglichkeit wäre nun gewesen, in Springfield an die Brücke zu stehen, die ich herausgesucht hatte, aber da hatte es ein grosses Wolkenfeld, auf das ich keinen Bock hatte. Ich fuhr daher wieder hoch zum Pass, früh genug, um mich für den TranzAlpine aufzustellen, der zurück kam.
Die folgende Fotostelle war etwas… umständlich. Man hätte durchaus mit der Drohne von irgendwo hin fliegen können, aber grundsätzlich war der Flug über Privatgrund verboten. Was aber nicht verboten war, war das Wandern und (meistens) Drohne fliegen über den Flüssen! Ich machte daher eine kleine Wanderung durchs Flussbett. Das ging gut, der Fluss war lediglich ein Bach und das Flussbett weitgehend trocken und breit, und startete etwas vor der Planzeit die Drohne.
Der Zug kam aber nicht so bald vorbei. Zwischendurch musste ich Akku wechseln; da war ich froh, in der Nähe zu stehen, so ging das schnell. Gut 20 Minuten nach Plan kam der Zug dann vorbei. Das hatte den Vorteil, dass sich die Siffwolken von der Sonne weg bewegen konnten, daher klappte das Bild einwandfrei!
Dem Personenzug sollte ein Kohlezug folgen, für den hatte ich eine Stelle etwas weiter gegen die Passhöhe im Kopf. Es stellte sich aber schnell heraus, dass diese bereits im Bergschatten lag. Die Alternative war dann ein Bild auf der Waimakariri-Flussbrücke, und auch das klappte sehr schön.
Kann man doch zufrieden sein? Abgesehen vom Pech mit dem TranzAlpine am Vormittag hatte alles geklappt, so gut es nur klappen konnte! Die Episode mit dem Auto war zwar sinnlos, aber schlussendlich wunderbar im Tagesprogramm eingebettet!
So fuhr ich wieder zurück nach Greymouth (in der Ferienanlage hatte ich zwei Nächte gebucht), und damit war dann Feierabend.

























