Eisenbahn am Ende der Welt - 3: Es läuft vom NIMT bis zur Südinsel!
Von David Gubler
Dienstag, 3.3.2026: Ohakune - OhakuneDer Tag begann, das kannten wir schon, mit sehr vielen Wolken. Aber das musste nichts heissen, in 5 Minuten konnte der Himmel auch wieder blank sein.
Das Ziel für den Vormittag war, einen Zug auf dem Makatote-Viadukt zu erwischen. Dafür legte ich mir einen Plan bereit: Ich wollte schon relativ früh an den Raurimu-Kehren warten, und wenn ein Zug gegen Süden käme, könnte ich den am Viadukt abpassen, mit Drohne und allem. Wenn ein Zug nach Norden käme, könnte ich diesen weiter gegen Norden verfolgen. Wenn gar nichts käme, könnte ich mich am Viadukt auf der Nordseite aufstellen und dort auf einen Zug warten. Damit waren so ziemlich alle Eventualitäten abgedeckt, nur *irgend* ein Zug musste irgendwann kommen.
Nach einem Frühstücks-Shopping an der Tankstelle ging es also nach Raurimu, wo ich erst mal zwei Stunden am Bahnübergang wartete und zuschauen konnte, wie nichts geschah. Zwischendurch wurden die Signale mal kurz eingeschaltet, nur um sie 5 Minuten später wieder auszuschalten. Also fuhr ich dann mal zum Viadukt runter, dort gabs auf der Nordseite eine ganz gute Fotostelle.
Das Wetter war im Schatten des Vulkans Ruapehu eher schlecht, aber zwischendurch gab es trotzdem immer wieder Wolkenlöcher. Nur Zug kam keiner.
Dafür hatte ich per E-Mail einen neuen Kontakt bei KiwiRail, der mir jetzt plötzlich eine ganze Sammlung grafischer Fahrpläne für die ganze Woche für die Nordinsel zukommen liess! Das war natürlich höchst erfreulich, so konnte ich endlich mal etwas gescheiter planen!
Und der Plan für heute war: Hier am Viadukt kam nix. Einen Nordfahrer hatte ich am Morgen wohl knapp verpasst, der war zwar hier in der Gegend unfotografierbar früh, wäre aber weiter nördlich fotografierbar gewesen. Hjänu. Nächste Bewegungen waren zwei Züge um den Mittag mit Kreuzung hier in der Gegend, immerhin. Die Fahrpläne zeigten auch: Ja, gestern fuhr tatsächlich den ganzen Tag nichts, das war so geplant. Und nachts war der Verkehr deutlich intensiver als tagsüber, nützte natürlich hier nicht viel.
Nun, der Südfahrer war am Mittag relativ nutzlos, den konnte man bestenfalls in den Raurimu-Kehren fotografieren. Dort konnte ich natürlich auch den Gegenzug machen und anschliessend diesen verfolgen. Tönte nach einem Plan!
In den Raurimu-Kehren angekommen musste ich erst noch etwa anderthalb Stunden warten. Das einzige Ereignis war ein SUV voller Touristen, welches den Schotterweg runter kam und den Weg in die Kehren nahm. Nur, dort gabs nichts zu sehen. Ich war mal gespannt, wie lange es dauerte, bis die zurück kamen…
Als der erste Zug bergauf näher kam, startete ich mal die Drohne und versuchte, vom Aufstieg ein paar Fotos zu machen. Zeitgleich kam das SUV wieder vorbei und wollte mit mir quatschen, ungünstig. Doch als ich ihnen dann sagte, dass gleich ein Zug kommt, war die Begeisterung gross und die Handys wurden gezückt…
Mit Drohnenfotos war es dann schwierig, zu dieser Zeit passte das Licht einfach nirgends. Daher nur ein etwas halbschlaues Bild von der obersten Ebene.
Für den Zug bergab hatte ich nun natürlich nur eine ungefähre Ahnung, wann der kommen könnte. Aber ich hatte ja noch zweieinhalb Drohnenakkus. Also ging die Drohne hoch, um Ausschau zu halten. Und tatsächlich, nach ca. 15 Minuten kam auch dieser Zug. Und hier war das mit den Fotos einfacher!
Nun konnte wie geplant die Verfolgung gestartet werden. Aber da ich ja nun etwas Rückstand hatte, musste ich erst mal bis hinter Taumarunui an den bekannten Bahnübergang fahren, um den Zug einigermassen sicher überholt zu haben. An besagtem Bahnübergang hatte es aber einmal mehr kein Licht. Auch die nächste angedachte Fotostelle fiel aus, dafür improvisierte ich etwas ein paar Ecken später.
Die nächste Fotostelle wollte ich schon vorgestern mit dem Northern Explorer machen, damals gings um 30 Sekunden in die Hose. Heute klappte es! Wenn auch wieder nur knapp, die letzten Wolkenschatten verschwanden kaum 15 Sekunden vor dem Zug.
Der nächste und letzte erreichbare Punkt war einmal mehr das Waiteti-Viadukt, dort waren aber die Fotowolken aktiv, daher war wieder etwas improvisieren angesagt.
Nun liess ich den Zug aber ziehen, denn gleich in Te Kuiti sollte er einen Gegenzug kreuzen, und ich musste ja wieder weit gegen Süden für mein Nachtquartier. Und, wie meine Quelle mit Freude bemerkte, sei dieser ausnahmsweise mit zwei E–Loks bespannt!
Ich musste dann während dem Warten auf diesen Zug anderthalb Drohnen-Akkus verbraten, aber es hat sich gelohnt!
Die nun folgende Verfolgung gegen Süden gestaltete sich aber schwierig, die Wolken waren wieder überall sehr aktiv. Ein schnelles Bild an der Strasse gab es aber noch.
In Taumarunui liess ich auch diesen Zug ziehen, denn ich hatte zwar noch Ideen für die Kehren, aber meiner Rechnung nach war der ziemlich genau zum Sonnenuntergang da und mit der aktuellen Wolkensituation war es etwas gar optimistisch, da noch auf Sonne zu hoffen. Zudem hätte ich dann Mühe gehabt, noch irgendwas zu Essen zu bekommen und einzukaufen. Das alles erledigte ich nun in Taumarunui und fuhr anschliessend noch eine Stunde zum Nachtquartier in Ohakune. Ein sehr erfreulicher Tag kam zu seinem Abschluss!
Mittwoch, 4.3.2026: Ohakune - Wellington
Die Unterkunft Ohakune Central Hotel & Lodge war absolut Spitze - Neu, schön eingerichtet, gut beheizt, alles super. Darf man auch mal sagen!
Nur Zeit zum Geniessen hatte ich keine. Das Wetter war zwar (Überraschung!) wieder mal nicht gut, aber ich hatte da eine Fotostelle im Visier, die ich so oder so machen wollte. Einen passenden Zug gabs auch: Beim Nationalpark fand heute früh eine Kreuzung statt. Die war leider auch heute zu früh für die Keinverkehr-Brücke, aber den südwärts fahrenden Zug konnte ich gebrauchen.
Dafür musste ich aber erst mal rund 40 Minuten gegen Süden fahren. Dabei kam ich etwas später als geplant aus dem Haus, aber das war kein Problem, denn den geplanten Zug überholte ich irgendwo unterwegs. Drei E-Loks, sehr schön!
An der Brücke musste ich dann noch immer eine knappe halbe Stunde warten. Das Wetter war heute früh von der Sorte: Am Himmel passierte nix, es blieb bedeckt. Aber die Fotostelle fand ich trotzdem nett.
Nun hatte ich hier sogar noch einen zweiten Zug, denn unterwegs kam ich an einer grossen Holzverladung vorbei, die spuckte rund eine Stunde später einen Holzzug aus, der gegen Süden fuhr.
Damit war ich aber hier jetzt bedient, und Züge waren auch keine mehr im Anmarsch. Die Idee nun: Zurück nach Ohakune und dort zum Hapuawhenua-Viadukt. Der Northern Explorer und ein Güterzug waren passend dafür unterwegs.
Zum Viadukt konnte man nicht fahren, aber es gab einen Parkplatz, von dem aus ein Wanderweg in einer guten halben Stunde zum Viadukt führte. Inkl. Wanderung durch den Dschungel.
Auf dem Parkplatz stand nur ein Auto und unterwegs traf ich niemanden an, ich freute mich schon auf eine schön ruhige Wartezeit.
Daraus wurde aber nichts. Mindestens zwei Schulklassen waren mit Velos unterwegs, und später tauchten noch mindestens drei Reisegruppen auf! Die Ecke war zwar sicher nicht unbekannt, aber gleich eine derartige Chilbi hätte ich nicht erwartet.
Die Fotostelle war nett, man konnte auf dem alten Eisenbahnviadukt stehen und auf das neue Viadukt fotografieren, oder auch etwas weiter oben stehen.
Das Wetter gab sich auch etwas Mühe, aber beim Northern Explorer nicht ganz genug.
Nun wurde es plötzlich ruhig in der Ecke - Alle Leute verschwanden! Keine Schulklassen mehr, keine Reisegruppen. Hatten es alle eilig zum Mittagessen zu kommen?
Langsam wurde das Wetter immer besser und sicher eine halbe Stunde vor dem Güterzug hatte ich durchgehend Sonnenschein. Natürlich nur bis dieser auftauchte, dann verschoben sich auch die grossen Wolkentrümmer am Himmel zur Sonne.
Wobei, das Spotlight ist auch ganz nett?
Damit war ich hier in der Ecke aber auch fertig, zumindest für heute. Wiederholen wir das mal noch mit mehr Sonnenschein? Wer weiss.
Inzwischen hat sich die Autovermietung gemeldet, sie hatten doch noch herausgefunden, dass das Auto einen Ölwechsel braucht. Das hätten sie auch mal vor einer Woche merken können! Dass ich bereits einen Ölwechsel machen liess war aber irgendwie nicht vorgesehen, sie müssten das selbst machen (das war jetzt nicht sooo überraschend, aber ich rechnete überhaupt nicht damit, dass die das noch merken!), ab Montag soll ich das Auto irgendwo tauschen. Wo ich denn am Montag sei?
Seufz. Ich sah schon, dass es jetzt kompliziert wurde. Ich war ja noch auf der Nordinsel, hatte für morgen aber die Fähre gebucht, und mit dem ganzen “man darf das Auto nicht auf die Fähre nehmen”-Theater (notabene hatte ich ja die Erlaubnis von ihrem Kundendienst, das trotzdem zu tun) befürchtete ich neue Diskussionen. Ich schlug deshalb mal vor, den Tausch entweder am Montag in Christchurch zu machen, oder heute Abend in Auckland, oder ich könnte das Auto am Fährterminal abgeben und sie gäben mir in Picton ein Neues. Es kam dann keine Antwort mehr, was auch immer das wieder bedeutete.
Nun, für heute hatte ich noch besseres zu tun, als mich damit rum zu ärgern, denn zwei Züge waren noch fotografierbar. Ich hatte etwas weiter südlich eine weitere Brücke rausgesucht für den ersten der beiden.
Die Fotostelle für die Brücke war einfacher als erwartet zugänglich über einen Feldweg, und auch die Drohne konnte man aufstellen. Der erwarete Güterzug kam dann auch vorbei, quasi im Plan. Auch die Wolken spielten mit!
Der Gegenzug war dann etwas schwierig, eine wirklich tolle Fotostelle hatte ich für diesen nicht in petto. Aber an einem Bahnübergang war das Licht gut, und auch hier klappte es mit den Wolken.
Nun war es zwar erst etwa 1800, aber ich musste noch über 2h nach Wellington fahren, denn ich wollte dort übernachten, weil ich 07:30 am Fährterminal sein musste. Das klappte auch alles problemlos, ausser, dass mir unterwegs Interislander mitteilte, dass meine Fähre drei Stunden Verspätung habe - man sei noch immer Verspätungen am abbauen, die durch schlechtes Wetter entstanden. Das war aber auch nicht weiter problematisch.
Das Hotel war schnell gefunden und einwandfrei, und das wars dann auch für heute.
Donnerstag, 5.3.2025: Wellington - Kaikoura
Der Tag begann mit einer Bestätigung, dass die Fähre tatsächlich drei Stunden zu spät sei. Damit konnte ich in Ruhe frühstücken gehen und hatte anschliessend noch etwas Zeit totzuschlagen. In der Zufahrt nach Wellington gabs da eine Brücke mit Trottoir, die sich (einigermassen) für Fotos eignete. So fuhr ich mal da hin und stellte mich auf.
Wie schon Auckland hatte auch Wellington ein sehr dicht befahrenes Nahverkehrsnetz, alle paar Minuten kamen zur HVZ Züge an. Hier gerade zwei gleichzeitig.
“Capital Connection” war ein Pendler-Mitteldistanz-Zug, welcher morgens von Palmerston North nach Wellington und abends zurück verkehrte. Es kamen auch hier ehemalige British Rail Mark 2-Wagen zum Einsatz inkl. Steuerwagen.
Bis Masterton verkehrten die Züge der Wairarapa Line mit fünf täglichen Zugpaaren. Auch hier waren die Kompositionen eher kreativ, ein Ersatz durch Batterie-Elektrische Züge von Alstom war jedoch geplant.
Und noch eine etwas andere Ansicht mit einem FP class-Zug.
So langsam hatte ich hier aber irgendwie alles fotografiert, was es zu fotografieren gab, die Sonne kam zwar zwischendurch kurz raus, aber für ein Sonnenbild reichte es nicht, und die Check-In-Zeit für die Fähre nahte. Also gesellte ich mich mal zum Fährterminal rüber und wartete dort weiter. Das klappte alles problemlos, wenn auch mit wohl noch einer weiteren halben Stunde Verspätung. Und irgendwann ging es dann auch los.
Blick auf die Verladerampe für den Trajektverkehr. Die war aktuell nicht in Betrieb, war es schon länger nicht mehr und würde es auch noch länger bleiben - für wohl mehrere Jahre gab (gibt) es keinen Trajektverkehr zwischen den Inseln!
Der Grund dafür lag darin, dass die aktuelle Regierung die von der vorherigen Regierung bestellten neuen Fähren abbestellt und billigere chinesische Fähren bestellt hatte, welche aber andere Anlegestellen benötigten, so dass die Anlegestellen aktuell umgebaut wurden. Es gab auch Zweifel, ob der Trajektverkehr mit den neuen Fähren überhaupt wieder zum Laufen kommen würde.
Es wurden deshalb aber nicht unbedingt weniger Güter per Bahn befördert, das Übersetzen zwischen den Inseln war aktuell einfach sehr viel Aufwändiger, da die Container von den Bahnwaggons auf LKW-Auflieger umgeladen, mittels Fähre übergesetzt und dort wieder auf die Bahn verladen werden mussten.
Nach etwa einer Stunde auf offenem Meer erreichten wir die Hügel der Südinsel, zwischen denen sich die Fähre durch schlängeln musste.
Aufgrund der Verspätung ging die Reisekette für alle Touristen, welche den Coastal Pacific nach Christchurch erwischen wollten natürlich flöten; der Zug wartete die 3.5h Verspätung (wenig überraschend) nicht ab. Das war auch für mich blöd, denn der hätte sich natürlich für eine Verfolgung angeboten.
Stattdessen kam aber, als ich gerade an der Tankstelle war, ein Zug in Picton an; die beiden Loks würden sicher relativ bald einen Gegenzug bespannen?
Fast richtig: Eine der beiden Loks blieb in Picton, die zweite machte sich auf den Weg in den Süden. Das passte ja sehr gut!
Im Güterterminal von Blenheim wurde der Zug noch etwas verlängert.
Der Lake Grassmere diente der Salzgewinnung, deshalb die Deiche. Hier im Nichts durfte auch die Drohne wieder ran.
Die letzten beiden Bilder des Tages gab es bei einer fotogenen Brücke über ein Flussbett, im allerletzten Licht - Danach war die Sonne definitiv hinter den Bergen.
Eine angenehme Fahrt nach Kaikoura später erreichte ich auch bald die Tankstelle für ein kurzes Abendessen- und Frühstück-Shopping und anschliessend die Unterkunft.


































