Eisenbahn am Ende der Welt - 2: Harziger Start von Auckland bis Ohakune
Von David Gubler
Donnerstag, 26.2.2026: Auckland - HamiltonDer Wecker läutete um 06:15, Frühstück gabs um 06:30. Eile war noch nicht nötig, es war noch dunkel. Zwar hätte der Zug auf der North Auckland Line auch schon früh morgens fahren können, das wusste ich ja nicht, aber bei sehr frühem Verkehren wäre das mit den Fotos auch schwierig geworden.
Trotzdem machte ich mich schon bald auf zur ersten Fotostelle des Morgens, dieselbe wie gestern Abend.
Der erste Dämpfer war das Wetter: Von den versprochenen Sonnenstunden nördlich Auckland war nicht mehr viel übrig. Meine erste Fotostelle lag zwar an der Schmoddergrenze und hatte zeitweise Sonnenschein, aber nördlich davon war vermutlich nichts zu wollen.
Nach knapp 2h Warterei tauchte plötzlich ein Licht auf der Geraden auf! Also, vier Lichter. Es war ein schienengängier klein-LKW von KiwiRail…
Das war jetzt alles total sinnlos hier, aber da sowieso irgendwie überall Keinwetter war, hatte ich auch nicht wirklich was verpasst. Wobei, weiter gegen Süden sah es etwas besser aus, aber da war ich gestern schon…
Ich wartete jetzt dennoch mal weiter, jetzt für den Morgen war eh nichts mehr zu wollen und Wechseln konnte ich in der Hochlichtphase.
Derweil schaute ich mir mal die zweite offene Frage an, nämlich wie das mit den Fährtickets funktionierte. Und was ich da sah, gefiel mir gar nicht: Die Interislander-Fähre war auf 2-3 Wochen hinaus ausgebucht! Soviel zum Thema flexibel zwischen den Inseln wechseln…
Eine Recherche förderte aber dann doch einen Lichtblick zutage: Offenbar war es üblich, dass sich die Leute mehrere Überfahrten buchten, wovon sie dann nicht alle benötigten. Dadurch wurden dauernd Tickets storniert und kamen wieder in den Verkauf. Tatsächlich war für heute in drei Stunden ein Ticket verfügbar (nützte mir natürlich nichts). Wenn man genügend Geduld hatte, etwas flexibel war und es mit so einer Stunde Abstand immer und immer wieder versuchte, kam man schon noch an Tickets.
Ich tat es also den Einheimischen gleich und buchte erst mal zwei Rückfahrten, um dort zwei Termine zur Auswahl zu haben. Da die Hinfahrt eher so in 1-2 Wochen stattfinden sollte, verschob ich das auf später und versuchte es im Verlauf des Tages immer wieder, was schlussendlich auch am Abend klappte. [Anmerkung der Redaktion: Es stellte sich später heraus, dass wohl eine der beiden Interislander-Fähren ausgefallen war, daher die schwierige Buchungssituation]
Nun ja, jetzt stand ich aber noch immer dumm hier am Bahnübergang, ohne Zug, dafür mit kurzem Schwatz mit der Postbotin, welche gleich auch Tipps für Fotostellen hatte. Nützte nur nichts.
Irgendwann gegen Mittag wurde mir die Aktion definitiv zu blöd. Das Wetter sah südlich von Auckland besser aus; es war wohl sinnvoller, mich irgendwo hinzustellen, wo noch Chancen auf irgendwelche gescheiten Bilder bestanden.
Ich markierte mal ein paar Ecken auf dem Luftbild und fuhr durch Auckland durch (wieder kein Problem) gegen Süden. Bei Pōkeno (so weit im Süden war ich gestern nicht) kam die Strecke an die Autobahn ran und da fehlten… die Fahrleitungsmasten?!? Also von Norden her war für die S-Bahn Auckland bis Pukekohe elektrifiziert und südlich von Hamilton war für die Fahrt durch die Berge elektrifiziert, aber dazwischen fehlten einfach 80 km Fahrleitung? Wie sinnlos! Aber es erklärte zumindest mal, weshalb der Güterverkehr per Diesel befördert wurde und ich bisher keine E-Loks sah.
Bei Meremere stellte ich mich mal an die Strecke, es war zwar grausliges Hochlicht, aber die Sonne war gerade etwas draussen. Und tatsächlich, von Norden her kam gerade ein Zug angefahren, der war natürlich unfotografierbar, aber er blieb vor der Einspur stehen, es kam also was entgegen. Was leider auch kam, war ein Böschungsmäher vom Strassenunterhalt, der irgendwie Steine durch die Gegend warf (diese knallten nebenan gegen den Elektrokasten des Bahnübergangs!) und natürlich genau in meine Richtung fahren musste! Da ich keinen Bock auf eine gebrochene Scheibe oder Steine im Gesicht hatte, flüchtete ich zum nächsten Bahnübergang etwas weiter nördlich, nur um dem nordwärts fahrenden Zug gerade so zuschauen zu können. Was für eine komplett sinnlose Aktion.
Ich fuhr weiter gegen Süden und klapperte ein paar Fotostellen ab, aber nichts, wo man jetzt hätte bleiben müssen. Eigentlich interessierten mich ja die E-Loks mehr, und dafür musste ich an Hamilton vorbei. Und tatsächlich, dort traf ich auf einen wunderschönen Landschaftsblick!
Nur: Die Sonne war nach wie vor hinter den Wolken, aber diese waren weniger als auch schon, das konnte also schon noch etwas werden.
Ich stellte mich zunächst für Nordfahrer auf, aber im geeigneten Zeitfenster kam keiner vorbei. Gegen 16:50 kam dafür ein Südfahrer, aber für den stand ich falsch - nicht schlimm, war noch immer kein Licht. Etwa eine halbe Stunde später kam die Sonne raus und beleuchtete den Landschaftsblick wunderbar. Ich platzierte mich daher um und hoffte, dass nochmal etwas in die richtige Richtung kam.
Aber es kam nichts. Über zwei Stunden wartete ich an der Fotostelle - kein Zug. Und das fast durchgehend in der schönsten Abendsonne! Der Tag endete etwa so sinnlos wie er begann. Ausbeute? Ein Zweiwege-LKW!
Da konnte man nun nichts mehr machen. Ich fuhr zurück nach Hamilton, unterwegs an einer Tankstelle gabs einen Snack, und nach einer Zusatzrunde um den Block (Google wollte unbedingt über die Sperrfläche abbiegen, zugegebenermassen machte man das hier wohl so, aber ich war da [Anmerkung der Redaktion: noch!] kein grosser Fan davon) war das Hotel dann auch gefunden.
Das Abendprogramm bestand dann hauptsächlich daraus, herauszufinden, wo ich denn südlich von hier im Gebirge hin musste. Für die nächsten 1-2 Tage waren die Prognosen dort zwar noch immer schlecht, aber wenigstens sollte das Wetter langsam besser werden. Hoffte ich mal. Den heutigen Frust-Tag musste ich nicht wiederholen.
Freitag, 27.2.2026: Hamilton - Hamilton
Der heutige Tag begann mit dem üblichen Wetter, bisschen Wolken, bisschen Sonne. Die Idee für den heutigen Tag war, morgens mal die Te Huia zu fotografieren, die Züge, welche Auckland mit Hamilton verbanden - je nach Wochentag 1-3 mal pro Richtung. Wie wir gestern gelernt hatten, war der Abschnitt nördlich von Hamilton ja nicht elektrifiziert, daher bot sich das an.
Leider hatten wir gestern auch gelernt, dass es da nicht viele gescheite Fotostellen gab. Aber mit Drohne ging das schon irgendwie.
Ich ging mal zum Frühstück, das wurde zwar erst gerade bereitgestellt, aber dafür war alles frisch und sehr lecker! Anschliessend ging es raus Richtung Norden an die Böschungsmäher-schleudert-Steine-Fotostelle von gestern. Die ging zwar mit der grossen Kamera nicht wirklich, aber da konnte man gemütlich warten und mit der Drohne ging es ganz gut. Zudem sah man schön in die Gerade und damit die Züge früh genug für den Drohnenstart.
Ich musste kaum eine halbe Stunde warten, schon tauchte ein Licht auf! Das war noch zu früh für den Te Huia, aber natürlich nahmen wir Güterzüge auch immer gerne!
Nun begannen bereits die Quellwolken wieder zu quellen. Eine gute Stunde später, beim nordwärts fahrenden Te Huia, waren schon nur noch Sonnenspots zu haben. Mit kleinen Drohnenmanövern war das aber passend zu machen.
Die Dinger sahen echt ulkig aus. Ami-Diesel mit U-Bahn-Wagen? [Anmerkung der Redaktion: Es handelte sich hier um britische Mark II-Personenwagen]
Dreiviertelstunden später war der Gegenzug fällig. Auch hier waren Drohnen-Manöver nötig, aber auch hier klappte es schlussendlich!
Nun hatte ich eine nette Fotostelle etwas weiter südlich angedacht und fuhr mal dort hin. Das Wetter hatte aber nun andere Ideen; zwischendurch regnete es sogar leicht. Die Temperaturen waren aber trotzdem deutlich über 20°, entsprechend war Waschküchen-Feeling angesagt.
Die Sonne hatte sich derweil komplett verabschiedet und machte keine Anstalten mehr. Zwei Güterzüge wären passend vorbei gekommen.
Nun kam die Hochlichtphase und entsprechend hatte ich eigentlich nichts zu tun, ich blieb entsprechend noch etwas an der Fotostelle, obwohl das Licht eigentlich rum war. Irgendwann war dann Zeit, zum Nachmittagsprogramm überzugehen. Dieses sollte aus der Wiederholung des gestrigen Nachmittagsprogrammes bestehen, welches ja bekanntlich nicht geklappt hatte.
Ich fuhr also wieder um Hamilton rum an dieselbe Fotostelle wie gestern. Nur das Wetter war noch schlechter als gestern (kein Wunder, es war ja noch wärmer und feuchter). Aber da es ziemlich überall bewölkt war, war es irgendwie auch egal, wo ich wartete.
Irgendwann kam der Northern Explorer vorbei, natürlich im dunkeln.
Ich platzierte mich wieder um für den Landschaftsblick einige 100m weiter oben und wartete da. Pünktlich um 16:50, genau wie gestern, kam wieder ein Containerzug vorbei - Fuhren die nach fixem Fahrplan? Vorgespannt waren diesmal aber nicht zwei Chinesendiesel sondern zwei E-Loks, auch nett! Wie gestern lief das aber alles im Wokenschatten ab.
Und wie gestern kam rund eine halbe Stunde nach dem Zug langsam die Sonne hervor, im Gegensatz zu gestern aber nur spärlich, und nicht voll und ganz. Aber wie gestern war das auch egal, denn es bewegte sich kein Rad mehr. Die ganze Übung war mal wieder für die Katz.
Ich übernachtete diesmal nicht in Hamilton selbst, sondern im Flughafenhotel, das nicht weit weg war, denn morgen wollte ich gegen Süden raus, da war die Fahrt nach Hamilton rein sinnlos. Und damit war der heutige Tag dann auch schon abgeschlossen, zwar nicht gerade super, aber immerhin eine deutliche Steigerung gegenüber gestern!
Samstag, 28.2.2026: Hamilton - Taumarunui
Das Hotel war sehr seltsam. Riesige Räume aber weitgehend ohne Einrichtung, Plattenboden der zwar sauber war aber eine Textur hatte als wäre er dreckig, schummrige Beleuchtung… davon abgesehen war aber eigentlich nichts auszusetzen, auch das Frühstück war einwandfrei.
Ich rechnete aufgrund der Prognosen ja eigentlich einfach mit schlechtem Wetter, aber das war irgendwie nicht so, da war ganz schön viel blau am Himmel! Selbstverständlich auch Wolken, wo kämen wir denn sonst hin, aber trotzdem. An meinem Plan, nach Süden zu stechen, wollte ich festhalten, aber da liess sich sicher noch irgendwas einbauen.
Und so peilte ich mal die nächste vermutete Fotostelle an, nicht weit vom Hotel entfernt. Vor Ort stellte sich heraus, dass das eine wunderbare Fotostelle war! Und auch einen schönen Parkplatz hatte es gleich daneben.
Etwas doof war, dass das Signal, welches bei meiner Ankunft noch eingeschaltet war, nun ausgeschaltet wurde. Das hiess wohl, dass da nun länger nichts passiert. Aber wer weiss, dass konnte ja in einer halben Stunde schon wieder anders sein.
Doch wie zu befürchten war, geschah nun erst mal nichts mehr. Erst nach etwa zwei Stunden ging das Signal wieder an. Immerhin passend zur Wolkensituation, denn die sah gerade ziemlich gut aus.
Das Signal blieb rot, was wohl darauf hindeutete, dass etwas von vorne kam, sehr gut!
Es kam aber doch etwas von hinten, nämlich der Northern Explorer. Den hatte ich zwar auf dem Schirm, aber ohne genaue Zeit und ohne Fotostelle dafür. Der lief nun voll ins rote Signal rein und musste vor der nächsten Ausweiche anhalten, fuhr aber bald weiter.
Das rote Signal war aber offensichtlich kein Versehen, denn kurz darauf tauchten zwei Spitzenlichter auf, die langsam näher kamen. Sehr langsam. DL mit Güterzug, sehr schön! Und sie blieb auf der Ausfahrtweiche stehen. Was machen die denn? Blick zum Himmel, wunderbar, Wolken schön weit von der Sonne weg. Nach ein paar Minuten bewegte sich der Zug langsam wieder und beschleunigte schliesslich. Derweil hatte sich exakt eine Fluselwolke direkt vor der Sonne gebildet. Was sollte das denn wieder?!? Bis der Zug bei mir war zog sich diese aber wieder fast vollständig zurück. Puh, meine Nerven!
Ich wollte jetzt aber doch noch weiter gegen Süden kommen. So fuhr ich mal bis zum Flugplatz von Te Kuiti, dort hatte ich mir eine Fotostelle aus Google Maps rausgekramt. Die war zwar dann nicht viel, aber man konnte sich etwas quer auf einen Hügel stellen und runter gucken.
Auf der Strecke tat sich aber nichts, der Platz war trotzdem gut für eine Mittagspause im Hochlicht. So fuhr ich dann weiter der Strecke nach bis kurz vor Taumarunui und notierte fleissig potentielle Fotostellen. Auf einer Brücke stand ein Zweiwege-LKW, also war der Verkehr wohl aktuell eingestellt; Signale waren unterwegs überall dunkel. War mir zunächst egal, war ja eh Hochlicht. Kurz vor Taumarunui sah ich wieder eingeschaltete Signale bei einem Bahnhof und stellte mich daher etwas weiter hinten an die Strecke, in der Hoffnung, dass was kam.
Es kam dann aber trotzdem erst mal eine knappe Stunde lang nichts, bis ziemlich überraschend ein Güterzug auftauchte. Leider hatte sich die Sonne gerade etwas verabschiedet und kam nur knapp wieder ein bisschen hervor.
Nun hatte ich mir aber ja nicht umsonst die ganzen Fotostellen aufgeschrieben. Ich rechnete damit, dass man den Zug verfolgen könnte, also los! Zwar war der Zug recht flott unterwegs, so 70-80 km/h, aber da man auf den Strassen 80-100 km/h fahren durfte war der Zug trotzdem zuverlässig einholbar ohne zu schnell fahren zu müssen. Und so klappte an einem Bahnübergang etwas weiter das nächste Bild, wenn auch mit nicht viel Zug.
Die nächste Fotostelle war nun etwa 15 Minuten entfernt, das sollte zeitlich problemlos aufgehen. Was nicht aufging war das Wetter - Die Wolken waren da fix vor der Sonne, es war komplett aussichtslos. Ich wartete trotzdem kurz, bis der Zug da war, und fuhr dann weiter über einen kleinen Pass (die Bahn hatte einen Tunnel). Nach dem Tunnel gabs eine kleine Gerade, welche mit der Drohne umsetzbar war. Einmal mehr war etwas Manövrieren nötig, um den Wokenschatten auszuweichen…
Die nächste Fotostelle auf dem Plan wäre eine Drohnenstelle in einem Tal gewesen, aber unterwegs sah ich bei einem Bahnübergang eine Ecke, die mit der grossen Kamera gut umzusetzen war und mir sehr gefiel. Auch hier hatte ich wieder kaum eine Minute Vorsprung, aber es reichte zuverlässig.
Für die folgende Drohnenstelle reichte es jetzt aber nicht mehr, der Zug war da sicher mit 90 km/h über die Ebene unterwegs. Es kam aber noch das Waiteti-Viadukt, auf dem der Zweiwege-LKW stand, und bis dahin hatte ich den Zug völlig problemlos wieder eingeholt.
Ich ging nun aber davon aus, dass es das wohl war mit der Verfolgung. Ich musste nun erst die Drohne landen und einpacken und ich war ja auch schon fast wieder in Te Kuiti und musste durch den Ort fahren, wenn der da keine Kreuzung hatte war der weg. Trotzdem versuchte ich es mal noch weiter nördlich an einem Bahnübergang, vielleicht wurde er ja irgendwo aufgehalten. Aber nein, diesen Zug sah ich nicht mehr.
Die Stelle am Bahnübergang war durchaus umsetzbar für einen Zug gegen Süden, deshalb wartete ich da mal etwas. Kaum 10 Minuten vergingen und es kam ein Spitzenlicht von Süden. War das doch der Containerzug? Nein! Es war schon der nächste Zug, der Spiral Express mit einer Komposition der Glenbrook Vintage Railway. Den hatte ich nicht auf dem Schirm - kam halt davon, wenn man keine Ahnung hatte! Das Bild war zwar eher ein Notschuss aber hjänu.
Die Sonne war noch einige Zeit lang draussen, deshalb wartete ich noch weiter. Die Polizei guckte kurz vorbei und wunderte sich, was ich da machte; aber nach einem kurzen Gespräch war dann schnell alles klar. Bald versank die Sonne definitiv in den Wolken und ich verabschiedete mich. Bei der BP in Te Kuiti gabs was zu Essen und Proviant für morgen, denn das Motel in Taumarunui hatte wohl kein Frühstück für mich. Die Fahrt nach Taumarunui dauerte noch eine Stunde und irgendwann konnte ich den Tag dann auch noch abschliessen. Immerhin, die heutige Verfolgung war mal ein echter Erfolg und entschädigte für die schwierigen letzten Tage!
Sonntag, 1.3.2026: Taumarunui - Taumarunui
Die Nacht war gut, lediglich einmal wurde ich von einem Zug geweckt. Das passte zur Vermutung, dass der Verkehr am Wochenende eher spärlich war, aber das konnte ich ja heute herausfinden.
Frühstück hatte ich gestern zum Glück noch an der Tanke organisiert und so konnte es bald losgehen.
Der Plan?
Ich hoffte, einen Zug auf dem bekannten Makatote-Viadukt zu fotografieren. Dafür brauchte ich einen Südfahrer am Morgen ziemlich früh und gutes Wetter, sprich da bestand eigentlich gar keine Chance, dass das irgendwie aufging, aber einfach im Bett liegenbleiben war ja auch doof.
Die Idee war, mich nördlich von Taumarunui (also hier) aufzustellen, auf einen Zug zu warten und dann diesen runter zu verfolgen. Zeitlich sollte das drin liegen, zumal dazwischen noch die ganzen Kehrschleifen von Raurimu lagen.
Ich fuhr also mal die Ongarue Back Road hoch. Schon unterwegs wurde klar, dass das ein langer und unproduktiver Morgen würde, denn es wurden gerade zwei HiRail-Pickups aufgegleist…
Das Wetter war noch immer gruselig, wurde aber langsam besser. Zwischendurch hatte es sogar Sonne, und sogar ein Schotterzug zeigte sich, wenn auch viel zu spät und nicht so passend zur Sonne.
Die sichere Leistung heute war der Northern Explorer, denn der war hier zu einer fotografierbaren Zeit unterwegs gegen Norden. Den konnte ich mit der Drohne in den Kehren von Raurimu abpassen und anschliessend verfolgen. Gerade so rechtzeitig fuhr ich also dorthin, aber nicht ohne einen Frust-Mittagessens-Stopp beim Burgerbrater in Taumarunui einzulegen.
In Raurimu war zunächst nicht so klar, wo ich da hin musste, aber es stellte sich heraus, dass es da eine Schotterstrasse gab, die direkt in die Kehren hineinführte und keine Hinweise hatte, dass man da nicht hätte lang fahren dürfen. Auf dem Weg kam mir ein Güterzug entgegen - Eher unerwartet, denn der Northern Explorer war schon bald fällig und nun vermutlich verspätet.
Das Wetter war zwar eigentlich ziemlich schlecht, aber etwas nach Planzeit des Northern Explorers kam schön die Sonne raus und ich platzierte die Drohne. Der Northern Explorer liess sich dann aber etwas Zeit, und pünktlich 30 Sekunden vor dem Zug war die Sonne wieder weg.
Nun musste ich natürlich alles wieder runterfahren, was etwas dauerte, und so brauchte ich ein paar km, um den Zug wieder aufzuholen. Aber da ich ihn nirgends sah und die Signale rot waren, fuhr ich schlussendlich bis Taumarunui, wo mir grüne Signale klar bestätigten, dass ich den Zug überholt hatte.
Hinter Taumarunui stellte ich mich an den Bü von gestern, aber das Wetter war heute viel schlechter, keine Chance auf Sonne.
Die nächste Fotostelle liess ich ausfallen weil wegen aussichtslos, und etwas weiter platzierte ich zwar die Drohne in der Sonne, aber erneut war 30 Sekunden vor dem Zug das Licht wieder weg. Ich verfolgte den Zug weiter über den Pass, über die ganzen kurvigen Nebenstrassen, bis zum Viadukt von gestern, aber dort verpasste ich die Abzweigung und damit auch den Zug - Licht hätte es bestenfalls ein bisschen gehabt.
Das war sie also, die heutige Zugverfolgung. Über 100 km kein einziges brauchbares Bild! Wie sinnlos!
Beim Weg zurück nach Taumarunui kam mir sehr bald der Güterzug entgegen - Der wurde offensichtlich überholt, ohne dass ich es gesehen hätte. Überrascht war ich nicht, ich vermutete schon, dass das passieren konnte. Also drehte ich gleich um und fuhr wieder zum Viadukt runter, dort hatte ich gestern noch gute Alternativen gesehen. Diesmal fand ich auch die Einfahrt auf Anhieb und stand bereit, nur von Sonne erneut keine Spur.
Also machte ich mich *wieder* auf den Rückweg. Die Wolken hatten sich inzwischen verzogen, mich lachte mehr und mehr blauer Himmel an! Die Signale waren alle dunkel, keine Spur von Zugverkehr. Bei Taumarunui stellte ich mich nochmal an den Bahnübergang bis komplett Licht aus war, aber es bewegte sich kein Rad mehr.
Was für ein unnötiger Tag. Drei Züge, alle erwischt, etwa 6-7 Foto-Chancen, aber alles, wirklich alles, spielte sich unter den Wolken ab. Der Plan für morgen: Das Ganze nochmal von vorne, bitte, nur diesmal in gut!
Montag, 2.3.2026: Taumarunui - Ohakune
Der heutige Tag begann mal mit relativ gutem Wetter. Der Plan? Ich wollte morgens in dieselbe Ecke sitzen wie gestern, nördlich von Taumarunui, dort auf den ersten Zug warten und diesen verfolgen, wenn es irgendwie ging. Heute war Montag, da musste ja wohl mehr fahren als gestern!
Auf dem Weg zur Fotostelle sah ich wieder unerfreuliches, bei einem Bahnübergang hatten sich drei KiwiRail-Zweiwege-LKWs aufgereiht. Das sah mir eher nach Arbeitsbeginn aus denn nach Arbeitsende. Urks.
An der Fotostelle musste ich mich dann mal um einen “Side Quest” kümmern: Mein Auto hatte gestern gemeldet, dass in den nächsten 1000 km ein Ölwechsel nötig sei! Die von der Autovermietung haben mir tatsächlich für eine 6-Wochen-Miete ein Auto gegeben, das ca. 2000 km vor dem Ölwechsel war! Idioten. Und weil diese Information von den Autoherstellern auch gerne im Bordcomputer unzugänglich versteckt wird, konnte man das bei der Abholung ja nicht mal überprüfen…
[Anmerkung der Redaktion: Bei Toyota wäre diese Information im Bordcomputer durchaus zu finden! Für nächstes Mal.]
Nun, da ich das Auto ja noch 5 Wochen hatte, konnte ich das nicht einfach ignorieren, denn dann wäre ich bis Ende Urlaub sicher 5000 km [Anmerkung der Redaktion: Holy underestimation Batman!] über den Ölwechsel hinaus gefahren - nicht gut. Nun konnte ich mich entweder mit der Autovermietung herumschlagen oder das Auto hier in eine Werkstatt geben. Ob das eine gute Idee war? Ich verabredete jedenfalls mal bei einer lokalen Werkstatt einen Termin auf 1300, strategisch so, dass ich das Auto wieder haben sollte, bis dann abends der Güterzug fuhr (wie gestern und vorgestern).
Aber bis da wars noch lange hin. Das Wetter war gut, der Himmel fast wolkenfrei.
Nur auf den Schienen tat sich, einmal mehr, überhaupt nichts.
Stellenwechsel, irgendwann kam der Northern Explorer von hinten, komplett aus dem Licht.
Zwischendurch guckte ich mal nach Unterkünften. Ganz schwierig, Taumarunui war heute und morgen irgendwie komplett ausgebucht. Aber in Ohakune hatte es noch Platz, das war nur etwa eine Stunde weiter südlich.
Zur Werkstatt, Auto abgeben, es dauere so ca. 2h. Das war zwar länger als erhofft, aber vermutlich noch OK.
Ich vertrödelte etwas Zeit, die Bahnlinie immer im Blick. Kein Zug in Sicht.
Das erwartete Telefon, man sei jetzt fertig kam nie; irgendwann so nach 2.5 lief ich mal rüber um wurde prompt hinein gewunken, man sei fertig. OK… Immerhin, das war jetzt erledigt und verpasst hatte ich nichts.
Nun ja, der Tag konnte noch immer was werden, denn der Güterzug, der die letzten beiden Tage fuhr, kam ja bestimmt, oooooooder?
Ich wartete mal wieder am bekannten Bü auf ihn, aber da tauchte mal wieder nichts auf. Erst 18:20, geschlagene 11 Stunden !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (ich möchte betonen: !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) nach dem ersten Streckenblick heute Morgen, kam der erste Güterzug - und das nicht mal aus der erwarteten Richtung.
Ich war noch etwas unsicher, ob ich weiter warten sollte, aber ich fuhr dem Zug schlussendlich hinterher, denn das war eh meine Richtung und darauf zu hoffen, dass da nochmal was auftauchte, war auch eher sinnlos. In Taumarunui stand der Zug dann im Bahnhof, also doch Kreuzung! Zurück zum Bü von vorhin. Dort konnte ich mich nicht aufstellen wie gewünscht, da Baumschatten schon arg rein wuchsen, aber weiter hinten ging es noch. Dabei sah ich auch, dass das Blocksignal dunkel war. Hmmmmm.
Ich wartete ein paar Minuten, aber da kam nichts. Ich fuhr zurück zum Bahnhof und der Zug war weg. Also wohl doch keine Kreuzung.
Ich fuhr dem Zug mal hinterher und holte ihn vermutlich auch ein (Signale wurden eingeschaltet), aber zu sehen war er nie und das Wetter war eh nicht mehr kooperativ. Auch ein Gegenzug war nicht zu sehen. Und so kam ich dann gegen 20:00 im gebuchten Motel in Ohakune an und war froh, dass ich endlich Feierabend machen konnte.
Die Stimmung? Total im Eimer. Gestern Zug, aber keine Sonne. Heute Sonne, aber (fast) kein Zug. Alles Kacke hier. Immerhin das Autoproblem war gelöst. [Anmerkung der Redaktion: Hahahahahaha!]


















