Sommertour 2025 - links und rechts der großen Magistralen - Teil 12 und Schluss
Von Christof Hofbauer
Heute heißt es also wieder Koffer packen. Und das final für die große Sommertour 2025. Aber wieso? Ist man eigentlich nur anspruchsvoller oder mäkliger geworden? Ist alles unterhalb von „Idealbedingungen“ mittlerweile nur schlecht? Früher, zum Beispiel im schon mehrmals erwähnten Jahr 1987, hat man ja auch nicht wegen ein oder zwei trüben oder regnerischen Tagen abgebrochen. Oder ist einem die Zeit mittlerweile nur zu schade, um herumzusitzen und Gruselbilder zu machen, die man sich später nie mehr ansieht? Schließlich hat man immer weniger Zeit zum Verprassen übrig. Ist es Bequemlichkeit oder einfach wirtschaftliches Denken? Immerhin sitzt man zuhause bequemer und zahlt nicht noch extra.Wahrscheinlich von allem ein wenig. Und wenn ich ehrlich bin, hab ich auch überlegt, hier zu bleiben. Böte doch allein schon Wien selbst genug Möglichkeiten den ein oder anderen Regentag auszusitzen. Und S-Bahn sowie Straßen- und U-Bahn fotografieren geht ohne Sonne in den Häuserschluchten teils sogar noch besser.
Trotzdem heißt es heute „zurück nach Hause“. Denn bleibt es, wie in der Prognose angekündigt, gibt es wohl bis zum Ende meines Urlaubs keine reale Chance mehr auf länger Sonne.
Mittwoch, 27.08.2025
Eigentlich bin ich gut, sprich früh in den Tag gestartet. Aber irgendwie vertrödle ich mit herrichten, Koffer packen, frühstücken, auschecken schon wieder so viel Zeit, dass ich erst kurz vor 9:00 Uhr in Traiskirchen neben dem Acker stehe. Und da ist das Licht schon so weit rum, dass das Signal unangestrahlt fast mit dem Hintergrund verschmilzt.
Gut, wenn ich ehrlich bin, hätte es eine Stunde früher vermutlich auch nicht gereicht und 7:00 Uhr an der Fotostelle ist aktuell keine Option, zu der ich mich oder bessergesagt meinen inneren Schweinehund überzeugen kann.
Auch das ist eine Stelle, die ich nochmal umsetzen möchte, sollte es mich rechtzeitig wieder hier her verschlagen. Was etwas weniger unwahrscheinlich ist, als das ich dann wirklich so zeitig aufstehe, dass die Sonne passt.
Nach diesem Auftakt geht es nochmal zum Bahnhof und kurz nach mir trifft auch der Nahgüterzug ein. Nach zwei Tagen mit der gleichen Maschine hofft der Nummernsammler in mir, dass die ÖBB heute mal eine andere ins Rennen nach Trumau geschickt hat. Hat sie nicht! Mist! Aber irgendwie ist trotzdem etwas anders. Aber was?
Wer die Bilder der letzten Tage anschaut sieht es. Irgendwer hat, warum auch immer, die Maschine seit gestern gedreht. Lief sie die zwei Tage vorher jeweils mit dem langen Vorbau nach Süden, ist sie heute andersherum unterwegs.
Nach einigen hin und her setzt sich die Lok wieder vor die verbliebenen vier Wagen auf Gleis eins, drück diese auf die zwischenzeitlich im südlichen Bahnhofskopf zwischengeparkten Containerwagen von Trumau, um anschließend den so neu sortierten Zug zurück in den Bahnhof zu ziehen. Dann ist erstmal Pause. Schwatzend marschiert das Begleitpersonal, einschließlich Lokführer, ins Bahnhofsgebäude und es tritt kurzzeitig Ruhe ein, bevor die beiden Regios eintreffen. Zeit genug, auch das Hölzerne Stellwerkshäuschen zu verewigen.
Blick auf die Schaltzentrale des Bahnhofs Traiskirchen Aspangbahn. Dort wo (noch) alle Strippen zusammen laufen und kräftig gehebelt wird.Dann ist auch schon der Regionalzug aus Wiener Neustadt da, denn der Lokführer auch gleich für die Rückfahrt bereit macht. Nun heißt es noch warten auf den Zug aus Wien Hbf, um evtl. Anschlussreisende aufzunehmen.
5047 003-8 hat sich schon für die Rückfahrt als R 7459 nach Wiener Neustadt fertig gemacht, während 2070 085-3 noch Pause hat.
5047 003-8 wartet im Bahnhof Traiskirchen Aspangbahn, um als R7459 nach Wiener Neustadt aufzubrechen, während daneben R7409, gebildet aus 5047 052-5, von Wien Hbf her in die Station einläuft.5047 003-8 gehört zu den sechs, im Jahr 1987 ausgelieferten, Vorserienfahrzeugen dieser Baureihe und ist damit zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits knapp 40 Jahre alt. Damit zählt er mehr Lenze als die meisten Fahrzeuge, die er zum Zeitpunkt seines Erscheinens ablöste. Im Gegensatz zum jüngeren 5047 052-5 rechts neben ihm, der noch die Ursprungsfarbgebung trägt, wurde er im, ab Mitte der 1990er eingeführten, Corporate Redesign (CRD) umlackiert.
Für mich geht es jetzt in Richtung südlicher Ausfahrt, möchte ich doch das dortige Ausfahrtssignal auch von dieser Seite mal ins Bild nehmen.
5047 003-8 verlässt Traiskirchen als R 7459 nach Wiener Neustadt. Wenige Minuten später wird auch 5047 052-5 den Bahnhof wieder in Richtung Wien Hbf verlassen.Ich schaue dem Zug noch hinterher, bis er zwischen dem die Gleise umgebenden Buschwerk verschwindet und das Signal klappernd in die Halt-Position zurückfällt. Dann wird der Rucksack geschultert und es geht zum Auto. Zwischendrin noch gecheckt, ob mein kleiner Plüschpapagei, ein Maskottchen, dass mich schon seit fast 20 Jahren auf jeder Fototour begleitet, noch brav an der Tasche baumelt. Gut, ist noch da! Nicht auszudenken, sollte der mal verloren gehen. Ach, und ein Bild von der 2070er gibt es auch noch, mit Stellwerkshäuschen und Bahnhof. Dann heißt es fürs erste „Tschüss Aspangbahn“.
Für mich geht es jetzt nochmal ein Stück nach Osten. Nicht weil ich so den immer mehr hereindrängenden Wolken entfliehen möchte, es ist einfach ein Muss bei dieser Reise. Schließlich kann es nicht sein, dass ein Weidner, wenn er schon mal in dieser Ecke ist, nicht in Weiden war. Wie jetzt?
Gemeint ist natürlich Weiden am See. Der kleine Ort am Neusiedler See gelegen, ist nämlich Partner meiner Oberpfälzer Heimatstadt und somit ist ein Besuch fast Pflicht. Dass die Neusiedler See Bahn hier auch noch durchläuft und es einen „Bahnhof“ Weiden gibt, kommt dann noch dazu.
Gefühlt wäre ich ja jetzt einmal quer durchs Gelände gefahren, aber mein Navi lenkt mich großzügig im Bogen, über diverse Autobahnen und an den Außenbezirken Wiens vorbei, zu meinem Ziel. Die Route ist wohl 4 Minuten schneller, dafür aber auch 27 Kilometer länger. Und so kommt es mir auch vor. Unendlich lang. Fast schon meine ich jeden Moment vor den Toren Budapests zu stehen.
Ist natürlich Quatsch. Aber tatsächlich habe ich das Gefühl, die Fahrt endet nie. Nicht zuletzt deshalb, weil ich die Distanz, ohne Blick auf die Karte, intuitiv deutlich geringer eingeschätzt hatte.
In Weiden am See angekommen, entsteige ich in der Bruthitze dem Auto. Kein Baum spendet auf dem sehr aufgeräumt wirkenden Areal vor der Haltestelle auch nur ein kleines bisschen Schatten. Zudem zeigt sich die Station, naturgemäß, stark verändert. Ein langer, hoher Betonbahnsteig entlang des einzigen verbliebenen Gleises, Absperrgitter allenthalben und ein auf Alt getrimmtes Häuschen, unter dessen Dach sich unter anderem ein Fahrkartenautomat befindet, lassen nur wenig Nebenbahnromantik aufkommen. Was für ein krasser Gegensatz zum früheren Zustand.
Einen einigermaßen vernünftigen Standplatz zu finden ist gar nicht so einfach. Andererseits hab ich auch genügend Zeit, denn die letzte Zugfahrt habe ich gerade so um Minuten verpasst. Also stelle ich mich hierhin und dorthin, während aus dem Wirtsgarten gegenüber fröhliches Besteckklappern zu hören ist. So wächst die Versuchung, das Foto Foto sein zu lassen und gleich dort im Schatten etwas zu mir zu nehmen. Aber nein, ein Foto in Weiden muss einfach sein. Nicht wegen der Schönheit, sondern aus Prinzip!
Auch wenn es so aussieht, bei dem Bau in Weiden am See handelt es sich nicht um das ursprüngliche Stationsgebäude, welches näher an den Gleisen und ebenerdig stand. Auf seinem Weg als REX 7930 legt Mehrsystemtriebzug 4124 030-9 einen Halt in der Partnerstadt des oberpfälzischen Weidens ein.Nichts aber auch gar nichts hat dieser moderne, S-Bahn ähnliche, Verkehr noch gemein, mit den Zuständen, wie sie noch bis zum Ende der 1980er herrschten. Zwar hatten sich auch damals bereits die 1’C1‘ Nebenbahndampfloks seit einigen Jahren verabschiedet und den Verkehr an zwei- und vierachsige Triebwagen sowie Dieselloks aus rumänischer Produktion übergeben. Aber Streckenzustand, Infrastruktur und alles Drum und Dran machten, neben dem Betrieb durch eine „ungarische“ Bahngesellschaft, diese Strecke noch zu einem Erlebnis. Und dafür nahm man sogar auch mal die Mühen einer Tagestour über 550 km hin und wieder zurück auf sich, so wie im November (!) 1988.
Beschaulich ging es zu, auf der Neusiedlerseebahn. Bamot 701 beim Planhalt in der kleinen Station Weiden am See. Der Triebwagen ist übrigens einer von nur zwei gebauten, die zwischen 1959 und 1961 bei Rába in Györ produziert und an die MAV ausgeliefert, letztendlich bei der GySEV landeten.Auf meiner schon erwähnten Tour durch Ostösterreich im Jahr 1987 hatte ich das erste Mal Kontakt zu dieser Bahn gehabt. Neben einem Büchsengespann aus tschechoslowakischer Produktion im Grenzbahnhof Pamhagen, ging mir damals der tägliche Nahgüterzug ins Netz, als ich ihn beim Rangieren im Bahnhof Mönchhof-Halbturm ablichten konnte. Wie erwähnt zwar nicht mehr mit Dampf bespannt, war eine M 47 aber auch ein absoluter Exot für mich. Rund 10 Jahre erst alt, machte die Maschine bereits einen sehr durchgerockten Eindruck.
M47 1501 hat mit dem wochentäglichen Nahgüterzug den Bahnhof Möchhof-Halbturm erreicht und erledigt nun die dort anstehenden Rangierarbeiten. Für das dafür notwendige Personal, läuft in der Garnitur planmäßig ein alter Nahverkehrswagen mit.Für das nächste Bild im Jahr 2025 geht es nun raus an die Strecke. Zwei Dinge hätte ich gerne mit als Beigabe: 1) Wein und 2) einen Blick auf Weiden am See. Ach, und ein Drittes habe ich noch vergessen: Sonne! Die macht sich nämlich langsam aber sicher rar.
Und da nicht viel Zeit bleibt, platziere ich mich schnell nahe dem Bahnübergang an der Straße nach Gols. Dort gibt es von allen drei Dingen etwas.
Ins ungarische Fertöszentmiklos führt der Laufweg von REX 7931 den 4124 016-8. Kurz vor Gols kommt er von Weiden am See herauf, dessen Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit rechts neben dem Triebzug zu sehen ist.Wie man auf dem Foto unschwer erkennt, hat sich der mittägliche Sonnenschein von vorhin, zwischenzeitlich in ein laues Funzeln verwandelt. Gerade noch so stark, dass es die Szenerie in einen Hauch von Licht tunkt, wenn auch in ein sehr grausliges.
Da der Tag verspricht lang zu werden und ich nicht weiß, wann es wieder was Ordentliches zu beißen geben wird, wird jetzt die Mittagspause offiziell ausgerufen. Es geht zurück nach Weiden am See, dorthin, wo vorhin schon meine sehnsüchtigen Blicke hinwanderten und das liebliche Zirpen von Messern und Gabeln zu hören war.
Mit Glück ergattere ich den einzig freien Tisch, der sich bei meiner Ankunft bietet. Das liegt zum einen sicher daran, dass der Gastgarten nicht so groß ist, zum anderen aber auch an der Lage an der Straße zum See und am vorbeiführenden Fernradweg. So sind es viele behelmte aller Art, die um mich herum sitzen.
Ich beschließe, wenn schon in der Nähe, dann etwas ungarisch Angehauchtes zu bestellen. Von all den auf der Speisekarte angebotenen Gerichten ist das Schnitzel mit Pommes und Letscho. Ungarischer wird’s heute nicht. Ist aber mehr als reichlich und lecker. Zu lecker, weil aufstehen und fotografieren, oder gar mehr als 500 km heim fahren, mag ich nun endgültig nicht mehr.
Vielleicht wäre auch sich in einem Weinkeller verkriechen und drei Tage nicht mehr raus kommen die bessere Alternative gewesen, als die, sich wieder an den Bahnübergang bei Gols zu begeben. Denn das nächste Bild mit Blick auf die Weidener Kirche im Hintergrund wird ein graues.
Auf der Neusiedler See Bahn geht es für 4124 037-4 als REX 7937 in den österreichischen Grenzbahnhof Pamhagen.Das war es also jetzt, denke ich auf dem Rückweg zum Auto. Dann gibt es nur noch zwei Sachen zu tun. Punkt eins, ein Bild von einem Weidner Auto, neben dem Ortsschild von Weiden am See und mit Neusiedler See im Hintergrund. Ist verhältnismäßig schnell umgesetzt, also check. Punkt zwei, Wein aus Weiden nach Weiden mitnehmen. Stellt sich schon etwas schwieriger heraus. Nicht weil man hier lang suchen müsste, um einen verkaufswilligen Weinbauern zu finden. Nein, eher das schiere Überangebot ist das Problem. Und zudem, der bzw. die, weil ich die Frau Weinbauer aus der Küche klingle, Verkäufer*in nimmt keine Kartenzahlung an. Bin wohl nicht kreditwürdig. Da hilft auch der Verweis auf die Partnerstadtzugehörigkeit nichts. Der wahre Grund ist aber nachvollziehbar. Die Gefahr, dass die Abbuchung storniert wird, aus diversen Gründen, während der fremde Käufer aber dann schon über alle Berge ist, ist durchaus real. Also schnell noch zur Bank, einen großen Karton Wein aus dem Innenhof zum Auto geschleppt und ab kann die Post gehen.
Ich bin noch nicht mal in Wien, da wird mein Plan heimzufahren schon erschüttert. Zum einen reißt der Himmel wieder auf. Warum und woher die großen Lücken im doch gerade noch bleiernen Himmel kommen? Kein Mensch weiß es. Auf jeden Fall fahre ich gefühlt permanent im Sonnenschein. Zum anderen kommt auf Ö3 die Meldung, bei Amstetten konnte wohl ein LKW-Fahrer die Schrift auf den Schildern nicht lesen. Und da er anscheinendl seine Brille nicht gleich fand, hat er einfach mal die Tafeln zusammen mit der ganzen Schilderbrücke zu sich heruntergeholt. Zwar wird wohl das Lesen jetzt kein Problem mehr gewesen sein, eine Schilderbrücke, die sich im Fahrzeug verkeilt ist aber auch nicht gerade einer Weiterfahrt förderlich. Und was dahinter abgeht, brauch ich wohl nicht zu beschreiben. Totalsperre, mit Stau und Dauer in ungewisser Länge. Super!
Eins ist klar, dusselig will ich mich nicht auf die Autobahn stellen. Und wer weiß wie lange das dann geht. Also runter an die Strecke und doch noch hierbleiben?
Ich hadere mit mir auf Höhe von Wien, durch den Wiener Wald, bei St. Pölten. Und immer wenn ich so weit bin, von der Autobahn runter und in Richtung Eisenbahn zu fahren, kommt der Realitätssinn durch, der sagt, „es ist wechselnd bewölkt und schlonzig, alles andere kommt dir nur so vor“!
Kurz vor der Ausfahrt Loosdorf ist es aber dann so weit. Langsam komme ich in die Regionen, wo der Rückstau beginnen könnte. Ein, zwei, drei Ausfahrten vielleicht noch maximal. Und hier gleich nebenan läuft die Eisenbahn. Also raus und in besagtem Loosdorf was gesucht. Herumstehen an der Bahn ist mir tausendmal lieber, wie auf der Autobahn. Zudem muss ich bald mal für kleine Jungs.
Kurz vor dem Ort fädelt sich die Schnellfahr- aus der Bestandstrecke aus. Leider ist hier alles verbaut, sodass ich erstmal Neubaustrecke Neubaustrecke sein lasse und mich im Ort an die Westbahn begebe. Hoffend auf Güterverkehr, mit Blick auf Bahnübergang, Silo und Pfarrkirche harre ich jetzt der Dinge, die da kommen.
4744 004-4, zusammen mit 4746 512-4, als CJX 1922 unterwegs auf der altehrwürdigen Westbahn nach Amstetten.Hm, etwas sensationelles hab ich jetzt eh nicht erwartet. Aber musste es unbedingt ein DB Vectron sein? Naja, schmuck finde ich die Teile in DB Rot ja eigentlich schon. Lustigerweise hab ich wohl mehr Cargo Vectronen im Ausland fotografiert als in Deutschland selbst.
Zur Strafe, dass ich mich zur letzten Bespannung leicht kritisch geäußert habe, wird mir umgehend jeglicher Güterverkehr gestrichen und es gibt nur mehr Desiro Einheitskost. Siemenstage in Österreich!
Fest in der Hand der Siemens Desiro ML ist der Personenverkehr auf der alten Westbahnstrecke. 4744 531-6 ist zusammen mit 4744 007-7 als CJX 9104 unterwegs von Wien nach Amstetten.Recht viel Variationen lässt der Standort leider nicht. Mal ein paar Schritt vor oder zurück, dass ist auch schon das höchste der Gefühle. Zeit also, sich eine andere Stelle zu suchen. Diesmal vielleicht mit Blick auf die Schnellfahrstrecke.
Ein kurzes Stück weiter, das berühmte Kloster Melk ist schon in Sicht, lässt es sich dann vortrefflich warten. Zumindest wenn man Bilder macht. Läuft doch, mit entsprechender Lärmentwicklung, gleich hinter den Büschen rechts die Westautobahn vorbei. Für ein Video wäre der Krawall ein absolutes no go.
Da man durch den Autolärm und den Tunnel weiter vorne, auch keine Zugannäherung so richtig hört, hilft nur im Fahrplan wühlen und grob schätzen. Und laut dieser Glaskugelmethode sollte jetzt gleich als erstes die Westbahn unter mir durchrauschen.
Schwer zu kämpfen hat die Sonne an diesem Nachmittag, um noch durch die immer dichter werdende Schlonzschicht zu kommen. WESTbahn 4010 120 ist als WB 923 auf dem Weg von Wien nach Salzburg.Ist schon irgendwie witzig. Heuer ist anscheinend mein Westbahn Kiss Jahr. Im Frühsommer waren es die als DB IC verkleideten Ex Westbahn Fahrzeuge mit 4- und 6-Teilen, heute das Original in Gestalt der Nachfolger.
Als nächstes folgt nun ein weiteres Schmankerl. Eine Garnitur IC1 Wagen, nun in Diensten der ÖBB und geführt mit einem Taurus. Leider kann ich beim besten Willen nicht herausfinden, welcher Zuglauf es ist. Eigentlich hätte so um die Durchfahrtszeit herum ein ICE-T der DB durchkommen müssen. Ist das eine Ersatzgarnitur? Wäre zumindest möglich.
Mit einer Garnitur von ex DB IC1 Wagen, jagt 1116 163-7 auf der Schnellfahrstrecke bei Melk gen Westen.Immer wieder schwank das Licht zwischen trüb und verdammt trüb. Und dass es nicht besser wird, je weiter die Glühmurmel in den Schlonz sinkt, beschließe ich wieder aufzubrechen und mich endgültig auf den Heimweg zu machen. Ö3 meldet keine Sperre und keinen Stau mehr und die erneut befragte Wetter-App meint für die nächsten beiden Tage nur grausiges berichten zu müssen. Also los!
Hätte vielleicht doch noch warten sollen und mir irgendwo ein gemütliches Abendessen genehmigen. Zwar stehe ich tatsächlich nirgendwo mehr stundenlang, aber einige Stopps gibt es doch und die Reststrecke geht nur im Kolonnenverkehr vonstatten. Bin ich doch mitten in den Pfropf geraden, der sich durch die Sperre gebildet, nun kollektiv gen Westen und ab Wels gen Norden schiebt. Denn meine Hoffnung, dass das Gros weiter Richtung Salzburg will, erfüllt sich nicht.
Zudem bekommt einigen Verkehrsteilnehmern um mich herum die Situation ganz und gar nicht. Chronisches Linksfahren, rechts überholen, drängeln, an der Lichthupe reißen, ausbremsen. Ich könnte noch stundenlang weiter so aufzählen.
Bald ist es so weit, dass ich am liebsten raus fahren würde und ein, zwei Stunden warten, bis alle Wahnsinnigen von der Straße sind. Auffällig ist, dass sich klischeehaft diverse Automarken und Nationalitäten besonders hervortun bei dem Spiel.
Irgendwann hab ich es dann aber doch bis über die Grenze geschafft. Für mich das Zeichen erstmal abzufahren, um die Kontrollstelle und dem dort herrschenden Chaos zu entgehen. Eine Frage in diesem Zusammenhang: Was nützt eine Kontrollstelle gegen unerlaubte Migration und Schmuggel, wenn ich vor dieser, nach überschreiten der Grenze, problemlos und ungehindert an der ersten Ausfahrt abfahren kann, um so über Landstraßen, unkontrolliert überall hinzukommen. So ein, zwei Auffahrten später auch wieder auf die Autobahn, so wie ich es gerade mache.
Von da ab entspannt sich der Verkehr mehr und mehr. Nur einer meint, er muss mich noch von der Überholspur blenden, als ich gerade am Überholen bin, nur um wenig später die Autobahn zu verlassen. Na, wenn es ihm dann besser geht.
Müde und leicht erschlagen rolle ich schließlich in die Tiefgarage. Fazit: Schön war’s und ich wäre gerne noch länger geblieben. Ziele gäbe es zur Genüge noch. Aussterbende 4020er im Wiener Schnellbahnnetz, noch lokbespannte CAT, die anderen von Wiener Neustadt ausgehenden Nebenbahnen, die Badner Bahn, und und und ….
Dann halt beim nächsten Besuch. Irgendwie hab ich nach Jahren der Abstinenz wieder Gefallen an Österreich und seiner Eisenbahn gefunden.
Epilog: Sonntag, 31.08.2025
Nach einigen entspannten Tagen daheim poppt im heimischen Chat die Meldung auf, dass heute der Anschluss der Firma Tyczka in Freihöls bedient wird. Und da die Sonne scheint, darf man sich das doch nicht entgehen lassen. Leider ist es keine 294er mehr, die diesen Dienst übernimmt, sondern eine 4185, aber die macht sich unter dem blauen Himmel und neben dem mechanischen Einfahrtssignal bestimmt auch gut.
Angekommen, bin ich der Einzige der Position bezogen hat. Doch halt, was ist das? Das Maisfeld neben mir beginnt zu sprechen. Erst ganz leise, dann immer deutlicher. Verwirrt versuche ich einen Blick durch die Stängel hindurch, aber es ist nichts zu sehen. Außerdem, wer kämpft sich schon durch ein hochgewachsenes Maisfeld. Erst einige Schritte nach vorne bringen Auflösung. Dem Feldrain entlang kommt ein mir bekannter Kollege gestiefelt und gibt, mit Handy am Ohr, aktuelle Infos über seinen Aufenthaltsort und die weiter Tagesplanung durch. Ein kurzer Plausch, während er neben mir seine Leiter aufbaut, dann kann kommt die Rangiereinheit gefahren. Zwischendurch macht auch noch der fällige RE aus Nürnberg seine Aufwartung.
4185 131 stellt zwei Gaskesselwagen für die Firma Tyczka zu. Gesteuert wird der Rangierverband vom Rangierlokführer am ersten Wagen mittels Bauchladen.
Vorbei am Einfahrtssignal von Freihöls strebt 612 132 als RE 3563 dem nächsten Halt Schwandorf entgegen.
Nachdem sie die zwei Gaskesselwagen in den Anschluss der Firma Tyczka gebracht hat, geht es jetzt für 4185 131 zurück in den Bahnhof Freihöls. Dort setzt sie sich vor die beiden dort wartenden Leerwagen, um diese als EZK 53914 nach Schwandorf zu bringen.Da das Wetter noch hält und ich Zeit habe, geht es weiter an die Naabtalstrecke. Die wird gerade an mehreren Stellen erneuert und ist daher für den Verkehr gesperrt. Laut Fotokollegen, könnte aber in der nächsten Zeit ein Bauzug von Schwandorf in Richtung Schwarzenfeld/Nabburg fahren. Also wechseln wir schnell hinüber und stellen uns bei Irrenlohe mal auf Verdacht auf.
Einzige Zeit tut sich nichts. Nur Reflektionen in der Scheibe einer im Bahnhof abgestellten V160 irritieren manchmal, weil sie die Hoffnung nähren, die Maschine würde sich bewegen. Dann rollt es endlich und aus Richtung Schwandorf kommt besagter Zug heran, auf der Pufferbohle ein freundlich grüßender Eisenbahner in kleidendem Orange.
Viel spannender ist aber dass, was hinten schiebt. Handelt es sich doch um eine der seltenen „Privatbahn V100“. Und diese hat noch eine ganz besondere Geschichte.
Ein äußerst bewegtes Leben hat 212 902-7 von Train Logistic hinter sich. Als eine von 10 Maschinen der MaK Privatbahn Variante der V100 gebaut, wurde sie 1965 bei der schwedischen Nora Bergslags Järnvägs AB (NBJ) als T25 in Dienst gestellt. 1979 wechselte sie nach Dänemark zur Odsherreds Jernbane, Nykøbing (OHJ), wo sie als T46 Dienst bis 1987 tat. Es folgten insgesamt 25 Jahre im Rhein-Ruhr Gebiet, wo sie für verschiedene Industriebahnen im Einsatz war. Seit 2012 nun, tut die betagte Lokomotive für diverse Vermieter verlässlich Dienst im Bauzugdienst. An diesem Tag schiebt sie einen Schotterzug durch das zum Baugleis erklärte nördliche Streckengleis von Irrenlohe nach Schwarzenfeld.Was für ein würdiger Abschluss für die Sommertour 2025! Manches hat geklappt, anderes kam überraschend dazu und einige Dinge blieben unerfüllt und unfotografiert. Naja, dann vielleicht beim nächsten Mal.
Und was auch wichtig ist, mein Auto hat es durchgehalten! Und das kurz vor den 500.000 km. Die werden dann rund drei Woche später erreicht, mit einem letzten lokalen Fotoausflug, bevor es dann auf Abstellfahrt geht, mit ein klein bisschen Wehmut und nassen Augen. Danke für Alles!









