Sommertour 2025 - links und rechts der großen Magistralen - Teil 11
Von Christof Hofbauer
Nach dem gestrigen Teilausfall geht es heute schon deutlich besser. Dafür scheint der Wettergott etwas unpässlich zu sein. Schon heute sollen Schleierwolken den Sonnenschein der letzten beiden Tage auch in diesem Winkel Österreichs deutlich trüben. Und für morgen sieht es wohl ab Mittag noch düsterer aus. Dabei hätte ich in der Ecke noch so viel, was ich gerne gesehen und bildlich verewigt hätte.Dienstag, 26.08.2025
Heute kann ich mich auch wieder durchs Frühstückbuffet pflügen, was ich dann auch ausgiebig tue. Etwas gestört wird die morgendliche Mahlzeit durch eine Familie am Tisch gegenüber. Nachdem mich die kleinere der beiden Töchter schon immer wieder angestarrt hat, steht sie nun auf und stellt sich direkt neben meinen Tisch. Ich habe beileibe nichts gegen Kinder. Und wenn sie schlechte Manieren haben, dann ist das auch nicht ihre Schuld, sondern die er Eltern. So auch in diesem Fall. Denen scheint es nämlich völlig egal zu sein, wenn ihr Sprössling andere Leute belästigt, Hauptsache der kleine Nervzwerg geht ihnen mal für fünf Minuten nicht auf die Ketten. Leider ein mehr und mehr verbreitetes Phänomen in unserer Gesellschaft.
Nachdem ich mein Frühstück unter ausgiebiger Beobachtung aus 50 cm Entfernung beendet habe, geht es nochmal schnell aufs Zimmer und dann raus in den Tag. Der ist mittlerweile schon arg trüb geworden, mit einer ganz merkwürdigen Lichtstimmung.
Anlaufpunkt eins ist Traiskirchen Aspangbahn Bahnhof, gibt es doch hier jede Menge alter Infrastruktur, die nur darauf wartet, bildlich umgesetzt zu werden. Leider hat sich bei Ankunft der Schlonz über mir noch weiter verdichtet, sodass alles in einen trüben Bildersumpf abzudriften droht. Und das gerade jetzt, wo nicht nur der Regionalzug aus Wien Hbf im Anmarsch ist, sondern sich auch noch laut pfeifend die Übergabe, von der Strecke der Wiener Lokalbahn her kommend, in den Bahnhof schiebt.
Wie im letzten Teil schon beschrieben, besitzt auch Traiskirchen pro Bahnhofskopf nur ein Ausfahrtssignal, wobei das in Richtung Wien zudem noch niedriger ist als gewöhnliche Signale. Am Bild ist es recht vor den Bäumen zu sehen.
Übrigens, bis die Strecke demnächst modernisiert wird, werden die Zugläufe von Wien nach Wiener Neustadt via Aspangbahn, bis auf wenige Ausnahmen, hier in Traiskirchen gebrochen. Dass heißt, der eben aus der Hauptstadt eingefahrene Triebwagen wird wenige Minuten später wieder dorthin zurückfahren. Im Gegenzug wendet auch das Fahrzeug aus Wiener Neustadt auf den Gegenzug.
10 Minuten nach der Einfahrt sirren wieder die Seilzüge, Ketten beginnen zu laufen, mit lautem Läuten senken sich die Schranken, klappernd geht der Flügel des Ausfahrtssignal nach oben und unter dem Brummen ihrer MTU Motoren setzen sich die beiden 5047er in Richtung ihrer jeweiligen Ziele in Bewegung.
Flügel hoch für die Ausfahrt des 5047 096-2 als R 7410 nach Wien Hbf. Wie üblich auf der Aspangbahn, signalisiert immer nur 1 Signal pro Bahnhofsseite die Ausfahrt. Im Jahr 2025 ist die Strecke in Teilen noch ein Paradies für Freunde alter Technik und Eisenbahnromantik.Noch ist der Regio nicht richtig aus dem Blickfeld verschwunden, kommt auch schon die Diesellok des Nahgüterzugs angefahren, um zwei vierachsige Flachwagen an die gegenüberliegende Rampe zu drücken.
Nostalgie pur im Bahnhof von Traiskirchen. Nur 2070 085-3, die Wagen aus ihrem Nahgüterzug rangiert, stört das Gesamtbild etwas. Eine 2045er, 2143er oder wenigstens eine 2048er wären jetzt deutlich stilvoller.
Nachdem die 2070er die beiden Wagen abgestellt und einmal im Bahnhofskopf gesägt hat, brummt sie jetzt auf die andere Seite, um sich wieder vor die Übergabe zu setzen. Mit dieser geht es dann weiter nach Trumau.Nettes Programm. Da kann man nicht meckern. Ich will jetzt mal schauen, ob ich zum Einfahrtssignal komme. Geht ganz gut, führt doch sogar ein Feldweg hin. Auf diesem stelle ich zuerst auch kurz das Auto ab. Aber da am benachbarten Feld ein Bauer mit Traktor und Pflug unterwegs und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er hier bald durch muss, kommt mein Fahrzeug auf die Straße und ich mach mich zu Fuß auf den Weg zum Signal. Da die Sonne mal etwas stärker durch den Schlonz spitzt, gibt es, dort angekommen, schnell noch ein Infra Bild.
Seilzug, Flügelsignal, Telegrafenmasten ..... alles was das Herz des Eisenbahnnostalgikers höher schlagen lässt, findet sich auch noch im Sommer 2025 rund um den Bahnhof Traiskirchen Aspangbahn.Mittlerweile kommt mir der pflügende Bauer immer näher. Und da er ordentlich Staub aufwirbelt bei seinem Tun, hab ich schon leise die Befürchtung, dass er mir das gewünschte Bild unabsichtlich versauen könnte.
Dann ist er da und wendet direkt vor mir. Um eine neue Reihe Furchen zu ziehen, muss er mit seinem Ackergerät immer erst rückwärts auf den Feldweg schieben. Spannend anzuschauen. Doch statt gleich wieder loszufahren, senkt er Pflug und Egge ab und klettert von seinem Traktor.
Er ist neugierig, was ich hier mache. Hat sich aber schon gedacht, dass ich wegen der Eisenbahn hier warte. Schnell hat sich ein nettes Gespräch entsponnen, in dem er mir erzählt, dass einer seiner Freunde hier aus Traiskirchen, eine Firma hat, die Lokomotivsounds für die Modellbahnindustrie produziert. Spannend! Daher hat er durchaus eine gewisse Affinität zur Eisenbahn. Und daher auch kein Problem, dass ich mich entschuldigen muss, weil sich die Spitzenlichter des Zuges zeigen. Und während wir uns freundschaftlich verabschieden, klettere ich auf meine Kiste und er auf seinen Traktor. Als er selbigen in Bewegung setzt, tut er das auch betont langsam, wohl wissend, dass ich jetzt keinen Staub gebrauchen kann. Echt eine tolle Begegnung.
Leider ist nicht nur der Bauer entschwunden, sondern mit ihm auch die Sonne. Innerhalb von Sekunden geht es von sonnig auf duster. Gottlob zieht das Licht kurz vor dem Auslösepunkt nochmal an. Nicht voll, aber immerhin. Man wird ja bescheiden.
Aus der Hauptstadt kommend, passiert R 7411 das Einfahrtssignal von Traiskirchen Aspangbahnhof. Nach kurzer Wende geht es dann für den 5047 091-3 zurück nach Wien Hbf.Für die in 10 Minuten stattfindende Rückfahrt wird nun die Position gewechselt. Und auch von dem Standort einige Meter weiter, gibt es erst ein Infra Bild und dann eines mit Zug.
Nach der Kurzwende in Traiskirchen Aspangbahn Bahnhof macht sich 5047 091-3 als R 7412 wieder auf in Richtung Wien Hbf.Während des Wartens und vor dem Gespräch mit dem Landwirt hatte ich mich mittels Wetterapp etwas informiert, ob es in der ganzen Region so zugezogen ist am Himmel. Dabei hab ich gesehen, dass der Nordteil der Buckligen Welt deutlich wolkenfreier sein sollte. Und da es hier in Traiskirchen nun, nicht zuletzt wegen des Sonnenstandes, erstmal nichts mehr zu holen gibt, mache ich mich auf dem Weg zum Auto.
Von dort aus, wo es geparkt ist, gibt es im Übrigen auch einen schönen Blick, einmal quer übers Feld, hinüber auf das Einfahrtssignal. Allerdings muss man hier deutlich früher aufschlagen, damit es noch Seitenlicht gibt. Also kommt es auf den Zettel für morgen.
Via Autobahn geht es nun nach Aspang. Namensgeber der Strecke und Ende aller hochfliegenden Träume von einer Magistrale über den Balkan bis Griechenland.
Ursprünglich war nämlich geplant, die Linie über Friedberg weiter bis Bad Radkersburg zu führen. Von dort aus sollte es, teils unter Einbeziehung von Bestandsstrecke bis ins ferne Thessaloniki gehen. Eine Banken- und Wirtschaftskrise 1873 und die daraus resultierenden Folgen für die Finanzierung bedeuteten aber das Aus für die Planungen, noch bevor sie richtig angefangen hatten. So beschränkte man sich auf den 85 km langen Abschnitt bis Aspang, welcher am 28. Oktober 1881 schließlich seinen Dienst aufnahm.
Erst im Jahr 1910 ging dann schließlich die Wechselbahn in Betrieb, die den Lückenschluss zwischen Aspang und Friedberg herstellte und somit eine Verbindung zur der in mehreren Etappen zwischen 1885 und 1905 eröffneten Thermenbahn, die in Fehring auf die Steierische Ostbahn Graz - Szentgotthárd trifft.
Blick auf die Wechselbahn noch im Gebiet der Marktgemeinde Aspang. In Richtung Süden ist 5022 034-0 am 31.08.2024 unterwegs. Gleich wird er im 205 m langen Gerichtsbergtunnel verschwinden.Nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn nach dem 1. Weltkrieg, gewann die Aspangbahn mehr und mehr Bedeutung als Ausflugsbahn, auf der die Wiener in durchgehenden Zügen bis in die Bucklige Welt fahren konnten. Einer Landschaft im Südosten von Niederösterreich, die auch als Land der 1000 Hügel bezeichnet wird. Heute müssen Reisende, die dieser Route folgen wollen, gleich zweimal den Zug wechseln. Einmal in Traiskirchen und dann nochmal in Wiener Neustadt.
Im Gegensatz zum Abschnitt von Wien nach Wiener Neustadt, ist die Äußere Aspangbahn bereits modernisiert. Hier bestimmen auch meistenteils Desiros das Bild. Und für genau so einen suche ich jetzt kurz vor dem Ziel eine passende Fotostelle. Natürlich gerne eine, auf der man möglichst viel von der umgebenden Landschaft sieht.
Leider stellt sich dieses Vorhaben vor Ort mehr als schwierig heraus. Was auf dem Luftbild umsetzbar aussieht, lässt sich in der realen Welt nicht realisieren oder hinführende Zufahrten erweisen sich schlichtweg als unbefahrbar. Zudem zwingt die Topografie zu großräumigen Fahrmanövern, was die Sache im Hinblick auf die sich nähernde Zugleistung nicht einfacher macht. So bleibt zu guter Letzt nur eine Brücke über die Bahn, nahe dem Ortseingang zu Aspang selbst.
Kurz vor seinem Ziel, hat 5022 028-2 die "Bucklige Welt" erreicht. Endstation für die R 2727 von Wiener Neustadt ist der kleine Ort Aspang.Mist, jetzt hab ich vor lauter hin und her doch ganz vergessen ein Bild von der seitlich angeschriebenen Nummer zu machen. Und vorne hat der Triebzug keine. Also schnell hinterher gehirscht zum Bahnhof und im Sprint auf den Bahnsteig. Was für eine Hektik. Schnell noch ein Handybild von der Nummer, ich bin ja doch schon älter und daher besteht die Gefahr, dass ich diese schon wieder vergesse, noch bevor ich das kleine Bahnhofsgebäude gänzlich durchquert habe. Außerdem bleibt für Aufschreiben keine Zeit, denn es nähert sich schon der nächste Zug über die Wechselbahn.
Für den hätte ich, von früher her, die Stahlbrücke im Kopf, auf der die Bahn die Hauptstraße quert. Aber über 10 Jahre alte Erinnerungen sind halt nicht zuverlässig. Links und rechts von Bäumen gesäumt, bietet das freie Stück kaum Platz für einen zu erwartenden Desiro. Zudem macht die Straßenabsenkung mit Stützmauer die Szenerie auch nicht spannender.
Also noch ein Stück und links herum, direkt an die Gleise der Bahn, die hier eine Rampe mit ordentlich Gefälle herunter kommt. Mit Blick auf den Bahnhof im Hintergrund. Und obwohl ich den Schotterweg, trotz Zeitdruck, sehr langsam befahre, irritiere ich einen Spaziergänger mit Hund doch so mit meinem Hiersein, dass er in einiger Entfernung Position bezieht und mein Tun minutenlang überwacht. Gut, einen Deutschen, der bewaffnet mit Cola-Kiste und Kamera scheinbar planlos mal hier hin und mal da hin läuft, sieht man wohl nicht alle Tage. Schließlich entscheidet er sich doch weiterzugehen, just in dem Moment, als der Zug über die nahe Brücke poltert, um Sekunden später bei mir zu erscheinen.
Aus Fehring Bahnhof kommend, rollt 5022 059-7 als R 2740 die Rampe in den für den heutigen Verkehr deutlich überdimensionierten Bahnhof herunter. Im Hintergrund wartet der bekannte 5022 028-2 auf Umsteiger in Richtung Wiener Neustadt.Ich hab jetzt ein halbe bis dreiviertel Stunde Luft. Abhängig ist das davon, wie weit ich der nächsten, von Norden her kommenden, Leistung entgegenfahre. Das reicht locker erstmal im nahen Supermarkt einzufallen und mich mit einer Brotzeit und kühlen Getränken einzudecken. Danach geht es via Landstraße immer so gut wie möglich den Gleisen entlang. In Petersbaumgarten ist dann ein netter Blick gefunden, an dem auch der langsam schon deutlich sein Recht fordernde Magen befriedigt werden kann.
Was wenig später um die Kurve gedieselt kommt, lässt das Herz des Eisenbahnfotografen ein klein bisschen höher schlagen. Kein Desiro, ein Jenbacher ists, der per Fingerdruck auf dem Chip landet.
Die meisten Leistungen auf der äußeren Aspangbahn werden durch Desiros der Reihe 5022 erbracht. In einzelnen Diensten laufen aber auch noch 5047 durch die Bucklige Welt, so wie hier der 034-3 als R 2731.Nach diesem kurzen Hochgefühl schwindet allerdings die Euphorie recht schnell wieder. Egal wie ich auch kurve, ich finde keinen vernünftigen Standort mehr. Zudem nerven die ganzen erfolglosen Versuche, die durch gesperrte oder schmale Straßen und 30er Beschränkungen nur ewig Zeit verschlingen.
Kurz vor Bad Erlach gibt es schließlich, nach dem ewigen hin und her, noch einen eher schlechten als rechten Versuch, dann habe ich mit der Strecke für heute fertig! Da das Bild wirklich mehr in Richtung Notschuss tendiert und ich den Triebzug auch bereits abgelichtet habe, lasse ich das Foto hier geflissentlich weg.
Für mich ist es eh Zeit wieder hinüber zu wechseln, auf den Abschnitt oberhalb von Wiener Neustadt. Lockt doch dort die alte Infrastruktur. Und so stehe ich ab kurz nach Drei wieder am Einfahrtssignal bereit, für die nächste Zugfahrt.
Bereits "gezogen" ist die Einfahrt nach Tattendorf, für den R 7472 von Wiener Neustadt nach Traiskirchen Aspangbahn.Rund eine halbe Stunde später kommt die Rückleistung. Für die habe ich mich vor der letzten Weiche platziert. Gerne hätte ich ja auch mal das diesseitige Ausfahrtssignal verewigt, aber das steht deutlich abgerückt, erst hinter dem Bahnübergang. Und dieser stellt nun keinen allzu fotogenen Hintergrund dar. Später vielleicht mal, werde ich diesen Blick nachholen, sofern sich die Gelegenheit vor der Modernisierung noch ergeben sollte.
Was ich in den drei Tagen noch nicht bildlich festgehalten habe, ist das jeweils zu den Einfahrtssignalen gehörende Spiegelei, sprich das mechanische Vorsignal. Dessen Scheibe geht im Bereich der ÖBB mehr ins Zitronengelb, während die der DB eher schon fast in Richtung Ocker gehen, was dem Spitznamen damit optisch eher nahekommt.
Um das südliche Tattendorfer Vorsignal ablichten zu können, muss man über Feldwege fast bis an den Ortsrand von Teesdorf fahren. Dort wird erstmal der Regionalzug nach Norden quer geschossen, wobei der Fahrdienstleiter so nett ist und die Einfahrt nicht gleich zieht. Dadurch ist die Signalscheibe noch über den Reben zu sehen ist.
Noch ist die Einfahrt nach Tattendorf für R 7474 nach Traiskirchen Aspangbahn nicht frei, wie die herunter geklappte Scheibe des Vorsignals links im Bild verrät.Da aber Vorsignal und Wein noch viel prominenter aufs Bild sollen, marschiere ich nach diesem Foto ein Stück den Weg entlang nach vorne, um mich dort für die Rückfahrt des Triebwagens aufzustellen.
Jenbacher mit Spiegelei und Wein. Das Einfahrtsvorsignal von Tattendorf passierend, dieselt 5047 052-5 als R 7473 nach Wiener Neustadt.Es ist mittlerweile fünf Uhr durch und die Sonne sinkt merklich. Leider tut sie dass genau hinein in den am Horizont noch hartnäckig vorhandenen Schlonz. Der Himmel über mir ist wie von Zauberhand blank geputzt und blau. Die nächsten Stationen auf meiner Signaltour sind wieder in Traiskirchen, wohin ich mich nun durch den dichten Feierabendverkehr begebe.
Von der heute Morgen bereits gesehenen Laderampe aus, lässt sich gut auf das nördliche Ausfahrsignal schießen. Als passendes Beiwerk dient der aus Wien Hbf eintreffende Regio.
Gestartet im modernen Wiener Hauptbahnhof, ist 5047 096-2, unterwegs als R 7425, bei Erreichen von Traiskirchen Aspangbahn Bahnhof quasi in der Zeit ein Eisenbahnjahrhundert zurückgereist. Hier ist die Welt für den Nostalgiker noch in Ordnung.Da bekanntermaßen in Traiskirchen zur Weiterfahrt jeweils umgestiegen werden muss, ergibt sich die Gelegenheit den Bahnhofskopf zu wechseln und beim südlichen Signal Aufstellung zu nehmen. Kurz darauf brummt der „neulackierte“ 5047 094-7 auch schon an mir vorbei. Nächster Halt Trumau.
Vorbei am Ausfahrtssignal brummt 5047 094-7 aus dem Bahnhof Traiskirchen Aspangbahn. Ziel des R 7475 ist Wiener Neustadt. Im Hintergrund ist noch 5047 096-2 zu erkennen, der Reisende aus Wien hierher brachte und nun auf die Rückfahrt in die Landeshauptstadt wartet.Sechs Uhr durch und die Frage stellt sich, was machen. Man könnte natürlich auf das nächste Regio Pärchen auf der Aspangbahn warten. Aber macht das Sinn? Den Einsatz anderer Triebwagen als der gerade gesehenen wird es wohl heute nicht mehr geben. Andererseits geht ja auch die Badener Bahn, die Überlandstraßenbahn von Wien nach Baden, durch den Ort. Und mal an deren Strecke zu schauen, für die letzten fotofähigen Minuten des Tages, kann ja nun auch nicht schaden.
Vielleicht habe ich ja auch Glück und erwische einen der alten Triebzüge. Dazu vielleicht noch ein paar Worte. In den späten 70ern bzw. den beginnenden 80ern hatte ich einen nur kurz erscheinenden Ableger des Lok-Reports, den Ellok Report, abonniert. Dieses aus heutiger Sicht nur recht laienhaft zusammengebastelte, dünne Heftchen, sollte speziell die Fans der elektrischen Zugförderung ansprechen. Neben technischen Artikeln, Baureihenvorstellungen, etc. war in jeder Ausgabe auch eine Bildergalerie enthalten. Diese wurde, entweder aus Leidenschaft des zuständigen Redakteurs oder der hohen Verfügbarkeit der Bilder, immer zu einem guten Teil mit Fotos des Wiener Nahverkehrs gefüllt. So mit Aufnahmen des für mich absolut faszinierenden Stadtbahnverkehrs mittels langer Züge, bestehend aus zweiachsigen Fahrzeugen und natürlich Fotos der Badener Bahn. Das ich im letzten Jahr in Wien noch ältere Straßenbahnfahrzeuge jenes Typs, der dort auch gezeigt wurde, ablichten konnte, hat mich nun noch zusätzlich angefixt.
Sicher bin ich mir nicht, ob die letzten ähnlich aussehenden Vertreter der Badener Bahn überhaupt noch im Plandienst sind, aber wenn man es nicht versucht, wird man es nie wissen. Schnell ist ein, nahe der Einfädelung der Verbindungsbahn hinüber zur Aspangbahn gelegener, Standplatz gefunden, an dem noch Licht auf die zweigleisige Strecke fällt sowie Industriehallen und das Wiener Tramwaymuseum als Hintergrund dienen.
Über weite Strecken außerhalb von Wien ist die Badener Bahn auf eigener, zweigleisiger Trasse unterwegs. Die Triebzüge 504 und 508 haben, von Baden kommend, Traiskirchen erreicht.Gut, der erste Versuch brachte nur Flexity von Bombardier. Und zugegeben, eigentlich hatte ich auch mit nichts anderem gerechnet. Mal schauen, was jetzt in der Gegenrichtung gleich unterwegs ist.
Na, dann wird es wohl heute nichts mit Altbau. Gut, lässt sich jetzt nicht ändern. Einen Versuch hab ich aber noch, bevor die sinkende Sonne die Strecke komplett im Schatten verschwinden lässt.
O.k., war jetzt auch nicht das erhoffte, aber für einen ungeplanten Abendfüller nicht so schlecht. Dieser Badener Bahn sollte man vielleicht nochmal mehr Aufmerksamkeit schenken, gibt es doch neben Abschnitten mit eigener Trasse auch diverse nette Ortsdurchfahrten, mit Gleislage im Straßenplanum.
Der Rest des Tages ist nun schnell erzählt. Nach einem Tankstopp geht es erst ins Hotel, den Fotorucksack abstellen und kurz restaurieren, und danach auf Nahrungssuche. Das von der Rezeption empfohlene Fliegerstüberl auf der anderen Seite des nahen Flugplatzes hat entgegen der Auskunft zu. So lande ich am Ende beim großen M. Zugegeben, kulinarisch jetzt eher eine der untersten Schubladen, wenn man in Österreich unterwegs ist, mit seiner in graue Vorzeit zurückreichende Schnitzel-, Backhendl- Tafelspitz- und Gulaschkultur. Von den Mehlspeisen will ich jetzt gar nicht erst sprechen. Aber es liegt halt in Hotelnähe, hat einen Parkplatz und man hat schnell sein Essen. Zum lang herumsuchen hab ich jetzt nämlich nicht mehr die geringste Lust.
Wieder auf dem Zimmer wird nochmal der neueste Wetterbericht für die kommenden Tage gecheckt und der ist enttäuschend. Im Stillen hatte ich gehofft, die Prognose ändert sich noch. Aber es bleibt dabei, ab Mittag soll das Wetter kippen. Und da anschließend für die folgenden zwei Tage die Zeichen auch noch auf grau in grau stehen, werde ich wohl schweren Herzens die Heimreise antreten müssen. Dabei gäbe es hier, wie eingangs bereits erwähnt, noch so viel zu sehen, was in Bälde von den Schienen oder aus der Eisenbahnwelt verschwinden wird.
Aber hilft halt nichts!









