Sommertour 2025 - links und rechts der großen Magistralen - Teil 10

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Guten Morgen liebe Sonne! Hell spitzt sie durch eine Lücke zwischen den Vorhängen, als ich die Augen aufmache, und so geht es recht motiviert aus den Federn. Allerdings ahne ich da auch noch nicht, dass der Tag nicht wirklich so gut verlaufen wird, wie in diesen ersten Minuten angenommen.


Montag, 25.08.2025


Noch aber bin ich gut drauf, als ich, nach dem Öffnen der Vorhänge, raus in den strahlenden Morgen blinzle, in dem sich nichts als Blau über den weiten Himmel spannt. Bis zur ersten Zugfahrt, die ich abpassen will, ist auch noch gut Zeit. Also läuft.

Ja, leider! Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn irgendwie scheint mein Magen etwas von der gestern dargereichten Brotzeit nicht vertragen zu haben. Denn erst ist es ein leichtes Zwicken, dem ich weiter keine Beachtung schenke, als ich ins Bad wandle. Dann werden es Krämpfe und der spezielle Platz am speziellen Ort mutiert zu meinem Lieblingssitz. Super, das hat mir gerade noch gefehlt.

Nach einiger Zeit bin ich dann so weit, dass ich nach unten gehen und mir ein Müsli in den Bauch zwingen kann, quellende Haferflocken saugen schließlich gut auf, bevor es nochmal aufs Zimmer geht. Leicht zittern mir die Knie, als ich anschließend meinen Rucksack schultere und zum Auto stakse. So wirklich gut geht’s mir nicht.

Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz. Wird schon vergehen. Spoiler: Tut es nicht!

Startpunkt des heutigen Tages ist wieder das schon bekannte Einfahrtssignal von Tattendorf. Diesmal nur von der anderen Seite. Eigentlich wollte ich schon vor einer Stunde hier stehen, die beschriebene Unpässlichkeit hat mich aber zeitlich zurückgeworfen. Ja nu!

Auf der weiten Geraden sind lange schon die Spitzenlichter des aus Wiener Neustadt kommenden Triebwagens zu sehen, dann vibrieren auch endlich die Drahtseile neben mir und die Flügel des Formsignals klappern.




Einfahrt frei für R 7460. 5047 052-5 hat eben das Einfahrtssignal von Tattendorf passiert und wird gleich den kleinen Bahnhof erreichen.





Nun wird einmal die Cola-Kiste umgesetzt, die wieder als Steighilfe herhalten musste, dann stehe ich auch schon bereit für den nur 7 Minuten später passierenden Gegenzug.

Ganz bewusst mit im Bild platziert ist mein treues Fotomobil auf seiner großen Abschiedstour.




5047 033-5 verlässt Tattendorf in Richtung Wiener Neustadt.





Nicht mal 20 Minuten bleiben nach Passieren des Leerzuges nun Zeit, um auf die andere Bahnhofsseite zu wechseln. Aber kein Problem, dass wohin hatte ich ja bereits gestern ausgekundschaftet. Wenn ich schon in einer Weingegend bin, soll diesmal auch Wein mit auf das Bild. Eine kleine Lücke in den Reihen der Reben und die besagte Cola-Kiste machen es möglich. Schon ist der 52er zum zweiten Mal an diesem Tag verarztet.




Von Traiskirchen Aspangbahn Bahnhof kommend, rollt 5047 052-5 als R 7459 in den kleinen Bahnhof von Tattendorf ein.





Jetzt ist wieder etwas Luft bis zum Gegenzug. Genug Zeit, um einen Standort zu suchen, bei dem auch das Ausfahrtssignal mit aufs Bild kommt. Gar nicht so einfach, aber letztendlich finde ich eine Position. Die aus diesem Winkel fliehenden Fluchten muss ich dabei hinnehmen, wobei der Siloturm auch tatsächlich etwas schief steht.

Spannendes Detail: Der Bahnhof Tattendorf verfügt, ebenso wie Traiskirchen Aspangbahn, nur jeweils über ein Ausfahrtssignal für alle Gleise. Und das steht nicht zwingend hinter der letzten Weiche, wenn alle Gleise zusammen gelaufen sind, sondern teils auch rechts von den Bahnhofsgleisen oder, wie in Traiskirchen in Richtung Wiener Neustadt, am mittleren Gleis.




Ein Signal für alle Gleise regelt auf der Aspangbahn die Ausfahrt. In Tattendorf steht dieses sogar noch leicht abseits. 5047 033-5 dieselt als R 7462 weiter nach Traiskirchen Aspangbahn Bahnhof.





Der zurückfahrende 33er ist nun der nächste Punkt auf meinem Zettel. Als Standort dafür möchte ich nochmal zum Feldwegübergang von gestern Abend. Zuerst aber noch ein Blick vorbei an Stoppschild, Andreaskreuz und „Pfeifftafel“, hinüber zu meinem fahrbaren Untersatz.









Hatte es kurzzeitig den Anschein, dass sich die Bauchkrämpfe langsam lösen würden, kommen sie nun wieder zurück. Zudem merke ich, wie mir leicht schwummrig wird und auch die Sonne find ich eher unangenehm. Trotzdem, so leicht gebe ich nicht auf.




Nach der Wende im nahen Traiskirchen, mit Anschluss von und nach Wien, geht es für 5047 033-5 als R 7461 zurück nach Wiener Neustadt.





Während ich Schutz im Schatten meines Autos suche, geht mir ein Gedanke durch den Kopf. Soll es da nicht auch noch einen Nahgüterzug geben, der die Strecke befährt und einen Anschluss in Trumau bedient? Fahrzeiten habe ich keine. Aber wäre es nicht möglich, dass der aus der einen oder anderen Richtung kommend, heute Vormittag noch hier aufkreuzt?

Eine Frage die sich rund eine Viertelstunde nach dem Regionalzug mit „ja“ beantworten lässt. Auf der Brücke im Hintergrund erscheint ein Spitzenlicht und die Silhouette passt so gar nicht zu einem Triebwagen.




2070 085-3 bringt die Übergabe von Traiskirchen Aspangbahn Bahnhof nach Trumau.





Ganz schön ausgeblichen die Gute. Fast wie mein Gesicht, muss ich beim Blick in den Spiegel feststellen. Und so mag keine wirkliche Freude über den Glückstreffer aufkommen, sondern eher die Erkenntnis, dass es jetzt vielleicht Zeit ist, eine Apotheke und dann das Hotelzimmer aufzusuchen. Nicht zuletzt da ich das Gefühl habe, zu einer dringenden Sitzung gerufen zu werden.

Die Apothekerin in Teesdorf geht mit mir gleich alle Varianten meines Leidens durch und empfiehlt eine Vorstellung beim nächsten Doktor. So schlimm ist es nun auch nicht, sage ich mir und betrete tapfer, versorgt mit Medizin, den Supermarkt gegenüber. Schließlich brauch ich was zu beißen und zu trinken. Danach geht es flugs zurück zu meiner Liegestatt, und ehrlich, ich bin froh, als ich mich auf dieser ausstrecken kann. Trotz der Sommerhitze wechsle ich zwischen Klappern und Schwitzen.

Nur ein, zwei Stunden wollte ich mich hinlegen und ruhen. Schließlich ist ja jetzt zudem Hochlichtphase. Doch aus zwei werden drei und aus drei letztendlich vier. Und auch dann kann ich mich nur unter Mühen und mehr aus Pflichtbewusstsein aus den Federn heben. Mäßig dynamisch geht es zum Auto. Der Rucksack zerrt ungewohnt an der Schulter, scheint mit Wackersteinen beladen. Alles Zeichen für meinen „guten“ Allgemeinzustand.

Ziel meiner Fahrt ist die Ecke hinter Neufeld an der Leitha. Dort habe ich auf der Karte zwei Stellen gesehen, die machbar sein dürften. Leider stellt sich die erste als doch recht mäßig heraus. Nur es fehlt mir die Energie schnell zu wechseln. Und da eigentlich der erste Zug gleich kommen müsste, stelle ich mich notdürftig auf einem Feldrain auf, Blick auf eine kurze Aussparung in der Buschreihe, die ansonsten die Strecke säumt. Das Ganze unter den verwunderten Blicken einiger Jugendfußballer, die auf dem Platz oberhalb von mir, unter den lautstarken Anweisungen ihres Trainers, fleißig bemüht sind, die nächsten Krankl, Herzog oder Gregoritsch des österreichischen Fußballs zu werden.




Nächster Halt Neufeld an der Leitha heißt es für 4746 314 und dem führenden 4746 123. Ziel des GySEV Triebzugs ist als REX 7627 das slowakische Bratislava. Sein ÖBB Schwesterfahrzeug ist dagegen als REX 7827 nach Wien unterwegs.





Mit satten +64 ist 4746 809-4 der GySEV als REX 7682 unterwegs, via Wulkaprodersdorf, Sopron nach Deutschkreuz.





Die Wartezeit auf die beiden Zugfahrten habe ich genutzt, um mich nochmal genauer zu orientieren und eine Stelle zu finden, die vielversprechender aussieht. Nahe Steinbrunn bin ich fündig geworden. Gute Anfahtsmöglichkeit und der Blick auf Gleis und Zug sollte auch besser sein. Nur schnell muss es jetzt gehen, denn der nächste Zug drückt schon.

Hmpf …… den Spruch „drückt schon“ sollte ich heute aus gegeben Anlass vielleicht lieber bleiben lassen.

Die neue Stelle sieht deutlich besser aus. Zudem kann man hier gemütlich im Auto warten. So lässt es sich, zerknautscht wie ich bin, doch ganz gut aushalten.

So ein Güterzug wäre jetzt doch nett, oder? Vielleicht hab ich ja Glück und nach dem gleich anstehenden Personenzug tut sich in dieser Sache was.




Mit Ziel Deutschkreuz unterwegs ist 4744 303-0. Nächster Halt für den REX 7624 ist Wulkaprodersdorf.





Und tatsächlich, kurz nachdem der GySEV Triebzug verschwunden ist, kündigen viele rollende Räder eine Güterleistung an. Leider nur aus der falschen Richtung und damit voll aus der Sonne. Zwar mach ich noch schnell und ohne rechte Überzeugung ein Foto, aber das ist nun alles andere als zeigenswert. Wäre eh nur ein Vectron in ELL Einheitslackierung gewesen, was zusätzlich enttäuscht. Aber mal ehrlich, mit was hatte ich denn gerechnet? Einer V43/430? Nicht wirklich. Eher wohl geträumt. Aber ein Taurus wäre schon etwas anderes gewesen. Und dann bitte noch aus der anderen Richtung.

Eine knappe Stunde vergeht, ohne dass sich Weiteres tut. Ein-, zweimal narrt mich mein Gehörn und ich vermeine das Rollen eines Zuges zu hören. Doch es bleibt Illusion. Als dann das nächste Desiro Gespann auftaucht, sind meine Geduld und meine Energie erschöpft. Es gibt noch ein Foto, dann packe ich frustriert ein. Zu längerem Warten reicht es heute einfach nicht mehr.




Seit Wulkaprodersdorf vereinigt sind 4746 013-3 der ÖBB als REX 7829 nach Wien Hbf und 4746 808-6 der GySEV als REX 7629 nach Bratislava Petržalka.





Ein voller Sonnentag und dann so ein Mist. Was hätte ich heute an Fotos machen können. O.k., in Summe betrachtet ist die Ausbeute des Tages gar nicht mal so schlecht. Aber ein paar Stunden mehr in Aktion, hätte es halt gebracht.

Beim Passieren von Neufeld stellt sich die Frage der Verköstigung heute Abend. Ein Restaurantbesuch scheidet aus bekannten Gründen aus. Dazu bin ich nicht in der Verfassung und habe auch keinen Appetit. Nachdem es mittags Frischkäse und Semmeln gegeben hat, wäre ein Salat nicht schlecht, denke ich. Leicht und frisch.

Nur Salat führt der Spar Markt nicht, den ich angesteuert habe. Also Salat gibt es schon. Aber eben nur in Form der ganzen Ursprungszutaten, nicht in der mundgerecht aufbereiteten, mit Dresing begleiteten, Variante, die ich gerade brauche. Weil, mein Hotelzimmer in eine Salatküche umzuwandeln, ist nun keine Option.

Zählt Wurstsalat eigentlich auch als Salat, denke ich so, als ich zum zweiten Mal die Fleischtheke passiere. Immerhin sind Paprika und Zwiebeln drin und er sieht recht (er)frisch(end) aus. Aber verträgt sich das mit meinem Magen? Egal, ich hab Lust drauf und das ist ein gutes Zeichen.

Freundlich lächelnd nähert sich der zuständige Fleischfachverkäufer. Die nonverbale Kommunikation klappt also schon mal. Dafür die verbale um so weniger. Seinem gebrochenen Deutsch nach zu urteilen, stammt er aus dem Nachbarland. Zudem ist er, trotz fortgeschrittenen Alters hier wohl noch in der Anlernphase. So geht, nachdem ich endlich mein Begehr klar machen konnte, das Umsetzen meiner Bestellung recht schleppend voran. So schleppend, dass ich fürchte, das sich die einzelnen Wurstscheinen zwischenzeitlich wieder zu einem Schwein verbinden.

Endlich halte ich glücklich mein Becherchen in Händen. Naja, aller Anfang ist halt schwer. Jetzt werden noch ein paar Semmeln gebunkert und eine Packung Lebkuchen. Ich weiß, ich weiß! Es ist schon etwas pervers. Lebkuchen um diese Jahreszeit. Aber wenn der Salat doch nicht geht, brauch ich eine Alternative.

Noch ein paar frische Getränke und schon schleiche ich wieder zum Auto und fahre zurück ins Hotel.

Dort angekommen geht das Abendessen mit mehr Appetit vonstatten, als ich gedacht habe. Und nach etwas fernsehen, ist schon bald Licht aus. Hoffentlich bin ich dann morgen wieder richtig fit.