Sommertour 2025 - links und rechts der großen Magistralen - Teil 7
Von Christof Hofbauer
So, nichts mehr ist es mit auf der faulen Haut liegen. Ab heute heißt es wieder Action und raus an die Schienen. Aber erst einmal wird noch gemütlich gefrühstückt. Dann die Autos beladen, verabschiedet und planlos losgefahren. Also zumindest ich, denn so richtig weiß ich noch nicht, wie der heutige Tag ablaufen soll. Zur Alsenzbahn, so der grobe Gedanke. Aber ob direkt da hin oder mit Zwischenstopps, das ist mir noch nicht klar. Gut, aufgrund der fortgeschrittenen Stunde juckt mir ehrlicherweise der Auslösefinger. Also schnell was in der Nähe suchen, was idealerweise auf dem Weg liegt.Montag, 18.08.2025
Während ich noch etwas unschlüssig hinter den beiden Heimfahrern her rolle, kommt mir eine Idee. Hatte ich nicht von der Terrasse der Hambacher Schlosses einen Bahnübergang gesehen, der links und rechts ohne Bewuchs war? Oder wenigsten mit Lücken im Bewuchs. Man kann dort auch das Auto abstellen, zudem ist die Stelle schnell erreichbar und liegt dazu noch ideal auf dem Weg. Und, bei dem engen Takt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass passend ein oder zwei Züge kommen. Lange möchte ich dort nämlich nicht warten, soll es doch noch weiter gehen und der Vormittag schon fast vorbei.
Wenn ich ehrlich bin, spekuliere ich ja auf eine 628.4er Leistung. Idealerweise im Doppel als RE. Das wäre jetzt nicht schlecht. Aber wohl doch der Wünsche zuviel, denn was sich mit etwas Verspätung zeigt, ist das übliche talentierte Pärchen.
Vor wenigen Minuten hat der RE 12021 Neustadt an der Weinstraße verlassen. Nun rollen 643 507-6 und 643 523-3 nahe dem Hambacher Schloss durch die weiten Weinfelder.Für die 10 Minuten später folgende Regionalbahn geht es etwas nach hinten, in der Hoffnung, man könne dort so stehen, dass mehr Wein mit aufs Bild kommt. Doch dazu ist einerseits der Bewuchs zu dicht und andererseits kommt, steht man höher, die hinter den Gleisen liegende Bundesstraße ins Bild. Auch nicht ideal. Also, auf der hochkant gestellten Kiste balancierend, Froschblick.
Zwei Züge in 10 Minuten, passt. So schafft man schnell Beute auf den Chip. Zudem hat sich mittlerweile ein Plan in meinem Kopf zusammengefügt. Wollte ich nicht schon immer mal an die „Rhein-Haardtbahn“, die einstmals eigenständig betriebene Überlandstraßenbahn von Bad Dürkheim nach Ludwigshafen-Oggersheim? Von da aus mal wieder über Land Richtung Alsenzbahn und dabei die auf dem Weg kreuzende Nebenbahn verarzten. Klingt doch gut, oder?
Vor Bad Dürkheim wird an der DB-Strecke massiv gebastelt und herausgerissene Schienen lassen vermuten, dass hier heute kein Zug verkehren wird. Gut so, gibt es dann doch keine Versuchung vom Plan abzuweichen.
Startpunkt der Straßenbahnlinie ist die Wendeschleife am Bahnhofsvorplatz von Bad Dürkheim. Von da aus geht die Strecke in Seitenlage zur Straße recht unfotogen aus der Stadt heraus. Der Bahnhof Bad Dürkheim selbst ist als Kopfbahnhof angelegt und hat, neben dem Hausbahnsteig, noch einen Mittelbahnsteig, sodass drei der vier Gleise für den Personenverkehr nutzbar sind.
Für mich geht es jetzt auf Standortsuche erstmal immer den Straßenbahngleisen entlang. Vorbei am hiesigen Gelände der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, bei welchem es sich um die ehemaligen Anlagen der Rhein-Haardtbahn handelt, zuckt es mir an einer Kreuzungsstelle kurz mal im Bremsfuß, steht doch in einer Kreuzungsstelle ein Triebzug von Osten her kommend. Schnell wird der Gedanke aber wieder verworfen. Mehr als ein Notschuss längst der trennenden Hecke wäre es eh nicht geworden.
Noch ein Stück, dann quert die Bahn die Straße und schwenkt endlich nach rechts weg, hinein ins unbebaute Gelände. Jetzt fehlt nur noch ein Weg dorthin. Und siehe da, schon kommt die erhoffte Abzweigung. Ein kurzes Stück, dann lädt eine Kurve beim Bahnhof, oder besser Haltepunkt, Friedelsheim zum Verbleiben ein. Zweirichtungsstelle würde ich sagen. Und Weinstöcke gibt es hier auch.
Über die Haardtbahn erreichen die Züge der rnv auch Bad Dürkheim. Kurz vor dem Haltepunkt Friedelsheim legt sich Triebzug 1045 in die Kurve.
Seit 2005 ist die früher eigenständige Haardtbahn Teil der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH. Durch weitläufige Weinfelder rollt rnv Triebzug 1043 auf der Linie 4A in Richtung Ludwigshafen.Ja, schon irgendwie ganz nett dieser Kontrast aus Landschaft, zweigleisiger Strecke und Straßenbahntriebwagen. Sollte man definitiv bei Gelegenheit noch etwas mehr Zeit investieren. Auch wenn mich Fahrzeuge und Lackierung jetzt nicht so vom Hocker reißen. Immerhin kommen sie etwas bullig daher und schauen deshalb nicht ganz so straßenbahnmäßig aus.
Ich will aber nun weiter, denn bis zum eigentlichen Ziel ist ja noch ein Stück. Außerdem enthält der Plan noch einen Zwischenstopp. Und auch wenn das nahe Erpolzheim von hier aus quasi nur ums Eck ist, der nächste Zug dort schlägt schon in einer Viertelstunde auf. Sprich, es heißt flinke Füße und flotte Reifen bekommen.
Aufgrund von Bauarbeiten südlich von Bad Dürkheim, gibt es nördlich davon nur Pendelverkehr bis Freinsheim, für den an diesem Tag 622 531 eingeteilt ist. Gerade erreicht er als RB 21645 den Haltepunkt Erpolzheim.Leider reicht es nur für einen Nasenschuss. Sonne in der Achse und dann auch noch Hochlicht vom Feinsten. Es gibt eindeutig bessere Voraussetzungen. Also für ein Bild mit etwas mehr Seite noch auf die Rückleistung warten? Wäre eine Maßnahme.
Aber das Hochlicht wird bis dahin nicht verschwunden sein und auch mit Seitenlicht sieht es auf dem kurzen Stück bis zum Endpunkt recht semi aus. Zwar dreht die Strecke am Ende der im Bild sichtbaren Geraden, aber nicht so stark wie es von hier aus gesehen den Anschein hat.
Ideal wäre es am Bahnhof Frensheim selbst oder direkt an der Einfahrt. Nur liegt der Bahnhof selbst erhöht und der Einfahrtsbogen in einem Einschnitt. Bleibt nur ein kurzer Abschnitt vorher, in den der Lint kaum passt. Zudem ist der Radius hier noch nicht groß genug. Bleibt ein Kompromiss behafteter Standort und den Triebzug in etwas Wein zu verpacken.
Eingerahmt von Weihstöcken, hat 622 531 gleich den Abzweigbahnhof Freinsheim erreicht. Hier endet auch die Fahrt des Baustellenpendels RB 21644.Nach diesem kurzen Intermezzo heißt es weiter zum eigentlichen Ziel des heutigen Tages, der Alsenzbahn oder Alsenztalbahn. Diese zweigleisige Hauptbahn zweigt in Bad Münster am Stein von der Nahetalbahn ab und verläuft weitestgehend der Alsenz folgend bis Hochspeyer, wobei heute die Züge in Enkenbach in Richtung Kaiserslautern abbiegen. Die Strecke, von der es in früheren Zeiten zwei nach Osten führende Querverbindungen gab, war Teil der Nord-Süd Linie, die in Konkurrenz zur rechtsrheinischen Strecke, als kürzeste Transitverbindung die Häfen in Belgien und den Niederlanden sowie die Kohlereviere am Niederrhein mit der Schweiz und Italien verbinden sollte.
Heute beherrscht hier der Regionalverkehr das Bild, betrieben von der DB und vlexx, dem regionalen Ableger der Länderbahn. Die Idee hierher zu fahren, kam mir, als ich eine Folge von Eisenbahn Romantik angesehen hatte, die diese Strecke porträtierte. Im Film gab ein paar schöne Motive und die Landschaft sah sehr vielversprechend aus.
Das Tal ist auch schön, hat einige nette Verengungen, durch die sich Fluss und Bahn winden. Auch an durchaus hübschen Orten fehlt es nicht. Einzig, die Bahn ist entweder direkt neben der Straße, verwachsen oder läuft unzugänglich über Wiesen und Felder. Ein freier Blick, ein vernünftiges herankommen, alles Fehlanzeige. Und mein heutiger Feind Nummer 1, die Uhr, ist unerbittlich. Bereits zwei Zugfahrten sind mir durch die Lappen gegangen und schon droht Nummer 3. In letzter Sekunde finde ich die Abfahrt zum Bahnhof Langmeil. Laut Karte ein Abzweigbahnhof. Da sollte doch etwas gehen, oder?
Wie es halt so ist. Man kann nicht immer Glück haben. Der Bahnhof Langmeil ist als solcher nicht mehr zu erkennen. Früher zweigte hier mal die Zellertalbahn in Richtung Osten ab. Heißt, sie tut es noch heute. Auch wenn der tägliche Personenverkehr bereits 1983 eingestellt wurde und ein durchgehender Güterverkehr nicht existierte.
Aufgrund seiner fernen Ortslage und neuer Haltepunkte war für den Bahnhof Langmeil selbst kein Bedarf mehr und er wurde seit 2006 nicht mehr bedient und im Februar 2024 zurückgebaut. So präsentiert sich die heute zum Betriebsbahnhof degradierte Station als verwüstete Brache.
Ohne Halt passiert RB 12728 nach Kaiserslautern Hbf den 2006 aufgelassenen und 2024 rückgebauten Bahnhof Langmeil. Rechts von 642 106 sieht man die Schilder der Zellertalbahn. Diese zweigt hier von der Alsenztalbahn ab und schuf in früheren Jahren eine Verbindung mit Monsheim und, mittels Abzweig in Marnheim, nach Alzey an der Rheinhessenbahn Worms - Bingen. Allerdings ruht hier aktuell der Verkehr. 2026 soll es aber immerhin wieder einen sonntäglichen Ausflugsverkehr nach Monsheim geben. Auch Güterverkehr und eine perspektifische Einbindung in Rheinland-Pfalz Takt sind angedacht. Man darf gespannt sein. Eines ist aber sicher, für den Bahnhof Langmeil wird es so oder so keine Wiederauferstehung geben.Weiter geht die immer verzweifelter werdende Suche nach einem Standort, bei dem man auch etwas von der schönen Landschaft mit aufs Bild bekommt. Unterbrochen wird sie nur durch die ebenfalls nötige Fahndung nach Lebensmitteln, die sich genauso nervend und zeitaufwendig gestaltet. Da ich keine Lust auf abgepacktes aus dem Supermarkt habe, schaue ich nach einer Metzgerei oder etwas Ähnlichem. Daher quäle ich mich durch so manchen Ort, alles mit maximal 30 km/h oder drunter, bis ich endlich fündig werde. Ausgerüstet mit einer leckeren Brotzeit geht es kurz darauf eine Straße den Hang hoch. Einfach mal so, schließlich muss man ja auch mal Glück haben. Klappt so halb und halb. Der Blick auf die Strecke ist sehr begrenzt, der Blick auf das Tal ganz in Ordnung. Dafür dieselt und rollt es plötzlich mächtig. Also gut, mächtig ist vielleicht etwas übertrieben, aber es hört sich definitiv nicht nach einem Triebzug an. Ein Nahgüterzug? Wäre ja der Hammer. Aber nein, es kommt noch besser. Aber schaut selber!
60 Jahre und mehr haben die beiden Dieselveteranen aus dem Hause MaK mittlerweile auf dem Buckel. Die auf der Strecke zu erwischen, hebt die Stimmung ungemein und rückt den Tag wieder ein Stück weiter in die Kategorie „hat sich rentiert“.
Hätte vorher einer mal die Kettensäge angesetzt und den freien Bereich an den Gleisen etwas erweitert, dann würde ich hier direkt noch eine Weile bleiben. Auch wenn das Herumstehen direkt am Straßenrand und in der prallen Sonne nun nicht gerade unter den Begriff „gemütlich“ fällt. Aber spätestens der kurz darauf folgende Desiro, der nicht annähernd in die Lücke passt, macht klar, mehr braucht man von hier oben nicht probieren. Also wieder runter ins Tal.
Dort angekommen, steigt die Verzweiflung erneut. Nach einem Anfahrversuch der mich irgendwo in der Botanik vor einem aufgelassenen Fußübergang verenden lässt und dem Fußmarsch zu einer Stelle, die im Bogen liegend so zu ist, dass nicht mal ein Nasenschuss vernünftig umzusetzen ist, bin ich fast froh, als sich die Straße kurz wieder an das Schotterband schmiegt. Unter dem Motto „der Zug ist das Motiv“ lässt sich hier nun wenigstens Etwas machen. Und da man auch auf dem Randstreifen einigermaßen stehen kann, bleib ich erstmal da.
Noch bevor der nächste Personenzug seine Aufwartung macht, kommt der Blümchentod wieder zurück. Die Stelle gibt sogar einen Nachschuss her. So gesehen ideal. Aber ob das alles so gesund ist, was ich im Anschluss an Versprühtem einatmen „darf“, sei mal dahin gestellt.
Kaum hat sich der Sprühnebel endlich gelegt, kommen auch schon die nächsten beiden Personenzugleistungen daher. Das neben einem Desiro auch ein Lint in rot-grau unterwegs ist, bringt etwas Abwechslung in das Ganze und wird gerne mitgenommen.
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Die RB Leistungen auf der Alsenzbahn teilen sich im Sommer 2025 Triebzüge der Reihen 622 und 642. Für die RB 12734 ist an diesem Tag 642 681 eingeteilt.
Durch das Tal der Alsenz führt auch der Laufweg der RB 12735. An diesem Tag ist 622 542 von Kaiserslautern nach Bingen (Rhein) unterwegs.Nach diesem Bild heißt es für mich hier einpacken und neuen Standort suchen. Doch das ist leichter gesagt wie getan, denn an der Gesamtkonstellation ändert sich wenig. Ab vom Schuss, hinter Bewuchs oder zwischen den Häusern eingekeilt. Es ist zum Haare raufen.
Zugegeben, ich bin langsam etwas genervt, um es vorsichtig auszudrücken. Ein letzter, erfolgloser Versuch zwei Positionen noch anzulaufen, dann nähere ich mich auch schon Bad Münster am Stein. Also dort, wo die Alsenztalbahn in die Nahetalbahn mündet.
Da, plötzlich, linker Hand von mir erhebt sich eine Felsformation, die im Licht des späten Abends irgendwie so gar nicht in die Landschaft passen will. Schroff aufragend, steil und wie aus dem Gelände geschnitten, erhebt sich 1.200 m lang und etwa 200 m der Rotenfels über der Nahe. Glaubt man den Informationen im Netz, ist er die höchste Felswand zwischen Alpen und Skandinavien.
Mensch, da müsste man jetzt doch etwas draus machen. Auch wenn der Sonnenstand alles andere als günstig ist und zudem ein leichte Hitzeschleier, der vor der Sonne liegt, den Farben die Strahlkraft nimmt. Aber egal. Schnell Blinker links und abgebogen.
Erstmal bremst mich aber gleich die nächste Schranke aus. Schnell raus auf das Schotterfeld von aufgelassenen Gleisanlagen und einen Notschuss fabriziert. Nur für alle Fälle. Dann geht es am nächsten Bahnübergang in Position.
Gebildet aus 622 904 und 620 901 rollt RB 29572, von Mainz Hbf nach Idar-Oberstein, unterhalb der rund 200 m hohen Wand des Rotenfels vorbei.
Unter dem mächtigen Rotenfels dieseln 622 416 und 620 908 durchs Nahetal dem Ziel Saarbrücken entgegen. Start des RE 29526 war die Bankenmetropole Frankfurt/Main.Auch wenn die Gegebenheiten nun nicht ideal waren, die beiden Bilder mussten sein. Und der Fotopunkt ist definitiv für spätere Besuche vorgemerkt. Erst recht, da ich das Tal vorher null Komma null auf dem Schirm hatte. Ich bin gespannt, was es hier noch zu entdecken gibt.
Flussaufwärts der Strecke folgend, bietet sich allerdings erstmal kein richtiges Motiv. Straße und Schiene laufen weitestgehend nebeneinander und der Fluss hält sich auch schüchtern versteckt. Zudem steht die Sonne gerade zu oft viel zu achsig. Fündig werde ich erst gegenüber der Ortschaft Oberhausen. Dort bietet sich aus dem Weinberg heraus ein netter Blick.
Schon die Römer bauten entlang der Nahe Wein an. Entlang der Weinberge ist 622 925 auf dem Weg nach Baumholder. Einen Ort, an den so mancher Bundeswehrangehörige mit gemischten Gefühlen denkt.
Reger Abendverkehr herrscht auf der Nahetalbahn. Der dreiteilige Lint 620 903-4 auf dem Weg nach Idar-Oberstein.Leider hält sich die Abwechslung beim Fahrzeugpark auf dieser Strecke sehr in Grenzen. Lint zwei- und dreiteilig, im doch etwas blassem vlexx Design lassen nicht so richtig Jubelstürme bei mir aufkommen. Immerhin machen die Dreiteiler noch ein bisschen mehr her und sind für mich eher etwas Außergewöhnliches. Zudem legitime Nachfolger von 614, 624, 634 und Co.
Definitiv steht fest, dass ich beim nächsten Besuch ein oder zwei Terrassen höher stehen werde. Denn wie ich später auf dem Luftbild sehe, gibt es dort Wege, auf denen man hin kommt. Klar, ich hätte auch zwischen den Weinstöcken aufsteigen können. Aber bei sowas halte ich mich zurück. Zum einen ist es Privatgrund, auf dem man nicht so einfach herumturnen sollte, zum anderen sind es landwirtschaftliche Anbauflächen. Und da hat man, im wahrsten Sinne des Wortes die Füße still zu halten.
Nachdem ich schon einige Ostfahrer unfotografiert vorbeiziehen hab lassen, ist der Dreiteiler das letzte Bild des Tages. Es ist gleich sieben und ich hab die Nase voll. Durchgeschwitzt, hungrig und müde möchte ich nur noch ins Hotel. Das ist in Kaiserslautern gebucht.
Ach, kleiner Funfact. Nicht weit von meinem Standort entfernt, quasi nur einen Katzensprung entfernt, befindet sich der Sitz des Weinhändlers, bei dem ich einige Jahre lang meinen Wein bezogen habe. Nett, wenn man jetzt sieht, wo der beheimatet ist.
Aber zurück zur Übernachtung. Warum Kaiserslautern? War da auf der to do Liste nicht auch etwas von zweiteiligen Talent rund um Aachen und der S-Bahn Köln gestanden? Da würde es sich doch anbieten, noch ein Stündchen gen Norden zu fahren und irgendwo in Koblenz oder Trier Quartier zu beziehen.
Im Prinzip schon. Nur hat der Wettergott nach einer Woche feinsten Sonnenschein massiv etwas dagegen. Von Westen her soll sich im Laufe des morgigen Tages eine Front nähern, die Deutschland erstmal für Tage mit Wolkengrau und erhöhter Luftfeuchtigkeit in Tropfenform beglücken wird. Und das Teil ist so breit, dass auch ein entgegen- und drunterdurchfahren nicht möglich ist.
Also ist der mit Schmerzen gefasste Plan der, den morgigen Tag noch so lange wie möglich intensiv zu nutzen, um dann, vor den Wolken her, gen Heimat aufzubrechen. Wenn möglich mit noch dem ein oder anderen, eingestreuten Fotostopp.
Und da intensiv, viel in kurzer Zeit bedeutet, bietet sich die Hauptstrecke nach Saarbrücken an. Zudem rufen dort auch die 425er nach Aufmerksamkeit. Und einen TGV auf deutschen Schienen nimmt man doch auch immer gerne mit.
Mal wieder quer durch die Botanik geht es in Richtung Pfälzer Metropole. Sightseeing zum Tagesausklang. Das Hotel liegt am Rande der Stadt in einem Gewerbegebiet. Gut für An- und Abreise, schlecht für soziale Aktivitäten.
Angekommen gelingt es mir den letzten Stellplatz des Hotels zu ergattern. Der ganze Parkplatz ist mit einer Schranke gesichert und kann nur mit Ausfahrtscoin verlassen werden. Das erkläre ich auch einem hilflosen, französischen Pärchen, das, gut für mich, hinter mir einfuhr und nun verzweifelt vor jener Schranke steht, ohne Plan wie man diese öffnet. Da ich durch meinen vorherigen Besuch an der Rezeption schon einen Wissensvorsprung habe, tue ich etwas fürs Karma, laufe zurück, besorge eine Münze und entlasse Beide in die Freiheit.
Kurz am Zimmer frisch gemacht geht es zur nahen Burger King Filiale. Ich hab einfach keine Lust noch groß etwas anderes zu suchen. Auf dem Rückweg heult plötzlich ein Motor hektisch auf und ein getunter Wagen kommt die Straße herunter gejagt, schießt in den Wendehammer, dreht mit quietschenden Reifen drei Runden und kommt auf meiner Höhe zu stehen. Die Tür fliegt auf und ein junger Mann springt heraus, ringt die Hände und schreit heulend auf! Glaub der hat eben eine schlechte Nachricht bekommen, mit der er jetzt nicht klar kommt.
Ich ziehe es vor, mich still aus dem Staub zu machen, man weiß ja nie, im Foyer ein Automatenbier zu ziehen und mich auf mein Zimmer zu begeben. Dort gibt es etwas Stellenguck für Morgen und eine Runde Fernsehen, dann ist es auch schon Zeit, bei noch erhöhter Raumtemperatur, die Augen zu zumachen. Der morgige Tag wird schließlich auch wieder lang.
Gute Nacht!







