Sommertour 2025 - links und rechts der großen Magistralen - Teil 4

Von

Das Elsass und ich haben, sagen wir mal so, keine einfache Beziehung. Und dass, obwohl es, neben dem benachbarten Lothringen, doch das einfachste Eingangstor zur wunderbaren Eisenbahnwelt Frankreichs gewesen wäre. Erst, von der Heimatregion aus gesehen, gefühlt etwas vom Schuss, kam später immer irgendwas dazwischen. Andere Ziele die gerade wichtiger waren, fehlende Zeit, schlechtes Wetter, diverse Unpässlichkeiten. Kurz und gut, erst 2023 hab ich mich mal etwas ausgiebiger an diversen Strecken herumgetrieben und auch auf dieser Tour sollten die nächsten beiden Tage ganz im Zeichen des Nachbarn stehen.

Dienstag, 12.08.2025

Nein, ich bin definitiv kein ausgesprochener Frühstarter mehr. Schlafen bis man ohne Wecker wach wird und dann noch in einigermaßen Ruhe frühstücken, da ist es kein Wunder, wenn man die ersten beiden Fotostunden des Tages schon versäumt.

Aber der Vorteil vom langweiligen Alltagsbetrieb ist halt auch, dass das fast gar nichts macht. Denn, ob man einen modernen Triebwagen nun um 7.30 Uhr oder um 9.30 Uhr fotografiert, macht in der Summe nun auch keinen Unterschied.

Los geht der heutige Tag in Lauterbourg. Mal schauen, was da als Anschluss an die RB aus Deutschland so nach Strasbourg rollt. Zudem stehen die Chancen gut, dass besagter RB aus einem 628.4 gebildet wird. In den 90er Jahren moderner Nebenbahnretter, heute Auslaufmodell. Dazu noch die alte Sicherungstechnik des Bahnhofs, eine Mischung die immer wieder einen Besuch lohnt.

Angekommen, lässt der Regio Triebwagen aus Wörth am Rhein noch etwas auf sich warten. Also genug Zeit, sich dem Fahrzeug für den TER nach Strasbourg zu widmen. Und siehe da, was da wartet, ist einer der neuen Regiolis TFA, also ein Vertreter der Spielart, die eigentlich schon längst den grenzüberschreitenden Verkehr nach Deutschland hätten übernehmen sollen.

Eine fehlende Zulassung, die ihren Grund auf eine Änderung der Vorgaben für die Notbremsanlage während des Baus hat, hat dies allerdings bislang verhindert. Also werden sie bislang nur im Binnenverkehr eingesetzt.

Kleiner Funfact. Im Oktober 2023 habe ich schon einmal so einen Triebzug gesichtet. Und das nur unweit der heutigen Stelle, geschützt hinter einem Zaun, auf dem Gelände des nahen Rheinhafens.




Im französischen Grenzbahnhof Lauterbourg wartet B 85503 auf die Ankunft der Regionalbahn aus Wörth am Rhein, um danach als TER 30717 nach Strasbourg zu starten. Mit den Logos der Verkehrsverbünde aus dem deutsch-französischen Grenzbereich sowie den Landesfahnen beklebt, sollten die neuen Garnituren zum Aufnahmezeitpunkt eigentlich bereits alle grenzüberschreitenden Regionalleistungen übernommen haben. Aufgrund der fehlenden Zulassung in Deutschland werden sie aber bis zu diesem Zeitpunkt nur innerfranzösisch eingesetzt.





Und da immer noch Zug Zeit ist, bis die RB aus Wörth eintrifft, kann ich mich an der ganzen, noch vorhandenen Infrastruktur zu erfreuen. Auffälligste Veränderung sind die „gemachten“ Abschnitte im Güterbereich. Vorher verkrautet und in durchaus fragwürdigem Erhaltungszustand, wurden diese Teile für die letztjährigen Rheintalumleiter überholt. Übrigens ein weiteres Puzzle in meiner oben erwähnten, schwierigen Beziehung zum Elsass, war doch ein Besuch dieses Ereignisses fest eingeplant, wurde aber durch gesundheitliche Probleme verhindert.

Jetzt macht sich der Bahnübergang hinter mir bemerkbar und reißt mich abrupt aus meinen Gedanken. Langsam und über die Schienenstöße klackernd, schleicht ein 628.4 von Norden her in den Bahnhof.




Langsam rumpelt der ausgeblichene 628 453-2, als grenzüberschreitender RB 81459 von Wörth am Rhein kommend, in den noch mechanisch gesteuerten Bahnhof von Lauterbourg.





Vorbei an den mechanischen Signalen geht es in den Bahnhof. Im Hintergrund wieder B 85503, wartend auf mögliche Umsteiger in Richtung Strasbourg.





Spontan reift der Entschluss, den TER nochmal auf der Strecke abzulichten. Also geht es im Laufschritt zum Auto zurück. Dabei einige Franzosen irritiert, die gerade das nebenstehende Holzhäuschen betreten wollen, das mittels Automaten allerlei Leckeres aus der hiesigen Landwirtschaft anbietet. „Warum rennt der Deutsche so?“.

Frei Schnauze geht es jetzt entlang der Strecke, immer ein Blick hin zu den Gleisen im Versuch eine Fotostelle zu erspähen, die nett ist und dazu auch noch Licht hat. Vor Mothern dreht die Straße weg vom Gleis, also blind abgebogen und in den Ort hinein gefahren. Vielleicht gibt es ja ein nettes Bahnhofsgebäude? Verbaut, Zaun, ne das wird nix. Also über den Bahnübergang auf die Sonnenseite und die nächste rechts. Der Blick zurück mit Ort und Kirche könnte ganz nett sein.

Könnte! Denn die Bahn ist von mir aus gesehen jetzt in Hochlage und allerlei Bewuchs, Gärten und Häuser davor. Endlich wird ein Stück frei. Aber so der Bringer ist es nicht. Viel Grün, viel blauer Himmel und Buschwerk vor den Rädern. Aber hilft ja nix, der Zuch kütt.




Bei Mothern rollt TER 30717 in Richtung Strasbourg. Vernehmlich klackern die Radsätze des B 85503 über die Schienenstöße der Strecke.





So, in nächster Zeit ist jetzt erstmal Stille hier. Um den weiteren Tag zu planen und dabei nebenher noch Bilder zu machen, ist es besser, an die Hauptbahn zu wechseln. Die Gemeinde mit dem schönen Namen Schwindratzheim bietet sich an. Dort kommt man mittels eines kleinen Bahnübergangs rüber auf die passende Seite und kann zudem auch noch sein Auto bequem abstellen. Angekommen und gerade einen Standort für meine Colakiste gesucht, schnarrt der Bahnübergang neben mir auch schon los und der erste TER rauscht durch.




Ohne Halt passiert B 83515 den kleinen elsässischen Ort Schwindratzheim. Ziel des TER 35018 ist Nancy.





Geschoben von BB 22276 erreicht TER 32017 den nächsten Halt Schwindratzheim. An der Spitze der klassischen RRR Garnitur 50 87 82-37 273 BDuxw.





Auch im Elsass läuft die Zeit der BB 22200 langsam ab, drängen doch mehr und mehr Regiolis in die TER Dienste zwischen Saverne und Sélestat und lösen so die typischen, lokbespannten Gliedergarnituren ab.





Colakiste? Jepp! Mein universales, robustes Hilfsmittel, um drauf zu sitzen und auszuruhen oder um Höhe zu gewinnen. Und das sogar mir zwei wählbaren Höhenstufen. Ja, und manchmal auch zum Umkippen, runterfallen und sich dabei fast das Schienbein an einer Leitplanke brechen, wie letztes Frühjahr nahe Simbach (Inn).

So, jetzt weiter im Text. Seit meinem letzten Besuch steht das Vorhaben auf dem Zettel, endlich mal die Dieselstrecke zwischen Mommenheim und Sarreguemines zu besuchen. Größtenteils zweigleisig fuhren hier noch lange mit BB 67400 bespannte Wagenzüge. Eine Zeit, die ich wegen des oben schon erwähnten Verhältnisses zum Elsass natürlich auch verpasst habe.

Leider ist der Verkehr dort recht überschaubar. Die nächsten Zugleistungen sind zwei TER, die sich in Obermodern treffen. Gut, denn wenn man nichts an der Strecke findet, kann man vielleicht etwas aus der Kreuzung machen. Vorher möchte ich mir aber noch die ein oder andere Stelle entlang der Gleise ansehen. Wenn sie denn erreichbar sind.

Erstmal warte ich aber noch eine Zeit hier, in der Hoffnung das ich einen ostfahrenden Güterzug vor die Linse bekomme. Einen Personenzug mit Sybic vorne dran würde ich aber genauso gerne nehmen. Natürlich kommt keines von Beidem und so ist ein TER, gebildet aus einem Neubautriebwagen, das einzig zählbare, was noch auf dem Chip landet.




Von Metz Ville nach Strasbourg ist B 83561 an diesem Vormittag als TER 30305 unterwegs.





Quer über die Dörfer geht es nun zur Dieselstrecke. Der Streckenguck ist leider sehr ernüchternd. Verwachsen, verbaut, in Hochlage, kein Weg zur Bahn, das ist alles, was ich finde. Am Ortsrand von Ettendorf gibt es zwei, drei nette Stellen. Aber alle um die Uhrzeit falsch im Licht. Also für morgen Früh merken und gleich als erstes anfahren!

Mir bleibt jetzt wirklich nur der Bahnhof Obermodern. Ehemals Treffpunkt von gleich zwei Strecken und dementsprechend großzügig angelegt, zeigt er sich heute, wie viele Stationen in Frankreich, als eine Mischung zwischen moderner Bahn und Dornröschenschlaf mit einem Hauch von Erinnerung an längst vergangene, glorreiche Zeiten.




B 83507 läuft in den "renaturierten" Bahnhof Obermodern ein. Dort kreuzt TER 30925 mit dem entgegen kommenden TER 30918.





SNCF abseits der Magistralen. Während B 84807 als TER 30918 nach Sarreguemines ausfährt, verlässt parallel B 83507 den schon längst nicht mehr ausgelasteten Bahnhof von Obermodern als TER 30925 mit Ziel Strasbourg.





Für den Eisenbahnfreund das wahre Grauen, für die Bahngesellschaft ein Segen. Während man sich hier zulande mit Hybridfahrzeugen tot testet, gerade so als wäre es die neuste Weltraumtechnologie, fahren Diesel-/E-Triebzüge in Frankreich schon in der zweiten oder gar dritten Generation in großen Stückzahlen durchs Land. Im Elsass sind es die Regiolis, die mehr und mehr die Schienen „verseuchen“ und das Wort Abwechslung förmlich aus dem Wortschatz fegen. Ob Dieselneben- und elektrifizierte Hauptbahn, es ist ganz normal, dass hier und dort der gleich Triebzug an dir vorbei brummt oder summt.

Traurig, aber wahr!

Schon während ich noch auf die Kreuzung gewartet habe, als Schauobjekt dienend für die Fahrer der am geschlossenen Bahnübergang zum Halt gekommenen Fahrzeuge, habe ich geschaut, wie, wann und wo es weitergehen könnte. Auf dieser Strecke herrscht jetzt erstmal wieder tote Hose. Die nächstgelegene Linie wäre wieder die Hauptstrecke Metz/Nancy – Strasbourg. Da steht in Steinbourg in einer knappen halben Stunde ein TER an und das Navi meint, dass wäre locker zu schaffen. Also dann!

Auf der Anfahrt geht es unter der Schnellfahrstrecke in Richtung Paris durch, auf der genau in diesem Moment ein alter TGV vorbeirast. Nur ein kleiner Abschnitt oberhalb der Straßenunterführung ist sichtbar, doch der genügt, dass ich erkennen kann, dass über dem Lüfterband des führenden Triebkopfes ein Schrittzug prangt. Leider geht alles zu schnell, dass ich diesen ordentlich lesen und mir einprägen kann. Und das, was ich mir gemerkt habe, ergibt keinen Sinn und beim Googlen keine Treffer. Schade!

Zähneknirschend muss ich mein Auto am Bahnhofsparkplatz in der prallen Sonne abstellen. Bei dem Sonnenstand gibt es nur wenige Schattenflecken, die sowieso kein ganzes Auto abdecken würden, und die sind zudem auch noch alle „besetzt“.

Schwitzend geht es die Treppen hoch zur Brücke. Und während ich, schnaufend vom schnellen Aufstieg, mir selbst noch die Daumen drücke, dass gleich etwas Spannendes durch den Haltepunkt hinter mir rollt, zeigt ein Schulterblick, dass es nur wieder einer dieser Regiolis ist.




TER 30105 entlang des Canal de la Marne au Rhin auf dem Weg nach Strasbourg.





Hier, ohne Schatten auf der Brücke, ist das Warten nicht gerade angenehm. Dafür gibt es schönen Blumenschmuck zu bewundern und eine Schleusung zu beobachten, während die wenigen Minuten bis zur nächsten Zugfahrt vergehen. Diesmal sogar wieder mit der erhofften Knicknase.









TER 32018 von Selestat nach Saverne wird noch aus der klassischen Garnitur, bestehend aus BB 22282 und RRR-Wagen, gebildet.





Im mach mich mal auf den Weg hinunter zum Wasser. Hoffend, dass vielleicht noch ein Güterzug vorbeischaut. Was er dann auch, kurz vor der Durchfahrt des nächsten planmäßigen Personenzuges, tut. Nur leider aus der falschen Richtung. Aber man nimmt was kommt und bittet inständig: „Photoshop hilf!“




1303 von Lineas muss mit ihrem Containerzug aufs Gegengleis ausweichen, um die fliegende Überholung durch TER 85021 zu ermöglichen.





Insgesamt 80 Maschinen dieser Mehrsystem-Universallok sind in den Jahren 1998 bis 2001 von Alstom und Bombardier gebaut worden, wobei 60 Lokomotiven an die SNCB gingen und 20 an die luxemburgische CFL. Der mechanische Teil entspricht dem der SNCF Reihe BB 36000 „Astride“.




TER 35021 auf dem Weg nach Strasbourg. Dabei rollt B 83515 in Steinbourg entlang des Canal de la Marne au Rhin.





Auf dem Marsch zurück zum Auto gibt es auf der Brücke passend noch eine solo fahrende BB 37000 als Zugabe, dann heißt es endgültig schnelle Füße bekommen. Das neue Ziel ist Lutzelbourg und das Zeitfenster bis zur nächsten Zugfahrt dort ist recht eng.




Glücklicherweise ohne Zug ist BB 37021 auf dem Weg in Richtung Strasbourg, sodass sie per Nachschuss abgelichtet werden kann.





Vorher muss aber noch Saverne durchquert werden. Ein kleines Städtchen, dass nicht nur als Endpunkt der Züge von Selestat interessant ist. Besonders macht den Ort, dessen Wurzeln bis in die spätrömische Zeit zurück reichen, der Canal de la Marne au Rhin, der, vorbei an Häusern und dem Château des Rohan mit seinem Park, Saverne malerisch durchquert. Leider bleibt für einen kleinen sight-seeing Stopp keine Zeit, drückt doch, wie bereits erwähnt, die nächste Zugleistung. Und die Uhr tickt erbarmungslos herunter und gegen mich. Da hilft auch das entspannte Cruisen in Kolonne entlang des Kanals durch die Kurven des engen Tals nicht gerade, um den Blutdruck zu senken. Zwischendrin rollt oberhalb eine Infra-Leistung, gebildet aus zwei modernen Mittelführerstandloks mit Baugerödel durch, dann ist endlich das Ortsschild von Lutzelbourg erreicht.

Eigentlich wollte ich etwas hinter den Bahnhof fahren und mich dort neben die Gleise stellen. Aber da der Weg dorthin auf dem Navi noch nicht auftaucht, ich habe keine Route eingegeben, entscheide ich mich spontan für die sicherere Variante. Ein Bahnhofsbild, denn Zug und ich sollten nahezu gleichzeitig ankommen.

Mein kurzer Sprint mit gleichzeitigem Kampf mit Kamera und Rucksack sorgt für Aufsehen bei einer Gruppe fröhlich schwatzender Radfahrer fortgeschrittenen Alters. Schnell bin ich aber wieder uninteressant, kaum das ich im Durchgang hinüber ans andere Gleis aufgetaucht bin. Den Umstand, dass die hier noch stehen, werte ich jetzt mal als gutes Zeichen dafür, dass der TER noch nicht durch ist, was ein Blick auf den Abfahrtsplan dann auch bestätigt.

Nun ist die Frage, was kommt eher. Der Zug nach Westen oder der Zug aus Westen. Nach einigem hin und her entscheide ich mich für letzteres und eile ganz weit nach hinten bis zum Bahnsteigende. Gottlob gibt es hier keine Absperrungen, die zwei Drittel des nicht mehr genutzten Bereichs versperren. Ich muss ganz nach hinten, ansonsten passt das Licht gar nicht und von der Burg sieht man auch nicht viel. Theoretisch könnte ich sogar auf die Böschung rüber, denn Gleis ist keines mehr vorhanden, ebenso wie sehr wahrscheinlich kein Personal. Aber man ist ja anständig.




B 83561 rollt als TER 35023 in Lutzelbourg ein.





Flugs geht es wieder nach vorne, denn jeden Moment kann der verspätete Zug von Strasbourg her seine Schnauze aus dem Tunnel strecken. Noch vor Abfahrt des 35023 bin ich wieder beim Bahnhofsgebäude, dann summt der Triebzug zu meiner Erleichterung auch schon los und gibt den Blick wieder frei.

Die Eile wäre im Übrigen aber nicht mal von Nöten gewesen. Es dauert noch fast 10 Minuten, bevor der Zug in den Bahnhof einrollt. Nach etwas hin und her hab ich mich für einen Standort entschieden. Schließlich sollen nicht nur Burg und Stationsgebäude mit aufs Bild, auch das Stationsschild muss seinen Platz finden. Ist es doch ein übrig gebliebenes Relikt aus einer anderen Eisenbahnwelt, als diese Strecke noch eine wichtige Magistrale ins Landesinnere und nach Paris war.




Lange musste die fröhlich schwatzende Fahrradgruppe in der Sommerhitze auf die verspätete Ankunft des TER 35024 warten. Dann steckt B 83563 endlich die Nase aus dem Tunnel unter dem Château de Lutzelbourg, um die Männer mit ihren Drahteseln ins klimatisierte Innere zu lassen.





Für mich heißt es jetzt wieder schnelle Füße bekommen. Der Wechsel an den ursprünglich angedachten Standort steht an. Das geht schneller als erwartet und so stehe ich auch schon parat, als der nächste Zug, diesmal in Richtung Metz Ville, den Bahnhof und das Burgmotiv passiert.




B 83515 als TER 30310 nach Metz Ville verlässt den Bahnhof von Lutzelbourg.





Na, das hat ja mal geklappt wie geplant. Gut das Seitenlicht ist hier, trotz der engen Kurve, auch schon etwas knappich. Was mich aber mehr beschäftigt ist der steile Absatz, der auf dem Weg hier rauf ist und der bei der Rückwärtsfahrt Richtung Straße durchaus spannend machen könnte. Und der viehische Gestank der mir nun in die Nase steigt! Sohlen und Fußmatten kontrolliert. Bin ich wo rein getreten? Nein, alles sauber. Moment es rauscht! Endlich ein Güterzug! Aber wieder von hinten! Mist!




Mit einem Gaskesselzug passiert 1322 von Lineas den Bahnhof von Lutzelbourg.





Ich glaube, ich muss mal ein ernstes Wort mit den Damen und Herren von Lineas sprechen, dass sie mir mit ihren Güterzügen nicht immer in den Rücken fahren. Spoiler: Hätte ich mal tun sollen, denn von selbst haben sie die Praxis nicht geändert.

Wieder steigt mir dieser ekelhafte Geruch in die Nase, wird immer dominanter. Nochmal alles kontrolliert. Nichts! Selbst ums Auto gehe ich rum. Auch nichts! Dann fällt mein Blick ins Schotterbett vor mir. Reh müde, Reh schlafen. Zumindest das, was von dem Tier im aktuellen Aggregatszustand noch übrig ist. War wohl im entscheidenden Moment zu langsam. Sofort wird etwas zurückgesetzt, dann geht es einigermaßen. Und da sich auf den Schienen leider aktuell nichts tut, können wir uns mal dem kleinen Ort und seiner Geschichte widmen.

Liegt Saverne noch im Elsass, befinden wir uns hier nun bereits in Lothringen. Die über dem Ort und der Bahn thronende Burg wurde Ende des 11. Jahrhunderts gebaut und bewachte den, schon in der Römerzeit, bedeutenden Handelsweg von Metz nach Strasbourg. Ort und Burg haben eine bewegte Geschichte, wechselten sie im Laufe ihres Bestehens doch mehrmals Besitzer und Zugehörigkeit.

Und noch etwas aus der Geschichte kann die knapp 600 Seelen starke Gemeinde aufweisen. Bis 1953 begann hier die meterspurige Strecke ins elsässische Drulingen. Gebaut von der Rappoltsweiler Straßenbahn Gesellschaft zur Erschließung eines Steinbruchs und der Garnisonsstadt Phalsbourg, wurde die Linie zuletzt von der SNCF betrieben. Startpunkt in Lutzelbourg war der Bahnhofsvorplatz.

Schaut man sich das folgende Bild aus heutiger Zeit an, sieht man die Fläche hinter dem Bahnhof, auf der früher die Gütergleise der Normalspur- und der Schmalspurstrecke lagen bzw. heute teilweise noch liegen.




Drückende Hitze liegt über der Lützelburg, als B 83607 als TER 35026 nach Nancy unterwegs ist. Links neben dem Triebzug sieht man noch einige Gleise der früheren Güteranlage. Vor der Baumreihe dahinter lag der Schmalspurbereich.





Während hier das Licht nun langsam endgültig raus dreht, könnte es jetzt vorne an der Brücke bei Schleuse 29 passen. Also mache ich mich wieder auf den Weg. Schade, dass es mit keinem Güterzug geklappt hat. Aber vielleicht ja beim nächsten Mal.

Nachdem ich den Absatz mit etwas Bauchkribbeln und ganz viel Gefühl schadlos überwunden habe, geht es flott zurück in Richtung Saverne. Ein kurzes Stück und ich kann mein Auto auf einem großen Sandplatz vor dem Viadukt abstellen. Ganz schön hier, nur Vorwarnzeit haste halt keine. Sicht nach links? Eigentlich erst wenn der Zug schon da ist! Sicht nach rechts? Eigentlich erst wenn der Zug schon durch ist!

Das der Verkehr auf der hinter mir liegenden Straße das Hören mindestens genauso einschränkt wie die Tatsache, dass sich rechts hinter den Bäumen gleich ein Tunneleingang befindet, macht es jetzt nicht gerade besser. Also, Kamera im Anschlag und etwas pokern. Hör ich da was?




BB 26160, im Schlepp von BB 26140, auf dem Weg ins Bw Strasbourg. Wer genau hin schaut sieht, dass sich die beiden Loks bei der Farbe der Fronten unterscheiden. Einmal blau und einmal schwarz.





Und noch ein Glücktreffer. 02 174-6 von ferrotract hat, am Haken einen Bauzugwagen, den Tunel du Haut-Barr verlassen und quer nun den Canal de la Marne au Rhin.





Wer sich nun daran stört, dass auf beiden Bildern viel Sandfläche und wenig Kanal verewigt ist, dem kann ich nur zustimmen. Aber wegen der Tatsache, dass Züge von rechts, vom Standort auf der Kanalbrücke, nur als voller Nachschuss umsetzbar wären, war der etwas querere Standort ein notwendiger Kompromiss. Und wie man sieht, aufgrund der Zugfahrten gut gewählt.

Die nächsten beiden planbaren Leistungen kommen aber jetzt von links. Also den Standort auf die Brücke über den Kanal verschoben. Gemütlich steht man hier nicht. Ragt doch der Allerwerteste den wenige Zentimeter hinter mir vorbeiziehenden Kfz quasi schon in die Seitenscheibe. So zähle ich die Minuten bis zum nächsten TER, von dem ich hoffe, dass er lokbespannt ist. Bingo!




Am Haken den TER 39172 nach Paris Est, einem der wenigen Lok bespannten Züge, quert BB 26159 nahe Saverne den Canal de la Marne au Rhin. Auffällig auch bei ihr sind die schwarz umrandeten Fronten der Sybic.





Jetzt geht’s zurück in die Queransicht, für alle Fälle, bevor ich rund 20 Minuten später für den nächsten Zug nach Nancy wieder auf der Brücke Aufstellung nehme. Erwartungsgemäß erfreut erneut ein Regiolis den Betrachter.




Auf dem Rückweg von Nancy quert B 83563 als TER 35027 kurz vor Saverne den Canal de la Marne au Rhin.





Es folgt noch knapp 10 Minuten später der TER aus Metz Ville, der bei gleicher Fahrzeuggestellung und nahezu gleichem Auslösepunkt, so viele Variationsmöglichkeiten gibt es ja nicht, hier aber unbebildert bleibt.

Ich habe fertig! Mehr kann man hier wohl nicht mehr rausholen. Und so geht es zurück in Richtung deutsche Grenze. Ich möchte nochmal in Lauterbourg vorbeischauen. Sollte pünktlich zum Abendzug klappen. Nein, nicht dass ich ernsthaft glaube, eine BB 67400 mit RRR-Garnitur dort anzutreffen, schließlich ist Ferienzeit, aber sicher ist sicher. Brummt dort doch ein Großdiesel und ich verpasse ihn, ärgere ich mich nur, sollte ich später davon erfahren.

Durch ordentlich dichten Verkehr geht es via Landstraße und Autobahn bis kurz vor die Landesgrenze. Dann rechts weg, ein kurzes Stück und siehe da, ein TFA!

Nein, gleich zwei warten im Abendlicht. Wenn man bedenkt, dass ein einzelner 628.4 den Anschluss macht, leicht überdimensioniert. Aber auf dem Herweg wird man die Gefäßgröße im Berufsverkehr wohl brauchen.




Internationaler Knotenpunkt im Herzen von Europa im 21. Jahrhundert. Auf dem naturbelassenen Biotop im Vordergrund wird gleich der RB aus Deutschland einrollen und seine Umsteiger in den TER 30739 entlassen. Während für die Fahrt nach Strasbourg mit B 85517 und 85543 zwei hochmoderne Fahrzeuge bereit stehen, müssen sich die Fahrgäste von und ins Nachbarland mit dem unklimatisierten und sichtlich in die Jahre gekommenen 628 453 begnügen.





Langsam kommt 628 453 als RB 81477 von Wörth (Rhein) in den Bahnhof von Lauterbourg gerollt. Rechts wartet schon der Anschluss nach Strasbourg in Form des modernen B 85543.





Eine Detailaufnahme des B 85544 zeigt, wofür die Triebzüge der Reihe B 85500 eigentlich gebaut wurden.





Ich warte noch die Ausfahrt des Regios ab, vorbei an der Signalreihe und dem Stellwerk, einem Motiv, an dem ich mich nicht sattsehen kann. Sollte die Strecke doch mal modernisiert werden, ists vorbei mit dem leicht morbiden Charme und alles ertrinkt in Beton und Elektronik.




Nachdem der TER nach Strasbourg den Bahnhof verlassen hat, ist es auch für 628 453 Zeit, als RB 81476 wieder zurück nach Wörth (Rhein) hinüber zu dieseln.










Gemütlich geht es jetzt auch für mich mit geöffneten Fenstern zurück nach Karlsruhe und ins Hotel. Dort erstmal ausgestreckt, etwas relaxet, das Bahnhofsgeschehen beobachtet und geduscht, ist es schon so spät, dass ich für ein ausgedehntes Mahl an bekannter Stelle keine Lust mehr habe. Also geht es nur kurz rüber in den Bahnhof zum Burger Brater. Vorbei an einer Gruppe Gras rauchender Jugendlicher und Feldstudien betreibend, was sich sonst noch so alles an Gelichter herumtreibt.

Wieder im Zimmer lasse ich den heutigen Tag nochmal Revue passieren und plane für morgen Früh. Klar ist, es wird nicht ohne Wecker klingeln gehen, will ich pünktlich an der Stelle in Ettendorf stehen, die ich heute erspäht habe.

Wie dann weiter? Das wird ganz nach Lust und Laune spontan entschieden. Nur keinen Stress, ich hab ja schließlich Urlaub.

In diesem Sinne, gute Nacht!