Sommertour 2025 - links und rechts der großen Magistralen - Teil 3
Von Christof Hofbauer
Heute geht es schon eher aus den Federn. Schließlich ist die Hochrheinstrecke nicht nur mal so ums Eck wie Winden (Pfalz). Zudem kann sich die Fahrt über die A 5 durchaus ziehen, wie ich auch auf diesem Tag schmerzlich feststellen muss.Montag, 11.08.2025
Flott ging es heute beim Frühstücken, tickt doch die Uhr erbarmungslos vorwärts. Zwar muss ich zu keiner festen Uhrzeit an der Strecke stehen, aber ich möchte auch nicht unbedingt erst zur anbrechenden Hochlichtphase dort aufschlagen. So zumindest Plan und Vorsatz.
Bisher läuft es auch ganz gut. Schnell bin ich aus Karlsruhe heraus und auf der Autobahn. Da wird es zwar etwas zäh, aber es fließt immer noch ordentlich. Wenigstens so lange bis plötzlich die Ankunftszeit auf dem Navi einen ordentlichen Sprung macht. Fast zeitgleich kommt prompt die Meldung im Radio, dass vor mir, auf Höhe von Rastatt, die Autobahn aufgrund eines Unfalls gesperrt ist. Super, das hat jetzt sein müssen!
Brav und folgsam gebe ich den Anweisungen des Navis nach und verlasse bei Rastatt die Autobahn. Meine Annahme, dass ich über Hauptstraßen an der Stadt vorbeifahre, wird sofort widerlegt. Es geht mitten hinein und durch eine 30er Zone nach der anderen. So erreiche ich erst nach einer gefühlten Ewigkeit wieder die nächste Auffahrt. Dort fließt der Verkehr! Also kein Unfall, keine Sperrung. Gut, ich habe Zeit verloren. Aber da kann man jetzt nichts machen. Hätte ja auch anders sein können.
Nun aber flott und Strecke machen. Kaum bin ich etwas auf Touren gekommen, flammen vor mir schon wieder Warnblinker auf. Noch ein kurzes Stück, dann geht nichts mehr. Stau! Und langsam steigt der Blutdruck.
Stopp an go! Und die Zeit verrinnt. Alle Planungen des Fototags sind mittlerweile schon Makulatur. Dann ist die Strecke endlich wieder frei, doch richtig laufen mag es nicht. Es geht weiter zäh, während die prognostizierte Ankunftszeit auf meinem Navi steigt und steigt. Meine Laune ist zwischenzeitlich langsam so weit gesunken, dass ich extrem genervt ernsthaft schon ans Umkehren denke. Ich muss jetzt endlich etwas vor die Linse kommen, sonst dreh ich noch durch. So kommt mir das nächste Hinweisschild mit der Abfahrt nach Riegel gerade recht. War da nicht was? Ja klar, das Gebäude der Riegeler Brauerei. Bisher immer nur vorbeigefahren oder links liegen gelassen, und damit auch die Dieselzeit verpasst, war es nun Zeit.
Also runter von der Autobahn und Fotostelle gesucht. Via Navi und etwas Spürsinn geht das auch ohne größere Verzögerungen und so steh ich endlich wenig später, die Kamera im Anschlag, an einer Eisenbahnstrecke. In freudiger Erwartung auf die erste Zugbegegnung des Tages.
So gar keine Lust hatte Familie Schwan, nur als Statisten im Motiv zu dienen. Kurz vor der nächsten Zugfahrt setzten sie sich entschlossen Elz aufwärts in Bewegung. Na, dann bekommen sie halt ihr Porträt.Schade, Schwanens hätten eine so schöne Motivbereicherung abgegeben. Aber wie gesehen, wollten die nicht so richtig mitspielen. Also muss es eben auch ohne gehen. Eine Zugfahrt will ich nämlich noch dableiben. Verlässt doch dann ein SWEG-Zug den Bahnhof. Aber Moment mal, kommt der wirklich hier vorbei? Ich hab doch vorhin weiter vorne schon mal eine Strecke gekreuzt? Und tatsächlich, die Leistung geht nach Riegel-Malterdingen, wo eine Umsteigemöglichkeit zu Zügen der Rheintalstrecke besteht.
Also hier abbrechen und vorne etwas suchen. Hier bietet sich aber eigentlich nur die Brücke über die Elz an. Die ist durchaus fotogen, aber aufgrund ihrer Bauweise nicht gerade ideal. Aber etwas anderes habe ich jetzt auch die Schnelle auch nicht.
8442 185-8 der SWEG rumpelt über die Elz Brücke in Riegel. Nächster Halt für SWE S5 ist Riegel-Malterdingen an der Rheintalstrecke. Dort endet die Strecke übrigens in einem eigenen Bahnhof, der gleich gegenüber der DB-Station liegt.Na, der Stopp hat sich ja durchaus gelohnt. Allerdings hab ich auch ordentlich Zeit liegen gelassen. Will meinen, ich werde um Hochlichtbilder der 644er wohl nicht mehr groß herumkommen, sofern ich nicht nach drei Bildern schon wieder eine Pause einlege. Aber erstmal muss ich nun die letzte Strecke hinter mich bringen, auf der mich das Navi nochmal ordentlich durch die Pampa jagt, bis ich schließlich am Bahnübergang nahe Herten (Baden) lande. Die Stelle hatte ich mir gestern Abend noch als Startpunkt ausgesucht.
Es ist ordentlich was los auf der Straße und so wandern ständig Blicke neugieriger Autofahrer hin zum mir und meinem Fahrzeug, das ich auf dem Rand einer Wiese, mit etwas Abstand zum Teerband abgestellt habe. Schließlich will ich ja nicht Schuld sein, wenn wegen mir einer, vor lauter kucken abgelenkt, am Ende noch das rote Licht übersieht.
Endlich schließen sich die Schranken und die erhoffte Doppeleinheit „Dieselelektrischer“ brummt heran.
643 037-3 und 533-1 bilden eine der beiden Pendelgarnituren, die baustellenbedingt zwischen Basel und Rheinfelden pendeln. Als RB 22028 sind sie auf dem Rückweg nach Basel Badischer Bahnhof.Kurz mal die Fahrzeiten überschlagend, komm ich zur Erkenntnis, dass wohl zwei Garnituren ausreichen werden, den Pendelvertrieb zu fahren. Mehr ist nämlich aktuell hier nicht geboten. Nur wenige Tage vor dem Urlaub kam die Meldung, dass es eine Streckensperre gibt. Also keine 641er, keine 218er, sondern maximal Baustellenpendel, gebildet aus 644er. Für den Nummernsammler heißt dass, dass es maximal vier Triebzüge sind, die mein Archiv bereichern können. Außer, und dass ist zugegebenermaßen eine nur äußerst schwache Hoffnung, man dreht den Tag über die eine oder andere neue Garnituren in den Umlauf.
Der Verspätung sei Dank, treffen sich dann auch kurz darauf die beiden Garnituren direkt auf meiner Höhe. Im Vordergrund übrigens die Ausgrabung einer römischen Straßenstation. Gab es damals auch schon Bahnwärter?
Direkt vor mir treffen sich die beiden Pendelgarnituren, welche an diesem Tag baustellenbedingt zwischen Rheinfelden und Basel Badischer Bahnhof den Gesamtverkehr abwickeln. Ziel der RB 22035, gebildet aus 644 033 und 537, ist Rheinfelden, während 644 035 und 036 als RB 22030 auf dem Weg in Richtung Basel ist.Da die Sonne langsam in die Achse wandert, mein Magen knurrt und mir zudem der Verkehr und die Strommasten auf den Senkel gehen, verlasse ich meinen Standort und verschiebe etwas nach Osten, auf die andere Seite von Herten (Baden). Am Rande eine Kleingartensiedlung lässt es sich dann auch im Schatten von Bäumen bedeutend entspannter warten, ist doch das Thermometer zwischenzeitlich bis an die 40°C Marke geklettert. Der Magen muss sich dagegen noch gedulden. Auf dem Weg hierher gab es nix schnelles und jetzt drückt auch schon wieder der nächste Zug. Also Basecap auf und raus in die Sonne, auf das Stoppelfeld. Streiflich muss genügen.
644 035-7 und 036-5 haben den Haltepunkt Herten (Baden) verlassen, nun als RB 22037 wieder unterwegs in Richtung Rheinfelden.Eine halbe Stunde später kommt die Fuhre wieder zurück, diesmal abgelichtet aus dem Schatten der besagten Bäume heraus. Zwischen den Gleisen und dem Fotografen ist die Ausgleichsfläche zu sehen, die hier, im Zusammenhang mit der bevorstehenden Elektrifizierung, für die ansässigen Eidechsen angelegt worden ist. Inkl. Liebevoll gesetzter Steinhaufen als Behausung. Während ich warte kommt auch eine Truppe Zweibeiner vorbei, die erst mich, dann die Fläche beobachten und verschiedene Dinge kontrollieren. Sehen irgendwie amtlich aus, die Damen und Herren.
Vor wenigen Minuten ist die RB 22034 in Rheinfelden abgefahren, jetzt dieseln 644 536-4 und 535-6 dem nächsten Halt Herten (Baden) entgegen.Ich bin derweil leicht angematscht und ziemlich abgenervt, läuft doch der Fototag so gar nicht rund. Klar, es gab das ein oder andere nette Bild, aber zu was für einem Preis. Und so geht mein Wille hier noch auszuhalten, um immer wieder die gleichen Garnituren abzulichten, gen Null. Zumal es auf dem kurzen Streckenabschnitt laut Sattelitenkarte keinen Standort gäbe, der besser wäre als die gehabten.
Also Abmarsch. Ich will nur noch weg und mich irgendwo bequem platzieren, wo man mit regem Verkehr und interessanten Fahrzeugen den Tag noch quantitativ etwas retten kann. Rheintalbahn kommt mir da in den Sinn. Da sollte doch etwas gehen. Zudem hätte ich auch schon wieder die ersten paar Kilometer in Richtung Karlsruhe abgespult. So würde die Strecke, die ich zwecks Heimfahrt, auf der doch so heiß geliebten Autobahn zurücklegen muss, etwas verringert.
Nun wäre es ja eigentlich ratsam, gerade wenn man sich in einer Ecke herumtreibt, in der man noch nicht so viel Zeit verbracht hat, dass man so einen Wechsel etwas durch Kartenstudium und Blick auf den Sonnenstand vorbereitet. Doch dazu fehlt mir gerade der Nerv. Der Drang, schnell weg zu kommen und nicht noch mehr Zeit zu verdödeln, ist stärker. Also vertraue ich einfach darauf, dass mich meine Nase an eine gute Stelle führt. Groß genug wäre sie ja.
Spoiler, führt sie mich natürlich nicht. Alles, was ich finde, sind nette Lärmschutzwände in der Plätte. Blutdruck 220, Puls 90! Nun hilft nur noch ein Break und zumindest den Magen besänftigen. Am besten geht das beim Burgerbrater um die Ecke. Und während dort Kohlehydrate, Transfette und Softgetränke meinem Körperinneren zugeführt werden, reift auch ein Plan.
Legelshurst an der Verbindung von der Rheintalbahn hinüber ins Elsass nach Strasbourg. Dort hat es alles, was mein wundes Herz gerade begehrt. Abwechslungsreichen Betrieb, eine Stelle, die man gut anfahren und an der man in Ruhe stehen kann und dazu den passenden Sonnenstand. Gut, die Verkehrsdichte ist nicht ganz so hoch wie im Rheintal und auch das Motiv nicht allzu spektakulär, aber besser wie alle Alternativen. Und, sicherlich ein Hauptgrund, ich kann endlich wieder in den Chillmodus übergehen.
Die Anfahrt ist kein Problem und geht fast komplett aus dem Kopf. Dann stehe ich auch schon wieder an den Schienen. Etwas tief zwar, dafür aber unverbaut, mit den Höhen des Schwarzwaldes im Hintergrund. Und eigentlich ist die Entscheidung bei genauerer Überlegung gar nicht so ohne. Schließlich sollten auch hier schon länger die neuen Regiolis, die im Wechsel eingesetzten Wale von SNCF und RS1 der SWEG als Pendel von Strasbourg nach Offenburg ablösen. Also vielleicht die letzte Chance, diese „Altbaufahrzeuge“ nochmal auf dieser Linie abzulichten. Und so geht es dann auch gleich los.
Deutsch-französischer Regionalverkehr im Sommer 2025. Eigentlich hätten zu diesem Zeitpunkt schon die Hybridzüge der SNCF Reihe B 85500 übernehmen sollen. Aber so dieseln immer noch RS1 der SWEG tapfer zwischen Offenburg und Strasbourg. An diesem Sommertag sind VT 511 und VT 513 als grenzüberschreitender SWE 87446 unterwegs.
Im Wechsel mit den RS 1 setzt die SNCF deutschlandtaugliche Wale im Pendelverkehr ein, erkennbar an den 900er Nummern. X 73904 und X 73916 der SNCF als SWE 87448 durch die Rheinebene nach Frankreich.Der Auftakt wäre dann schon mal geglückt. Und kaum haben die beiden Triebwagen den nahen Haltepunkt frei gemacht, fädelt sich bei Appenweier die nächste Zugfahrt ein und wird zunächst als kleiner roter Fleck am Ende der Geraden sichtbar, bis sich mehr und mehr die Silhouetten zweier Cargo Vectronen über den Schienen abzeichnen.
Geballte Power. Mit 193 349 und 350 bringen gleich zwei Vectronen einen Kesselzug über die Rheinebene hinüber nach Frankreich.Gegen eine französische Zuglok hätte ich jetzt auch kein Veto eingelegt, aber auch die beiden 193er kommen zugegebenermaßen gut und bieten mir ihrem Rot zudem einen schönen Kontrast zur Umgebung. Jetzt gilt es den Kopf zu schwenken, denn dort links in der Ferne sollte demnächst der ICE aus Paris auftauchen, was er wenige Minuten später auch tut.
Dann ist auch schon wieder Regio Time. VT 512 und VT 509, lackiert in neuem BaWü Livree und in Altlack, als SWE 87450 auf dem Weg hinüber in den Elsass.
Unter der Zugnummer ICE 9590 quer 407 016 die Rheinebene. Ziel des Zuges ist Paris Est, dass via Strasbourg und Schnellfahrstrecke erreicht wird.Mein innerer Schweinehund ist nun eindeutig für einpacken. Ich kann es ihm irgendwie auch nicht verdenken. Der Tag war zugegebenermaßen anstrengend und wenig euphorisierend. Und die Heimfahrt wird bestimmt auch wieder nervig. Aber noch stehen die beiden TGV aus. Die eine Leistung nach München Hbf, die andere, bereits vorgestern in Karlsruhe abgelichtet, nach Paris Est. Also müssen kühler Gerstensaft und schmackhaftes Essen im lauschigen Wirtsgarten noch etwas warten.
Von der Seine an die Isar, vom Croissant zur Brezn, ist 4710 als TGV 9577 von Paris nach München unterwegs.
Triebzug 4710 rollt als TGV 9560, von Frankfurt/Main kommend, durch die Rheinebene auf Strasbourg zu. Wie zwei Tage zuvor, hat die Fuhre auch heute wieder ordentlich Verspätung im Gepäck.Es ist jetzt kurz vor 19.00 Uhr und der Stecker bei mir endgültig gezogen. Zwar wäre sicherlich noch eine Stunde gut Sonne, aber ich mag schlicht und ergreifend nicht mehr. Und so ein TGV im Abendlicht kommt als Tagesabschluss auch nicht schlecht. Wer weiß, ob außer dem Regionalverkehr, mit bereits bekannten Pärchen, überhaupt noch etwas vor die Linse fahren würde.
Also sattle ich mein treues Fotogefährt und mach mich auf gen Norden, wo die Verheißung in Form von kühlem Bier und Essen wohnt. Ein kurzer Zwischenstopp im Hotelzimmer, dann sitze ich auch schon im Schatten. Lass das kalte Getränk genussvoll die Kehle hinunterlaufen und denke über den Tag nach, der nun in der Rückschau gar nicht mal sooooo schlecht ausschaut.
Auf dem Zimmer gibt es dann noch einen Grobplan für morgen und dann geht es kaputt, aber zufrieden, unter die Decke. Morgen steht das Elsass auf dem Programm. Los geht es auf den Dieselstrecken, bevor ich mich nachmittags endlich mal zwei der markanten Motive an der Hauptstrecke gen Westen widmen will.
Also, gute Nacht und bis morgen.


