Einmal zum Stern und zurück
Von Christof Hofbauer
Bis hinein in die 90er Jahre war Stern & Haferl schlechthin ein Synonyme für Eisenbahnnostalgie vom Feinsten. Kein Wunder, stammte der Fahrzeugpark doch weitestgehend aus den Anfängen der Vollbahnelektrifizierung oder den Zwischenkriegsjahren. Und auch die „modernere Ablösung“ war mit Baujahren in den 1950ern und 60ern schon in Ehren ergraut. Eine Zusammenstellung von Rollmaterialien, die heute jede Museumsbahn vor Neid erbleichen lassen würden.Dazu Infrastruktur aus längst vergangenen Zeiten, mit Sandbettung, krumm gewachsenen Holz für Strommasten und Bahnschranken, Läutewerken und jeder Menge technischer Kuriositäten.
Doch aus und vorbei. Spätestens ab 2000, mit Lieferung der neuen GTW für LiLo und Co, dem Wegfall von Umrichterwagen und Lokalbahnhof Linz wandelte sich ST & H zu dem modernen Eisenbahnunternehmen, wie es sich heute präsentiert.
Hie und da sind aber auch heute noch, nachdem bereits ein Viertel des 21. Jahrhunderts passé ist, Relikte der guten, alten Lokalbahnzeit zu entdecken. Sei es bei einer Unterwegsstation, wie dem Haltepunkt Wackersbach mit einem, an einer querliegenden Holzschwelle als „Prellbock“ endenden, Nebengleis bzw. Ausweichgleis
oder in Form der weit über 100 Jahre alten Elloks, die zu k.u.k. Zeiten dem glorreichen Militär gedient oder Metropolen verbunden haben. Und die jetzt, vereinzelt, zum Beispiel in der Rübenzeit, noch zuverlässig ihren Dienst verrichten.
E22.001, in Dienst gestellt 1915 als Lok III der Wöllersdorfer Militärschleppbahn, und E22.005, die mit gleichen Baujahr als Lok II tätig war.Doch auch im Personenzugdienst gibt es noch eine Strecke im Netz der StH, die fest in der Hand von 70-jährigen, tagtäglich im Takt von diesen Veteranen pünktlich und zuverlässig bedient wird.
Es ist die Linie von Lambach nach Vorchdorf-Eggenberg. Eine der ehemals zwei Lokalbahnstrecken, die hier die Verbindung zwischen der Westbahn und der Region herstellten bzw. herstellen. Die Zweite, die Haager Lies, ist leider im Zuge des Ausbaus der ÖBB Linie verschwunden. Legendär durch ihre Betriebsführung mit Umrichterwagen mit Eigenantrieb zum Rangieren, die es erst ermöglichten, dass die mit 750 V Gleichstrom betriebenen Triebwagen und Loks nach der Einfädlung in die Westbahn überhaupt den Bahnhof Lambach erreichen konnten. Ende der 1980er Jahre wurden schließlich sogar noch zwei vierachsige Zweisystemtriebwagen beschafft.
Die mit Gleichstrom 750V elektrifizierte und von Stern & Hafferl betriebene Haager Lies benutzte bis zum Abzweig Neukirchen bei Lambach die Westbahn der ÖBB. Als diese 1948 elektrifiziert wurde, hatte man ein Problem, konnten doch die kleinen Triebwagen nicht mehr aus eigener Kraft bis in den Bahnhof Lambach kommen. Um hier Abhilfe zu schaffen und die Zwischenlösung mit einer Dampfbespannung auf diesem Abschnitt abzulösen, baute die Werkstatt in Vorchdorf 1950 zwei Güterwagen zu Gleichrichterwagen um, die sogar einen eigenen Antrieb mit 44 kW aufwiesen, um eigenständig rangieren zu können. Triebwagen 22.105 steht zusammen mit EGL 25.051 im Bahnhof von Lambach bereit, um wenig später in Richtung Haag aufzubrechen. Während der 1921 von der Grazer Waggonfabrik gebaute Triebwagen abgebügelt ist, werden seine Motoren über den Gleichrichterwagen versorgt. Den Triebwagen gibt es übrigens auch noch 40 Jahre später, als Nostalgiefahrzeug auf der Vorchdorfer Bahn.Aber wieder zurück zur Vorchdorfer Bahn, auf der aus Sicht des Nostalgikers, die Welt noch ein kleinbisschen in Ordnung ist. Werden doch auf dieser eigentlich 14,7 km langen Strecke im Personenverkehr ausschließlich Triebwagen und Triebzüge aus den 50ern des letzten Jahrhunderts eingesetzt.
Warum „eigentlich“ 14,7 km? Naja, ganz einfach, der erste 3,8 km lange Abschnitt bis Stadl-Paura gehört zur Linie Lambach – Gmunden der ÖBB und somit nicht zur Infrastruktur von Stern & Haferl.
Im Gegensatz zum Nostalgiefan nicht ganz so glücklich mit dem Fahrzeugeinsatz dürfte der Betreiber sein. Nein, nicht weil man etwas gegen altes Rollmaterial hätte. Schließlich basierte lange Zeit die Philosophy von StH darauf, mit Gebrauchtfahrzeugen anderer Bahnen oder Veteranen aus dem eigenen Bestand so günstig wie möglich zu produzieren. Das Jahr 2025 war nur ein rabenschwarzes, was das Thema Unfälle anging. Nacheinander wurden die vier, ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen stammenden, Planfahrzeuge durch Zusammenstöße außer Gefecht gesetzt.
Da erst durch Neuanlieferung moderneres Fahrzeugmaterial frei wird für die Linie, behalf man sich, in guter Firmentradition, mit Altmaterial und verschob die beiden „Grazer“ auf die Vorchdorfbahn, um dort die beiden „Extertaler“ und die beiden „Kölner“ adäquat zu ersetzen.
Grund genug, nun endlich, nach ewigen Zeiten, die kleine Bahn mal wieder zu besuchen.
Ich bin ehrlich, früh aufstehen ist mittlerweile nicht mehr so mein Ding. Eine nun eher hinderliche Eigenschaft, wenn man Eisenbahnfotografie betreibt. Was waren das noch für Zeiten, als man um Vier Uhr morgens aus den Federn sprang und noch unter Sternenhimmel zu exotischen Zielen aufgebrochen ist. Heute verpasse ich die morgendlichen HVZ, selbst wenn ich direkt an den Gleisen schlafe.
Na, ganz so schlimm ist es nun auch nicht, aber es ist schon eine humane Zeit, als ich an diesem deutschlandweiten Feiertag, dem 3. Oktober 2025, die Haustüre verlasse. Die Fahrt ist recht ereignislos, bis mich, schon im „tiefsten“ Oberösterreich, eine Straßensperre überrascht, garniert mit einer Umleitung deren Hinweisschild sinngemäß aussagt „fahr zurück, wo du hergekommen bist, was willst du eigentlich hier!“. Also natürlich nicht zurück nach Deutschland, aber halt eben auf der Hauptstraße, auf der ich laut Naviführung gekommen bin. Und da ich für diese paar Stunden keine Autobahnvignette erworben habe, geht es frei Schnauze, mit eingeschaltetem Spürsinn, einfach wild über die Dörfer. Dem Motto entsprechend, die grobe Richtung sollte schon stimmen.
Als ich dann, nach fast zweieinhalb Stunden Sonnenfahrt, in eine dichte Nebelwand eintauche, bin ich mir sicher, gleich bin ich am Ziel. In Stadl-Paura zwecks rund um Blick angekommen, stimmt mein Zeitmanagement, wenn überhaupt vorhanden, hinten und vorne nicht mehr. Und während ist mich, angesichts der Kälte noch im Fahrzeug sitzend, versuche mich mittels Handys mit den nächsten An- und Abfahrtszeiten vertraut zu machen, klappert es draußen ganz leise, aber vernehmlich. Kamera geschnappt, die natürlich noch fest verstaut im Rucksack weilt und ausgeschalten ist, und zum Sandbahnsteig gesprintet. Schon klackt es und leise summen die Gleichstrom Motoren los. Schnell zwei Notschüsse mit intuitiv falsch gewählter Belichtung, und die erste Begegnung mit der Lokalbahn ist Geschichte. Na gut, die kommt ja wieder. Ein kurzer Morgengruß an die Fahrdienstleiterin, die an die Gleise getreten ist, täuscht es oder schmunzelt sie leicht belustigt, als sie meinen Gruß erwidert, dann sitze ich schon wieder geborgen von Blech auf meiner Heizung. Frage wohin und wann.
Mist mit dem Wetter, die Brühe ist voll dicht und es ist saudunkel. Also, irgendwo nahe ans Gleis und wenn möglich, die Herbststimmung schön mit einfangen. Gleich vor Bad Wimsbach werde ich an einem Bahnübergang fündig. Und nachdem ich dem Postboten zweimal mit meinem abgestellten Fahrzeug etwas im Weg stand, ein Problem was dieser mit jeweils elegantem Schwung aber kommentarlos meisterte, klackert und pfeift es auch schon von oberhalb. Mist, gerade jetzt beginnt sich der Nebel leicht zu heben und in Sekunden wird aus mystisch Grau, gesichtsloses schmutzig Graubraun. Aber egal, ich bin ja nicht zum Spaß hier.
Noch hat sich der Herbstnebel nicht ganz gelichtet, als der 74-jährige ET 22.107 als R 8217 von Lambach nach Vorchdorf unterwegs ist.Noch während ich einpacke, zeichnet sich über mir die helle Sonnenscheibe immer stärker ab und in Richtung Süden, zu den Bergen hin, sind schon mehr und mehr blaue Felder zu sehen. Also auf und für den Gegenzug aufgestellt.
Ich versuche es wieder intuitiv, was diesmal ordentlich schief geht. Einmal auf der richtigen Straße, drehe ich kurzentschlossen um, nur um wenig später zu merken, ääh, hätte vorhin doch gepasst. Ergebnis der Trödelei, ich kann den Zug zurück nach Lambach zwar schön dabei beobachten, wie er durch die Felder rollt, aber eben auch nur beobachten. Ist aber nicht so schlimm, schließlich fährt mir der Triebwagen heute wohl noch öfter vor die Linse und zudem passt das Licht hier auf dem Streckenabschnitt aktuell so gar nicht. Dafür aber bestimmt im Bahnhof von Stadl-Paura. Vorher noch ein Zwischenstopp im Spar Markt, plagt mich doch der Hunger aus unerfindlichen Gründen schon seit ner guten Stunde.
Versehen mit stärkenden Speisen, auf einem netten Abstellplatz an der Ausfahrt des kleinen Abzweigbahnhof, mit Kirche und Holzverladung als Hintergrund und in der wärmenden Sonne ….. ein perfekter Lokalbahn Moment.
Diesmal gibt sich ET 22.106 die Ehre. Im Gegensatz zum Schwesterfahrzeug ET 22.107, besitzt er, neben dem Scheren- auch einen Einholmstromabnehmer, und ist so schon von Weitem von diesem zu unterscheiden. Als R 8219 verlässt er den Abzweigbahnhof von Stadl-Paura. Im Hintergrund die von 1719-1720 erbaute, barocke Kalvarienbergkirche, die zum Benediktinerstift Lambach gehört.Kleiner Funfact. Woran erkennt man, dass der Bahnhof noch zur ÖBB gehört? An den Betonstrommasten, die hier ausschließlich die Gleichstromfahrleitung tragen, da die direkte Linie nach Gmunden nicht elektrifiziert ist. Ansonsten sieht man an der Strecke der StH nur die typischen Holzmasten. O.k., kleine Einschränkung, der Endbahnhof Vorchdorf-Eggenberg ist auch mit Betonmasten versehen.
Ich will jetzt wieder an die Stelle von vorhin. Laut Karte müsste man dem Weg folgend an einen netten Fotopunkt kommen. Jepp, kommt man, aber die Sonne ist schon rum. Dafür sieht es so aus, als könne der Blick von gegenüber ganz schick sein. Komme ich aber nicht hin, da der Bahnübergang nur für Bauern ist und verriegelt. Also einmal außer herum. Vermutung bestätigt, aber die hier ist die Sonne noch nicht „da“? Steht irgendwie achsig zum Gleis. Also Plan B, den Bahnhof von Lambach erkunden.
Dort angekommen, gleich mal eine positive Überraschung, parken ist kostenlos. Also Rucksack geschnappt und zu den Stumpfgleisen gelaufen, an denen die Vorchdorfer Bahn endet. Hier hat sich, im Gegensatz zum restlichen Gelände wenig verändert. Niedrige Bahnsteige, keine elektronischen Anzeigen, ein massiver Betonblock als Prellbock für die beiden Gleise. Und genau dieser wurde am 19. Mai dem Extertalbahner ET 20.111 zum Verhängnis, als er, vermutlich aufgrund fehlerhafter Bremsen, nicht rechtzeitig zum Stehen kam und dort auflief. Bilanz, drei Verletzte und wohl der letzte Einsatztag des betagten Fahrzeugs.
Dieser Vorfall erklärt wohl auch, warum der jetzt einfahrende 22.107 die letzten Meter so langsam hereinschleicht.
ET 22.107 rollt als R 8220 auf eines der beiden Stumpfgleise der Vorchdorfer Bahn im Bahnhof Lambach.Während sich der Triebwagen der StH bereit macht, die nun zahlreich herbeiströmenden Schüler in ihre Heimatorte zu befördern, füllt sich auch der moderne Mittelbahnsteig der Hauptbahn. Der Blick auf den ausgehängten Fahrplan zeigt dann auch je einen Zug pro Richtung an, die demnächst hier einlaufen werden. Für mich gleich die Gelegenheit, alt und neu auf ein Bild zu bannen. Leider geht das in Kombination mit dem Betonblock nicht, also stell ich mich gleich schräg hinterhalb des Triebwagens auf.
Ganz im Hintergrund huscht in diesem Moment eine Westbahngarnitur vorbei. Ist doch der Bahnhof Lambach nach dem Ausbau der Westbahn nicht nur von der Haager Lies befreit, auch der Fernverkehr macht einen Bogen um die Station. Naja, richtigerweise muss man sagen, sie macht nicht mehr einen Bogen durch die Station, sondern führt mittels Tunnel nun direkt an ihr vorbei. So erreicht nur mehr der Regionalverkehr die Station, so wie der nun gerade eingefahrene Desiro ML, der sich, nachdem er etliche Schüler in sich aufgenommen hat, nun vorbei am ET 22.107 wieder in Bewegung gen Linz setzt.
Generationen liegen zwischen dem 74 Jahre alten ET 22.107 und dem als R 5061 nach Linz ausfahrenden 4744 044-0. Für den Veteran der StH geht es kurze Zeit später, mit etlichen Schülern an Bord, als R 8221 zurück nach Vorchdorf.Ich nutze das Zeitfenster und mache mich auf, wieder zurück nach Urharting. Dort dreht die Strecke recht stark, was schon einen Querschuss auf den Triebwagen ermöglicht.
Mit vernehmlichen Klackern der Schienenstöße ist ET 22.107 als R 8221 auf dem Weg nach Vorchdorf. Am rechten Bildrand ist noch die Ausgrabung der Villa Rustica erkennbar, Reste eines römischen Landhauses.Nun wird es lebhaft an der Lokalbahn, finden doch in den kommenden etwas mehr als 60 Minuten gleich 4 Zugfahrten statt, die beide im Einsatz befindliche Triebwagen gleichzeitig auf die Strecke bringen. Schuld ist ein um die Mittagszeit eingelegter Zwischentag. Es beginnt mit ET 22.106, der von weiten schon durch seinen einen, jetzt liegenden, Einholmstromabnehmer zu erkennen ist.
Gerade man eine halbe Stunde später rollt ET 22.107 als Zwischentakt heran. In Stadl-Paura gibt es dann die planmäßig Kreuzung mit dem zurückkommenden 106, der wenig später auch bei mir wieder vorbei kommt.
Für zusätzlichen Verkehr auf der Vorchdorfer Bahn sorgt ein um die Mittagszeit eingelegter Zwischentakt. ET 22.107 hat den Halt in Bad Wimsbach-Neydharting hinter sich gebracht. Nächster Halt für den R 8252 ist Stadl-Paura.
Auch für den Taktverstärker R 8253 geht es wieder zurück nach Vorchdorf. ET 22.107 ist bei Urharting auf dem Weg nach Süden.So, jetzt bin ich aber hier durch. Quasi alle Perspektiven aufgebraucht. Ne, nicht ganz richtig, eine gibt es noch. Die in die Gegenrichtung, mit den Bergen im Hintergrund. Dazu muss die Sonne aber noch ganz ordentlich drehen.
Und bis dahin? Na, schauen wir doch mal nach Vorchdorf, was dort so im Bahnhof geboten ist.
Bei meinem letzten Besuch stand da noch zweiachsiges aus längst vergangenen Zeiten, verteilt in einem malerischen Kleinbahnumfeld. Heutzutage zeigt sich die Anlage der Station und des danebenliegenden Depots genauso clean und aufgeräumt wie die sonstige Infrastruktur. Was gleichgeblieben ist, ist das Durchschnittalter der abgestellten Fahrzeuge. Damals, wie heute, aus einer ganz anderen Epoche, nur halt mit dem Abstand von 40 Jahren zwischen den beiden Besuchen. Dementsprechend sind die 70-jährigen heute aus den 50er Jahren und nicht mehr aus der Zeit rund um den 1. Weltkrieg.
Auf 80 Betriebsjahre kann Triebwagen 20.105 von Stern & Hafferl am 16.04.1988 schon zurückschauen, wurde er doch bereits 1908 von der Salzburger Eisenbahn und Tramway Gesellschaft in Dienst gestellt. Über die St & H Strecke Neumarkt-Kallham - Waizenkirchen - Peuerbach ist er schließlich auf der Linie Lambach - Vorchdorf gelandet. Im Bahnhof Vorchdorf steht er vor einem Rollwagen, beladen mit Be 4/4 9 der Baselland Transport AG (BLT).
Schon recht mitgenommen sieht 23.101 aus, der zusammen mit einem ehemaligen Schweizer Triebwagen in Vorchdorf auf der Seite steht. Kein Wunder, hat doch der Kleine, 1912 von GANZ und AEG erbaut, in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag gefeiert.Die heutigen Senioren stammen alle aus der Nachkriegs- bzw. Wirtschaftswunderzeit, gebaut in Österreich und Deutschland. Doch während die Veteranen von SGP wie gesehen noch munter zwischen Lambach und Vorchdorf pendeln, stehen die beiden deutschen Reihen, vom Rhein und aus dem Extertal kommend, unfallbedingt heute am Rand.
Etwas verschämt versteckt sich ET 20.111 hinter seinem Kollegen und verbirgt so den Unfallschaden, den er sich beim Aufprall am 19.05.2025 auf den Betonprellbock im Bahnhof Lambach zugezogen hat. Ob der 1953 von Westwaggon für die Extertalbahn gebaute Triebwagen nochmal aufgearbeitet wird und wieder in Dienst kommt, ist mehr als fraglich. Beim ehemals Kölner Triebzug besteht nach einer „aus Zwei mach Eins“ Aktion aber wieder Hoffnung.
Einsam steht ES 22.236 im Vorfeld des Bahnhofs Vorchdorf-Eggenberg. Seines Antriebsteil beraubt, das als Ersatz für den im Sommer des Jahres verunfallten ET 22.233 dient, wartet der Steuerwagen auf bessere Zeiten. Daneben der jetzige Museumtriebwagen, den wir weiter oben bereits, noch im aktiven Dienst und mit anderem Farbkleid, gesehen haben.
Trotz unterschiedler Optik und unterschiedlichen Lebensläufen haben die drei Fahrzeuge doch eins gemeinsam. Alle stammen aus den angehenden 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und sind somit zum Aufnahmezeitpunkt bereits mehr als 70 Jahre im Fahrgasteinsatz. Rechts im Hintergrund ET 20.111, gebaut 1953 von Westwaggon für die Extertalbahn. Im Vordergrund ES 22.233/ET 22.136, ebenfalls von Westwaggon gebaut und 1953 abgeliefert, die ihre Karriere bei der KFBE im Rheinland begonnen haben. Ganz links ET 22.107, einer aus einer 1950/51 von SGP gebauten Kleinserie von 5 Triebwagen für SLB und StH.Während sich im Normalspurbereich durchaus einige, wenn auch meist fuß lahme, Fahrzeuge tummeln, sieht es im Meterspurteil recht ausgekehrt aus. Nur ein alter Bekannter mit Schweizer Wurzeln gibt sich die Ehre. Auch er hat, einst zur Modernisierung des Betriebs durch Ablösung der Zweiteiler gekommen, seine besten Jahre hinter sich. Im Gegensatz zu seinen Regelspurkollegen hat ihn das Schicksal sogar noch härter getroffen, dient er doch mittlerweile nurmehr als Arbeits- oder Diensttriebwagen.
Ursprünglich als Be 4/4 8 bei der WSB (Wynental- und Suhrentalbahn) in der Schweiz tätig, kam der Triebwagen zur Traunseebahn, um hier den Fahrzeugpark "zu modernisieren". Mittlerweile haben schon seit 10 Jahren die Tramlink den Planverkehr übernommen und der Schweizer dient nur mehr als Arbeitstriebwagen.
Und auch hier ein Blick zurück. Be 4/4 8 noch unterwegs bei der WSB, aufgenommen am 11.09.1992 von Werner Ballon (Foto: Sammlung Peter Hürzeler).Da es, wie bereits gesagt, in Sachen Schmalspur nichts mehr weiter zu sehen gibt, geht der Blick nochmal hinüber zur „großen Eisenbahn“.
Aus Zwei mach Eins. Während ET 22.136 einen unerfreulichen Kontakt mit einem LKW hatte, entlief ET 22.133 am 31.Juli aufgrund nicht angezogener Feststellbremse im Bahnhof Vorchdorf und konnte erst in Stadl-Paura nur mit Hilfe eines gewollten Auflaufs auf ET 20.109 gestoppt werden. Um wenigstens wieder ein Reservefahrzeug zu den beiden ausgeliehenen Grazern zu haben, hat man kurzerhand den angetriebenen Teil des ET 22.136 und den Steuerwagenteil ES 22.133 zusammen gekuppelt. Im Hintergrund schaut noch die Nase eines Oberleitungstriebwagens hervor. Dieses urige Gefährt wurde von der ÖBB übernommen.
ET 22.107 steht im Normalspurteil des Bahnhofs Vorchdorf-Eggenberg bereit, wieder nach Lambach aufzubrechen. Im Vordergrund die beiden meterspurigen Gleise der Traunseebahn, auf denen gleich ein Tramlink einlaufen wird.Wenn ich ehrlich bin, ich bin kein großer Freund der modernen Straßenbahnzüge auf Nebenbahnen. Irgendwie passt es einfach nicht zusammen. Und doch hat diese Kombination auch einen gewissen Reiz. Und was soll’s? Wenn man schon mal da ist, dann kann man sich dem Ganzen auch etwas widmen. Extra herfahren würde ich dafür aber wirklich nicht. Also aufgestellt und die Ausfahrt des Tramlinks nach Gmunden.
Während auf der normalspurigen Vorchdorfer Bahn noch Altbaufahrzeuge mit 50er Jahre Charme den Alltag bestimmen, sind auf der meterspurigen Traunseebahn moderne Tramlink aus dem Hause Vossloh/Stadler unterwegs. Triebzug 121 bei der Ausfahrt in Richtung Gmunden.Gut, schon ein bisschen spannend, alt neben neu, Schmalspur neben Normalspur. Aber auch irgendwie steril, oder? Ich versuch es mal an der Strecke. Vielleicht wird es ja mit Landschaft und weitem Blick etwas besser.
Erstmal geht es parallel zur Bahn nach Süden. Und schon kommt wieder der Romantiker durch. Wie mag es gewesen sein, als die Straße noch eine richtige Landstraße war. Schmaler, ohne Leitplanken und mit Holzleitpfosten. Daneben die Schmalspurbahn, auf der alte Zweiachser mal links, mal rechts vom Teerband durch die grüne Landschaft schaukelten?
Zurück in der Realität ist sowohl Straße als auch Schiene modern und dadurch auch etwas steril. Gut für die Reisende, schlecht für den Romantiker.
Hinter dem Haltepunkt Laizing trennen sich dann Bahn und Hauptstraße. Vorher gibt es aber noch in Kirchham Sportplatz eine Kreuzung zu bewundern. Alle Zwischenstationen sind modern und sauber. Wie gesagt, gut für die Fahrgäste.
Am Ortsrand von Eisengattern ergibt sich dann er erste Landschaftsblick. Leider ist das Licht noch nicht rum, daher heißt es erstmal ein, zwei Takte abwarten.
Kurz vor Eisengattern ist Triebzug 130 als R 344 auf dem Weg zum Traunsee. Am linken Bildrand ist der Turm der alten Kirchhamer Pfarrkirche hl. Laurentius zu sehen, welche rund um das Jahr 1500 gebaut wurde.Ja ja, ich geb es ja gerne zu, auch bei dem Foto war das Seitenlicht erst rudimentär vorhanden. Aber nochmal wollte ich nicht warten, schließlich neigt sich so ein Oktobertag dann auch schnell dem Ende entgegen. Und ich hatte ja auch noch etwas vor.
Dafür ging es jetzt erstmal runter von der Hauptstraße und durch Eisengattern durch. Laut Karte dreht nämlich die Strecke nach Krottendorf zweimal um fast 90 Grad. Da wäre doch was mit Seitenlicht möglich.
Ortsausgang Krottendorf, huch, schöne Apfelbäumchen da links, über die Kuppe drüber und dabei die drei wandernden Damen nicht erschreckt, schon steh ich am Bahnübergang, ernüchtert und etwas angefressen.
Die Sache ist nämlich die, dass der Blick superschön ist, so mit den nahen Bergen im Hintergrund. Da könnte man auch die neuen Garnituren verschmerzen. Blöd nur, und das vermiest die Laune, dass die Sonne dafür an einem langen Hochsommerabend richtig steht, wenn überhaupt. Und mit Sonne im Rücken, hat man weder Hintergrund noch Blick auf die Strecke, weil eine kleine Erhebung alles abdeckt. Läuft ……
Aber Moment, wie war das gleich nochmal mit den Apfelbäumchen eben. Da sah es doch ganz nett aus. Und es wäre, mit etwas Nachsicht, auch eine Zweirichtungsstelle. Vorbei an den verwundert blickenden Wanderdamen geht es flugs zurück. In die Kurve gestellt und auf den ersten Zug gewartet. Der lässt nicht lange auf sich warten und wir artige, mit kaum sichtbaren Äpfelchen und ohne Berge im Hintergrund, abgelichtet.
Aus Gmunden kommend, schlängelt sich Triebzug 121 durch die Wiesen und Felder bei Krottendorf. Als R 344 hat er das Ziel Vorchdorf.Ja schade, vom leuchtend roten Obst ist kaum was zu sehen. In Natura kommt das besser. Mal schauen, vielleicht klappt es ja beim Gegenzug, der bald auftauchen müsste.
Etwas mehr Apfel, dafür etwas weniger Zug. Gut, einen Tod muss man sterben. Was ich ganz spannend finde, ich der Höhenunterschied zum Hintergrund, der sich aus der Blickrichtung ergibt. Innerhalb eines kurzen Abschnittes hat die Bahn ordentlich an Höhe gewonnen. Mal für die nächste Leistung noch etwas mehr nach rechts gehen, geht doch dann der Blick weit gegen Nordosten, bis zur Nebelbank, die über dem Donauraum steht.
Zum dritten Mal an diesem Tag passiert Triebzug 121, diesmal als R 349 nach Gmunden, den Fotografen.Also ich muss zugeben, beim letzten Bild stört mich die moderne Tram fast gar nicht mehr. Vielleicht ist es mit den Fahrzeugen nur so, wie mit bitterer Medizin. Man muss sie nur in etwas leckeres einwickeln, dann geht’s.
Ein Blick auf die Uhr und den Fahrplan mahnt mich zum Aufbruch, sollte ich mein letztes Motiv heute noch umsetzen wollen. Sonnenstand sollte jetzt gerade so passen und auch die Schatten dürften sich noch in erträglichem Rahmen halten ….. hoffe ich zumindest. Außerdem, so viel Variationsmöglichkeiten gibt es hier auf den rund 200 m nun auch nicht mehr.
Wieder am Aussichtpunkt in Unharting angekommen, gibt es positives und negatives. Gut ist, dass das Licht schon, wenn auch nicht perfekt, so zumindest passt. Schlecht, dass die Schatten im Vordergrund schon einmal quer durch Motiv gehen und recht dominant sind. Aber so ist das halt im Herbst und mit etwas Geschick, erzeugt es sogar noch eine Struktur im Bild. Recht viel mehr darf es aber nun nicht mehr werden.
Und so ziehen sich die Minuten, bis der Triebwagen auftaucht. Erst recht, da die Sonne am Horizont immer mehr Nebel und Schmodder entgegen sinkt. Aber es reicht und es ist, wenigstens nach meiner Meinung, gut. Nein sehr gut.
Zufrieden packe ich ein. Zurück geht es wieder über die Landstraße, inkl. Umfahrung der Straßensperre, die ich wieder elegant „frei Schnauze“ umrunde. Kurz kommt noch die Überlegung auf, an der heute Morgen gesichteten Stelle an der Hauptbahn nach Passau einen kurzen Stopp einzulegen. Aber irgendwie fehlt mir der Antrieb, sodass die Tatsache, dass sich bis dahin das Licht bereits weitestgehend verabschiedet hat, gut in die Karten spielt.
Via Innbrücke bei Schärding geht es zurück nach Deutschland. Diesmal aber rechtsrum in Richtung Passau und nicht links zur Autobahn. Auf der staut sich wieder alles kilometerlang vor dem Kontrollpunkt. Etwas, was ich nie verstehen werde. Nichts gegen die Kontrollen. Aber was bringen die, wenn man drei Kilometer weiter einfach so über die Grenze kommt.
Zügig geht’s jetzt heim, den Kopf voller Eindrücke und vielen wieder hervorgekommenen Erinnerungen an die gute, alte Zeit. War damals nicht einfach alles besser ……. ?





