Frankreich im Frühling 2025 / 1
Von Neel Bechtiger
31.03.2025 Schweiz – MaconHeute war vor allem einmal Reisetag. Wir starteten zu einer vernünftigen Zeit in Bern am Bahnhof. Der IC1 brachte uns bis zum Flughafen Genf. Die Fahrt war genau so unspektakulär wie auch immer wieder schön. Durch das Greyerzer Land, die Lavaux hinunter und dann mit ständigem Blick auf die französischen Alpen.
Am Flughafen Genf stoppten wir kurz im Migros und dann ging es auf zur Autovermietung. Das hat sich in den letzten Jahren bewährt – will man nach (Süd)Frankreich nimmt man das Auto am besten in Genf. So spart man sich die mühsame Fahrt durch die Schweiz … und wenn man kein Auto besitzt, muss man ja sowieso eins Mieten irgendwo. Den TER nach Lyon will man sich eigentlich nicht antun, da bietet sich der Flughafen einfach an. Aber Vorsicht, man sollte auf der Schweizer Seite eins mieten. Den Versuch dies (aus Kostengründen) auf der französischen Seite zu tun haben wir hinter uns. Dies machte dann eine Taxifahrt einmal um den Flughafen herum nötig, da man im Flughafen ohne Boardingpass nicht die Seite wechseln darf.
Das mag dann zwar, wenn das Auto in «Frankreich» viel günstiger ist immer noch kostenmässig aufgehen, aber der Aufwand ist es nicht wert. Aber günstiger war es sowieso nicht dieses Mal (nachschauen tut man dann doch jedes Mal :-).
Wir waren also in Genf, sassen im Auto und machten los. Wohin zum Beginn? Klar war noch gar nichts. Aber es war noch nicht ganz Mittag und das Wetter war prächtig. Prächtig vor allem um Macon, Lyon. Weiter in den Süden wollte man heute nicht. Weiter in den Westen übrigens auch nicht.
Aber ich hatte mal eine Idee, nämlich an der NBS nördlich von Lyon so im Bereich Macon gäbe es doch etwas. Die Strecke fährt da durch einen Hügelzug entlang der Ausläufer des Masiv Central. Und da gibt es ein paar Stellen.
Trotz eines kleinen dummen Missgeschicks an einer Autobahnkreuzung erreichten wir das Ziel bei Sologny zum richtigen Zeitpunkt. Die Sonne drehte gerade rein. Und dann gab es Bilder von der NBS. Der Verkehr da oben ist bunt, sehr bunt. Nebst den normalen SNCF InOui gibt es OUIGOS, es gibt die Lirya TGV (mit roten Triebköpfen), und es gibt auch noch die Frecciarossa von Trenitalia France. Damit man da etwas den Überblick behält bietet es sich an ein bisschen die speziellen Züge rauszuschreiben. Dazu nutzte ich die SNCF Voyageur App. Da ist alles drin, ausser die Freccias, die muss man sich in auf der Seite von Trenitalia rausfriemeln und dann ganz fest schätzen.
Was es auch noch gibt ist die Online Zugkarte in Frankreich, diese hier: https://mobility.portal.geops.io/ . Doch da ist irgendwie nicht jeder einzelne Zug drin, auch nicht jene von der SNCF. Über die App muss man die Bahnhofsabfrage nutzen (Ankünfte, Abfahrten), was auf der Strecke auch nicht sehr einfach ist, denn es gibt Züge die halten nicht überall … oder biegen plötzlich irgendwohin ab. Ja, nicht einfach.
Aber mit einem Plan in der Hand machten wir uns dann an den Nachmittag. Immer wechselnd zu den speziellen Zügen um Slogny, Flagy, Bonnay und Cortevaix. Die ganzen InOuis nimmt man dann als Beigemüse mit. Wobei man am besten da dann in der Voyageur App noch Ausschau nach den TGV Reseau hält, die sind mir auch ein beliebtes Fotomotiv.
1 – Willkommen in Frankreich. Wir sind an der NBS nördlich von Macon bei Slogny und schiessen uns warm. TGV InOui 6613 Paris Gare de Lyon - Lyon-Perrache
3 – Nicht nur die normalen InOui gibt es da, auch die Lirya in Richtung Genf gibt es zu sehen. TGV Lyria 9773 Paris Gare de Lyon - Geneve
5 – Nur ein Dorf weiter oben, bei Flagy die nächste Stelle. Wir eröffnen mit TGV InOui 6617 Lyon Gare de Lyon - Lyon Perrache
6 – Ouigo 7835 Lille Flanders (13:00) - Marseille Saint-Charles (17:46) - 4 3/4h für ca. 835km, kein schlechter Schnitt.
7 – Frecciarossa 6651 Paris Gare de Lyon - Lyon Perrache. Seit dem Markteintritt von Trenitalia in Frankreich gibt es neben den Internationalen Zügen von Paris nach Milano auch einige wenige innerfranzösische Verbindungen von Paris nach Lyon (und ab Sommer 2025 auch Paris - Marseilles).
9 – Nochmal ein paar Kilometer weiter nördlich bei Bonnay-Saint-Ythaire. TGV InOui 9830 Bruxelles-Midi - Marseille Saint-Charles
10 – Diese Dinger finde ich eigentlich fast am spannendsten. Reseau Triebköpfe mit Duplex Zwischenwagen. Was das für ein Zug war kriegte ich nicht mehr raus …
12 – Ein POS Triebkopf mit "Geschichte". Dieser Triebkopf hat am 03. April 2007 mit 574.8 km/h den Weltrekord für schienengebundene Fahrzeuge aufgestellt. Die spezielle Beklebung erinnert an diese Fahrt. Als der Zug durch war hiess es eilen. Da die Frecciarossa Fahrzeiten nur geschätzt sind und ich in nur 5min einen Zug aus Süden erwartete. Das hätte auch in die Hose gehen können, zum Glück war ein Blick in die Landschaft kaum 2min entfernt. Und gerade mit unserer Ankunft rauschte der rote Pfeil heran.
Die Brücke die man da sieht war das nächste Ziel. Die Fahrleitungsmasten stehen aber suboptimal und auch die Schatten wurden länger. Es blieb bei zwei Belegbilder.
Und jetzt ? Eine Idee fehlte, also stellten wir uns einfach nochmal auf die Brücke bei Flagy (Bilder 5/6/7/8).
21 – TGV InOui 6978 Annecy - Paris Gare de Lyon + InOui 9246 Milano Porta Garibaldi - Paris Gare de Lyon 01.04.2024 Macon – Villefranche-sur-Saõne
Die Nacht im Ibis Budget war gut. Also das Bett, alles andere war halt Budget. Ein offener kleiner Koffer verstopft das bisschen Bodenfläche neben dem Bett. Aber für 49€ die Nacht darf man einfach nicht sagen.
Heute war ein Hybridprogramm angesagt. Beginnend mit der Eisenbahn nördlich von Macon. Aber nicht der NBS wie gestern Abend, sondern mit der Bestandsstrecke. Es ist jene die von Dijon nach Macon, die Nord-Süd magistrale die später dann auch der Rohne folgt. Ein Grund an der Strecke noch etwas zu machen ist ganz einfach, es gibt TER Leistungen von Dijon nach Lyon die im Sommer noch mit lokbespannten Garnituren gefahren werden sollten. Die SNCF App bestätigte diese Vermutung, ein Teil der Züge mit 177XX Zugnummern ist nach der Wagenstandsanzeige mit Lok. Wo steht die Lok? Wenn es die gleichen Garnituren sind wie von Lyon nach Marseilles, dann im Süden. Oder sind es solche Garnituren wie sie nach Genf und Annecy fahren? Dann sind die Loks irgendwo, aber nicht konsequent auf einer Seite. Die App gibt über die Position der Lok leider keine Auskunft. Ich rechnete aber fix mit der Lok im Süden – die Garnituren sind länger als jene in den Osten von Lyon.
Wir starteten den Tag in einer Bäckerei fürs Frühstück und dann ging es nördlich von Macon zwischen Fleurville und Seonzan an die Strecke. Wir starteten an der Strassenbrücke Stain-Albain.
Für den ersten Lokbespannten Zug in unserem Zeitfenster mussten wir wechseln. Er fährt nach Norden und ein Nachschuss musste vom Gefühl her nicht sein – die Stelle machen wir dann mit dem nächsten Südfahrer. Also ging es zum nächsten Ort hinauf nach Fleurville
29 – SNCF Réseau (die Infrastruktursparte der SNCF) BB 675088 mit einer unbekannt gebliebenen BB 67400 mit einem kurzen Zug in Fleurville.
30 – TER 17756 Lyon Part-Dieu - Dijon bei Fleurville - leider "falsch rum. Das war aber wenig überraschend, die Loks auf der Relation sind üblicherweise auf der Südseite der Züge. Dann ging es für den südfahrenden TER nochmal auf die Brücke. Der kam dann aber … anders rum. Lok im Norden, Steuerwagen im Süden. Danke für nichts. Einen InOui warteten wir noch ab.
Es ist irgendwie faszinierend. Da steht man in Frankreich an «irgend einer Hauptstrecke» und was kommt, ein Internationaler TGV der einmal das ganze Land durchquert.
Da die Sonne auf der Brücke jetzt raus drehte ging es zurück nach Fleurville, da war noch lange Licht. Also standen wir uns da an verschiedenen Positionen mal die Beine in den Bauch.
34 – BB 27169 der SNCF (Société Nationale des Chemins de fer Français) zwischen Fleurville und Seonzan
37 – Es gibt auch TERs von Paris nach Lyon. Wer da jetzt aber denkt, dass das Rollmaterial dieser Langläufer spannender ist als anderes? Nö, wie wir hier sehen. TER 17769 Paris Gare de Lyon - Lyon Part Dieu mit Z 54335 bei Fleurville. Und jetzt? Eigentlich zog es uns von der Idee her mal langsam in Richtung Südwesten. Die Zielregion für die nächsten Tage nicht aus den Augen lassend. Und wenn man in die Richtung will fährt man ja an Tarare vorbei. Sacht euch nichts? Gut, tat es mir auch nicht ;).
Es ist an der Dieselstrecke von Lyon nach Westen (Saint-Germain-des-Fosses). Auf der Dieselbahn gibt es für eine Französische «Nebenbahn» einen relativ dichten Verkehr. Und nicht nur mit TER sondern auch mit IC’s. Natürlich nicht mehr Lokbespannt, diese Herrlichkeit endete vor ein paar Jahren. Aber die Bi-Modal Triebwagen, welche auf der Verbindung eingesetzt werden, gefallen mir durchaus. Und zwei davon gibt es am Nachmittag noch mit Licht.
In diesem ominösen Tarare gibt es eine riesige Brücke über das Tal des La Turdine. Und da wollte ich hin. Also setzten wir uns in Auto und fuhren die Stunde, an Lyon vorbei, nach Tarare. Direkt unter der Brücke gab es erst Kaffee in eine Bar um wieder wach zu werden und dann noch etwas zum Essen beim Lidl. Beladen mit den Einkäufen liefen wir südlich der Brücke in die Hänge hinein. Es war nach dem Luftbild gar nicht so einfach den richtigen Zugang zu finden. Es sei gesagt; man geht die ganze Sache von hinten am einfachsten an. Da gibt es auch so etwas wie ein Trampelpfad und nur ein Zaun muss über- oder unterquert werden.
42 – 3x X 73500 als TER 886612 Lyon Perrache - Roanne mit +5 auf dem 330m langen und 36m hohen "Viaduct de Tarare" (Baudatum 1866 - 1868)
44 – IC 4506 Lyon Perrache - Nantes mit einem "Coradia Liner" (B 85000) - so bezeichnet Alstom die IC Variante der Coradia Polyvalent
45 – Die gefällige Lackierung der AGC der Region, in blau, gab es auch noch. TER 875710 Clermont-Ferrand - Lyon Perrache Mehr konnte man von da oben gar nicht mehr bekommen. Also runter und rüber. Direkt am westlichen Brückenkopf sieht man einen Bahnübergang. Dieser war das Ziel. Da kann man gemütlich stehen.
Ein IC war noch fällig, Fahrtrichtung Lyon – also auf dem hinteren Gleis. Das ist für die Brücke immer das bessere Gleis. Es gibt auch noch eine Perspektive von weiter weg, die wollte ich noch ausprobieren. Wo der IC dann genau erlegt wird sollte nach dem nächsten TER entschieden werden.
Doch was war das? Wolken, viele davon. Es zeichnete sich ab, dass das nichts mehr wird mit Sonne hier, schon gar nicht für den IC. Sowieso war die Wetterprognose unsicher für die nächsten Tage und wechselte ständig. Morgen sollte es nun eigentlich so um Macon ganz ok schön sein, nicht aber westlich oder südlich davon. Übermorgen verschiebt sich die Sonne dann in Richtung Zentralmassiv. Also muss man nicht schon heute da hin fahren?
Wir hatten ja gerade erst 17:30 Uhr durch. Blieben noch zwei Stunden Licht, wenn denn Licht. Wir brachen das in den Hügeln ab, in Richtung Lyon sah es noch bedeutend blauer aus. Und dann übernachten wir doch auch im Speckgürtel von Lyon um dann morgen wieder zu schauen, was man machen soll.
Ein Versuch noch ein paar sonnige Minuten an der NBS nördlich von Lyon abzustauben scheiterte an der Wolkenfront die sich zwar massiv auflöste über der Ebene, aber nicht schnell genug. Die Sonne sank schneller und so zogen ein paar InOuis ohne Sonne vorbei, bevor wir das Ganze dann sein liessen. Das Hotel rufte.
Heute mal etwas edler, im B&B. Das kostet zwar gleich 69€, ist aber bedeutend besser! Und wir hatten die Spendierhosen an :-).






























