Unterwegs entlang der Seidenstrasse (4)

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Kirgistan gilt nicht unbedingt als DAS Eisenbahnland. Nichtsdestotrotz hat es einige Bahnstrecken dort. Aufgrund der Topografie ist der ganze Betrieb aber in ein Nord und ein Südnetz unterteilt, wobei letzteres auch noch mal zersplittert ist und die Strecken nur durch Usbekistan hindurch verbunden sind. Gebaut wurde das Netz durch die damalige Sowjetunion wie üblich vor Allem zum Transport von Bodenschätzen. Unser erster Kontakt mit Gleisen war gleich in Osh, wo wir am Ende der Stichstrecke einige Güterwagen abgestellt sahen. Auf unserer Reise nach Bishkek sahen/querten wir dann auch die weiteren Streckenäste des Südnetzes nach Dschalalabat und nach Taschkömür ohne aber auch nur ein rollendes Rad gesehen zu haben.
Zukünftig soll es dann aber auch im Süden mehr rollen. China hat im Rahmen der neuen Seidenstrasse Initiative zusammen mit Kirgistan und Usbekistan Ende letzten Jahres mit dem Bau einer Eisenbahn ab Kashgar in China via Grenze bei Torugart und von dort dann nach Dschalalabat und dann ins Usbekische Andijan. Sie soll bis ca. 2030 fertiggestellt sein. Angesichts der Topografie durchaus eine herausfordernde Sache...

Kurz vor Bishkek trafen wir dann auf das Nordnetz. Leider führen die Strassenverbindungen nicht direkt der Bahn entlang und so sahen wir zwar mal aus weiter ferne einen Güterzug rollen, mehr aber leider nicht. Bespannt war er von einer der neuen TE33A. Leider fuhr er in die falsche Richtung und so gab es auch kein Foto davon.
Im Nordnetz gäbe es sogar einzelne Personenzüge, doch wir waren nie irgendwo passend in der Nähe der Bahnstrecke. Unsere Reise führte uns schlussendlich in Richtung des Issyk-Kul, welchen wir anschliessend einmal umrundeten. Ab Jil-Aryk bis hoch nach Balyktschy - dem derzeitigen Endpunkt der Bahn - verkehren dabei Bahn und Strasse parallel durch das Tschüi Tal. In den Hochsommer Monaten gäbe es da auch einen täglichen Personenzug. Aktuell war aber nur sporadischer Güterverkehr zu erwarten. Wir erwarteten mal nichts und wurden dementsprechend auch nicht enttäuscht als nichts kam. Der Streckenabschnitt hätte aber einiges Potential.
Ab Balyktschy wird die Strecke derzeit durch die KGZ selber in Richtung Kotschkor und dann weiter nach Kara-Ketsche. Bei unserer Hinfahrt sahen wir entsprechende Bauarbeiten an der Strecke, jedoch kein rollendes Rad. Nach unserer Umrundung des Issyk-Kul schauten wir auf dem Rückweg in Richtung Bishkek sicherheitshalber mal noch im Bahnhof von Rybatsche (alter Name von Balyktschy) vorbei:

67- Der Bahnhof von Balyktschy ist immer noch mit dem früheren Namen Rybatsche des Ortes angeschrieben. Aktuell ist dies Endstation des nördlichen Netzes. Ab hier wird aber aktuell eine Linie in Richtung Kara-Ketsche gebaut.


In der Ferne sahen wir eine sich die Räder platt stehende Tamara, dazu standen auch viele Güterwagen herum. Betrieb gäbe es also. Das versicherte uns auch eine Stellwerker welchen wir ansprachen. Man fahre aber nach Bedarf und wann das sei wisse er nicht.
Wie wir da standen kamen plötzlich noch drei Sicherheitskräfte der Bahn auf uns zu. Ihr Interesse galt aber wohl eher einigen weiteren Touristen, welche auf inoffizielle Teile des Bahnhofsgeländes vorstiessen. Wir kamen aber auch ins Gespräch mit Ihnen und nach einem gemeinsamen Selfie kam dann so lapidar der Hinweis, dass vor etwa 30min ein Schotterzug in Richtung der Neubaustrecke weggefahren sei. Wir drei Bahnbegeisterte hatten Lunte gerochen. Mit Einverständnis unserer Frauen begann die Suche nach dem Zug. Zum Glück kannten wir schon einen Teil der Strecke und konnten so eine erste Einschätzung von Erfolgsaussichten einnehmen. Der erste Teil ab Balytschky war aber komplettes Neuland. Die Strecke ist aber immerhin auf Luftbildern auf Google Maps prinzipiell erkennbar und so konnte ich unsere Fahrer auch halbwegs passend lotsen. Immer möglichst in Sichtweite der Bahn ging es in Richtung Streckenende. Kurz nach der Hälfte der bisher gebauten Strecke trafen wir dann auf den Schotterzug. 2TE10W 4002 und 4672 schoben in langsamer Fahrt eine Schlange an beladenen Schotterwagen in Richtung derzeitiges Streckende.

68- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


69- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


Für uns ein gefundenes Fressen. Die langsame Fahrt erlaubte es uns den Zug alle 1-2km wieder zu fotografieren:

70- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


71- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


Unsere beiden Fahrer erhielten dabei einen Crashkurs in Sachne Railfanning. Sie fanden das Ganze spannend und amüsant und hatten durchaus auch ihren Spass daran. Während wir jeweils am Fotografieren waren, konnten unsere Railfanning erprobten Frauen unseren beiden Fahrern das Ganze erklären.

72- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


73- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


Im Bereich des Orto Tokoy Stausee war dann das derzeitige Streckenende erreicht. Der Zug stiess bis fast zum letzten Streckenmeter vor. Da hier Sicherheitskräfte der Bahn, sowie Baustellenpersonal vor Ort waren, holten wir kurz deren Ok ein, bevor wir uns auf dem Gelände bewegten. War schlussendlich alles kein Problem und die Eisenbahner zeigten durchaus Stolz ihr Werk. Es ging sogar soweit, dass Kollege Alessandro kurz auf die Lok durfte.

74- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


75- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


76- 2TE10W 4002 und 4672 mit einem Schotterzug auf der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


Die Eisenbahner begannen dann den Schotter abzuladen.

77- Schotterentlad am derzeitigen Streckenende der Neubaustrecke Balyktschy - Kotschkor (-Kara-Ketsche)


Nach einem letzten Bild begannen machten wir uns danach auf die Fahrt nach Bishkek, wo wir unsere beiden letzen Tage der Reise verbrachten.
Weitere Bahnbilder entstanden keine mehr.
Aus meiner Sicht bietet Kirgistan mittelfristig durchaus Potential für Eisenbahnferien. Wenn die Bahnstrecke nach Kotschkor / Kara-Ketsche eröffnet ist, wird es hoffentlich im Nordnetz etwas mehr Verkehr geben, besonders auf dem landschaftlich interessanten Abschnitt im Tschüi Tal. Und rein von der Topografie her könnte die China-Kirgistan-Usbekistan Eisenbahn auch im Süden für Fotomotive sorgen wenn sie dann eröffnet ist. Bis dahin ist es aber eher die Landschaft die einem nach Kirgistan lockt. Auch wenn jetzt hier nicht gezeigt - die hat definitiv sehr viel Potential für Sightseeing Ferien.

Damit endet dieser kurze Reisebericht in Ferne Gefilden. Trotz klarer Deklaration als Sightseeing-/Familienferien gab es doch das eine oder andere Bahnbild, welche ich euch nicht vorenthalten wollte.