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Schaut mal die Zwei! Sind das nicht He Fu Bao und Bai Ho Tsai? – Teil 12

Von

Jingpeng – Hohhot, 20.07.2016


Heute gilts! Da hilft kein Jammern und kein Flehen. Heute geht es nach Westen! Und nichts wird das Rudel diesmal davon abbringen! Warum? Na zum Einen wegen der Schlechtwetterfront, die sich von unserem guten Freund „Tiefdruckgebiet über dem Westen der Mongolei und Teilen Sibiriens“ abgelöst hat und nun unsere Region überqueren wird. Zum Anderen weil ein Teil der Gesellschaft unbedingt nach Osten will und Angst hat, die Zeit geht uns aus. Deshalb müssen wir nach Westen! O.k., alles klar! Oder? Äh! Wie jetzt? Nach Westen, weil in den Osten?!?

Na ist doch gaaaanz einfach! Wir wollen in den Westen von Beijing, an die „Luopoling-Strecke“ und die liegt bekanntlich im Osten, also wenn man davon ausgeht, wo wir uns jetzt gerade befinden. Also nicht direkt. Eigentlich liegt sie von uns südlich. Aber wir wollen einen Bogen fahren über die Strecke Richtung Hohhot. Und dann über Datong der Hauptbahn entlang wieder nach Osten, in den Westen von Beijing eben. Und weil das schlechte Wetter auch noch nach Osten unterwegs ist, von Westen her, wollen wir eben erstmal nach Westen, damit, wenn es in Richtung Osten zieht, es schnell über uns drüber ist, oder wir unten durch! Jetzt alles klar soweit? Na seht ihr! War doch jetzt gar nicht so schwer, oder?

Warum einige von uns so dringend und unumstößlich nach Luopoling wollen? Na wegen der Landschaft. Und wegen des zu erwartenden Verkehrs. Gut, ich wäre da durchaus zu Kompromissen bereit, wenn sich alternativ ein anderes Ziel auftun würde oder sich die Prioritäten verschieben. Aber wenn ich ehrlich bin, ich spekulier schon ein bisschen darauf, dass man dort noch auf 8K stoßen könnte. Und gegen ein Bild von diesen Maschinen hätte ich nun doch auch nichts.

Daher kommt auch kein großer Widerspruch meinerseits, auch wenn ich es gerne noch einen Tag mehr hier ausgehalten hätte. Vor allem die Strecke zwischen Daban und Chabuga hätte es mir schon nochmal angetan, war doch der Tag gestern eher, drücken wir es mal vorsichtig aus, semi-optimal. Da ginge schon noch deutlich mehr und auch deutlich schöner. Ja nu, vielleicht bei einem nächsten Mal dann.

Der morgendliche Blick aus unserem Fenster war nicht sehr erhellend. Und das lag nicht nur daran, dass das Licht ein bisschen fahl war, zu fahl für blauen Himmel und Sonnenschein, viel mehr war es die durch den Hang, auf den wir schauen durften, eingeschränkte Sicht. Genaueres verrät also erst der Blick nach oben, als wir, mal wieder beim Programmpunkt „sammeln bei den Fahrzeugen“ angelangt, die Köpfe in die Nacken legen und gen Himmel blicken können. Ergebnis: „Trüb, aber nicht dunkelgrau!“ Noch scheint das schlechte Wetter also auf sich warten zu lassen.

Routiniert spulen wir laden, zahlen, vom Acker machen, ab und rollen wenig später, mit einer Konsequenz die keinen Widerspruch zulässt, hinaus aus Jingpeng. Auch wenn heute keine Chance besteht eine Änderung im Tagesablauf herbei zu führen, Nil und ich lassen doch die Blicke beständig nach rechts schweifen, dorthin wo die Strecke läuft. Die Landschaft hat sich wieder leicht verändert. Sandig und leicht wellig ist es hier, mit teils nur spärlichem Bewuchs. Fast schon dünenhaft. Und wir sind uns einig, dass die Ecke auch auf den Merkzettel kommen muss. Generell ließe sich hier in der Region noch einiges an Zeit verbringen. Denn war die Linie über den Pass vor gut 10 Jahren noch allein auf weiter Flur, ist mittlerweile ein kleines Streckennetz entstanden, das es zu erkunden gälte. Lange haben wir daher auch gestern noch hin und her überlegt, ob wir diese Aufgabe nicht übernehmen sollten. Vielleicht würden wir ja auf Strecken stoßen, wo noch DF4B aktiv sind. Schon alleine diese Aussicht wäre ein Grund zum Verweilen. Aber letztendlich hat die Wettervorhersage entschieden. Dunkelbilder von Dieselstrecken haben wir schon genug diesen Urlaub. Da muss man das Archiv nicht auch noch zwanghaft mit Vorsatz zusätzlich damit füllen.

Während ich stoisch Kurs halte hat sich die Umgebung wieder etwas verändert. Grün und üppig wächst es an beiden Seiten der Straße. Die „Jitong“ ist zweigleisig und modernisiert. Brücken statt Bahnübergänge, Zäune und ausschließlich Lichtsignale. Eine zeitgemäße Magistrale eben. Noch schimmert das Licht durch die dünne Wolkendecke. Und da sich menschliche Bedürfnisse, Licht und Fahrplanlage gerade so ideal ergänzen, steuern wir, nach Konsultierung des Internets und Schätzung von Durchfahrtszeiten, eine der angebotenen, mit dem PKW gut erreichbaren, erhöhten Fotopositionen, genannt Brücke, an.





Der westliche Teil der Jitong Linie ist im Jahr 2016 bereits zweigleisig ausgebaut und modernisiert. DF4D 3332 ist an diesem Vormittag bei Bashiqingcun mit einem Schnellzug in Richtung Jining unterrwegs.







Nur gut 20 Minuten small talk sind nötig, dann ist auch der zweite Schnellzug da und im Kasten. Diesmal ist es DF4D 3329 die ihre Aufwartung macht. Am Haken hat sie den K2813 nach Hohhot.






Technischer Halt mit Eisenbahnbildern! Na, wenn das nicht mal wieder perfekt organisiert war. Eben typisch Blablabla-Tours! *grins* So befriedigt schwingt sich die Meute wieder in die chinesischen Qualitätsprodukte mit britischer Tarnmarke und rollt weiter in Richtung Jining/Ulanqap. Übrigens, es handelt sich dabei um ein und denselben Ort. Einfach nur anders benamst, je nachdem ob man die chinesische oder die mongolische Bezeichnung wählt.

Richtig doll geregnet muss es hier unlängst schon haben. Wenigstens könnte man dies in die diversen Überflutungen der Schnellstraße hineininterpretieren. Macht wenig Hoffnung auf weitere „Sonnenbilder“ am heutigen Tag. Und auch die Front aus dunkelgrauen, regenschweren Wolken der wir uns unaufhaltsam nähern macht nicht gerade Mut. Aber das haben wir ja schon gewusst.





Fehlplanung oder außergewöhnliche Regenmengen? Jedenfalls bietet die Schnellstraße nach Jining ein ausgesprochen üppiges Angebot an Möglichkeiten die Autofahrt kurzzeitig zu unterbrechen, um diversen Wassersportarten zu frönen.














Mittlerweile ist es dunkel geworden vor den Scheiben, grau, windig und nass! Damit ist unser Vorhaben uns nördlich von Ulanqab aufzustellen und ein bisschen auf Verkehr zu warten eigentlich hinfällig. Doch unsere Funkgeräte schwächeln und es ist dringend eine Absprache in Sachen „wie weiter“ notwendig. Also lotst uns Nil auf eine Wiese, gleich neben der Strecke. Gut, eigentlich sollte es nicht diese Wiese sondern eine nahe Brücke sein. Doch diese ist mittlerweile nicht mehr existent, der Straßenverlauf komplett anders und so bleibt eben nur Feldweg und Wiese. Typisch China eben! Was es auf der Straßenkarte gibt, muss in Wirklichkeit noch nicht oder schon längst nicht mehr da sein!

Aber Moment! Aufgeweichter Boden, durch und durch mit Wasser gesättigt? Und dann via Feldweg auf eine Wiese? Ob das so ein guter Plan ist? Ja mei, vielleicht nicht, aber es ist die einzige Stelle hier in der Ecke, die einigermaßen vernünftig aussieht. Und außerdem, wozu habe ich denn einen Beifahrer der mich aus dem Schmodder schiebt wenn’s schief geht?!?! *grins*

Der ist von diesem Gedanken irritierenderweise alles andere als angetan und droht mir Tod und Teufel an, sollten wir in der matschigen Senke die jetzt vor uns liegt steckenbleiben. Ach komm, nur weil wir mittlerweile unter Schrittgeschwindigkeit gefallen sind, mit querstehenden Reifen hin und her schlingern, dicke Dreckbatzen links und rechts aus den Radkästen werfen und es noch 15 m bis zum nächsten festen Schotterabschnitt sind, muss man doch hier nicht gleich die Flatter kriegen! *kicher* Macht doch voll Spaß die Sauerei! Nicht?

Während mein rechts außen einmal kräftig durchatmet , drehe ich am Ende der Senke elegant um, im Gesicht ein verträumtes Grinsen, und wir schauen auf Fahrzeug Zwei, wie es sich nun seinerseits durch die Pampe quält. Interessante Fahrspuren habe ich schon hinterlassen, muss ich feststellen. Ob die Anderen es schaffen? Wetten werden ab sofort angenommen! *grins* Logisch schaffen sie es und stehen wenige Augenblicke neben uns. Kann ich da in den Gesichtern so etwas wie Erleichterung entdecken? Warum eigentlich? Schließlich wären sie zu Dritt. Da hätten sogar zwei, knietief im Dreck stehend, schieben können. Zudem hätten Nil und ich uns auch nicht lumpen lassen und sie nach Kräften unterstützt! Ehrensache! Also mit rythmischem Anfeuern und so! Was hätte da noch schief gehen sollen. *zwinker*

Während wir nun, zum Grüppchen formiert, versuchen einen schlauen Plan für den Rest des Tages zu entwickeln, dabei elektronische Karten verschieben und das Ziehen der Wolken beobachten, geht der Blick auch immer wieder hin zur Strecke. Oder sollte ich besser sagen: zu den Strecken? Denn etwas nördlich von uns vereinigt sich die Linie vom Jingpeng Pass her mit der, die von der Grenze zur Mongolei her kommt. Sollte eigentlich rollen hier. Und kaum gedacht, brummt es auch schon mächtig. Wer sagt’s denn! Wenn es nur nicht so verdammt dunkel wäre.





Endlich mal Abwechslung! *grins* Gehören doch DF8B 5321 und 5609 im Gegensatz zu den Maschinen die wir die letzten drei Tage fotografiert haben, zum Park der Staatsbahn. Zusammen bringen die Beiden einen langen Leerzug von Norden her nach Jining/Ulanqap.






Gut, ein optisch war da jetzt kein großer Unterschied. Aber immerhin, der Statistiker in mir freut sich doch ein wenig. Kaum haben wir unsere Beratungen wieder aufgenommen, brummt es auch schon wieder. Diesmal ist es eine einzeln fahrende Maschine, die sich mit einer langen Schlange gedeckter Wagen auf den Weg hoch zur Grenze gemacht hat.





Staatsbahn DF8B 5479 auf dem Weg mit einem Güterzug in Richtung mongolischer Grenze.






Gut, ideales Fotowetter sieht nun anders aus. Aber wenn es einem schon geboten wird, sollte man auch abdrücken. Zudem kommt der bewölkte Himmel auf eigenartige Weise sogar ein bisschen nett rüber. Trotzdem, hier bleiben in Nässe und Finsternis ist nun keine Option. Wir stehen daher treu zu unserem Plan heute Abend noch Hohhot zu erreichen um dort zu nächtigen. So sollten wir unter der Schlechtwetterfront durch sein. Und wenn sich auf dem Weg dorthin doch noch die Sonne zeigt, etwas, wonach es jetzt im Moment überhaupt nicht aussieht, dann können wir uns vielleicht sogar an die Strecke stellen und das ein oder andere vernünftige Bild schießen.

Erst mal müssen wir aber dieses Jining oder Ulanqap oder wie auch immer umrunden. Eine Agglomeration die sich, in bester chinesischer Tradition, in alle Richtungen ausgedehnt hat, wie ein zerlaufener Pfannkuchen. Es gibt keinen eindeutigen Anfang und kein eindeutiges Ende. Man ist genauso schnell im Stadtgebiet, wie unversehens wieder auf dem Land. Unsere Karten helfen uns auch nur bedingt weiter, zeigen sie doch längst nicht alle Straßen bzw. wenn sie sie zeigen, dann nicht unbedingt so, wie sie in Wirklichkeit laufen. Aber auch kein Wunder, die elektronischen Helferlein sind bestimmt, also mindestens, wenn nicht sogar noch mehr, also ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich bin mir ganz sicher, also mindestens 2 Jahre alt. Oder so! Eine Zeitspanne in der in China ganze Millionenstädte entstehen.

So wundert es auch nicht, dass mein humanoides Navigationssystem kurzzeitig mal die Orientierung verliert und wir auf eine Vierspurigen Schnellstraße landen, die es so eigentlich gar nicht geben sollte und die uns garantiert in die völlig falsche Richtung führen wird. Also was tun? Der Straße trotzdem ins Herz der Stadt folgen und überraschen lassen, was einen da so erwartet? Äch, dafür haben wir, auch im Hinblick auf die bereits fortgeschrittene Tageszeit, nun absolut keinen Nerv! Es ist Zeit den kleinen Chinesen in mir auszupacken, landestypisch zu fahren und einen U-Turn aller erster Güte hinzulegen, über vier Fahrspuren! Hat’s jemand gesehen?

Zurück in der Spur umrunden wir Jining/Ulanqap zügig und stoßen im Westen der Stadt auf einige kreuzende Eisenbahnverbindungen. Nil, nun wieder ganz Herr der Lage, gibt eine kurze Erklärung welche Brücke zu welcher Strecke gehört, wir schauen im Vorbeifahren einem ankommenden CRH 5A zu, wie er langsam ins Zentrum rollt, dann lotst er mich über ein Gewirr von sich kreuzenden Autobahnen hinunter auf die Hauptstraße, die in einem offenen Tal der alten Strecke in Richtung Hohhot folgt. Böen schütteln immer wieder das Auto durch, zerreißen die Wolkendecke über uns zusehens und lassen immer mehr blaue Felder entstehen. Kaum zu glauben, aber wir haben streckenweise wieder Sonne. Ist es nicht schön wenn ein Plan funktioniert?

Müsste dann nur noch etwas rollen, so wie die babyblau-beige Ellok da unten, mit ihrem Güterzug! Von jetzt auf gleich habe ich Puls! Eine SS4G! Die sollen doch schon langsam in Richtung Abstellgleis rollen, schrieb zumindest unlängst einer, der in Sachen Eisenbahn öfter in China unterwegs ist, im Netz! Aber, aber, aber ….. wenn das jetzt eine der letzten war und wir die knapp verpasst haben! Und jetzt keine mehr kommt! Ich kreise aus!

Nil, den das erfahrungsgemäß jetzt nur weniger tangiert was da gerade fährt oder nicht mehr fahren könnte, muss still leidend meine Tiraden über sich ergehen lassen. Ändern kann er’s ja nun auch nicht, wenn’s so wäre. Aber die Aussicht einen nöhlenden Hofbauer neben sich zu haben, baut in gerade auch nicht auf. Trotzdem erfüllt er seine Navipflichten mit äußerster Korrektheit und leitet uns so an eine weite Kurve die gerade in diesem Moment im schönsten Licht liegt. Ob er dabei die Augen etwas himmelwärts verdreht wegen meines Redeschwalls kann ich nicht sagen. Ich muss ja auf die Straße kucken.

Am Rande einer kleinen Ansiedlung, die auf den Namen Sanchagou hört, parken wir unsere Autos. Rucksäcke geschultert und Lage gepeilt. Echt schöne große Kurve, mit den Feldern und Häusern im Hintergrund, und die Sonne steht auch noch richtig. Bleibt nur ein einziger Schönheitsfehler …… die SS4G ist gerade durch *uääääh* Ach nöööö! *grmbl* Geht das schon wieeeder los! Aus jetzt Schluss mit dem Rumgeheule! DEN Fehler mein ich nicht! Ich meine den anderen: Wir stehen auf der falschen Seite!

Problem! Denn eine Brücke oder so gibt es nicht. Und die ganze Strecke ist umgeben von einem Zaun der Sorte „massiv“. Zweimal über den zu klettern, um die Strecke zu überqueren scheint uns bei den ganzen interessierten Blicken die uns verfolgen nun nicht angebracht. Zudem müssten wir dann erst mal auf den, auf dieser Seite steilen Damm rauf. Alles keine Option! Aber vielleicht der Wasserdurchlass den wir entdecken. Ähnliches haben wir doch schon in der Mongolei angestellt. Da ging das auch prima! Und dass obwohl es in der Mitte des Weg verdammt dunkel war. So dunkel, dass man nicht gesehen hat wo man hin tritt. Und um mal ehrlich zu sein, man wollte es auch garnicht. Denn ob sprödes Knacken oder eine nachgebende, ehemals feste Masse, allein die Vorstellung was das gerade sein könnte war schon grausig genug.

Dieser Damm ist bei Weitem nicht so hoch, was bedeutet, dass er am Fuß auch deutlich weniger breit ist. Trotzdem, der Weg ist nicht angenehm. Nach nur wenigen Metern wird die Röhre immer niedriger. Nicht gut, wenn man eh schon, mit Rucksack auf dem Rücken nur mehr im Watschlgang unterwegs sein kann! So tief abgehockt, dass einem die eigenen Knie schon die Ohren verstopfen. Dabei aber immer bemüht, mit dem Hinterteil nur nicht an die stinkende Brühe und den Schmodder zu kommen, der das Ganze auch noch zu einer schmierigen Angelegenheit werden lässt. So geht es Stück für Stück weiter, so lange bis ich stecken bleibe. Gerade als ich schon glaube durch zu sein, geht gar nichts mehr. Nochmal werden nach unten die letzten mm raus geholt und oben am Rucksack gezerrt, dann bin ich frei. Und die Belohnung folgt auf dem Fuß, denn auf der anderen Seite wartet ein freies Schussfeld, Sonne und ….. eine SS4G!!!





Scheinwerfer an! Auftritt der SS4G 0622, die mit einem Leerzug gen Westen unterwegs ist.






Gubi, der sich erst mal etwas weiter hinten am Beginn des Einschnitts platziert hat, hat einen erstklassigen Gubler von der ganzen Szenerie angefertigt. *(Insider) grins*






15:42 Uhr Ortszeit und eine SS4G bei Sonne im Kasten! Mein Blutdruck nähert sich langsam wieder Normalwerten. Das macht doch schon mal den Tag rund, oder? Obwohl, es ist ja immer so, ein bisschen mehr könnte es schon sein. Also nicht das ich jetzt unverschämt werden wollen können möchte. Neeeiiiiin! Ich? Niemals! Aber gegen so eine zweite hätte ich dann doch nichts. Weil wer weiß, wann man…… Der Eisenbahnfotografengott scheint heute mit mir zu meinen. Kaum gedacht, schiebt sich der nächste babyblau-beige bespannte Zug in die Kurve. Und diesmal gleich mit zwei dieser Maschinen dran! Ich beginne leicht zu hyperventilieren! Nur jetzt vor lauter Euphorie nicht die Kamera verreißen!





SS4G 1075 schleppt nicht nur einen gemischten Güterzug nach Westen, auch SS4G 7002 läuft in diesem Verband mit.






Ganze sieben Minuten liegen zwischen den beiden Bildern! Ist das nicht phantastisch! Ich liebe dieses China und seine Eisenbahn. Schon will ich die Kamera sinken lassen, da fällt mein Blick auf das was am Schluss der Leine hängt. Also, Knipskasten wieder hoch.





Von einen ursprünglichen Maschinenkühlzug ist nur noch Maschinenwagen 7230371 B übrig geblieben. Anstatt der Kühlwagen versorgt er nun noch aufzuladende Kühlcontainer.






Zwei Züge binnen kürzester Zeit und dann auch noch mit der Bespannung! Hochgefühl macht sich breit, während wir uns in den böigen Wind stemmen, der kalt über die kahlen Hänge bläst und aus den tiefsten Tiefen der mongolischen Steppe zu kommen scheint. Gleichzeitig setzt aber auch eiskaltes Kalkül ein: „Was, wenn jetzt noch eine von diesen Maschinen kommt?“ *hmm* „Einmal solo, einmal im Doppel, jeweils mit unterschiedlichen Zügen. Das war schon etwas Abwechslung. Aber wie sollte jetzt die Dritte kommen, wenn sie denn käme?“ Also, ein anderer Standort muss her. Weiter oben, weiter weg, weiter Blick! Es darf geklettert werden.

Nein, nicht dass es mordssteil hoch gehen würde, da wo wir hinwollen, im Gegenteil es geht ganz kommod. Es ist viel mehr die Tatsache, dass man durch ein Labyrinth aus Felsen und Findlingen durch muss, um an die Stelle zu kommen. Und zu guter Letzt einen dieser Wackermänner dann auch noch besteigen. Aber wir sind ja geübt und so erlegen wir die nächste Leistung mit weitem Talblick, voila!





Mit einer Schlange von Containertragwagen im Schlepp legt sich HXD21121 bei Sanchgou in die Kurve.






Na is ja wieder typisch, nich waah! Kaum lobt man mal, schon schleifts. Haben wir doch tatsächlich eine halbe Stunde auf die nächste Leistung warten müssen, und dann kommt auch noch so ein moderner Drehstromhobel mit Franzosengenen. Musste das sein? *grins*

Fröhlich schwatzend klettern wir runter von unserem Stein, schlängeln uns durch das Gewirr der Felsen, alles im Geschwindschritt, ist doch der Tag noch durchaus sonnig, die Zeiger auf der Uhr aber schon recht weit. Aber a bisserl was geht immer, und so machen wir uns, nachdem wir das enge Loch unter dem Damm wieder durchquert haben, auf, die nächste Stelle zu suchen. Fündig werden wir nahe Dagedan. Zuvor mussten wir aber noch das „Städtchen“ Zhuozi durchqueren. Da gäb’s eigentlich auch den ein oder anderen Blick, nur mit stellen und Sonne war da nichts. Schade das!





Service am Kunden auf dem Weg nach Zhuozi. Unterbodenwäsche kombiniert mit biologischer Versiegelung des Selbigen.






Und so stehen wir denn dann wie geschrieben bei Dagedan, an einer auch sehr netten Tunnel-Brücke Kombination und freuen uns, dass es auch hier kurz nach unserer Ankunft rollt. Also, sagen wir mal so, wir würden uns freuen, wäre es nicht stockduster als SS4G 7042 mit einem Güterzug aus besagter Röhre und auf die Brücke poltert! Musste das jetzt sein? Gut, oben am Himmel schiebt sich Wolkenbank um Wolkebank durch, irgendwann musste es uns ja treffen. Kann man nun auch nicht ändern, halt nur schade um die SS4G. Um einen „Franzosen“ hätte es mir nicht so leidgetan. Aber Moment! Da kommt ja schon wieder Bewegung in die Sache, und zwar von links. Is jetz an sich a bisserle doof, denn das was von da kommt, kommt ziemlich aus dem Licht. Aber wenn sich’s rentiert, ein Querschuss geht im Zweifel immer. Und wie es rentiert!





SS4G 7050 rollt von Westen her kommend am malerisch drapierten Fotografengrüppchen vorbei.







Während ich munter abdrücke, der Nummernsammler eben, begnügen sich die anderen Fotografen mit Inaugenscheinnahme der vorbeirollenden Anhäufung von Stahl und Eisen. Doch nur kurz dauert ihre Passivität, taucht doch unmittelbar nachdem der letzte Wagen des Westfahrers im Tunnel verschwunden ist, eine Lokleerfahrt auf. Also, Apparate hoch, auch wenn’s nur ne Lz ist!





SS4G 7021, die als Lz unterwegs ist.






Und weil die Glühmurmel gerade gar so schönes weiches Licht vom Firmament strahlen lässt, gibt es gleich noch einen Querschuss hinterher.






Wer übrigens auf den beiden letzten Bildern genau hingeschaut hat, konnte im Hintergrund noch den alten Trassenverlauf sehen. Irgendwann in den 50er Jahren gebaut, verlief die Strecke nämlich ursprünglich eingleisig immer an der Wand lang, oder besser gesagt am Hang, entlang des Flusses. Mittlerweile wurde die Linie modernisiert, begradigt und zweigleisig ausgebaut. Flussbögen werden nicht mehr ausgefahren sondern jetzt die Hügel mittels Tunnel unterquert. Und wem dient diese bauliche Maßnahme größeren Umfangs? Richtig, fast zu 100% dem Güterverkehr. Personenzüge verirren sich nämlich, mit Ausnahme eines Bummlers hin und einem zurück, nicht auf diese Strecke. Die haben nämlich etwas Besseres! Eine noch schnurgeradere Trasse, die meist weiter oben gelegen, dass Tal mittels Tunnel und aufgeständerten Abschnitten durchmisst und die bei den meisten Bahnen dieser Welt dem Begriff „Schnellfahrstrecke“ alle Ehre machen würde. Man ahnt es aber schon, nicht so in China! Hier ist sie eigentlich nur für die ganzen schweren und konventionellen Schnellzüge da. Gut, aktuell darf sie auch noch als Fahrbahn für einige CRH5A Leistungen dienen. Aber nur übergangsweise und nur solange bis die Hochgeschwindigkeitsstrecke fertig ist, die noch etwas weiter oben gerade in die Landschaft gepflastert wird. Drei Linien, eine pro Zugart, in einem Tal. Sowas gibt es nur in China!

Lok ist durch, Fotos im Kasten, Hofbauer strahlt, schließlich schon die Maschinen vier und fünf dieser Reihe bei Sonne erlegt, doch rundherum will keine so rechte Freude aufkommen. Leises, sich steigerndes Murren setzt an. Die Erste im Dunkeln, die Zweite aus der falschen Richtung, die Dritte zwar bei Volllicht aus der richtigen Richtung, dafür nur Lz ….. Gut denkt sich der Fotografengott hoch oben, wenn es euch so hart ankommt, dann schicke ich halt nochmal was! Diesmal aus der richtigen Richtung und mit Sonne! Also fast! Denn ein bisschen Strafe muss sein wegen eures Klagegeheuls! Darum werf ich auch ein bisschen Schatten ins Motiv! So, aber dann ist jetzt Ruhe!!!





Jetzt aber! Fast Vollicht und mit Zug. Nur hinten hat sich ein kleiner Schatten eingeschmuggelt. SS4G 0600 mit einem Güterzug auf dem Weg nach Westen.






Gut, für so viel „Mimimi“ hat sich der ein oder andere die kleine Strafe von oben redlich verdient. Immerhin gab es in Summe schon Sonnenbilder satt, an diesem Tag, von dem wir aufgrund der Prognosen gedacht hatten, dass wir nicht ein einziges vernünftiges Foto zusammenbringen würden.

Blick auf die Uhr, schon kurz vor sechs. Und nach Hohhot ist es noch ein Stück. Da haben wir nämlich vorhin von unterwegs, wie geplant, das heutige Nachtlager gebucht. Auf der anderen Seite, hier rollt es gerade so schön. Und bei der Frequenz an Zügen ist die Wahrscheinlichkeit doch hoch, im jetzt wieder dichter werdenden Gewölk mal das ein oder andere Sonnenfenster zu erwischen, was dann bei einem „Franzosen“ eine Viertelstunde später dann auch fast klappt.






Abwechslung auf den Schienen. Diesmal ist die moderne HXD 21041 für die Traktion zuständig.







Kaum hat die 41 den Block freigemacht, kommt auch schon ihre Schwester HXD 21038 mit einem kurzen Güterzug hinterher.







Gut, jetzt haben wir’s gesehen. Noch ein Foto muss nun von der Stelle aus nicht sein. Dazu sind die Variationen an Standorten, Blickwinkeln und Fahrzeugen doch zu begrenzt. Zudem, dass mit dem Bergschatten, der sich von rechts ins Bild schiebt, wird tendenziell immer problematischer.

Also Abfahrt nach Hohhot oder noch eine Stelle für das allerletzte Licht suchen? Na, was denkt Ihr? Für was entscheiden wir uns? Für Gemütlichkeit und ein „schönes Abendessen“ oder für herumstehen bis gar nichts mehr geht? Bingo!

Also stellen wir uns nur wenig später einige Kilometer weiter nochmal auf. Und wenn auch die Sonne nun sehr tief steht und die immer dichter werdende Wolkendecke nurmehr sporadisch zu durchdringen vermag, die dann meist auftretende Theaterbeleuchtung rechtfertigt jede Minute.






Insgesamt 4 Lokfabriken waren am Bau und der Lieferung der Reihe SS4G beteiligt, wobei Ziyang Lokomotive nur ganze 2 Maschinen beisteuerte, welche im Jahr 2001 geliefert wurden. Mit SS4G 3001 passiert eine von beiden die Fotostelle am Ortsrand von Fusheng.







Während die Landschaft rund herum bereits im Schatten versunken ist, erhellt ein letzter Sonnenspot SS4G 7031.






*Taa’daaa!* Na da hat sich der hinausgezögerte Dienstschluss aber mal sowas von rentiert! Fröhlich schwatzen geht es zu den Autos. Die stehen nämlich etwas oberhalb. Ausrüstung verladen, auf die Sitze gewuchtet und hinein geht es in die chinesische Nacht. Während Nil mich zielgerichtet über Landstraßen in Richtung Autobahn lotst, schweifen meine Gedanken ab und lassen den heutigen Tag nochmal Revue passieren. Mehr Sonnenbilder als in den kühnsten Träumen gedacht hat‘s gegeben. Und jede Menge Eindrücke. Nämlich das der Doppelspurausbau der Jitong im Westen schon weit fortgeschritten ist, dass es auf der modernisierten Altstrecke zwischen Ulanqap und Hohhot ordentlich rollt, und dass die SS4G doch wohl gar nicht so auf dem absteigenden Ast sind, wie mach Chinakenner unlängst noch kolportiert hat. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, nimmt man die Anzahl der Maschinen als Maßstab, die uns heute in den wenigen Stunden passiert haben.

Ist letzteres nun gut oder schlecht? Gut, weil’s so einige Bilder geben wird am morgigen Tag, den wir auf alle Fälle wieder an dieser/n Strecke/n verbringen werden. Schlecht, weil wenn sie noch so häufig herumfahren, dann sind sie ja gar keine Seltenheit *heul* Ou Maaaan, nie ist der Mensch mit etwas zufrieden. *Augen verdreh*

Die Einfahrt in Hohhot ist easy. Wenig los auf den Straßen. Irgendwie bin ich enttäuscht. Warum? Weil so wenig Blechgedrängel um mich herum ist? Nein, bestimmt nicht. Der Stadtverkehrsjunkie in unserer Truppe ist mein gerade als Navigationssystem *da vorne links* fungierender Beifahrer. Ich mags lieber unbefestigt und staubig. Nein, ich hab mir nur von Hohhot etwas mehr erwartet, als das was wir auf dem Weg ins „Hotel“ zu sehen bekommen. Letzteres, also unser „Hotel“, stellt sich als sehr nüchtern gehaltene Übernachtungsmöglichkeit heraus, die den Charme einer Jugendherberge verströmt, nur in triest.

Gut, damit tut man demGganzen jetzt vielleicht auch Unrecht. Immerhin ist alles pikfein sauber und die Leitungen für die Heizung, die offen an den Wänden durchs ganze Zimmer führen, sind auch belebend gelb angemalt. Und wir sind ja auch nur zum Schlafen hier und nicht um uns in geschmackvollen Höhepunkten der chinesischen Innenarchitektur zu sulen.

Und da wir auch noch nichts gegessen haben und das böse Ührchen schon recht weit fortgeschritten ist, wird nur schnell das Schuhwerk gewechselt und schon schlurfen wir über anheimelndes Linoleum wieder hinaus, vorbei an diversen Automaten für Getränke und sonstigen Bedarf, raus auf die Straße und einige Häuser weiter hinein in die nächste Kneippe bzw. sorry, ins nächste Restaurant.

Dort wird die Horde Langnasen gleich in eine Nische verfrachtet. Schön ab ins Eck, sonst fällt bei diesem Anblick den anderen Gästen am Ende noch das Stäbchen aus der Hand.

Getränke und Speisen werden geordert und nochmal der Tag zerlegt. Und während der Biernachschub reibungslos klappt, kommt es beim Cola zu kommunikationsbedingen Stockungen in der Lieferkette. So sitzt denn einer von uns glatt vor leerem Teller und leerem Glas. Das mit dem Teller hat er selbst verschuldet, denn er hat erst gar nichts bestellt, kommt ihm doch, nach eigenem Bekunden, das chinesische Essen schon aus den Ohren wieder heraus. Das es nun auch nicht mit der, durch den hohen Zuckergehalt durchaus nahrhaften, Blubberbrause klappt, ist schon tragisch.

So sehen wir Gefahr in Verzug und uns genötigt, unverzüglich einzugreifen. Und siehe da, kaum dass seine vier Tischnachbarn, ihm ihre Schüsseln hinschiebend, sich wortgewaltig auf ihn stürzen, im Bestreben ihn zum Essen zu verleiten, greift er auch schon, zu Beginn zwar noch leicht verstört, dann aber immer beherzter zu. Und als dann ganz am Ende auch der Colafluss, wenn auch langsam und stockend, wieder in Fahrt kommt, scheint die Welt so gut wie in Ordnung zu sein.

Mit letzten Kräften geht’s zurück in die Unterkunft. Lang war der Tag und anstrengend. Jawohl! Anstrengend! Auch im Zwielicht Kilometer zu fressen kann einen ganz schön schlauchen. Ob als Wesen hinter dem Lenkrad oder auf dem Beifahrersitz, verdammt zur Tatenlosigkeit.

Schnell geduscht, ab ins Bett, dann umgedreht und eingeschlafen. Halt, erst aber noch die Ohrenstopfen rein. Hält den Straßenlärm draußen und die eruptiv hervorgebrachten Bärengeräusche meines Bettnachbarn fern.

Was wir morgen machen? *gähn* Lasst Euch überraschen! *augenverdreh* Nein, ihr wollt es jetzt erfahren? Ach meno! Die E-Pisten von heute stehen nochmal auf dem Plan. Hatte ich das nicht schon mal erwähnt? Und jetzt Ruhe! Ich will schlafen! Gute Nacht…..